Freitag 23.09.2016

„Das mit den Kindern klappt immer besser“, stelle ich zufrieden fest, während ich mich aufrichte, um weiter die Hefte der Kinder der Vorschulklasse zu inspizieren. Heute Morgen wurde ich schon mehrfach mit einem „Guten Morgen Philip“ und einem Lächeln begrüßt, das war am Anfang definitiv noch nicht so. Beachtlich ist der Fortschritt vor allem, wenn man bedenkt, dass der deutsche Wortschatz der 5 bis 6-jährigen gerade einmal ein paar Wörter umfasst. Ich bewege mich weiter durch die Sitzreihen hindurch, an kleinen bunten Schultaschen und Miniatur-Winterjacken vorbei. Amalia ist wie immer besonders früh fertig und präsentiert mir, mit einem breiten Grinsen im Gesicht, stolz ihr Heft. Ich lobe sie, halb auf Deutsch, halb auf den paar Wörtern Rumänisch die ich kenne. Sie versteht, lacht und setzt sich mit strahlenden Augen zurück auf ihren Platz. Ich muss grinsen. Anfangs bin ich mit meinem Deutsch nur auf Unverständnis gestoßen. Wenn ich mich dann einmal zaghaft hinunter gekniet habe, um einem Kind etwas zu erklären, schauten hinter dem karierten DinA5 Heft oft nur zwei verängstigte Kinderaugen hervor. Das Eis ist heute gebrochen, zum Glück recht schnell. Ich erkläre weiterhin auf Deutsch, zeige, deute und gestikuliere dabei um meinen Punkt zu unterstreichen und treffe damit auf immer mehr Verständnis. Das macht mich glücklich und ein wenig stolz. Für mich gewinnen diese kleinen Momente, an einem Ort an dem mich sonst kaum jemand versteht, immer mehr an Relevanz – sie werden wertvoll. Auf dem Weg von der Arbeit nach Hause, am Wochenmarkt an der Brücke vorbei, summe ich noch immer leise das Lied, dass die Kinder üben: „Hast du heute schon Danke gesagt?“

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Zur Werkzeugleiste springen