Tag 22 – Kleine Alltagskuriositäten

Liebe Leser_innen,

langsam bekomme ich ein Gefühl von Alltag. Mein Stundenplan steht fest, ich weiß, was ich zu tun habe, ich kenne die Supermärkte auf dem Schulweg und ich habe ungefähr eine Vorstellung davon, wie die nächsten 5 Monate ablaufen werden. Inzwischen habe ich auch entdeckt, dass die Mensa jeden Tag zwischen 12 und 13 Uhr Mittagspause hat (kein Witz!) und kann so auch planen, dass ich mir selbst Essen in die Schule mitnehme, wenn ich nur in dieser Stunde frei habe.

In den letzten Tagen habe ich nichts Weltbewegendes erlebt, aber jeden Tag fallen mir einige kleine Dinge auf, die hier anders sind als zuhause. Anders, nicht besser oder schlechter, nur anders. Diese Liste wird sich sicherlich noch erweitern, aber ich fange hier mal an.

Wasserhähne
Die Wasserhähne funktionieren teilweise andersherum, d.h. für heißes Wasser muss man nach rechts drehen und für kaltes nach links. Aber eben nur teilweise. Manche sind auch so wie zuhause. Manche Wasserhähne haben sogar die gewohnte blaue und rote Markierung, aber funktionieren andersherum als markiert. Inzwischen traue ich keinem Wasserhahn mehr über den Weg, schon gar nicht, wenn Markierungen drauf sind… Also wird halt jedes Mal ausprobiert.

Packungsgrößen
Die Maß- und Gewichtsangaben sind ungewohnt. Es wird zwar das metrische System benutzt, aber Produkte werden oft in für uns ungewohnten Mengen verkauft. Heute habe ich mir z.B. eine 0,6-Liter-Wasserflasche gekauft und morgens esse ich Cornflakes aus einer 370-Gramm-Packung mit Milch aus einer 880-Milliliter-Flasche.

Bezahlen
An der Supermarktkasse wird gerundet – meistens sogar zum Vorteil des Kunden. Es gibt zwar eigentlich Münzen für 1, 5, 10 und 50 Kopeken, aber bis jetzt habe ich nur 10 und 50 Kopeken gesehen. Kleinere Münzen bekommt man auch laut meiner Vermieterin normalerweise nicht zu Gesicht. Ein Beispiel: Gestern habe ich für 239,98 Rubel eingekauft (ca. 4€), habe 240 Rubel bezahlt und anstatt von 2 Kopeken 50 Kopeken (½ Rubel) zurückbekommen. Naja, das stört mich jetzt wirklich nicht.

Schließfächer im Supermarkt
Am Eingang jedes Supermarkts gibt es Schließfächer, in denen man seine eventuellen Einkäufe aus einem anderen Geschäft aufbewahren kann. Damit an der Kasse keiner denkt, man würde klauen.

Schulgong
Der Schulgong wird tatsächlich von Hand betätigt. Jeden Tag sitzen zwei andere Schüler_innen neben dem Eingang und drücken pünktlich am Anfang und Ende jeder Stunde auf den Klingelknopf. Ich weiß nicht, was diese beiden sonst noch machen. Irgendwas schreiben sie immer auf, aber ich habe noch nicht herausgefunden, was. Wenn ich es weiß, werde ich berichten.

Drehkreuze
Der Eingang der Schule ist mit Drehkreuzen gesichert, für die man eine Karte braucht, um durchzukommen. Am ersten Tag hat mich meine Vermieterin zur Schule gebracht und mich der Frau, die zusätzlich zu den Schüler_innen am Eingang sitzt, vorgestellt und erklärt, dass ich noch keine Karte habe. Am nächsten Tag bin ich alleine zur Schule gegangen und es war eine andere Frau da, die mich nicht kannte und die mich auch nicht reinlassen wollte. Auch mein Lieblingssatz „Я волонтёр из Германии Ich bin die Freiwillige aus Deutschland“ hat mir nicht weitergeholfen. Irgendjemand hat dann zum Glück die Schulleiterin geholt, die dann allen versichert hat, dass ich wirklich in die Schule darf. Jetzt habe ich auch eine Karte.

Türen #1
Auch für die Haustür gibt es keinen gewöhnlichen Schlüssel, sondern nur einen Transponder, der die Tür mit lautem Gepiepse öffnet.

Sonnenbrillen
Trotz des strahlenden Sonnenscheins, der vom Schnee und den Pfützen sehr stark reflektiert wird, habe ich noch keine einzige Person mit Sonnenbrille gesehen.

Türen #2
Die allermeisten Türen gehen nach außen auf, d.h. wenn man durch den Flur läuft, darf man nicht zu nah an den Wänden laufen, weil man sonst schnell mal eine Tür ins Gesicht bekommt…

Ich finde es sehr erstaunlich zu sehen, wie schnell man sich doch an eine komplett neue Umgebung gewöhnen kann. Hätte ich nicht gedacht, dass ich schon nach 12 Tagen (fast) alles als ganz normal empfinde.

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