Frag doch mal in Russland #1 Kindheitserinnerungen

Liebe Leser_innen,

vor kurzem kontaktierte mich die Freiwillige Jule W. aus Kolumbien. Ihr Freiwilligen-Projekt besteht darin, dass sie jeden Monat ein Thema vorgibt, zu dem möglichst viele Einheimische aus möglichst vielen Ländern befragt werden sollen und dass sie die Antworten dann in einem eigenen Blog sammelt. Das Thema im März lautete „Kindheitserinnerungen und was sich im Land seit der Kindheit verändert hat“. Hier ist mein Beitrag dazu.
Die befragte Person ist Svetlana Malikova, 65, eine ehemalige Deutschlehrerin meiner Einsatzschule, bei der ich während meines Freiwilligendienstes wohne. Wir haben das „Interview“ auf Deutsch gemacht und ich habe zur besseren Lesbarkeit und Verständlichkeit kleinere Fehler korrigiert. Svetlana hat mir aber nach dem Durchlesen des Textes versichert, dass alles so geschrieben ist, wie sie es gemeint hat. Also: viel Spaß beim Lesen, vielleicht werdet ihr auch ein bisschen zum Nachdenken angeregt…

Sophia: Das Thema lautet „Kindheitserinnerungen. Was hat sich seit Ihrer Kindheit in Russland verändert“?

Svetlana: Das erste, woran ich mich erinnere, ist ein Bild aus meiner Kindheit. Das Bild ist so: ich stehe in einer Schlange, um Brot zu kaufen. Die Schlange ist so, so, so lang, so viele Menschen stehen an. Und ich bin so klein, ich muss wie alle anderen Menschen stehen und dann Brot kaufen. Es gab eine Zeit, als wir nicht so viel Brot hatten in unserem Land – wir mussten so in den Schlangen stehen, um Brot zu kaufen. Wir kauften es, und dann gingen wir nach Hause. Das war weißes Brot und das war auch schwarzes Brot. Ich weiß nicht warum, aber wir fütterten – das ist paradox – mit diesem Brot fütterten wir auch die Haustiere. Ich weiß nicht warum, vielleicht gab es kein Korn, wir fütterten die Schweine, die Kühe, es gab vielleicht wenig Heu – jetzt kann ich das nicht genau sagen. Ja, wir hatten solch eine Zeit in unserem Land. Natürlich halfen wir Kinder unseren Eltern. Wir hatten kein Wasser, zum Beispiel, im Haus, kein Gas hatten wir. Elektrizität – ja, das hatten wir, es war hell, aber kein Wasser im Haus, kein Gas, und wir Kinder, was machten wir? Unser Vater war sehr beschäftigt, er arbeitete sehr, sehr viel, von früh bis spät. Er war der Vorsitzende eines Kolchos [Kollektivwirtschaft, landwirtschaftlicher Großbetrieb in der Sowjetunion] – sie pflegen gemeinsam die Haustiere in einer Firma, und die Pflanzen, und pflegen auch das Korn, Gemüse usw. Und alle schwere Arbeit zuhause machten wir Kinder. Wir sägten sogar Bäume – sie liegen auf der Erde, ohne Blätter, wir mussten sie sägen, und der Bruder meiner Mutter hackte sie. Und was machten wir noch? Wir trugen auf unseren Schultern zwei Eimer, es gab solche Gestelle aus Holz, gebogen, mit zwei Krücken und zwei Eimer, und wir trugen diese Eimer auf unseren Schultern. Wir waren nicht so groß, aber die Eimer waren nicht klein. Wir wurden gezwungen – sagt man das so? Wir machten das, es war normal.

Wie viele Geschwister haben Sie denn?

Wir waren vier, unsere Familie: drei Schwestern und der letzte war ein Junge. Und jetzt, natürlich, das heutige Leben in unserem Land ist ganz anders. Wir hatten auch eine sehr lange Periode, als wir ein totales Defizit hatten. Wir hatten fast nichts. Es gab das in den Geschäften, aber zu wenig, um allen Leuten etwas zu verkaufen. Um das alles zu kaufen, musste man auch in den Schlangen stehen, aber das hieß nichts. Man konnte Schlange stehen, sehr lange, und nichts bekommen, weil es zu wenig Waren gab. Zum Beispiel Kinderkleidung oder – alles! Fast alles, nicht nur die Kleidung, auch die Möbel, die Wurst hatten wir nicht. Jetzt ist ein totaler Überfluss. Es gibt von allem viel, sogar zu viel, das ist fantastisch [unglaublich, nicht unbedingt positiv!]. Meine Mutter, sie ist vor 20 Jahren gestorben – solchen Überfluss hat sie nicht mehr gesehen. Das alles haben wir später bekommen, gesehen.

Seit wann gibt es diesen Überfluss, die großen Supermärkte etc.?

