Tag 82 – Besuch des Generalkonsuls

Liebe Leser_innen,

gestern war eigentlich der einzige wirklich spannende Tag der letzten Woche, deshalb werde ich einfach ausführlich über diesen Tag berichten.

Die ganze Woche lang bereiteten wir uns auf den Besuch des Generalkonsuls aus Jekaterinburg vor. Ich hatte viele Infos über alle deutschen Bundesländer zusammengesucht, bei der Einstudierung einiger Märchen-Theaterstücke geholfen und eine Unterrichtsstunde vorbereitet, bei der der Konsul und die anderen Gäste zuschauen sollten. Es war wirklich unglaublich zu sehen, was für einen aufwändigen Jahrmarkt wir mit nur vier Wochen Planung zustandegebracht hatten. Ich werde gar nicht mehr erzählen, schaut es euch hier an. (Es lohnt sich, die 12 Minuten durchzuhalten!)

Mein Unterricht bestand darin, einen Sketch von Loriot anzuschauen und Fragen dazu zu besprechen. Anschließend sollten die Schüler_innen den Dialog üben und vorspielen. Die Gäste fanden den Film – wie erwartet – sehr lustig, die Klasse hat den Humor nicht ganz verstanden, glaube ich… Der Konsul sagte mir später, ihm hätte der Unterricht sehr gefallen. Falls jemand diesen Sketch nicht kennt (Bildungslücke!), dann schaut ihn euch hier an:

Nach dem Unterricht gab es eine „Pressekonferenz“, bei der einige Schüler_innen Fragen vorbereitet hatten, teilweise über Themen wie Musik und Sport, aber auch über z.B. Studieren in Deutschland. Danach gab es eine „coffee break“ (das heißt hier wohl tatsächlich so, wenn ich auch etwas länger brauchte, um das englische Wort in russischer Aussprache zu erkennen). Es gab Kaffee, Tee, Obst, Blini und einige baschkirische Spezialitäten, die irgendwie alle aus frittiertem Teig in verschiedenen Ausführungen bestehen und entweder in Zucker oder Honig gewälzt sind. Zum Beispiel чак-чак (Tschak-tschak), da sieht der Teig aus wie größere Erdnussflips, und die einzelnen Teile sind zu einem Berg aufgetürmt (die Höhe kann beliebig variiert werden) und mit (baschkirischem!) Honig übergossen. Sehr klebrig, sehr süß, sehr lecker.

Danach durfte ich freundlicherweise mit dem Konsul und zwei Begleiterinnen im Auto mit in die Stadt fahren. Wir fuhren zuerst ins Goethe-Zentrum am anderen Ende der Stadt. Das ist quasi eine kleine Sprachschule vom Goethe-Institut, die berechtigt ist, Sprachkurse zu geben und Prüfungen durchzuführen. Da wollte ich mich sowieso noch melden, um mich als Helferin im Sommer anzubieten, wenn in der Schule nichts mehr zu tun ist. Und weil ich jetzt schon da war, habe ich das gleich vorgeschlagen und die Mitarbeiter waren ganz begeistert von der Idee. Ich werde dann also ab Mitte Juli im Sommersprachkurs mithelfen, dann habe ich was zu tun und lerne auch nochmal ein anderes Arbeitsumfeld kennen. Der einzige Nachteil ist, dass ich jeden Tag über eine Stunde mit dem Bus dorthin fahren muss. Aber das ist zum Glück nur lang und nicht teuer.

Zum Abschluss fuhren wir dann ins Stadtzentrum, um den Frühlingsball zu sehen. Da versammeln sich die Absolventen aller Schulen in Ufa auf dem Sowjetischen Platz und tanzen verschiedene Tänze. Ich habe zwar auch Fotos und Videos gemacht, aber am besten sind natürlich die Luftaufnahmen der Veranstalter. Das Ganze ist nämlich vom Internet- und Mobilfunkanbieter Ufanet organisiert und natürlich keine schlechte Werbeaktion. Deshalb schaut euch lieber dieses Video an, da sieht man am Anfang und am Schluss ganz gut die Dimensionen der Veranstaltung (und es ist kein verwackeltes Handyvideo). Soweit ich weiß, waren da 5000 Schüler_innen beteiligt. So ein Abschlussball hätte mir auch gefallen…

Ich bin jedenfalls immer noch beeindruckt, wie feierlich die meisten Veranstaltungen hier sind. Manchmal wirkt es auf mich etwas übertrieben, aber es macht trotzdem Spaß, in diese Feierlichkeit mit einzusteigen und sie einfach zu genießen. Und beim Schulabschluss ist diese Festlichkeit auf jeden Fall gerechtfertigt!

Und wie geht es jetzt weiter? Am Donnerstag fliege ich nach Berlin, um ein neues Visum zu beantragen, und am Samstag geht es dann nach Wroclaw, wo am Sonntagmittag der Bus zum Ort des Zwischenseminars fährt. Das geht dann bis Donnerstag, am Freitag hole ich meinen Pass (hoffentlich mit Visum drin!) in Berlin ab und fliege am Samstag wieder nachhause. Merkt ihr was? Ufa ist für mich schon „zuhause“ 🙂

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