So… what now?

Hallo zurück, schön dass ihr noch da seid^^

Eigentlich wollte ich diesen Blog ja regelmäßig aktualisieren… mittlerweile bin ich seit genau einem Monat in Kryvyi Rih.

Ich kann euch allerdings sagen, woran das liegt. Zum Einen ist erstaunlich wenig in der letzten Zeit passiert, über das sich schreiben lässt.  Zum Anderen funktioniert ja mittlerweile mein wlan hier zuhause… ihr wisst, worauf ich hinauswill.

Jetzt habe ich mich aber doch aufgerafft und schreibe etwas. Ich kann nicht garantieren, dass es viel wird, weil ich nicht denke, dass ich momentan sehr viel interessantes zu erzählen habe, aber vielleicht kommt ja doch einiges zusammen.

Wo soll ich denn anfangen…

Genau, aufgehört habe ich damit, dass meine Karte nicht funktioniert. Das haben wir vorläufig mit einer ukrainischen Karte gelöst, sodass ich schonmal meine Miete zahlen konnte und nicht verhungern musste. Problematisch ist, dass ich, um an Geld zu kommen, immer zur Bank an den Schalter gehen muss und erklären, dass ich gern so und so viel Euro in Hryvnia getauscht ausgezahlt bekommen möchte. Dafür habe ich bisher immer jemanden aus der Schule mitgenommen, denn so ohne ukrainisch und russisch zu können, ist das schon ein recht unmögliches Unterfangen. Ich warte jetzt auf Post, mit der eine funktionierende Karte aus Deutschland geschickt wird, damit ich nicht immer jemanden zum Helfen nötigen muss.

Das lässt sich natürlich irgendwie, besonders jetzt so am Anfang, nicht vermeiden. Mit der Aufenthaltsgenehmigung gibt es momentan nur Probleme und es ist sehr frustrierend, viel Rumgerenne und nichts kommt dabei raus.

Am Donnerstag war ich mit Galina, einer der Deutschlehrerinnen, in Dnepr, einer etwas größeren Stadt 3 Stunden mit dem Bus von Kryvyi Rih entfernt. Dort haben wir erstmal ewig lang das Migrationsamt gesucht, denn es gibt keine Straßenschilder…und die Adresse, die wir hatten, war sowieso nicht mehr aktuell, weil das Amt schon umgezogen war. Als wir dort waren, wurde uns gesagt, dass Dokumente fehlen (in Kryvyi Rih hatten wir eine Liste bekommen- die war wohl ziemlich optimistisch, denn die Behörden hier machen oft einfach irgendwie, manchmal braucht man fünf Dokumente, manchmal zwanzig.)

Jetzt gilt es, den ukrainischen Standards entsprechend eine neue Krankenversicherung abzuschließen, weil die weltweit gültige Krankenversicherung von kulturweit wohl doch nicht reicht… und vieles mehr, habe ich erwähnt, dass mein Visum am 12. Dezember ausläuft? 😀 Und ich muss ja in der Zwischenzeit auch auf Seminare fahren und so…

Mal sehen, vielleicht wird das ja alles irgendwie.

Ich muss mir auch einen Sprachkurs suchen, aber hier gibt es das nicht so wirklich. Alle, die ich bisher gefragt habe, haben auch nicht so wirklich nen Plan was man da machen kann. Alle sagen, ich soll russisch lerne, aber keiner weiß, wie. Und so selbst beigebracht habe ich mir halt nur so generische Floskeln, die mir auch nur bis zu einem gewissen Punkt weiterhelfen. Der Anfang hier kann schon manchmal ziemlich frustrierend sein, vor allem, weil irgendwie immer neue Probleme dazuzukommen scheinen.

Aber es gibt ja auch viel positives, das man oft vergisst, wenn man so im Selbstmitleid versinkt.

Vor allem sind es die kleinen Momente, die einem schnell ein Lächeln ins Gesicht zaubern und einen spüren lassen, dass es eben doch ein Abenteuer ist und es sich lohnt, sich auch mal ohne Sicherheitsnetz einfach fallen zu lassen und zu schauen, was mit einem passiert.

