Elefanten am Fuß und Pinguine in der Natur

 

Ja, die Überschrift sagt so ziemlich genau das aus, was ich in den letzten zwei Wochen so erlebt habe.
Die „Pinguine in der (freien) Natur“ waren für mich zumindest mitunter ein Highlight unseres wunderbaren Osterwochenendtrips.
Anders als in Deutschland hatten wir nur Karfreitag frei, Ostermontag mussten wir wieder zurück an die Arbeit und in den Sprachkurs. Trotzdem ließen wir uns es nicht nehmen, den extra freien Tag und somit das lange Wochenende zu nutzen, um einen kleinen Ausflug ans Meer zu machen. Ganz spontan, ganz meiner neuen super klasse spontanen Lebenseinstellung entsprechend, haben wir dann Donnerstagabend eine airbnb-Wohnung in Papudo, einem kleinen recht schicken Ort am Meer, gemietet.
3 volle Tage „Qualitytime“ wie man so schön sagt – von einem schon vielversprechenden Roadtrip, über einen Tag am Strand, Kochabende, Vino, Palta, Ruhe, Natur, Strandspaziergänge, frische Luft und eine kleine Wanderung, bei dir wir eben (auch wenn sie kaum erkennbar waren) Pinguine gesehen haben. Ich weiß gar nicht warum, man kennt viele Tiere ja aus dem Zoo, aber diese dann noch einmal in der freien Natur zu sehen, fasziniert mich jedes Mal aufs Neue. Naja, und Pinguine in Deutschland kriegt man dann ja doch nicht so oft zu sehen.
Bei der überaus erholsamen, wenn auch recht abenteuerlichen Wanderung von einem Küstenort zum nächsten, Cachagua bis hin nach Zapallar, haben wir neben den Pinguinen sogar noch Delfine entdeckt. Für mich war allein damit das Wochenende schon perfekt.
Meerluft atmen. Kraft tanken, Ruhe genießen. Tat wirklich gut.
Was es mit den Elefanten auf sich hat – ich habe mir letzte Woche mein erstes Tattoo stechen lassen, und das ist eben eine kleine Elefantenfamilie auf meinem Fuß. Auch recht spontan, obwohl ich schon lange mit dem Gedanken gespielt habe.
Richtige Pläne machen habe ich mir sowieso mehr oder weniger abgewöhnt. Funktioniert meistens eh nicht. Ist aber auch gar nicht so schlimm. Wir leben so Tag für Tag, versuchen alles mitzunehmen, gucken, wonach uns ist und worauf wir Lust haben. Wenns das ist, was wir geplant haben, umso besser, wenn nicht, dann auch nicht schlimm. Wie ich finde ist das eine ganz entspannte Art und Weise, das Leben zu leben.
Um noch ein paar Worte zu meiner eigentlichen Tätigkeit zu verlieren: viel verändert hat sich nicht, ich bin durch den Sprachkurs immer noch weniger in der Schule als sonst, habe aber diese Woche wieder die Zertifikatskurse übernommen. Die Jungs sind (zumindest noch) unglaublich motiviert, nett, interessiert und neugierig. Und auch ziemlich gut informiert und gebildet. Einige wollten wissen, ob es immer noch auffallend viele Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland gibt, oder ob es im heutigen Deutschland kaum noch welche gibt. Gar keine schlechte Frage, wie ich finde.
Der etwas fortgeschrittenere Kurs hat mich gebeten, ihm einen Zungenbrecher auf deutsch beizubringen. So kam es, dass den Rest der Stunde immer wieder „Fischers Fritze fischt frische Fische, frische Fische fischt fischers Fritze“ vor sich hin gemurmelt wurde. Natürlich hab auch ich dann einen spanischen Zungenbrecher mit auf den Weg bekommen, den kann ich nur nicht mehr so ganz wiedergeben. War irgendwas mit Tigern.
In jedem Fall ist der tägliche Switch von Lehrer zu Schüler und Schüler zu Lehrer für mich ziemlich spannend, und ich habe das Gefühl, noch geduldiger in der Rolle als Lehrerin zu werden. Ich kenne ja jetzt schließlich beide Seiten.
Eine andere Klasse, ich meine es war eine 7., wollte unbedingt wissen, welcher Fußballverein denn mein Lieblingsverein ist. Tja, gute Frage. Gestern war es mal Bayern München. Keine Sorge, ich habe versucht zu erklären, dass ich im Herzen Köln-Fan bin, nur leider kennt den FC hier keiner.
Letzte Woche, in einer anderen Klasse, war ich BVB-Fan. Hoffentlich tauschen die sich untereinander nicht aus. Ich hatte schon Probleme, als ich nach meinen Lieblingsspielern gefragt wurde, aber da konnte ich mich noch gut rausboxen. Wäre blöd, wenn irgendwann rauskommt, dass ich absolut gar keinen Plan habe von Fußball und auch keine Ahnung welche Mannschaft gerade gegen welche spielt und welche chilenische Fußballmannschaft denn meine Lieblingsmannschaft sei. Na gut, ich lass die Jungs mal in dem Glauben.
Ganz abgesehen von der Schule entwickle ich langsam aber sicher ein richtiges Selbstständigkeitsgefühl in Bezug auf alleine leben und wohnen. Wenn man abends nach Hause kommt, aber nichts zu Essen im Haus ist, weil keiner eingekauft hat, ich kaum was zum anziehen habe, weil ich nicht gewaschen habe und die Teller in der Küche sich langsam stapeln, dann merkt man: oh ja, Mama ist nicht da.
Klappt aber ganz gut, anstatt abends nur zu chillen, wird dann eben mal das Bad geputzt und Essen haben wir mittlerweile auch immer im Haus. Ich finde, da können wir wirklich stolz sein auf uns sein.
Ja, da musste ich das Tattoo mal in Szene setzen
 Pinguine, leider schwer erkennbar

