Freitag, 25.11.2016: Wie die Faust aufs Auge

Abends, irgendwann nach neun – während ich warte, spüre ich wie mein Adrenalinpegel stetig steigt. Ich bin beim Training, Muay Thai – Thai Boxen. Das ein Verein so einen „exotischen“ Sport, in einer so kleinen Stadt anbietet hat schon viele meiner Bekanntschaften überrascht. Doch ich bin froh, dass es ihn gibt: Der Sport hilft mir abzuschalten, die Frustrationen meines Alltags zu verarbeiten und wenn es einmal Privat oder beruflich nicht voran geht, dann zumindest hier, auf den grauen Matten des länglichen Trainingsraums.
In einer Hand halte ich ein Paar zerschlissene Boxhandschuhe und beobachte wie vor mir gekämpft wird. Irgendwann musste es ja mal kommen, das Sparring, aber in diesem Moment fühle ich mich nicht so super wohl in meiner Haut. Der Sport macht mir Spaß, das Training, die Fitness, die Kombinationen aus Schlägen und Tritten immer und immer wieder einzuüben. Aber kämpfen? Das war wirklich noch nie mein Ding.
Trotzdem bin ich froh mich angemeldet zu haben. Die Jungs und Mädchen sind herzlich, der Trainer kümmert sich, ich fühle mich gut aufgehoben. Zwar spricht kaum jemand Deutsch oder Englisch, aber wer Bequemlichkeit sucht, findet sie selten an einem Ort wie hier. Plötzlich sind wir dran. Schnell streife ich mir Schienbeinschoner über, fixiere den Kopfschutz und ziehe die Handschuhe an. Ich bin nervös und das zeigt sich auch in meiner Performance. Ich kassiere einige Treffer, meine Maske verrutscht und ein Tritt trifft meinen Kopf. Und so schnell es auch begann, ist es auch schon wieder vorbei. Versöhnlich klopft mir mein Sparringpartner auf die Schulter und fragt, ob alles okay sei. Ich nicke außer Atem und bin froh über die Geste. Am nächsten Morgen entdecke ich dann ein blaues Auge im Spiegel, böse bin ich ihm aber sicher nicht, denn wie bei vielen Dingen hier, ist die Erfahrung, so anstrengend sie auch war, es allemal Wert.

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