Die Menschen hier sind von der Mentalität einfach komplett anders drauf, als ich es bisher gewohnt war, und das ist sehr erfrischend. In der Schule spreche ich mit den Schülern über ihre Projekte und korrigiere Aufsätze, gerade am Anfang war das nicht wirklich viel zu tun und immer nur zu hospitieren ist ja auch keine wirkliche Herausforderung… aber ich habe letzte Woche meine Mentorin in der 10. und 11. Klasse vertreten und es hat überraschend gut geklappt! Vor allem die elfte Klasse ist echt angenehm gewesen, auch wenn es seltsam war, vor fast gleichaltrigen zu sitzen und Unterricht zu machen.

Diese Vertretungsstunden waren im Voraus geplant, und ich habe einfach die Aufgaben abgearbeitet. Aber so langsam kommt eigener Kram dazu, für den ich selbst zuständig bin. Am Mittwoch habe ich die erste „Jugend debattiert“-Stunde in der 10. Klasse gemacht, und es war total cool, einfach entspannt eigenen Unterricht zu machen. Ich bin echt zuversichtlich, dass das auch in nächster Zeit gut läuft, wenn ich mich immer gut vorbereite und interessante Sachen für die Schüler plane.

Auch den DSD-Unterricht mache ich dann bald teilweise selbst, und kann für die Themen Digitalisierung und Umwelt schonmal ein bisschen Unterrichtsmaterial vorbereiten.

Und es wird ein Projekt „Deutsche Spuren in der Ukraine“ mit verschiedenen Schulen geben, an dem ich auch mitarbeiten kann. Die stellvertretende Schulleiterin meinte auch, dass wegen des Umzugs der Schule in ein anderes Gebäude alles sehr hektisch und chaotisch war, und dass ich nach den Herbstferien auch viel mehr zu tun haben werde. Und das ist, so seltsam es klingt, echt gut, weil ich mich sehr auf eigene Projekte und auch auf die Arbeit mit anderen Schülern und Lehrern freue. Es gibt einem nochmal ein anderes Gefühl, echt etwas zu machen, als nur rumzusitzen und darauf zu warte, dass einem jemand eine Aufgabe gibt.

Am Donnerstag waren Galina und ich nach dem Disaster mit dem Migrationsamt auf einem Seminar, wegen dem sie eigentlich nach Dnepr gekommen ist. Dort habe ich einige Deutschlehrerinnen von anderen Schulen kennengelernt, eine sogar aus Kryvyi Rih! Ich freue mich immer, wenn ich hier neue Leute kennenlerne, und alle waren dort super nett zu mir.

Also, ich denke, in nächster Zeit wird alles besser und der Stress ist ja auch irgendwann vorbei. Ich freue mich echt auf die nächste Zeit, in 3 Wochen fahre ich, wenn alles klappt, nach Krakau in Polen! Und bald ist auch das Zwischenseminar in Odessa, darauf bin ich auch echt schon gespannt.

Meine Wohnsituation bleibt wahrscheinlich jetzt erstmal so, wie sie ist. Die Vermieter sind jetzt auch beide zuhause, weil es im Sommerhaus jetzt wahrscheinlich echt zu kalt ist. Das ist manchmal echt nervig, weil ich selbst nichtmal den Boiler und die Waschmaschine bedienen darf und auch nicht alle Schlüssel für die Tür habe. Einmal hat Lena mich ausgesperrt, weil sie wohl vergessen hat, dass ich existiere… manchmal krieg ich echt die Krise hier, weil ich kaum Privatsphäre habe und keinen Freiraum. Aber ich will auch zum einen keinen Stress machen und nochmal umziehen, und zum anderen ist es vielleicht gut, wenn ich nicht allein bin, wenn im Winter mal die Heizung nicht geht oder es andere Probleme gibt, dann muss ich mich darum nicht selbst kümmern. Wäre ja an sich kein Problem, aber die Sprachbarriere verkompliziert halt alles immer nochmal um 1000%. Also richte ich mich einfach mit der Situation ein, und mache mir da keinen Kopf.

Gut, mehr habe ich jetzt wirklich nicht zu erzählen. Ich nutze diese Plattform auch, um mich einfach auszukotzen, also wird wahrscheinlich immer mal wieder ein Rant kommen und ich werde auch nicht regelmäßig was schreiben , wenn ich einfach nix positives zu erzählen habe. Aber in Zukunft wird es wahrscheinlich zumindest interessanter, wenn ich mal mehr erlebe und mehr erzählen kann.

Bis nächstes Mal und so, tschüss!

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