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Kofferleben adé, WG olé

Wie die Überschrift schon vermuten lässt, sind wir mittlerweile endlich in unsere neue WG eingezogen. Nach einem Monat aus dem Koffer leben und ein Zimmer teilen, ist die Freude echt riesig. Noch nie habe ich mich so darüber gefreut, meinen Koffer auszupacken und mich ein wenig einzurichten – denn damit kommt auch so ein richtiges „Zuhausefeeling“ auf. Besser hätten wir es auch wirklich nicht treffen können. Wir leben zu viert zusammen, verstehen uns wirklich super, zentrale Lage, trotzdem ruhig, Blick auf den Park,  es herrscht eine unglaublich angenehme Atmosphäre, wunderschöne Zimmer, ich bin einfach glücklich. Ich fühle mich so wohl hier, dass ich auch einfach mal, nach einer so stressigen Woche wie der letzten, in Ruhe zuhause bleiben kann – und das ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben, weil wir unsere kostbare Zeit hier durch nichts tun „verplempern“. Ganz im Gegenteil, ich freue mich darauf, nach Hause zu kommen, noch gemütlich eine Tasse Kaffee zu trinken, interessante Gespräche auf spanisch und deutsch zu führen und unser WG-Leben zu genießen.
4 Wochen bin ich jetzt hier – bisher hätte es – abgesehen vom Arbeiten – auch ein längerer Urlaub sein können. Das Koffer auspacken, Bilder an die Wand hängen, der erste Großeinkauf – all das trägt dann doch dazu bei, dass ich mich hier heimisch fühle und langsam aber sicher doch realisiere, was ich hier eigentlich mache. Mit dem ganzen Realisieren habe ich sowieso ab und an meine Probleme: durch die heutigen sozialen Netzwerke bekomme ich natürlich auch hier viel von zuhause mit, auch die letzten Schultage des diesjährigen Abiturjahrganges. Dabei fühlt es sich für mich so an, als wär das Ganze erst gestern gewesen, und doch ist schon ein komplettes Jahr vergangen und ich bin hier am anderen Ende der Welt, in Santiago de Chile. Das vergangene Jahr, die vergangenen Wochen und Monate sind so schnell vergangen, ich frage mich, ob das auch hier so weitergehen wird. Wenn ja, muss ich wirklich jede einzelne Sekunde genießen und nutzen, es gibt sooo viel zu Sehen und Machen und Tun, da kriegt man es manchmal schon ein bisschen mit der Angst zu tun, dass die Liste an Dingen, die man noch vor hat noch unglaublich lang ist und der erste Monat schon wie im Flug vergangen ist.
Was ich in der letzten Zeit so getrieben habe, versuch ich dieses Mal wirklich kurz und knapp zusammenzufassen. Vorheriges Wochenende waren wir auf dem Lollapalooza – mein erstes Festival 🙂 War natürlich nicht ganz günstig, hat sich aber definitiv gelohnt. Und obwohl ich noch nie auf einem deutschen Festival war, hat mich dann doch sehr erstaunt, dass hier wohl auf jedem oder zumindest auf diesem Festival Alkoholverbot herrscht. Hat natürlich trotzdem Spaß gemacht, war sogar angenehm friedlich und an toller Atmosphäre hat es auch nicht gemangelt.
Am Montag hat dann unser verpflichtender Sprachkurs begonnen, den wir kulturweit-Freiwillige in Santiago im Goethe-Institut absolvieren. 3,5 Stunden pro Tag, 5 Tage die Woche ist schon nicht wenig, wie ich finde, auch nicht unbedingt , aber definitiv lohnenswert und auch überraschend spaßig und interessant. Was heißt überraschend, gerade beim Sprachkurs merke ich doch wieder, wie sehr ich es liebe, (Fremd)sprachen zu lernen, dazu kommt dann noch, dass wir eine kunterbunt gemischte Gruppe sind, alle aus unterschiedlichen Motiven hier in Santiago und auch aus allen möglichen Orten der Welt. Ziemlich cool.
Schulisch gesehen ist demnach nicht so viel neues passiert: aufgrund des Sprachkurses gehen wir weniger zur Schule, haben aber ab sofort sogenannte Zertifikatskurse, die in die Hände der Freiwillige gelegt werden. In solchen sollen die Schüler auf die Deutschzertifikate vorbereitet werden. Hier haben wir also mal ein bisschen mehr Verantwortung als im üblichen Unterricht, aber auch mehr oder weniger freie Hand und können uns mehr einbringen, Methoden ausprobieren, vielleicht krieg ich die Jungs ja doch irgendwann mal zu einer kleinen Theaterübung gebracht 😉
Natürlich könnte ich jetzt noch ewig weiter schreiben – aaaber ich wäre dann doch recht stolz auf mich, wenn das mit dem kürzer fassen auch mal klappen würde.
Also: ich freue mich auf die kommenden 3 Wochen Sprachkurs, die Zertifikatskurse an der Schule, auf noch schöne letzte Sommer- bzw erste Herbsttage, auf Ausflüge am Wochenende, spannende Erlebnisse und gemütliche Abende in unserer neuen WG. Was will man mehr?