Mittwoch, 05.10.2016: Der Coup

Der Plan grenzt, in Anbetracht des Alters seiner Vollstrecker_Innen, gerade zu an Genialität. Um ein Haar, hätte er funktioniert, bzw. funktionieren können.
Es ist Mittwoch, vermutlich gegen halb 11. Die Lehrerin verlässt für wenige Minuten den Raum und beauftragt mich damit, die Klasse im Blick zu halten. Kein Problem denke ich, „Was können 28 Vorschulkinder denn schon anrichten?“ – und unterschätze dabei immens das kriminelle Genie einiger Kinder. Ich lasse mich auf den Lehrerstuhl sinken und beobachte die Klasse. Es ist, ein wenig laut, doch nichts außergewöhnliches für eine Gruppe Vorschulkinder. Ein bisschen Wirrwarr und Chaos ist wohl unvermeidlich. Plötzlich kommen zwei Kinder auf mich zu und sprechen mich auf Rumänisch an. Ich konzentriere mich auf sie und versuche aus dem Kontext zu erschließen was sie sagen wollen; Fehler Nummer eins. Recht schnell errate ich, dass sie mir ein Wort beibringen wollen, eine Entwicklung die in der letzten Woche nicht unüblich ist. Langsam und vorsichtig wiederhole ich das Wort, ohne seine Bedeutung zu kennen (ich hoffe auf das beste). Doch just in dem Moment, spüre ich eine Bewegung hinter mir und drehe mich um. Julia hat den vorsichtig geplanten Moment der Ablenkung genutzt um sich hinter mich zu schleichen, und zu versuchen ihr rotes Spielzeug Auto vom Fensterbrett hinter dem Lehrerpult zu ergattern. Zu meinem Glück ist Julia etwa nur hüftgroß und das Pult ziemlich breit. Unsere Blicke treffen uns und sie beschließt schnell die Flucht zu ergreifen. Die anderen zwei Jungs, rennen ihr kichernd hinterher. Verblüfft schaue ich ihnen nach und sehe, wie alle drei mich aus der ersten Reihe heraus angrinsen. Ich versuche ihnen einen vielsagenden bösen Blick zuzuwerfen, doch muss selber lachen: Immerhin, der Plan war gar nicht mal so übel.

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