Tanz aus dem April

Eigentlich sind wir gar nicht in den Mai getanzt, noch sind wir überhaupt so lange wach gewesen, oder haben uns „Tanz in den Mai“ ähnlichen Aktivitäten gewidmet. Vom April, einem wunderbaren Monat voller schöner Momente, Wochenendausflüge ans Meer, Kaffeepausen im Goethe-Institut beim Sprachkurs, interessanter und tiefgründiger Konversationen und voller neuer Bekanntschaften, haben wir uns trotzdem meiner Meinung nach ehrwürdig verabschiedet und den neuen Monat Mai willkommen gehießen.
Vergangenes Wochenende haben wir mal wieder genutzt, um die nähere Umgebung Santiagos weiter zu erkunden und natürlich um ans Meer zu fahren..Diesmal fiel unsere Wahl auf Pichilemu, einem kleinen Surferort am Meer, ca. 3 Stunden entfernt von Santiago. Tatsächlich gilt es wohl als die inoffizielle Surfhauptstadt Chiles, wir als Anfänger haben es trotzdem gewagt oder vielmehr versucht, der Kälte (18 Grad – ja, ich weiß, Luxusprobleme) zu trotzen und den fortgeschrittenen Surfern nachzuahmen. Ob das bei mir so geklappt hat, ist eine andere Sache haha, aber ich glaube ich spreche im Namen der gesamten Gruppe, wenn ich sage, dass es uns allen unglaublich Spaß gemacht hat. Wird also definitiv wiederholt.
Zu Beginn war das Wochenende sogar eher von Pech geprägt: pünktlich nach deutscher Zeit trafen wir uns um 9 Uhr am Busterminal, um frühst möglich einen Bus zu nehmen und aufzubrechen. Der Bus war dann leider voll, sodass wir knappe 3 Stunden auf den nächsten warten mussten. Das frühe Aufstehen war somit umsonst – aaaber, kein Grund, sich die Laune verderben zu lassen, es gibt schließlich nichts, was ein paar paltas nicht wieder gut machen könnten. So saßen wir am Terminal und aßen zum zweiten Frühstück unsere Avocadobrote, bis uns die nächste Unglücksnachricht ereilte. Unser airbnb wurde spontan gecancelt, warum genau verstehen wir bis heute nicht. Blöd, langes Wochenende, da könnte eine spontane Unterkunft schwierig werden. Aber, despacito, im Endeffekt findet sich hier doch irgendwie immer alles zusammen, sodass wir für die kommenden 2 Nächte in einem kleinen, aber doch ganz netten Hostel untergekommen sind.
Den Rest der Zeit dort haben wir größtenteils mit Cafés, Essen und Schlafen verbracht (Surfen oder es zumindest zu versuchen macht ganz schön müde). Gelohnt hat sich der Trip allein für die sogenannten Acai Bowls – für alle Unwissenden: ein echt leckerer und auch ziemlich teurer Spaß, handelt sich dabei um ein „Superfood“ aus Brasilien, ist quasi eine Art Smoothie und wird serviert mit Müsli, Nüssen und was man sonst eben noch so isst. Damit wir jetzt nicht jedes Wochenende drei Stunden fahren müssen, um ein solches Frühstück zu bekommen, müssen wir uns sowas jetzt in Santiago suchen. Wird es in einer 8 Mio Einwohner Großstadt ja auch irgendwo wohl geben.
Das vorherige Wochenende haben wir zuhause verbracht und nochmal genutzt, um die Stadt ein wenig besser kennenzulernen. Was es hier in vielen größeren Städten zu geben scheint, sind die sogenannten Free-Walking-Tours, 3-stündige Stadtführungen, meist geleitet von Studenten, die man am Ende der Tour mit einem Betrag seiner Wahl bezahlen kann. Eine ziemlich coole Sache, wir als mittlerweile schon fast richtige locals haben uns dann aber dazu entschieden, die weniger touristische Tour zu machen, vielleicht entdecken wir ja doch noch das ein oder andere.
Neben der Vega, einem riiiiesigen Obst- und Gemüsemarkt und dem Mercado Central, bekannt und beliebt für Fisch, haben wir noch einen Abstecher zum cementerio central gemacht, dem zentralen Friedhof Santiagos. Wären wir sonst wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen, war aber durchaus interessant und sehenswert, denn die Art und Weise, die Toten zu beerdigen und zu ehren, unterscheidet sich doch um Einiges zu der mir bekannten Art. Es ist wohl nicht selten, dass große Geburtstagspartys auf den Friedhöfen stattfinden, es wird getrunken, gegessen, Spaß gehabt. Klingt im ersten Moment womöglich etwas befremdlich, aber wenn man etwas drüber nachdenkt, ist der Gedanke dahinter doch ganz schön, dass man den Toten so quasi ehrt und am Leben behält.
Zudem haben wir noch viel über die Geschichte Allendes und Pinochets erfahren, was wir dieses Wochenende gleich im Museo de la Memoria vertieft haben. Ganz schön interessant, aber da gehe ich im nächsten Blogpost nochmal genauer drauf ein.
Hinterher haben wir auch noch einen Großeinkauf auf der Vega getätigt, da man dadurch doch einige pesos sparen kann, vor allem wenn man seinen eigenen „casero“ hat, das heißt, immer den gleichen Händler, der dir zum Beispiel Avocados verkauft. Dann kriegt man wohl Rabatt, ich will mir jetzt also auch einen casero suchen.
Das Ende des Sprachkurses haben wir vergangene Woche alle zusammen gefeiert: ein lustiger Abend mit ganz viel Palta, Pisco,Spanisch, und einer bunten Mischung an Deutsch, Französisch, Koreanisch und Portugisiesch. Besser hätte man es nicht machen können. Ich werde unsere internationale, bunt gemischte und grammatikfaule Gruppe echt vermissen.
Das WG-Leben hat sich ziemlich gut eingependelt. Es ist schön, wenn man abends von der Schule kommt, eigentlich direkt ins Bett fallen könnte, aber noch etwas zusammensitzt, isst, trinkt und den Tag Revue passieren lässt. Einen Putzplan haben wir jetzt sogar auch – Mama, sei stolz auf mich haha
Ende letzter Woche wurde in der Schule der Tag des Buches gefeiert. Die Schüler haben dafür klassenweise Stände mit ihrem Lieblingsbuch dekoriert, alles mit Liebe und Mühe gemacht, begleitet wurde das Fest von Musik, ziemlich vielen Menschen (auch mal Mädels, ungewohnt haha)
und guter Laune. Ein Schüler hat mir zur Feier des Tages ein Buch von Isabel Allende geschenkt, mal schauen, wann ich das ohne Wörterbuch einigermaßen verstehen kann.
Die B1-Kurse bringen mich selbst manchmal an meine Grenzen: ja, warum steht das Prädikat auf einmal vorne und nicht hinter dem Subjekt und warum heißt das so und nicht so und warum gibt es drei Wörter, die alle die gleiche Bedeutung haben? Mehr als Deutsche Sprache, schwere Sprache kann ich dann dazu auch nicht sagen.

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