Eine gute Frage. Seit 2000, dem Beginn des neuen Jahrtausends. Aber mit diesem Überfluss bekamen wir in unserem Leben auch die negative Seite eines solchen Lebens mit. In der Zeit meiner Kindheit war alles ruhig. Wir hatten nicht so viele Waren, aber unser Leben war ohne Krimis, ohne… ich weiß nicht. Die Kinder gingen spazieren und die Eltern waren ganz ruhig. Wir konnten z.B. mit 6 Jahren in den Wald gehen, ja wir konnten den ganzen Tag irgendwo verbringen, und unsere Eltern waren ganz ruhig. Sie wussten: nichts geschieht, alles wird gut sein. Zur Zeit ist das nicht so. Es gibt so viele Gefahren in unserem Leben, besonders für die Kinder, und das freut uns nicht, natürlich.

Und noch eine Seite: die Lebensmittel hatten einen anderen Geschmack. Sie waren ganz natürlich: Brot, Milch, Butter, alles hatte seinen eigenen Geschmack. Keine Chemie. Wir hatten nicht so viel Wurst, aber da hatten wir in der Wurst Fleisch, Salz, Pfeffer und nichts mehr. Und zur Zeit gibt es in diesen Würstchen, in der Wurst usw. so viele verschiedene Konservierungsmittel, Aromastoffe, Geschmacksverstärker [wörtlich russisch Geschmacksverbesserer]. Und das Wasser ist ganz anders zur Zeit. Wir wussten nicht, was Allergie heißt. In meiner Kindheit kannten wir solche Krankheiten nicht. Wir wussten nicht, was Drogen sind. Überhaupt war das ganz unbekannt, wir haben davon nie gehört, nie! Wir Kinder zumindest, die Erwachsenen vielleicht, irgendwo, irgendwann, aber das war so weit von uns, also die Drogen.
Die Betrunkenen, die Alkohol tranken, die gab es. Es war die sowjetische Periode, als unsere Menschen zu viel Alkohol tranken, das war eine lange Zeit. Und die heutige Zeit ist viel besser. Früher war es so: du gehst z.B. nach Hause, aus der Schule, es ist schon Wochenende, und was siehst du? Solche: (steht auf und imitiert einen schwankenden Betrunkenen). Das war so peinlich, aber das war ein typisches Bild. Einige lagen sogar auf der Erde, das war peinlich für unser Land, für mich, für unsere Leute, alle. Das war sehr schlecht, und zur Zeit sehen wir solche Bilder nicht mehr. Wenn das geschieht, ist das sehr, sehr selten. Das ist sehr gut für das heutige Leben. Besonders die jungen Leute, sehr viele junge Leute sorgen für ihre Gesundheit. Sie trainieren, sie besuchen Fitnessstudios, Mädchen und Jungen, und das gefällt mir sehr.

Und, was natürlich neu ist: das Ausland war in meiner Kindheit wie ein Kosmos. Das Ausland war unmöglich zu erreichen. Es gab den Eisernen Vorhang, und alles, das hinter dem Eisernen Vorhang war, schien uns wie ein Kosmos. Wir wussten nichts, aber es gab natürlich die Leute, die im Ausland waren, unsere Journalisten, unsere Diplomaten. Aber die einfachen Leute hatten keine Möglichkeit, ins Ausland zu reisen. Und als ich das erste Mal, 1995, nach Deutschland gereist bin, habe ich zwei Monate im Goethe-Institut gelernt. Dort sah ich, wie klein unsere Erde ist. Neben mir studierten Menschen aus der Schweiz, aus Österreich, aus Australien, aus Mexiko, aus Japan, aus Afrika, und alle waren zusammen. Alle waren hier, alle bekamen Briefe, alle telefonierten, und ich habe verstanden: unsere Erde ist so klein, und wir müssen für sie sorgen. Wir müssen nachdenken, sie schützen, und keinen Krieg sollen wir haben auf dieser Erde. Sie ist so klein, und so viele gute Menschen leben auf ihr, warum muss man Kriege haben, wozu? Ich habe das verstanden, und für mich war das eine Entdeckung. Als ich hier mit meinen Eltern lebte, in meinem Haus wohnte, dachte ich immer, dass die Welt so groß ist, dass sie wie ein Kosmos ist, unendlich, nein – unsere Erde hat Grenzen, und die Natur kann auch leiden wie wir Menschen. Das Wasser kann auch nicht immer sauber sein, es kann ganz schmutzig werden, und das ist sehr schlecht für die Erde, für uns.

Haben Sie schon immer in Ufa gelebt oder haben Sie als Kind woanders gewohnt?

Natürlich! In einer Arbeitersiedlung, da wohnten und arbeiteten die Erdölarbeiter. Das ist 200km von Ufa. Jetzt gibt es dort keine Erdölbetriebe mehr. Vieles hat sich verändert in dieser Umgebung [in Djoma, Vorort von Ufa, Svetlanas jetziger Wohnort]. Wer wohnt hier zur Zeit? Die Rentner, die Kinder, es gibt drei Mittelschulen, ein Krankenhaus und viele Geschäfte, aber die jungen Leute, die noch arbeiten müssen, die fahren mit dem Zug oder fliegen mit dem Flugzeug nach Norden, sie arbeiten da, um Geld zu verdienen und ihre Familien zu ernähren.

Seit wann wohnen Sie in Ufa?

Seit wann? Oh, das ist eine sehr interessante Geschichte! