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Que te vaya bien, Chile

In genau 7 Tagen sitze ich um diese Zeit schon im Flugzeug nach Deutschland. Dann heißt es chao Chile und hola Alemania. Hola Sommer, bzw. Aprilwetter, hola Familie, Freunde, Heimat.
Und chao Freunde, Familie, Heimat, Sommer im Winter.

Lustig, wenn ich mir überlege, dass ich die (fast) die gleiche Abschiedsprozedur durchmache, wie vor einigen Monaten in Deutschland, verabschieden von Freunden, Lieblingscafé, Lieblingsbar und dem Lieblingsrestaurant noch ein letztes Mal einen Besuch abstatten.
Wie sehr mir Santiago, meine Umgebung und mein Alltag mir ans Herz gewachsen sind, hab ich bis vor kurzem gar nicht so wahrgenommen. Zu groß ist die Vorfreude auf Zuhause gewesen, dass es mich fast vergessen lassen hat, was für eine schöne Zeit ich doch hatte – über Schulalltag, Freizeit, Streik, Winterferien. Was ich in diesen alles sehen und erleben durfte, kann ich kaum in einen Blogpost fassen. Angefangen mit einer 24-stündigen Busfahrt in die trockensten Wüste der Welt im Norden Chiles, über die größte Salzwüste der Welt in Bolivien, bis hin zu Zivilisation in der Großstadt über 3500m und Weltwundern in Peru. Wow.
Umso besser, dass ich die letzten Tage noch in vollen Zügen genießen kann – alles noch einmal mitnehmen, den Smog einatmen, in der Rush Hour Metro fahren. So sehr ich mich auf Dinge zuhause freue, folgende Dinge werde ich in Zukunft echt vermissen:

  • unsere WG-Family
  • meine Schüler – vielleicht nicht unbedingt alle von den (nicht nur gefühlt) 500, aber vor allem den B1 Kurs
  • meine liebsten Mädels & Jungs hier in Santiago
  • Sonntägliches Yoga
  • das Barrio Italia, absolutes Lieblingsviertel in Santiago
  • wie bereits gesagt: Metro fahren, so sehr ich es auch in Zeiten der Rush Hour verfluche, so sehr gibt es einem auch so ein ganz nettes Großstadtfeeling
  • Pisco, obwohl das so eine Hassliebe ist
  • chilenische Paltas (Avocados).
  • Die entspannte Stimmung im Lehrerzimmer und das Deutschlehrerinnenteam
  • meinen Schulweg, an dem ich immer einmal durch das Zentrum Santiagos latsche, vorbei an unzähligen Saftständen, Streetfood, Märkten, Musik, Menschen, Straßenhunden, mich an langsam gehenden Menschenmengen vorbei dränge, und vielleicht manchmal ein ganz kleines bisschen zu spät zum Unterricht komme
  • wo wir gerade dabei sind, eine entspannte Sicht auf Püntklichkeit, also bin ich eigentlich gar nicht zu spät
  • egal wo du bist, in maximal 2 Stunden bist du am Meer (#just200kmbreitesLandthings)
  • Herzliche Menschen, ein Küsschen rechts und ein como estái?
  • zu guter Letzt, Reggaeton überall und immer

     

  • worauf ich mich allerdings auch freue:
  • Deutsches Brot, what else
  • dass Geldautomaten auch am Wochenende und nach 18 Uhr geöffnet sind
  • dass man in Fußgängerzonen schneller gehen kann als 2km/h, ich hoffe ich hab das noch richtig in Erinnerung
  • frische Luft
  • Köln, Kölsch, Karneval
  • hoffentlich noch ein paar Sommertage/abende (am See)
  • Das klingt jetzt schon fast so, als hätte ich nur entspannt und wäre gereist – aber nein, ich habe natürlich auch was gelernt in den sechs Monaten Freiwilligendienst. Nicht nur über ein bisschen besser Spanisch (oder eher chilenisch), sondern auch über mich selbst, auch wenn ich immer noch nicht genau weiß, was ich studieren möchte. Ich bin in ganz andere Rollen geschlüpft, die der Lehrerin, der Ausländerin, der Neuen. Jede Einzelne hat mich etwas gelehrt – first of all: Deutsche Sprache, schwere Sprache. Ich kann es gar nicht oft genug betonen, wie oft ich mir gedacht habe: was soll das?
    Ganz unabhängig davon habe ich auch sehr viel Spaß am Unterrichten gefunden, aber andererseits auch gemerkt wie schwierig es sein kann. Respekt habe ich jetzt umso mehr vor den guten Lehrerinnen und Lehrern dieser Welt!
    Als „Ausländerin“ ständig Englische Antworten zu bekommen, obwohl du Spanisch redest, und zwar zumindest so, dass man es einigermaßen verstehen kann, kann schon frustrierend sein, obwohl es vom Gegenüber meistens ja nur nett gemeint ist. Trotzdem nehme ich für mich mit, mit Deutschlernenden viel Geduld zu haben und sie so gut es geht damit zu unterstützen.
    Zu guter Letzt natürlich auch typisch chilenische Kultur, die Zubereitung von Pisco Sour, in diesem Sinne, que te vaya bien Chile, te extrañaré!

Zwischen Alltag & Abenteuer

Es ist Ende Mai, um die 13 Grad tagsüber, abends wird’s kalt und früh dunkel, die Blätter werden langsam rot, gelb, orange und das gemütliche warme Bett wird immer attraktiver. Wobei warm Ansichtssache ist, Heizungen gibt es hier in der Regel keine. Da kanns im Haus auch schnell mal ganz schön frisch werden. Also, langsam, aber sicher wird’s Winter. Ich komm schon in Weihnachtsstimmung. Dass Weihnachten und Weihnachtsmarkt noch ein ganzes halbes Jahr hin ist, muss ich mir dann wohl doch immer wieder ins Gedächtnis rufen.
Tatsächlich bin ich eigentlich die absolute Herbstliebhaberin – auch hier genieße ich das herbstliche Wetter, schöne sonnige Herbsttage, Kaffee, und was sonst so für mich dazu gehört, in vollen Zügen. Allerdings fällt es sogar mir etwas schwer, nicht gleichzeitig auf das derzeitige Wetter in der Heimat neidisch zu werden. 30 Grad. Sonne, See, Eisdiele, Ausreiten. Ja, da kann einem an einem verregneten Tag hier doch auch mal ein kleiner Funke Heimweh ereilen. Wobei, Heimweh würde ichs noch nicht nennen, bei dem, was ich im Gegenzug dann doch alles hier erleben darf.

