Uganda und seine Bodaboda-Fahrer!

Öffentliche Verkehrsmittel und der Großteil Europas gehören wohl so zusammen wie Uganda und Matooke. Das ich in Kampala mich nicht mit Bussen, S-Bahnen oder U-Bahnen vortbewegen würde, war mir ja klar bevor ich her kam. Und das man in Ostafrika mit Bodabodas oder mit den Matatus von A nach B kommt, hatte ich vorher auch schon gehört. Doch was es wirklich bedeutet mit Bodabodas zu fahren war mir nicht so richtig bewusst. Obwohl in Uganda Linksverkehr herrscht, frage ich mich manchmal, ob es überhaupt eine Straßenverkerhsordnung gibt. Obwohl die Fahrer im Stadtzentrum Helm-Pflicht haben, scheint den wenigsten der Nutzen von den Helmen klar zu sein. Obwohl man denkt, es gibt nicht so viel Spielraum wie man auf einem Motorrad sitzt, belehren mich die Ugander immer wieder neu. Frauen im Damensitz, mit Highheels, mit Babys auf dem Arm, zu dritt oder Familien teils mit bis zu 5 Personen auf den Bodas, Leute die auf ihrem Handy während der Fahrt rum spielen und vieles mehr lassen mich täglich wieder staunen. Der Verkehr in Kampala besteht permanent aus einer einzigen Rush-Hour und deswegen ist man auf die kleinen Motorräder angewiesen, die sich durch den Verkehr schlängeln und noch so engen Stellen trotzen. Bodabodas sind einfach super praktisch, weswegen insbesondere die Einheimischen für die kürzenste Strecke zum Bodaboda greifen.
Ich muss zugeben, dass mir die Bodabodas am ersten Tag nicht so ganz geheuer waren und ich irgendwie mich versucht habe davor zu drücken. Allerdings kann man sich nicht vor der Nutzung der Motorradtaxis drücken, wenn man mit einem gewissen Pünktlichkeitssinn ausgestattet ist. Also brauchte ich ein Bodaboda an meinem ersten Arbeitstag. Dafür nutzte ich ein Safeboda, was zwar teurer war, aber für den Mitfahrer ein Helm mitführt. Mein Fahrer war und ist wohl einer der besten Fahrer den Kampala zu bieten hat. Natürlich ist das rein subjektiv, aber von allen Drivern, mit den ich bisher gefahren bin, egal, ob mit Safebodas oder den normalen Bodabodas, fuhr bisher keiner so sicher und kompetent durch den chaotischen Verkehr. Ich bin unglaublich durch seine Kompetenz und Zuverlässichkeit beeindruckt, weswegen ich diesen Blogeintrag über Bodabodas verfasse.
Was mich in Kampala immer wieder zum Schmunzeln bringt, ist diese Verbindung von den Bodaboda-Fahrern zu ihren „Kunden“. Wenn man einen Fahrer gut findet, fragt man nach seiner Handynummer und ruft, ihn wann immer man ein Boda braucht an. Irgendwie finde ich diese Beziehung unglaublich interessant, denn in Deutschland kennt man ja maximal auf dem Dorf den Schulbusfahrer. Was ich immer wieder an dieser Verbindung vergesse, ist die eigentliche Dienstleistung die dahinter steht und das der Fahrer natürlich so, sichere Einnahmequellen hat. Dennoch gibt es nette Gesten, egal, ob Geldmacherei oder nicht. Und dafür komme ich zu meinem besonderen Bodadriver zurück.
Wenn er mich morgens mal nicht fahren kann, weil er Trainings hat oder nicht in meiner Nähe ist, dann schickt er mir trotzdem wen vorbei, der weiß, wo mein Arbeitsplatz ist.
Da ich gerade am Anfang keine konkreten Arbeitszeiten hab, kann ich immer nur ungefähr sagen, wann er mich abholen kann. Also ist das immer spontan, mir ist natürlich klar, dass eine Strecke von 20 Minuten nicht in 3 gefahren werden kann. Also warte ich auch gerne 20 Minuten, es soll sich ja niemand hetzen und einen Unfall bauen, wie Oma sagen würde. Doch er versucht so schnell wie möglich zu kommen, damit ich nicht zu lange warten muss.
Und die freundlichste Geste, welche aber am unangenehmsten geendet hat, ist wohl auch die einprägsamste gewesen. Eines schönen Mittwochs fuhr er mich wie immer zur Arbeit und fragte, wann ich Schluss habe. Wie immer wusste ich das nicht konkret. Allerdings hatte ich schon überlegt, einfach mit einem anderen Boda zu fahren, damit er nicht hetzen musste ich einfach direkt Heim konnte. Am Vortag war er durch durch den Verkehr gehetzt, dass er mich darum bat ein Matatu nach Hause zu nehmen. Also schrieb ich ihm nicht und nahm ein anderes Boda und keine 500 Meter von der Schule weg, kam mir mein lieblings Driver entgegen. Das war wohl eine der unangenehmsten Situationen meines Lebens. MIR TAT DAS SO UNGLAUBLICH LEID, da ich ja wusste wie weit die Strecke war. Und hinzu kam, dass es so nett war, dass er kam ohne das ich ihn gerufen hatte. Das war wohl eine richtige Arschbombe ins Fettnöpfchen! Ich schrieb ihm gleich und hatte so ein schlechtes Gewissen. Aber Bukoto ist ja mehr oder weniger ein Dorf. Ich erzählte unser lieben Haushälterin davon, da ich wissen wollte, wie Ugander mit sowas umgehen. Sie beruhigte mich und kam nach ihrem Einkauf zu mir, um mir zu sagen, dass alles gut ist und sie mit ihm gesprochen hat. Merkwürdiges Zenario, wie ich finde. Ich mochte das nicht so gerne, da ich meine Probleme lieber selber löse. Andererseits war es natürlich trotzdem praktisch. Ich finde er hätte allen Grunde sauer zu sein und in Deutschland würde der ein oder andere die Fahrt berechnen, aber fand es ok und machte kein Problem daraus. Natürlich hängt das sicherlich auch damit zusammen, dass ich eine gute Kundin bin, die brav zahlt. Dennoch fühle ich mich besser behandelt als von anderen Fahrern, die einfach nur schnelles Geld mit mir machen wollen und mir richtig das Gefühl geben, dass ich nur eine Muzungu für sie bin. Sicherlich bringe ich gutes Geld, aber in Deutschland zahlt man ja auch gerne mehr für guten Service, also kann man das auch hier beibehalten.
Aus diesem Wertschätzungsgefühl möchte ich den imaginären Award für den besten Bodadriver an meinen geben!

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