Tag 159 – Russisch-Exkurs #2

Liebe Leser_innen,

nachdem mein erster Beitrag über die Feinheiten der russischen Sprache schon eine Weile her ist und ich seitdem noch einiges dazugelernt habe, kommen jetzt noch einige Ergänzungen dazu.

Die Zahlen.
Dieses Phänomen begegnet wohl jedem Russischlerner irgendwann und lässt ihn in Ratlosigkeit zurück. Die Zahlen an sich sind nicht schwer – gezählt wird ab zwanzig nach dem Prinzip zwanzig-eins, zwanzig-zwei usw.
Schwierig wird es erst, wenn man tatsächlich Dinge zählen will und ein Nomen hinter das Zahlwort setzt.

Denn: bei Zahlen, die mit eins aufhören, also 1, 21, 31, 583671 usw. wird der Nominativ Singular gebraucht. Ok, bei 1 macht das ja noch Sinn, aber bei 21?  Das ist doch kein Singular mehr…

Bei Zahlen, die mit 2, 3 oder 4 aufhören, also 2, 3, 4, 23, 583674 usw., nimmt man den Genitiv Singular. Also, immer noch das Singular-Paradox, aber diesmal im Genitiv, sonst wäre es ja zu langweilig.

Der lang ersehnte Plural kommt dann aber bei Zahlen ab 5, also 5 bis 20, 25, 26, 47, 68, 99 oder 583670 – aber auch im Genitiv. Und da dieser Fall je nach Deklination des Nomens auf mindestens fünf verschiedene Arten gebildet werden kann, hat man dann richtig Spaß. Auch wenn man einfach nur von wenigen, vielen, einigen oder keinen Dingen spricht, braucht man immer den Genitiv Plural.

Der Buchstabe H …
ist im russischen Alphabet nicht vorhanden. Da aber beispielsweise einige deutsche Namen mit H beginnen, wird als Ersatz entweder das Х (Ch) oder Г (G) verwendet. Wenn man also über deutsche Schriftsteller spricht, kommt man meist irgendwann auf Germann Gesse und Geinrich Geine zu sprechen. Die Partnerstadt von Ufa ist übrigens Galle. Aber Gamburg und Gannover sind auch schöne Städte…

Geklaute deutsche Wörter.
Im Russischen gibt es einige Wörter, die aus dem Deutschen übernommen wurden und nach ihrem Klang mehr oder weniger exakt mit russischen Buchstaben geschrieben werden. Das sind z.B. Zifferblatt, Schlagbaum, Lager, Bruderschaft, Landschaft, Maßstab und Strafe (циферблат, шлагбаум, лагерь, брудершафт, ландшафт, масштаб, штраф). Diese Wörter haben in beiden Sprachen ziemlich genau die gleiche Bedeutung. Ein anderer Fall ist da бутерброд („Butterbrot“) – es handelt sich hierbei aber um ein belegtes Brötchen mit mehr als nur Butter drauf.

Immer diese Umlaute …
Das ist jetzt eigentlich keine Besonderheit der russischen Sprache, sondern ein lustiger Fehler, der mir bei Schüler_innen immer wieder auffällt. Fast alle russischen Deutschlerner_innen tun sich mit den Lauten Ö und Ü schwer und sprechen sie meist wie die russischen Laute Jo und Ju. Ich höre also oft die Zahlen fjunf und zwjolf. Das Lustige daran ist jetzt, dass Viele ganz normale Wörter mit O und U mit nahezu perfektem Ö und Ü aussprechen, z.B. öft oder Blüme. Jetzt noch den richtigen Laut an die richtige Stelle und dann ist es perfekt. Aber dieser Schritt ist offenbar schwer…

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