Wie man an der Häufigkeit der Blogeinträge vielleicht unschwer erkennen kann, ist langsam Alltag eingekehrt. Die letzten 3 Wochen bestanden wirklich mal aus Schule. So ein bisschen Alltag und auch mal nur Routine ist aber auch mal gar nicht so schlecht. Früher oder später kommt dann doch immer der Moment, und meistens wirklich unerwartet, in dem man dem Alltag wieder entflieht und es sich fast wieder wie Urlaub anfühlt. Oft sind es auch die kleinen Dinge, zum Beispiel früherer Unterrichtsschluss am Freitag, eine völlig neue Aufgabe in der Schule – geplant ist ein Deutschkurs für Lehrer oder einfach die Pause im Café im Barrio Lastarria. Der Alltag bietet immer wieder Neues, langweilig wird’s also nicht. Eine ganz gesunde Mischung, finde ich.

Dem Regenwetter, was übrigens meist zur Folge hat, dass es für eine kurze Zeit kein Wasser gibt, kann man wunderbar trotzen, indem man eins der zahlreichen Museen besucht, oder fleißig Projekte in der Schule plant. Genau das war unsere Beschäftigung letzte Woche: pünktlich zum Zwischenseminar haben wir uns unserer anfänglichen Projektidee, dem Fußballturnier, gewidmet und es etwas konkretisiert. Der Plan steht. Jetzt fehlt nur noch die Umsetzung, an die wir uns nach der kommenden Seminarwoche setzen werden.
Nach den eher trüben, tristen Tagen hat uns das Wochenende nochmal traumhaftes Wetter beschert, genau passend zu unserem Ausflug nach Cajón del Maipo, einer Schlucht in den Anden.
Dort haben wir wirklich wunder, wunderschöne Natur zu sehen bekommen und zudem mal wieder frische Luft atmen können, und das nur ca. 1 Stunde von Santiago entfernt. Schneebedeckte Berge, ein kristallklarer, tiefblauer Stausee in Mitten dieser, blauer Himmel, strahlender Sonnenschein. Action durfte natürlich auch nicht fehlen, also gings am Abend noch raften. Bei den abendlichen Temperaturen im Gebirge und Dämmerung gar nicht so ohne, hat sich aber definitiv gelohnt – oder wie man so schön sagt, valió la pena 🙂

