Deutschunterricht in Kampala

Da ich ja hier in Kampala bin, um zu arbeiten, möchte ich euch gerne meine Schule vorstellen. Nun, die Mengo Senior School ist mit über 4000 Schülern von der S1 bis zur S6 (in Deutschland ist das Mittel- und Oberstufe) und über 150 Lehrern die größte Schule Ugandas. Neben den üblichen Fächern wird hier noch viel hauswirtschaftliches gelehrt.
Und dann noch Deutsch. Und wer denkt, dass Deutschunterricht in Uganda langweiliger Frontalunterricht ist, hat sich gründlich geschnitten.
Meine Kollegen sind wahrlich sehr einfallsreich und interaktiv in ihrem Unterricht. So werden Präpositionen, Fälle, Artikel usw. oftmals in Liedern verpackt, um sie besser zu lernen.
Wenn ich mal wieder einen Aufsatz korrigiere und dort ein Satz im falschen Fall geschrieben wurde, kann
es schon mal passieren, dass mir ein Schüler vorsingt, welche Präposition welchen Fall ankündigt. Und
ich selbst könnte das wegen Muttersprache und so, kaum erklären.
Präpositionen werden sehr anschaulich vermittel (ich glaube, ich habe nie so toll, Präpositionen in meinen Fremdsprachen vermittelt bekommen). Sprachspiele werden gespielt, Lieder und Märchen gehört und zwischendurch gibt es durch mich landeskundliche Infos zu Deutschland. Wohl gemerkt haben die Klassen teilweise an die 130 Schüler und trotzdem schaffen es die Lehrer die Schüler auf ein hohes Deutschlevel zu bringen.
Noch erstaunlicher ist das Niveau des Unterrichts, wenn man manchmal sieht wie spontan vorbereitet wird. Nicht selten werde ich „Opfer“ der Spontanität meiner Kollegen. Oh, du sollst gleich was zu Bayern erzählen. Der und der ist noch nicht da, kannst du kurz eine Lehreinheit machen. Wir wollen für mündliche Prüfungen üben, das sind die Themen, kannst du das jetzt machen? Am Anfang hat es mir Bauchschmerzen gemacht, wenn ich 10 Minuten vor einer Klasse mit 80 Schülern irgendetwas vermitteln sollte, da mein Englisch nicht der Wahnsinn ist und die Schüler auch nicht auf B2.1 Niveau sein können. Mittlerweile muss ich jedesmal lachen, bin etwas traurig im Nachhinein, wenn ich bedenke, wie toll ich manchmal Sachen gestalten könnte, wenn ich doch etwas Vorbereitungszeit hätte. Grundsätzlich gewöhnt man sich an alles und Spontanität kann man hier besonders gut lernen. Alles in allem stört es mich nicht und ich muss nur schmunzeln, wenn ich den ein oder anderen auf mich zukommen sehe.
Mein Kollege sagt immer:“Ihr Deutschen plant immer alles für den Unterricht und hier passiert viel aus dem Bauch heraus.“ Recht hat er!
Das Unterricht hier aber auch funktioniert, habe ich hier schon in einem Monat gelernt. Von daher kann man nur seinen Hut vor dieser tollen Leistung ziehen und stolz verkünden, wie modern Sprache vermittelt wird.

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