Von Seeluft, Seelöwen und Smog

Wie zu erwarten ist seit dem letzten Blogeintrag wieder ziemlich viel passiert, ich habe mir aber fest vorgenommen, mich in Zukunft ein wenig kürzer zu fassen. Mal schauen, ob das so klappt.
Schulisch gesehen ist nicht viel passiert – abgesehen davon, dass wir heute zum Beispiel ganz spontan 2 Stunden früher Schluss hatten. Warum? Ein Fußballspiel ist der Grund, dann hört die Schule eben mal 2 Stunden früher auf. Hat ja eh keiner Lust mehr auf Unterricht dann. Ziemlich cool, vielleicht kann man sowas ja auch mal an meiner alten Schule vorschlagen.
Ansonsten fühle ich mich mittlerweile echt wohl an meiner Einsatzstelle: noch habe ich mich nicht verlaufen, ich erkenne ab und an auf den Gängen mal ein Gesicht wieder oder kann mir 1,2 Namen merken, werde von den Schülern als Ansprechperson wahrgenommen, die auch Fragen beantwortet und versucht zu helfen und habe einen festen Stundenplan. Alles in Allem also ziemlich positiv, ich bin mir noch unsicher, ob ich es jemals schaffe, mir die Namen der Jungs zu merken. Problematisch wirds vor allem, wenn ich jemanden dran nehmen soll – das geht ohne Namen dann ja theoretisch nur über Blickkontakt, dem natürlich dann nahezu alle geschickt ausweichen. Klar, würde ich auch machen, wenn mich eine deutsche Freiwillige nach irgendwelchen Fällen fragt oder ich Verben konjugieren soll. Tja, deutsche Sprache, schwere Sprache, das merke ich auch immer wieder hier. Vielleicht gehts mit Namensschildern und ein paar Wochen mehr Unterricht ja schon besser, ich hoffe es zumindest. Denn die armen Schüler immer mit „du“ anzusprechen und draufzuzeigen finde ich schon irgendwie doof.
Nach 2 Wochen viel Essen gehen, Kaffee trinken und was sonst eben so anfällt, fällt einem dann doch auf, wie teuer diese Stadt ist und woran man in Zukunft vielleicht sparen könnte. So kam es, dass wir uns die letzte Woche ausschließlich von CousCous ernährt haben, morgens, mittags, abends, am Kaffee konnten wir schließlich nicht sparen – wer mich kennt, weiß, dass ich egal ob in Deutschland oder sonst wo gerne viel zu viel in Kaffee investiere und die vielen Starbucks an jeder Ecke machen es mir dann doch nicht leichter, shame on me
Am Wochenende haben wir unseren ersten Ausflug gemacht, es ging mit dem Bus nach Valparaíso und Vina del Mar, zwei Städte am Meer ca. 2 Stunden Busfahrt entfernt. Valparaíso ist eine sehr kreative, künstlerische, schöne und auf der anderen Seite irgendwie auch echt heruntergekommene Hafenstadt, die als Tor zur Welt Chiles gilt oder galt. Ganz Touri-Like haben wir das Angebot einer free-walking-tour in Anspruch genommen, eine kostenfreie Stadtführung, die man am Ende mit Trinkgeld belohnen kann, meist von Studenten angeboten. Wie sich herausgestellt hat, war das eine ziemlich gute Idee, um einen Überblick von der Stadt zu gewinnen. Zumal wir uns inmitten der ganzen verwinkelten Gassen und Hügeln und Cerros definitiv nicht so einfach zurecht gefunden hätten. Dabei haben wir unter anderem ziemlich coole Streetart entdeckt, an jeder Ecke kann man was Neues entdecken und sehen, für Kunstliebhaber also definitiv ein Paradies 🙂 Bevor wir abends in unser Hostel zurückgekehrt sind und letztendlich auch todmüde ins Bett gefallen sind (am vorherigen Abend haben wir in Santiago noch das chilenische Nachtleben für uns entdeckt), haben wir die Stadt noch von einer anderen Seite, dem Wasser, kennen gelernt. Nach einigen Kommunikationsschwierigkeiten und Verhandeln ging es für uns aufs Boot, wo uns von einem sehr sehr netten Herrn viel erklärt wurde über den Hafen, Boote und wie das so alles funktioniert. Verstanden habe ich zwar nicht Alles, aber wenigstens wusste ich, wovon er ungefähr geredet hat. Das absolute Highlight waren für mich, ganz aus dem Nichts, Seelöwen, die auf einmal da waren und das auch ziemlich nah. Solche Tiere außerhalb von Zoos oder irgendwelchen Parks zu sehen, ist echt nochmal ein ganz anderes Erlebnis.
Auf der Busfahrt nachhause habe ich schon richtige Heimatsgefühle für Santiago entwickelt, irgendwie habe ich mich doch in diese Stadt voller Smog und schöner und hässlicher Häuser verliebt.

 

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