Tanz aus dem April

Eigentlich sind wir gar nicht in den Mai getanzt, noch sind wir überhaupt so lange wach gewesen, oder haben uns „Tanz in den Mai“ ähnlichen Aktivitäten gewidmet. Vom April, einem wunderbaren Monat voller schöner Momente, Wochenendausflüge ans Meer, Kaffeepausen im Goethe-Institut beim Sprachkurs, interessanter und tiefgründiger Konversationen und voller neuer Bekanntschaften, haben wir uns trotzdem meiner Meinung nach ehrwürdig verabschiedet und den neuen Monat Mai willkommen gehießen.
Vergangenes Wochenende haben wir mal wieder genutzt, um die nähere Umgebung Santiagos weiter zu erkunden und natürlich um ans Meer zu fahren..Diesmal fiel unsere Wahl auf Pichilemu, einem kleinen Surferort am Meer, ca. 3 Stunden entfernt von Santiago. Tatsächlich gilt es wohl als die inoffizielle Surfhauptstadt Chiles, wir als Anfänger haben es trotzdem gewagt oder vielmehr versucht, der Kälte (18 Grad – ja, ich weiß, Luxusprobleme) zu trotzen und den fortgeschrittenen Surfern nachzuahmen. Ob das bei mir so geklappt hat, ist eine andere Sache haha, aber ich glaube ich spreche im Namen der gesamten Gruppe, wenn ich sage, dass es uns allen unglaublich Spaß gemacht hat. Wird also definitiv wiederholt.
Zu Beginn war das Wochenende sogar eher von Pech geprägt: pünktlich nach deutscher Zeit trafen wir uns um 9 Uhr am Busterminal, um frühst möglich einen Bus zu nehmen und aufzubrechen. Der Bus war dann leider voll, sodass wir knappe 3 Stunden auf den nächsten warten mussten. Das frühe Aufstehen war somit umsonst – aaaber, kein Grund, sich die Laune verderben zu lassen, es gibt schließlich nichts, was ein paar paltas nicht wieder gut machen könnten. So saßen wir am Terminal und aßen zum zweiten Frühstück unsere Avocadobrote, bis uns die nächste Unglücksnachricht ereilte. Unser airbnb wurde spontan gecancelt, warum genau verstehen wir bis heute nicht. Blöd, langes Wochenende, da könnte eine spontane Unterkunft schwierig werden. Aber, despacito, im Endeffekt findet sich hier doch irgendwie immer alles zusammen, sodass wir für die kommenden 2 Nächte in einem kleinen, aber doch ganz netten Hostel untergekommen sind.
Den Rest der Zeit dort haben wir größtenteils mit Cafés, Essen und Schlafen verbracht (Surfen oder es zumindest zu versuchen macht ganz schön müde). Gelohnt hat sich der Trip allein für die sogenannten Acai Bowls – für alle Unwissenden: ein echt leckerer und auch ziemlich teurer Spaß, handelt sich dabei um ein „Superfood“ aus Brasilien, ist quasi eine Art Smoothie und wird serviert mit Müsli, Nüssen und was man sonst eben noch so isst. Damit wir jetzt nicht jedes Wochenende drei Stunden fahren müssen, um ein solches Frühstück zu bekommen, müssen wir uns sowas jetzt in Santiago suchen. Wird es in einer 8 Mio Einwohner Großstadt ja auch irgendwo wohl geben.
Das vorherige Wochenende haben wir zuhause verbracht und nochmal genutzt, um die Stadt ein wenig besser kennenzulernen. Was es hier in vielen größeren Städten zu geben scheint, sind die sogenannten Free-Walking-Tours, 3-stündige Stadtführungen, meist geleitet von Studenten, die man am Ende der Tour mit einem Betrag seiner Wahl bezahlen kann. Eine ziemlich coole Sache, wir als mittlerweile schon fast richtige locals haben uns dann aber dazu entschieden, die weniger touristische Tour zu machen, vielleicht entdecken wir ja doch noch das ein oder andere.
Neben der Vega, einem riiiiesigen Obst- und Gemüsemarkt und dem Mercado Central, bekannt und beliebt für Fisch, haben wir noch einen Abstecher zum cementerio central gemacht, dem zentralen Friedhof Santiagos. Wären wir sonst wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen, war aber durchaus interessant und sehenswert, denn die Art und Weise, die Toten zu beerdigen und zu ehren, unterscheidet sich doch um Einiges zu der mir bekannten Art. Es ist wohl nicht selten, dass große Geburtstagspartys auf den Friedhöfen stattfinden, es wird getrunken, gegessen, Spaß gehabt. Klingt im ersten Moment womöglich etwas befremdlich, aber wenn man etwas drüber nachdenkt, ist der Gedanke dahinter doch ganz schön, dass man den Toten so quasi ehrt und am Leben behält.
Zudem haben wir noch viel über die Geschichte Allendes und Pinochets erfahren, was wir dieses Wochenende gleich im Museo de la Memoria vertieft haben. Ganz schön interessant, aber da gehe ich im nächsten Blogpost nochmal genauer drauf ein.
Hinterher haben wir auch noch einen Großeinkauf auf der Vega getätigt, da man dadurch doch einige pesos sparen kann, vor allem wenn man seinen eigenen „casero“ hat, das heißt, immer den gleichen Händler, der dir zum Beispiel Avocados verkauft. Dann kriegt man wohl Rabatt, ich will mir jetzt also auch einen casero suchen.
Das Ende des Sprachkurses haben wir vergangene Woche alle zusammen gefeiert: ein lustiger Abend mit ganz viel Palta, Pisco,Spanisch, und einer bunten Mischung an Deutsch, Französisch, Koreanisch und Portugisiesch. Besser hätte man es nicht machen können. Ich werde unsere internationale, bunt gemischte und grammatikfaule Gruppe echt vermissen.
Das WG-Leben hat sich ziemlich gut eingependelt. Es ist schön, wenn man abends von der Schule kommt, eigentlich direkt ins Bett fallen könnte, aber noch etwas zusammensitzt, isst, trinkt und den Tag Revue passieren lässt. Einen Putzplan haben wir jetzt sogar auch – Mama, sei stolz auf mich haha
Ende letzter Woche wurde in der Schule der Tag des Buches gefeiert. Die Schüler haben dafür klassenweise Stände mit ihrem Lieblingsbuch dekoriert, alles mit Liebe und Mühe gemacht, begleitet wurde das Fest von Musik, ziemlich vielen Menschen (auch mal Mädels, ungewohnt haha)
und guter Laune. Ein Schüler hat mir zur Feier des Tages ein Buch von Isabel Allende geschenkt, mal schauen, wann ich das ohne Wörterbuch einigermaßen verstehen kann.
Die B1-Kurse bringen mich selbst manchmal an meine Grenzen: ja, warum steht das Prädikat auf einmal vorne und nicht hinter dem Subjekt und warum heißt das so und nicht so und warum gibt es drei Wörter, die alle die gleiche Bedeutung haben? Mehr als Deutsche Sprache, schwere Sprache kann ich dann dazu auch nicht sagen.

Elefanten am Fuß und Pinguine in der Natur

 

