Wie, es ist schon die Hälfte rum???

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Czesz mal wieder Ihr lieben 🙂

WOW! Mehr fällt mir gerade nicht ein, um meine Stimmung nach der ersten Hälfte Lodz und nach dem unglaublichen Zwischenseminar zu beschreiben. Es klingt klischeehaft, aber die Zeit ist wie im Flug vergangen.

Ich habe eine wunderbare WG gefunden, habe mich so langsam in der Schule eingelebt und meine Aufgaben hier gefunden und konnte am Wochenende schon oft reisen und noch andere Seiten von Polen sehen, nicht nur Lodz (Obwohl das natürlich die beste Seite des Landes ist ;)) Habe weitere Punkte meiner Bucketlist abhaken können und sehr sehr viele neue Eindrücke und Erfahrungen sammeln dürfen.

Aber der Anlass zu diesem Eintrag sind die letzten 10 Tage:

Bevor es für die Freiwilligen aus Polen, Russland und Tschechien zum obligatorischen Zwischenseminar ging, haben wir „Polen“ uns im nicht weit vom Seminarort entfernten Breslau, das eigentlich ungefähr Wroclow heißt, getroffen. Diese lustige Truppe aus neun Leuten hat dafür gesorgt, dass diese ohnehin wunderschöne Stadt auch wegen der vielen lustigen Momente in Erinnerung bleiben wird. Die Altstadt Breslaus (haha), die ungefähr so schön sein soll wie Krakau, wo ich immernoch nicht war, hat wahnsinnig bunte Häuserfassaden zu bieten und hat so viele Brücken, dass sie sogar „Venedig Polens“ genannt wird. Außerdem stehen oder hängen, sitzen oder verstecken sich überall kleine Bronze-Zwerge, heute insgesamt ca. 400, die an die verrückten Verhältnissse der Stadt in den 80er Jahren erinnern, in welcher sich die Bürger als Protest gegen das kommunistische Regime unter anderem zahlreich als Zwerge verkleideten. Breslau ist aber heute auch eine beliebte Studentenstadt und hat daher auch eine vielzahl an Bars, unter anderem eine Shotbar mit einer eigenen Absinthbar! Perfekt 😉 Besonders schön war natürlich der Weihnachtsmarkt am alten Rathaus, auf dem wir jeden Tag waren, mit meinem neuen Lieblingsessen: Schoko-Döner!^^

 

Nach diesem tollen Wochenende in Breslau ging es für uns am Dienstag zum Zwischenseminar in einem kleinen Dorf bei Jelenia Gora an der Deutsch-Polnisch-Tschechischen Grenze in Niederschlesien. Nach einer kurzen Busfahrt vom Bahnhof zu unserem Seminarhaus mitten im Gebirge, trat ich den ersten Schritt hinein und konnte meinen Augen nicht trauen: Ich stand mitten in der wohl perfektesten Berghütte, die ich je gesehen habe, die wirklich wie frisch von Pinterest in die Realität kopiert aussah! Überall Holz und bunte Farben an den Lehmwänden und auf den natürlichen Stoffen, ein brennender Ofen im Wohnzimmer, zwei Katzen und zwei Hunde, die auf Decken entspannten, und riesige Bücheregale mit davorstehenden Schaukelstühlen, die einen quasi dazu zwangen entspannt am Feuer mit Blick in die Natur zu lesen oder einfach nachzudenken. Es war unglaublich. Dank Corinna und Hannah kann ich euch hoffentlich bald eine riesige Menge an Fotos davon zeigen.

Doch nicht nur das Haus, sondern auch die Landschaft war malerisch, was wir zum Glück bei einer Tageswanderung erleben durften, bei welcher wir für eine paar Stunden in Tschechien waren.

Die Seminarleiterinnen haben uns aber nicht nur eine inspirierende Umgebung geschaffen, sondern haben – ans Vorbereitungsseminar anknüpfend – viele neue Denkanstöße geliefert und auch kleine Einführungen in Unterrichtsmethoden, Projektmanagement und Präsenz-Träning gegeben. Nach einer kurzen Frage hat Nicole uns sogar spontan eine super liebe und hilfreiche kleine Berufsberatung gegeben. Doch wir hatten auch Zeit einmal nur über die schon entstandenen Eindrücke zu reflektieren und ein bischen aus dem Schulalltag auszutreten. Meine Erwartungen an dieses Seminar wurden 100% erfüllt und sogar übertroffen, Danke 🙂 !

 

Am beeindruckendsten fand ich jedoch die Geschichte des Seminarhauses „Parada“, welche uns das Eigentümer-Ehepaar so anschaulich erzählt hat und die ich unbedingt mit euch teilen möchte:

Der Ort, in dem das Haus jetzt steht, gehörte früher zu Preußen und war damit vor dem Zweiten Weltkrieg in deutscher Hand. Nach diesem wurden allerdings die dort ansässigen Deutschen in kurzer Zeit ins heutige Deutschland nach Bremen vertrieben. Der heutige Eigentümer wuchs in der Umgebung auf und erlebte die darauffolgende Zeit, dass niemand dort über diese Ereignisse sprach. Als er das Haus kaufte, was zu der Zeit noch eine Ruine war, fand er auf dem Dachboden haufenweise alte Bücher und andere Gegenstände, der alten Besitzer, welche allesamt auf Deutsch waren, und wusste nicht recht, warum diese dort waren. Entgegen der damaligen Propaganda, dass alle Deutschen und Tschechen zu fürchten seien, suchte er mit seiner Frau den Kontakt zu den früheren Bewohnern. Nach einiger Zeit fand er sie und traf sich mit ihnen, um sich auszutauschen. Dieses Erlebnis mit den Deutschen und die Tatsache, dass die benachbarten Tschechen mit den Polen an der Grenze, trotz der Kontrollen, den Kontakt suchten und man sich bei nicht ganz legalen Treffen immer mehr kennenlernte, inspirierte die beiden das Haus als „Haus der drei Kulturen“ wiederaufzubauen und dafür zu nutzen, die eigentlichen Nachbarn, welche durch äußere Umstände zu Feinden gemacht werden sollten, wieder anzunähern. Anfang der 90er Jahre starteten sie ihr Projekt und nach ca. 15 Jahren Bauzeit (es dauerte lang, da sie schon damals auf Nachhaltigkeit und natürliche Materialien setzten, was ich zusätzlich bewundernswert finde) stand dann dieses traumhafte und äußerlich wie „innerlich“ inspirierende Haus, was mich innerhalb dieser kurzen Zeit doch stark beeindruckte und dazu motivierte, wenn auch in einem vielleicht kleinen Rahmen, etwas Gutes in dieser Welt zu schaffen.

Manchmal sind es nur ein Haus und zwei wunderbare Menschen, die eine Idee hatten, welche einen Ort für ein bischen Verständigung und Freundlichkeit in der Welt schafften. Danke „Parada“ für diesen schönen Gedanken und diese Motivation für ein eigenes Projekt! 🙂

 

Ohje, das war jetzt aber viel Text! Beim nächsten Mal gibts Fotos, versprochen! ^^

 

Liebe liebe Grüße aus dem inzwischen schneeweißen Lodz 🙂

 

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