Endlich Krakau :)

Czesz Ihr Lieben!^^

Nachdem ich das schönste Weihnachten meines Lebens zu Hause bei meiner Schwester verbracht habe und mit meinen Uni-Freunden ins neue Jahr 2017 gerutscht bin, ging es für mich pünktlich zur Arbeit am 2. Januar wieder nach Lodz 🙂 Mein Gott war ich müde…

Im Januar ging die Arbeit dann weiter wie gehabt, das Adventskalenderprojekt ( Jeden Tag ein kleines Rätsel, ein Liedtext, ein Rezept oder ein kleiner Text zum Thema Weihnachten auf deutsch ) war zu ende und meine Schüler mussten sich nach der Weihnachtspause wieder motivieren weiter zu lernen. Zuhause in der Wohnung wartete zusätzlich auch schon die nächste kleine Katasptrophe: ein Gasleck, direkt über dem Herd in der Küche hat uns für eine Woche Angst, aber auch Galgenhumor gelehrt. Denn es war nur ein weiterer Punkt auf der Liste der Dinge, die in dieser Wohnung schon schief gingen 😀 Das wäre eigentlich mal einen eigenen Beitrag wert…

Lange musste ich aber nicht arbeiten, denn ab Mitte Januar hieß es in der Voivoidschaft Lodz für die Schüler, Lehrer und mich: WInterferien!!! Und da es mit einer der wichtigsten Punkte auf meiner Bucketlist ist und ich zwei Wochen am Stück frei habe, ging es für mich direkt in der ersten Woche für ganze 5 Tage in die unglaublich schöne Stadt Krakau 🙂

Und darüber möchte ich Euch diesmal erzählen, ich fange mal bei den letzten Tagen an, denn die habe ich in der eigentlichen Innenstadt Krakaus verbracht:

Kein Krakau ohne gefühlt hunderte von Pferdekutschen, die den ganzen Tag über den Hauptplatz, den größten Platz Europas, Touristen und vielleicht auch Einheimische wortwörtlich herumkutschieren.Doch es passt irgendwie in diese mittelalterliche Stadt und auf diesen Platz, wo viele schöne Häuser und Cafes in einem Quadrat um ein Marktgebäude herumgebaut sind. Außerdem steht hier eine wunderschöne Kirche mit einer sehr prunkvollen Ausstattung, von deren Turm aus jede volle Stunde ein Trompeter zu hören ist. Früher nur wenn Gefahren für die Stadt lauerten, heute um Touristen zu beeindrucken und Einheimischen den Schlaf zu rauben ;D

Dieses Foto entstand natürlich nachdem ich das „Fotografieren Verboten“-Schild gesehen habe, ist ja klar!^^ Übrigens sind alle Fotos in diesem Beitrag mit die ersten Fotos mit meiner neuen Kamera Sony alpha 6000, welche ich mir zu Weihnachten gewünscht hatte. Vielen Dank an alle, die mir diesen Wunsch erfüllt haben :*

Zurück zur Stadttour: Von diesem Hauptplatz geht es in viele kleine Passagen mit weiteren Cafes, kleine Läden mit einheimischem Bernstein und in viele, sehr viele Bars, denn Krakau ist mit einem Anteil von 25% an der Bevölkerung eine wahnsinnig lebendige Studentenstadt. Mein persönlicher Fremdenführer Jan, welcher auch über Kulturweit in Polen an einer Schule arbeitet, allerdings in Krakau, führte mich und einen Freund vom Hauptplatz weiter zur in ganz Polen berühmten Wawel Burg. Ein riesiges auf einem Berg liegendes Zeugnis der polnischen Geschichte. Erbaut wohl auf einer Höhle, direkt an der Weichsel. Wie jede mittelalterliche Stadt, die was auf sich hält, hat auch Krakau eine Drachenlegende. Laut dieser hatte in dieser Höhle ein Drache gelebt und sich immer wieder von Tieren und Jungfrauen der Stadt ernährt. Daraufhin hatte der König verständlicherweise Angst um seine Tochter und ließ verkünden, dass derjenige, der den Drachen besiegt, seine Tochter zur Frau und die Hälfte der Stadt bekommt. Natürlich versuchten sich daraufhin einige an der Aufgabe, aber vergeblich. Nur ein armer Schusterjunge soll durch eine List Erfolg gehabt haben: Er stopfte Gift und Schwefel in ein Schaf, legte es vor die Drachenhöhle und am nächsten Morgen fraß der Drache das Schaf. Allerdings bekam er durch das Gift und den Schwefel soviel Hunger, dass er in die Weichsel sprang und ertrank. Dem Ritter zu Ehren, der Krak hieß, wurde die Stadt Krakau genannt. So die Legende 😀