Ja, die Überschrift sagt so ziemlich genau das aus, was ich in den letzten zwei Wochen so erlebt habe.
Die „Pinguine in der (freien) Natur“ waren für mich zumindest mitunter ein Highlight unseres wunderbaren Osterwochenendtrips.
Anders als in Deutschland hatten wir nur Karfreitag frei, Ostermontag mussten wir wieder zurück an die Arbeit und in den Sprachkurs. Trotzdem ließen wir uns es nicht nehmen, den extra freien Tag und somit das lange Wochenende zu nutzen, um einen kleinen Ausflug ans Meer zu machen. Ganz spontan, ganz meiner neuen super klasse spontanen Lebenseinstellung entsprechend, haben wir dann Donnerstagabend eine airbnb-Wohnung in Papudo, einem kleinen recht schicken Ort am Meer, gemietet.
3 volle Tage „Qualitytime“ wie man so schön sagt – von einem schon vielversprechenden Roadtrip, über einen Tag am Strand, Kochabende, Vino, Palta, Ruhe, Natur, Strandspaziergänge, frische Luft und eine kleine Wanderung, bei dir wir eben (auch wenn sie kaum erkennbar waren) Pinguine gesehen haben. Ich weiß gar nicht warum, man kennt viele Tiere ja aus dem Zoo, aber diese dann noch einmal in der freien Natur zu sehen, fasziniert mich jedes Mal aufs Neue. Naja, und Pinguine in Deutschland kriegt man dann ja doch nicht so oft zu sehen.
Bei der überaus erholsamen, wenn auch recht abenteuerlichen Wanderung von einem Küstenort zum nächsten, Cachagua bis hin nach Zapallar, haben wir neben den Pinguinen sogar noch Delfine entdeckt. Für mich war allein damit das Wochenende schon perfekt.
Meerluft atmen. Kraft tanken, Ruhe genießen. Tat wirklich gut.
Was es mit den Elefanten auf sich hat – ich habe mir letzte Woche mein erstes Tattoo stechen lassen, und das ist eben eine kleine Elefantenfamilie auf meinem Fuß. Auch recht spontan, obwohl ich schon lange mit dem Gedanken gespielt habe.
Richtige Pläne machen habe ich mir sowieso mehr oder weniger abgewöhnt. Funktioniert meistens eh nicht. Ist aber auch gar nicht so schlimm. Wir leben so Tag für Tag, versuchen alles mitzunehmen, gucken, wonach uns ist und worauf wir Lust haben. Wenns das ist, was wir geplant haben, umso besser, wenn nicht, dann auch nicht schlimm. Wie ich finde ist das eine ganz entspannte Art und Weise, das Leben zu leben.
Um noch ein paar Worte zu meiner eigentlichen Tätigkeit zu verlieren: viel verändert hat sich nicht, ich bin durch den Sprachkurs immer noch weniger in der Schule als sonst, habe aber diese Woche wieder die Zertifikatskurse übernommen. Die Jungs sind (zumindest noch) unglaublich motiviert, nett, interessiert und neugierig. Und auch ziemlich gut informiert und gebildet. Einige wollten wissen, ob es immer noch auffallend viele Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland gibt, oder ob es im heutigen Deutschland kaum noch welche gibt. Gar keine schlechte Frage, wie ich finde.
Der etwas fortgeschrittenere Kurs hat mich gebeten, ihm einen Zungenbrecher auf deutsch beizubringen. So kam es, dass den Rest der Stunde immer wieder „Fischers Fritze fischt frische Fische, frische Fische fischt fischers Fritze“ vor sich hin gemurmelt wurde. Natürlich hab auch ich dann einen spanischen Zungenbrecher mit auf den Weg bekommen, den kann ich nur nicht mehr so ganz wiedergeben. War irgendwas mit Tigern.
In jedem Fall ist der tägliche Switch von Lehrer zu Schüler und Schüler zu Lehrer für mich ziemlich spannend, und ich habe das Gefühl, noch geduldiger in der Rolle als Lehrerin zu werden. Ich kenne ja jetzt schließlich beide Seiten.
Eine andere Klasse, ich meine es war eine 7., wollte unbedingt wissen, welcher Fußballverein denn mein Lieblingsverein ist. Tja, gute Frage. Gestern war es mal Bayern München. Keine Sorge, ich habe versucht zu erklären, dass ich im Herzen Köln-Fan bin, nur leider kennt den FC hier keiner.
Letzte Woche, in einer anderen Klasse, war ich BVB-Fan. Hoffentlich tauschen die sich untereinander nicht aus. Ich hatte schon Probleme, als ich nach meinen Lieblingsspielern gefragt wurde, aber da konnte ich mich noch gut rausboxen. Wäre blöd, wenn irgendwann rauskommt, dass ich absolut gar keinen Plan habe von Fußball und auch keine Ahnung welche Mannschaft gerade gegen welche spielt und welche chilenische Fußballmannschaft denn meine Lieblingsmannschaft sei. Na gut, ich lass die Jungs mal in dem Glauben.
Ganz abgesehen von der Schule entwickle ich langsam aber sicher ein richtiges Selbstständigkeitsgefühl in Bezug auf alleine leben und wohnen. Wenn man abends nach Hause kommt, aber nichts zu Essen im Haus ist, weil keiner eingekauft hat, ich kaum was zum anziehen habe, weil ich nicht gewaschen habe und die Teller in der Küche sich langsam stapeln, dann merkt man: oh ja, Mama ist nicht da.
Klappt aber ganz gut, anstatt abends nur zu chillen, wird dann eben mal das Bad geputzt und Essen haben wir mittlerweile auch immer im Haus. Ich finde, da können wir wirklich stolz sein auf uns sein.
Ja, da musste ich das Tattoo mal in Szene setzen
 Pinguine, leider schwer erkennbar

