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Que te vaya bien, Chile

In genau 7 Tagen sitze ich um diese Zeit schon im Flugzeug nach Deutschland. Dann heißt es chao Chile und hola Alemania. Hola Sommer, bzw. Aprilwetter, hola Familie, Freunde, Heimat.
Und chao Freunde, Familie, Heimat, Sommer im Winter.

Lustig, wenn ich mir überlege, dass ich die (fast) die gleiche Abschiedsprozedur durchmache, wie vor einigen Monaten in Deutschland, verabschieden von Freunden, Lieblingscafé, Lieblingsbar und dem Lieblingsrestaurant noch ein letztes Mal einen Besuch abstatten.
Wie sehr mir Santiago, meine Umgebung und mein Alltag mir ans Herz gewachsen sind, hab ich bis vor kurzem gar nicht so wahrgenommen. Zu groß ist die Vorfreude auf Zuhause gewesen, dass es mich fast vergessen lassen hat, was für eine schöne Zeit ich doch hatte – über Schulalltag, Freizeit, Streik, Winterferien. Was ich in diesen alles sehen und erleben durfte, kann ich kaum in einen Blogpost fassen. Angefangen mit einer 24-stündigen Busfahrt in die trockensten Wüste der Welt im Norden Chiles, über die größte Salzwüste der Welt in Bolivien, bis hin zu Zivilisation in der Großstadt über 3500m und Weltwundern in Peru. Wow.
Umso besser, dass ich die letzten Tage noch in vollen Zügen genießen kann – alles noch einmal mitnehmen, den Smog einatmen, in der Rush Hour Metro fahren. So sehr ich mich auf Dinge zuhause freue, folgende Dinge werde ich in Zukunft echt vermissen:

  • unsere WG-Family
  • meine Schüler – vielleicht nicht unbedingt alle von den (nicht nur gefühlt) 500, aber vor allem den B1 Kurs
  • meine liebsten Mädels & Jungs hier in Santiago
  • Sonntägliches Yoga
  • das Barrio Italia, absolutes Lieblingsviertel in Santiago
  • wie bereits gesagt: Metro fahren, so sehr ich es auch in Zeiten der Rush Hour verfluche, so sehr gibt es einem auch so ein ganz nettes Großstadtfeeling
  • Pisco, obwohl das so eine Hassliebe ist
  • chilenische Paltas (Avocados).
  • Die entspannte Stimmung im Lehrerzimmer und das Deutschlehrerinnenteam
  • meinen Schulweg, an dem ich immer einmal durch das Zentrum Santiagos latsche, vorbei an unzähligen Saftständen, Streetfood, Märkten, Musik, Menschen, Straßenhunden, mich an langsam gehenden Menschenmengen vorbei dränge, und vielleicht manchmal ein ganz kleines bisschen zu spät zum Unterricht komme
  • wo wir gerade dabei sind, eine entspannte Sicht auf Püntklichkeit, also bin ich eigentlich gar nicht zu spät
  • egal wo du bist, in maximal 2 Stunden bist du am Meer (#just200kmbreitesLandthings)
  • Herzliche Menschen, ein Küsschen rechts und ein como estái?
  • zu guter Letzt, Reggaeton überall und immer

     

  • worauf ich mich allerdings auch freue:
  • Deutsches Brot, what else
  • dass Geldautomaten auch am Wochenende und nach 18 Uhr geöffnet sind
  • dass man in Fußgängerzonen schneller gehen kann als 2km/h, ich hoffe ich hab das noch richtig in Erinnerung
  • frische Luft
  • Köln, Kölsch, Karneval
  • hoffentlich noch ein paar Sommertage/abende (am See)
  • Das klingt jetzt schon fast so, als hätte ich nur entspannt und wäre gereist – aber nein, ich habe natürlich auch was gelernt in den sechs Monaten Freiwilligendienst. Nicht nur über ein bisschen besser Spanisch (oder eher chilenisch), sondern auch über mich selbst, auch wenn ich immer noch nicht genau weiß, was ich studieren möchte. Ich bin in ganz andere Rollen geschlüpft, die der Lehrerin, der Ausländerin, der Neuen. Jede Einzelne hat mich etwas gelehrt – first of all: Deutsche Sprache, schwere Sprache. Ich kann es gar nicht oft genug betonen, wie oft ich mir gedacht habe: was soll das?
    Ganz unabhängig davon habe ich auch sehr viel Spaß am Unterrichten gefunden, aber andererseits auch gemerkt wie schwierig es sein kann. Respekt habe ich jetzt umso mehr vor den guten Lehrerinnen und Lehrern dieser Welt!
    Als „Ausländerin“ ständig Englische Antworten zu bekommen, obwohl du Spanisch redest, und zwar zumindest so, dass man es einigermaßen verstehen kann, kann schon frustrierend sein, obwohl es vom Gegenüber meistens ja nur nett gemeint ist. Trotzdem nehme ich für mich mit, mit Deutschlernenden viel Geduld zu haben und sie so gut es geht damit zu unterstützen.
    Zu guter Letzt natürlich auch typisch chilenische Kultur, die Zubereitung von Pisco Sour, in diesem Sinne, que te vaya bien Chile, te extrañaré!

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