Danach ging es ins jüdische Viertel, was heute vor allem für sein Nachtleben bekannt ist. Dort haben wir die Treppe aus dem Film Schinlers Liste besucht, (Schindler ist eine von vielen berühmten Krakauern) und wir haben die besten Pierogi Teigtaschen Polens in einem kleinen Restaurant namens Pierogi Mr Vincent gegessen, in welchem passend dazu Van Gogh-Kopien an der Wand hingen. Und wie jeden Abend hieß es dann: Nachtleben genießen:

Für  mich begann das meistens mit einer lustigen internationalen Runde im Hostel. Meine Mitbewohner (zwei Australier und zwei dänische Studentinnen) und ich tranken im Gemeinschaftsraum vor und gingen dann zusammen mit Jan und seinem Freund oder alleine in die Stadt. Es war unglaublich witzig und ich würde es jedem genauso weiterempfehlen 🙂

Ein weiterer Punkt einer klassischen Krakaureise ist der Besuch der Salzmine. Das war für mich der zweite Tag in Krakau und es ist wirklich sehr beeindruckend. Bei unserer dreistündigen Führung durch die Mine ging es wie für die Minenarbeiter früher durch viele Gänge und kleinere Kathedralen. Beim besichtigen der größten Salzkathedrale mit ganzen Kronleuchtern aus Salz und den Seen unter Tage hat man fast vergessen, dass man 135m unter der Erde ist.

Doch nachhaltig am beeindruckensten war der erste Tag meiner Krakaureise, der mich in die Stadt Oświęcim führte. Dieser kleine Ort ist den Meisten eher unter dem deutschen Namen des Konzentrationslagers Ausschwitz-Birkenau bekannt. Am ersten Tag fuhr ich von Krakau aus in nur 20 Minuten dorthin. Ob es am Ort oder tatsächlich am Wetter lag (-14Grad), mir war eiskalt. Innerhalb einer Führung über das Gelände und die verschiedenen Areale erfuhr ich mit eigenen Augen den wohl traurigsten und grausamsten Ort der Geschichte. Die ausgestellten Gegenstände und die Orte der systematischen Morde wirken auf die Besucher und auf mich. Man schweigt, man weint und man kann es nicht glauben. Und es macht wütend. Und ich hatte Fragen: Wie können Menschen die Geschehnisse hier leugnen? Wie können Minderheiten auch heutzutage voller Hass ausgegrenzt werden und nicht als Menschen wargenommen werden? Diese und viele weitere Fragen gingen mir durch den Kopf. Und am Ende des Rundgangs steht an der Wand ein Zitat. Dass man niemals vergessen darf, damit sich diese unbeschreiblich schrecklichen Taten nicht wiederholen.

 

Und genau mit diesen Worten fuhr ich wieder nach Krakau und gestern wieder nach Lodz: Dass man nicht vergessen darf! Dass man Freiheit und Gleichheit nicht als selbstverständlich wahrnehmen sollte, sondern dafür kämpfen muss, auch und vielleicht gerade wieder heute. 

Damit auch in Zukunft Menschen einfach so für eine Woche nach Krakau reisen können, eine wunderschöne fassettenreiche alte Stadt bewundern können und mit Menschen aus aller Welt in einem Cafe am Hauptplatz zusammen das Nachtleben genießen können. Und damit sich an der Stimmung dieses Streetartbilds, welches ich im jüdischen Viertel gefunden habe, niemals wieder etwas ändert. „I`m happy again“

 

 

 

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