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Kofferleben adé, WG olé

Wie die Überschrift schon vermuten lässt, sind wir mittlerweile endlich in unsere neue WG eingezogen. Nach einem Monat aus dem Koffer leben und ein Zimmer teilen, ist die Freude echt riesig. Noch nie habe ich mich so darüber gefreut, meinen Koffer auszupacken und mich ein wenig einzurichten – denn damit kommt auch so ein richtiges „Zuhausefeeling“ auf. Besser hätten wir es auch wirklich nicht treffen können. Wir leben zu viert zusammen, verstehen uns wirklich super, zentrale Lage, trotzdem ruhig, Blick auf den Park,  es herrscht eine unglaublich angenehme Atmosphäre, wunderschöne Zimmer, ich bin einfach glücklich. Ich fühle mich so wohl hier, dass ich auch einfach mal, nach einer so stressigen Woche wie der letzten, in Ruhe zuhause bleiben kann – und das ohne dabei ein schlechtes Gewissen zu haben, weil wir unsere kostbare Zeit hier durch nichts tun „verplempern“. Ganz im Gegenteil, ich freue mich darauf, nach Hause zu kommen, noch gemütlich eine Tasse Kaffee zu trinken, interessante Gespräche auf spanisch und deutsch zu führen und unser WG-Leben zu genießen.
4 Wochen bin ich jetzt hier – bisher hätte es – abgesehen vom Arbeiten – auch ein längerer Urlaub sein können. Das Koffer auspacken, Bilder an die Wand hängen, der erste Großeinkauf – all das trägt dann doch dazu bei, dass ich mich hier heimisch fühle und langsam aber sicher doch realisiere, was ich hier eigentlich mache. Mit dem ganzen Realisieren habe ich sowieso ab und an meine Probleme: durch die heutigen sozialen Netzwerke bekomme ich natürlich auch hier viel von zuhause mit, auch die letzten Schultage des diesjährigen Abiturjahrganges. Dabei fühlt es sich für mich so an, als wär das Ganze erst gestern gewesen, und doch ist schon ein komplettes Jahr vergangen und ich bin hier am anderen Ende der Welt, in Santiago de Chile. Das vergangene Jahr, die vergangenen Wochen und Monate sind so schnell vergangen, ich frage mich, ob das auch hier so weitergehen wird. Wenn ja, muss ich wirklich jede einzelne Sekunde genießen und nutzen, es gibt sooo viel zu Sehen und Machen und Tun, da kriegt man es manchmal schon ein bisschen mit der Angst zu tun, dass die Liste an Dingen, die man noch vor hat noch unglaublich lang ist und der erste Monat schon wie im Flug vergangen ist.
Was ich in der letzten Zeit so getrieben habe, versuch ich dieses Mal wirklich kurz und knapp zusammenzufassen. Vorheriges Wochenende waren wir auf dem Lollapalooza – mein erstes Festival 🙂 War natürlich nicht ganz günstig, hat sich aber definitiv gelohnt. Und obwohl ich noch nie auf einem deutschen Festival war, hat mich dann doch sehr erstaunt, dass hier wohl auf jedem oder zumindest auf diesem Festival Alkoholverbot herrscht. Hat natürlich trotzdem Spaß gemacht, war sogar angenehm friedlich und an toller Atmosphäre hat es auch nicht gemangelt.
Am Montag hat dann unser verpflichtender Sprachkurs begonnen, den wir kulturweit-Freiwillige in Santiago im Goethe-Institut absolvieren. 3,5 Stunden pro Tag, 5 Tage die Woche ist schon nicht wenig, wie ich finde, auch nicht unbedingt , aber definitiv lohnenswert und auch überraschend spaßig und interessant. Was heißt überraschend, gerade beim Sprachkurs merke ich doch wieder, wie sehr ich es liebe, (Fremd)sprachen zu lernen, dazu kommt dann noch, dass wir eine kunterbunt gemischte Gruppe sind, alle aus unterschiedlichen Motiven hier in Santiago und auch aus allen möglichen Orten der Welt. Ziemlich cool.
Schulisch gesehen ist demnach nicht so viel neues passiert: aufgrund des Sprachkurses gehen wir weniger zur Schule, haben aber ab sofort sogenannte Zertifikatskurse, die in die Hände der Freiwillige gelegt werden. In solchen sollen die Schüler auf die Deutschzertifikate vorbereitet werden. Hier haben wir also mal ein bisschen mehr Verantwortung als im üblichen Unterricht, aber auch mehr oder weniger freie Hand und können uns mehr einbringen, Methoden ausprobieren, vielleicht krieg ich die Jungs ja doch irgendwann mal zu einer kleinen Theaterübung gebracht 😉
Natürlich könnte ich jetzt noch ewig weiter schreiben – aaaber ich wäre dann doch recht stolz auf mich, wenn das mit dem kürzer fassen auch mal klappen würde.
Also: ich freue mich auf die kommenden 3 Wochen Sprachkurs, die Zertifikatskurse an der Schule, auf noch schöne letzte Sommer- bzw erste Herbsttage, auf Ausflüge am Wochenende, spannende Erlebnisse und gemütliche Abende in unserer neuen WG. Was will man mehr?

Von Seeluft, Seelöwen und Smog

Wie zu erwarten ist seit dem letzten Blogeintrag wieder ziemlich viel passiert, ich habe mir aber fest vorgenommen, mich in Zukunft ein wenig kürzer zu fassen. Mal schauen, ob das so klappt.
Schulisch gesehen ist nicht viel passiert – abgesehen davon, dass wir heute zum Beispiel ganz spontan 2 Stunden früher Schluss hatten. Warum? Ein Fußballspiel ist der Grund, dann hört die Schule eben mal 2 Stunden früher auf. Hat ja eh keiner Lust mehr auf Unterricht dann. Ziemlich cool, vielleicht kann man sowas ja auch mal an meiner alten Schule vorschlagen.
Ansonsten fühle ich mich mittlerweile echt wohl an meiner Einsatzstelle: noch habe ich mich nicht verlaufen, ich erkenne ab und an auf den Gängen mal ein Gesicht wieder oder kann mir 1,2 Namen merken, werde von den Schülern als Ansprechperson wahrgenommen, die auch Fragen beantwortet und versucht zu helfen und habe einen festen Stundenplan. Alles in Allem also ziemlich positiv, ich bin mir noch unsicher, ob ich es jemals schaffe, mir die Namen der Jungs zu merken. Problematisch wirds vor allem, wenn ich jemanden dran nehmen soll – das geht ohne Namen dann ja theoretisch nur über Blickkontakt, dem natürlich dann nahezu alle geschickt ausweichen. Klar, würde ich auch machen, wenn mich eine deutsche Freiwillige nach irgendwelchen Fällen fragt oder ich Verben konjugieren soll. Tja, deutsche Sprache, schwere Sprache, das merke ich auch immer wieder hier. Vielleicht gehts mit Namensschildern und ein paar Wochen mehr Unterricht ja schon besser, ich hoffe es zumindest. Denn die armen Schüler immer mit „du“ anzusprechen und draufzuzeigen finde ich schon irgendwie doof.
Nach 2 Wochen viel Essen gehen, Kaffee trinken und was sonst eben so anfällt, fällt einem dann doch auf, wie teuer diese Stadt ist und woran man in Zukunft vielleicht sparen könnte. So kam es, dass wir uns die letzte Woche ausschließlich von CousCous ernährt haben, morgens, mittags, abends, am Kaffee konnten wir schließlich nicht sparen – wer mich kennt, weiß, dass ich egal ob in Deutschland oder sonst wo gerne viel zu viel in Kaffee investiere und die vielen Starbucks an jeder Ecke machen es mir dann doch nicht leichter, shame on me
Am Wochenende haben wir unseren ersten Ausflug gemacht, es ging mit dem Bus nach Valparaíso und Vina del Mar, zwei Städte am Meer ca. 2 Stunden Busfahrt entfernt. Valparaíso ist eine sehr kreative, künstlerische, schöne und auf der anderen Seite irgendwie auch echt heruntergekommene Hafenstadt, die als Tor zur Welt Chiles gilt oder galt. Ganz Touri-Like haben wir das Angebot einer free-walking-tour in Anspruch genommen, eine kostenfreie Stadtführung, die man am Ende mit Trinkgeld belohnen kann, meist von Studenten angeboten. Wie sich herausgestellt hat, war das eine ziemlich gute Idee, um einen Überblick von der Stadt zu gewinnen. Zumal wir uns inmitten der ganzen verwinkelten Gassen und Hügeln und Cerros definitiv nicht so einfach zurecht gefunden hätten. Dabei haben wir unter anderem ziemlich coole Streetart entdeckt, an jeder Ecke kann man was Neues entdecken und sehen, für Kunstliebhaber also definitiv ein Paradies 🙂 Bevor wir abends in unser Hostel zurückgekehrt sind und letztendlich auch todmüde ins Bett gefallen sind (am vorherigen Abend haben wir in Santiago noch das chilenische Nachtleben für uns entdeckt), haben wir die Stadt noch von einer anderen Seite, dem Wasser, kennen gelernt. Nach einigen Kommunikationsschwierigkeiten und Verhandeln ging es für uns aufs Boot, wo uns von einem sehr sehr netten Herrn viel erklärt wurde über den Hafen, Boote und wie das so alles funktioniert. Verstanden habe ich zwar nicht Alles, aber wenigstens wusste ich, wovon er ungefähr geredet hat. Das absolute Highlight waren für mich, ganz aus dem Nichts, Seelöwen, die auf einmal da waren und das auch ziemlich nah. Solche Tiere außerhalb von Zoos oder irgendwelchen Parks zu sehen, ist echt nochmal ein ganz anderes Erlebnis.
Auf der Busfahrt nachhause habe ich schon richtige Heimatsgefühle für Santiago entwickelt, irgendwie habe ich mich doch in diese Stadt voller Smog und schöner und hässlicher Häuser verliebt.

