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Kofferleben adé, WG olé

Wie die Überschrift schon vermuten lässt, sind wir mittlerweile endlich in unsere neue WG eingezogen. Nach einem Monat aus dem Koffer leben und ein Zimmer teilen, ist die Freude echt riesig. Noch nie habe ich mich so darüber gefreut, meinen Koffer auszupacken und mich ein wenig einzurichten – denn damit kommt auch so ein richtiges „Zuhausefeeling“ auf. Besser hätten wir es auch wirklich nicht treffen können. Wir leben zu viert zusammen, verstehen uns wirklich super, zentrale Lage, trotzdem ruhig, Blick auf den Park,  es herrscht eine unglaublich angenehme Atmosphäre, wunderschöne Zimmer, ich bin einfach glücklich. Ich fühle mich so wohl hier, dass ich auch einfach mal, nach einer so stressigen Woche wie der letzten, in Ruhe zuhause bleiben kann – und das ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben, weil wir unsere kostbare Zeit hier durch nichts tun „verplempern“. Ganz im Gegenteil, ich freue mich darauf, nach Hause zu kommen, noch gemütlich eine Tasse Kaffee zu trinken, interessante Gespräche auf spanisch und deutsch zu führen und unser WG-Leben zu genießen.
4 Wochen bin ich jetzt hier – bisher hätte es – abgesehen vom Arbeiten – auch ein längerer Urlaub sein können. Das Koffer auspacken, Bilder an die Wand hängen, der erste Großeinkauf – all das trägt dann doch dazu bei, dass ich mich hier heimisch fühle und langsam aber sicher doch realisiere, was ich hier eigentlich mache. Mit dem ganzen Realisieren habe ich sowieso ab und an meine Probleme: durch die heutigen sozialen Netzwerke bekomme ich natürlich auch hier viel von zuhause mit, auch die letzten Schultage des diesjährigen Abiturjahrganges. Dabei fühlt es sich für mich so an, als wär das Ganze erst gestern gewesen, und doch ist schon ein komplettes Jahr vergangen und ich bin hier am anderen Ende der Welt, in Santiago de Chile. Das vergangene Jahr, die vergangenen Wochen und Monate sind so schnell vergangen, ich frage mich, ob das auch hier so weitergehen wird. Wenn ja, muss ich wirklich jede einzelne Sekunde genießen und nutzen, es gibt sooo viel zu Sehen und Machen und Tun, da kriegt man es manchmal schon ein bisschen mit der Angst zu tun, dass die Liste an Dingen, die man noch vor hat noch unglaublich lang ist und der erste Monat schon wie im Flug vergangen ist.
Was ich in der letzten Zeit so getrieben habe, versuch ich dieses Mal wirklich kurz und knapp zusammenzufassen. Vorheriges Wochenende waren wir auf dem Lollapalooza – mein erstes Festival 🙂 War natürlich nicht ganz günstig, hat sich aber definitiv gelohnt. Und obwohl ich noch nie auf einem deutschen Festival war, hat mich dann doch sehr erstaunt, dass hier wohl auf jedem oder zumindest auf diesem Festival Alkoholverbot herrscht. Hat natürlich trotzdem Spaß gemacht, war sogar angenehm friedlich und an toller Atmosphäre hat es auch nicht gemangelt.
Am Montag hat dann unser verpflichtender Sprachkurs begonnen, den wir kulturweit-Freiwillige in Santiago im Goethe-Institut absolvieren. 3,5 Stunden pro Tag, 5 Tage die Woche ist schon nicht wenig, wie ich finde, auch nicht unbedingt , aber definitiv lohnenswert und auch überraschend spaßig und interessant. Was heißt überraschend, gerade beim Sprachkurs merke ich doch wieder, wie sehr ich es liebe, (Fremd)sprachen zu lernen, dazu kommt dann noch, dass wir eine kunterbunt gemischte Gruppe sind, alle aus unterschiedlichen Motiven hier in Santiago und auch aus allen möglichen Orten der Welt. Ziemlich cool.
Schulisch gesehen ist demnach nicht so viel neues passiert: aufgrund des Sprachkurses gehen wir weniger zur Schule, haben aber ab sofort sogenannte Zertifikatskurse, die in die Hände der Freiwillige gelegt werden. In solchen sollen die Schüler auf die Deutschzertifikate vorbereitet werden. Hier haben wir also mal ein bisschen mehr Verantwortung als im üblichen Unterricht, aber auch mehr oder weniger freie Hand und können uns mehr einbringen, Methoden ausprobieren, vielleicht krieg ich die Jungs ja doch irgendwann mal zu einer kleinen Theaterübung gebracht 😉
Natürlich könnte ich jetzt noch ewig weiter schreiben – aaaber ich wäre dann doch recht stolz auf mich, wenn das mit dem kürzer fassen auch mal klappen würde.
Also: ich freue mich auf die kommenden 3 Wochen Sprachkurs, die Zertifikatskurse an der Schule, auf noch schöne letzte Sommer- bzw erste Herbsttage, auf Ausflüge am Wochenende, spannende Erlebnisse und gemütliche Abende in unserer neuen WG. Was will man mehr?

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