 

Un saludo al sol

Mein 10. Tag in Santiago – und ich habe das Gefühl, step by step, langsam aber sicher, anzukommen in dieser riesen Stadt.
Wie viel in einer so kurzen Zeit doch passieren kann, habe ich diese Woche nochmal realisiert. Meine erste Schulwoche ist mittlerweile halb rum, wir haben fest eine Wohnung ab Anfang April, kennen uns (zumindest Lea, ich bin ja nicht so der Orientierungsprofi) in unserem Viertel recht gut aus, wissen, wo wir einkaufen und haben auch schon eine Sportroutine entwickelt. Eigentlich wollte ich diesen Blogpost auch erst Ende der Woche verfassen, da wir fürs Wochenende auch noch Einiges geplant haben, aber heute Abend konnte ich mich vor lauter Eindrücken, Ideen und Gedanken kaum davon abhalten, doch etwas zu schreiben.
Ich starte mal ganz chronologisch und geordnet: Ende letzter Woche haben wir unsere freie Zeit geopfert, um uns bei so etwas wie einer Ausländerbehörde zu registrieren – wieso,weshalb und warum weiß ich nicht, ich dachte eigentlich, mit so einem Visum ist das alles geklärt. Naja, man lernt eben doch immer dazu. Auf jeden Fall habe ich, was ja immer mit das Schönste am Reisen ist, mal wieder gelernt, Dinge zuhause wertzuschätzen. Wer hätte es gedacht, aber nach 8 Stunden Wartezeit, um in 2 Minuten ein Dokument und einen Stempel zu erhalten aber immer noch nicht seinen heiß ersehnten Ausweis, nehme ich deutschen Behörden wahrscheinlich nichts mehr so schnell übel.
Wie auch immer, das Highlight des Wochenendes war definitiv Sonntag: nach ein paar saludos al sol, um auch mal dem Titel des Blogs gerecht zu werden, konnte der Tag nur gut werden. Für alle Unwissenden: ein „saludo al sol“ ist ein Sonnengruß, wir haben also Yoga im Park gemacht und waren danach tiefenentspannt. Zwar konnten wir unsere Augen nicht, wie zwischendrin gedacht, schließen und komplett abschalten, weil wir immer wieder nach links oder rechts gucken mussten, was zu tun ist, aber das wird sicherlich von Woche zu Woche besser. Jedenfalls hat das Yoga nun einen festen Platz bei im Alltag gefunden, zumindest ist es erstmal so angedacht. Es kommt ja meistens nie so, wie man denkt.
Anschließend war der eigentliche Plan, das angeblich wunderschöne Freibad oben auf dem Cerro San Cristóbal zu entdecken, von dem man einen wahnsinnigen Ausblick auf die Stadt haben soll. Tja, das hatte leider zu – zum Aufregen war das Wetter aber viel zu schön, also Plan B, den Cerro eben einfach so zu Fuß erklimmen, um die Stadt einmal von oben zu Sehen. Vielleicht nicht die cleverste Idee bei 30 Grad, aber die Anstrengung und den kleinen Sonnenbrand war es definitiv wert. Der Blick auf die Stadt hat mir noch einmal klar gemacht, wie riesig die Stadt wirklich ist. Sie geht in alle Richtungen weiter, wohin man auch guckt. In solchen Momenten fühle ich mich nochmal kleiner, als ich es ohnehin schon tue.
Auch bei den Kursen im Fitnesstudio lernt man so einiges an Spanisch, na gut, es beläuft sich da eher auf Arriba und Abajo, also nach oben und nach unten, aber wenigstens etwas. Generell verstehe ich schon viel besser Spanisch, wo wir auch gleich zum Thema Schule und Unterricht kommen.
Der Unterricht läuft hier ein klein bisschen anders ab. Mit über 4000 Schülern, 45 davon pro Klasse, 4 Deutschlehrerinnen für 2000 Deutschlernenden ist die anfängliche Angst von Unterforderung definitiv unbegründet.
So wie ich es bisher mitbekommen habe, verläuft der Fremdsprachenunterricht, bzw. der Deutschunterricht fast ausschließlich auf Spanisch, das Deutschniveau bei 2 Stunden die Woche ist einfach zu niedrig. Einfache Fragen meinerseits wie „Brauchst du Hilfe?“ wurden nicht verstanden, gut, dass ich im Notfall auf mein Basic-Spanisch zurückgreifen kann. Dadurch entsteht natürlich andererseits ein Teufelskreis, wird nie Deutsch gesprochen, weder von Schüler- noch von Lehrerseite aus, kann man es ja auch kaum lernen. Trotzdem hat das Ganze auch eine gute Seite: ich lerne Spanisch 😉
Hinzu kommt, dass der Unterricht wohl meistens recht frontal gestaltet wird. Andererseits – vielleicht bin ich auch von den übermotivierten Referendaren, die von Methode zu Methode switchen, ein bisschen verwöhnt und voreingenommen.
Nichtsdestotrotz habe ich meine ganzen anfänglichen Projektpläne, für die ich so gefiebert habe, nach dem ersten Tag erstmal komplett über Bord geworfen. Zu utopisch. Ich glaube kaum, dass ich die Jungs für Theater, eine Schülerzeitung oder ein Projekt über gesunde Ernährung gewinnen kann.
Kann man ja nicht wissen – nach dem heutigen Tag bin ich aber zum Glück wieder voller neuer Ideen und Energie, das liegt wahrscheinlich an der ziemlich süßen 7.Klasse, die ich heute kennen lernen durfte. Was sich mir noch nicht so ganz erschlossen hat, ist, dass die jüngeren Schüler nachmittags unterricht werden, bis 20:30, die Älteren dann am Vormittag bis 14 Uhr. Mal gucken, vielleicht komme ich ja noch dahinter. Die Jungs heute waren trotz der Uhrzeit trotzdem erstaunlicherweise ziemlich konzentriert und motiviert, anders als die vorherigen Klassen. An den Geräuschpegel muss ich mich erstmal gewöhnen, selbst für mich, als nicht Kopfschmerz-Anfällige, ist so eine Doppelstunde Unterricht ganz schön anstrengend. Zum Abschied gibts dann immer noch ein Küsschen rechts, auch zwischen Schüler und Lehrer, ein sehr entspanntes Verhältnis.
Manchmal würde ich mich gerne so schnell wie möglich in Alles reinstürzen, fließend Spanisch sprechen und direkt alle möglichen Projekte an der Schule durchführen, aber – despacito, immer mit der Ruhe – das Schöne ist ja, jeden Tag aufs Neue zu Entdecken und mehr zu Verstehen. In diesem Sinne: buenas noches y hasta pronto, dauert bestimmt nicht lange, dann explodiert mein Kopf wieder voller neuer Eindrücke und Erlebnissen 🙂

Über paltas, deutsches Bier, erste Erdbeben und Pisco Sour

Erkundung „unseres“ Stadtviertels

Mein 3. Tag in Santiago de Chile – Dass ich in Südamerika, am anderen Ende der Welt und mehr als 12000 km von zuhause entfernt bin, merke ich beim ersten Rundgang durch die Stadt kaum: manchmal fühle ich mich, als würde ich durch die Straßen von Paris oder Barcelona laufen, mir war klar, dass Santiago ziemlich modern ist, aber ich bin trotzdem echt baff. Es gibt unglaublich viele schöne grüne Parks, in denen knutschende Pärchen sitzen und Kinder spielen oder ein paar Studenten und junge Leute einfach die letzten sonnigen Monate genießen. Die Atmosphäre und Lebensfreude, die einen durch Straßen- oder Metromusik überkommt, ist unglaublich angenehm und macht mir den Einstieg umso leichter. Dass mein Spanisch dafür umso ausbaufähiger ist, merke ich trotzdem immer mal wieder im Gespräch mit Verkäufern, der Vermieterin unserer airbnb-Wohnung oder im Restaurant. Oft redet man noch ein wenig aneinander vorbei, aber die Hauptsache ist meiner Meinung nach erstmal, dass man überhaupt zum Reden kommt. Meistens ist die Devise bei Nicht-Verstehen einfach nett lächeln und „Sí“ sagen, blöd ist dann allerdings, wenn einem eigentlich eine Frage gestellt wurde und eine Antwort erwartet wird.. ups Eins der überlebenswichtigsten Wörter hab ich aber schon gelernt: „palta“ heißt Avocado und wird tagtäglich von mir verwendet 😉 Ab Anfang April wollen Lea und ich, wir wohnen gerade zusammen und werden auch gemeinsam am Instituto Nacional arbeiten, dann einen Sprachkurs beim Goethe-Institut belegen. So einen Blogeintrag zu verfassen, indem ich wirklich alle meine Eindrücke und Gefühle wiedergeben kann, ist gar nicht so leicht, wie ich mir das vorgestellt habe. Es ist so viel, was ich jeden einzelnen Tag aufs Neue erleben darf, dass ich das kaum in Worte fassen kann. Wir haben noch bis morgen den Luxus, frei zu haben und uns erstmal noch die Stadt angucken zu können, was wir auch gleich heute gemacht haben. Dabei haben wir uns in wirklich wunderschönen Vierteln verloren, unzählige potenzielle Instagram-Fotos geschossen, Eiskaffee getrunken, tausende Restaurants, sogar unser erstes Erdbeben erlebt, einen ersten Pisco Sour getrunken (der gar nicht so ohne ist) Parks oder andere Dinge gesehen, die jetzt auf unserer To-do Liste stehen. Dabei besteht natürlich kein Grund zur Eile, wir haben ja schließlich ein ganzes Jahr Zeit, um die Stadt für uns zu entdecken 🙂 Nach dem ziemlich erlebnisreichen Tag heute haben wir uns heute Abend noch mit vielen Chilenen und Deutschen zu einem „Deutsch-chilenischen Stammtisch“ in einer Bar getroffen, in der es, haltet euch fest, 5,0 Bier gibt. Ist ja an sich schon ziemlich witzig, dass hier, soweit von zuhause weg, deutsches Bier verkauft wird, nur schade, dass es kein Kölsch ist 😉 Tatsächlich ist Deutsch als Sprache ziemlich präsent. Es gibt viele deutsche Schulen, Lea und ich wurden auch schon auf deutsch in der Metro angesprochen, wobei wir uns nur fragen: sieht man uns das wirklich direkt an?? Auf jeden Fall ist mein Ziel für die nächste Zeit, mehr über die deutsch-chilenische Geschichte zu erfahren und dem Ganzen ein bisschen auf den Grund zu gehen. Obwohl also unsere Ankunft, und auch das 2-tägige Vorbereitungsseminar mitsamt aller neuen und auch alten Chile-Freiwilligen, die an Pasch-Schulen arbeiten, echt ein super Einstieg für unsere Zeit hier waren, überkommt mich dann doch ab und an, vor allem abends, ein gewisses Heimweh und auch ein Fünkchen Angst, bei dem Gedanken ein komplettes Jahr weg zu sein. Ich habe mich zwar schon jetzt in diese Stadt verliebt und freue mich, schon bald meine Lieblingscafés zu kennen, dort in der Sonne zu sitzen, irgendwann eine gewisse Routine zu entwickeln, zu arbeiten und zu reisen, nichtsdestotrotz fehlen mir natürlich auch meine Liebsten, man ist oder eher ich bin mit 18 eben dann doch noch nicht immer so erwachsen, wie ich es gerne wäre 🙂

Im Zuge der Gedanken

45 min Verspätung am Kölner Hauptbahnhof (wie sollte es mit der DB auch anders sein), ein Zugwechsel und 5 Stunden Zugfahrt bis Berlin brachten mich dann doch dazu, mir ein paar Gedanken über die kommende Zeit zu machen und darüber meinen ersten Blogpost zu verfassen.
Heute ist es also soweit: der erste offizielle Tag meines Freiwilligendienstes mit kulturweit beginnt. Gespannt auf die nächsten 10 Tage, neue Gesichter, Eindrücke, Inspirationen und hoffentlich auf viel Spaß. Langsam aber sicher realisiere ich, dass es nun nicht mehr lang hin, bis ich mich für ein Jahr von meiner Heimat, meinen Freunden und meiner Familie verabschiede, um das wahrscheinlich größte Abenteuer meines Lebens anzutreten, 12 Monate ans andere Ende der Welt, 12 Monate Lateinamerika, 12 Monate FSJ in Santiago de Chile.
Neben den Ängsten und Zweifeln überwiegt definitiv die Vorfreude, doch trotzdem beschäftigt mich pausenlos die große Frage nach dem Warum: warum mach ich das Ganze überhaupt nochmal und schaffe ich das überhaupt? Oder habe ich mir mit einer riesigen Jungenschule in Mitten einer pulsierenden, lauten und fremden Großstadt, einer neuen Sprache und einem völlig fremden Kulturkreis ein wenig zu viel vorgenommen? 
Was wäre, wenn ich das Ganze nie gemacht hätte? Wenn ich nach dem Abi den einfachen Weg genommen hätte, an die Uni gegangen wäre und brav das Jurastudium durchgezogen hätte. Ich würde meinen Alltagstrott weiter fortführen, der ja gar nicht so schlecht ist, meinen Hobbies nachgehen, ein wenig arbeiten gehen, zu viel Geld für Essen und Kaffee ausgeben und wohlbehütet in meinem „Nest“ weiterleben. Ich würde weiterhin meine Freunde und meinen Freund sehen und den Luxus haben, mir um kaum nennenswerte Probleme Gedanken machen zu müssen. Schließlich wohne ich noch bei Mutti, immer Essen im Haus und lebe so in den Tag hinein. Also: warum das Ganze? Warum die geliebte Heimat zurück lassen und das Risiko eingehen, am anderen Ende der Welt unglücklich zu sein, den Erwartungen nicht zu entsprechen oder schlicht und ergreifend zu versagen? Ein Jahr alles, was zuhause Spannendes passiert zu verpassen? Ich bin ja schon traurig, wenn ich eine Geburtstagsparty verpasse, wie soll das schon werden, wenn ich etliche Feiern, neue Lebensabschnitte und vieles andere verpasse?Ganz einfach: ein „mein Leben ist ganz ok, nach dem Abi habe ich studiert und dann gearbeitet“ reicht mir eben nicht.
Ich habe, wie man so schön sagt, richtig „Fernweh“, sehne mich nach Abenteuer, neuen Herausforderungen, und auch danach, mehr oder weniger komplett mir selbst überlassen zu sein und auch mal völlig überfordert mit Allem zu sein.
Ich freue mich darauf, zu sehen, wie ich an den kommenden Herausforderungen wachse, auch wenn das bedeutet, mich vor einer 45-köpfigen Klasse bestehend aus Jungs zu behaupten. Ich freue mich darauf, neue Leute kennen zu lernen, eine mir völlig fremde Kultur und natürlich die wunderschöne Natur Chiles, sowie Santiago selbst. Ich freue mich auf mein Jahr Chile, eine richtige Aufgabe zu haben, die mich jeden Tag aufs neue fordert, aber mir hoffentlich genauso viel Spaß bereitet. 
Und natürlich ist mir bewusst, dass 12 Monate weit weg von zuhause Heimweh und vielleicht auch manchmal Einsamkeit bedeuten kann. Ich werde die ersten Wochen oder Monate die Menschen um mich herum trotz meines Schulspanisch wohl erstmal kaum verstehen, denn ich glaube kaum das Vokabular zu den Thematiken Landwirtschaft oder Wörter wie „Stacheldrahtzaun“ auf spanisch mir alltägliche Kommunikation erleichtern wird. Aber auch da bin ich zuversichtlich. 
Um mein Chaos an Gedanken einmal auf den Punkt zu bringen und endlich Schluss zu machen: vamos a un año inolvidable y hasta pronto!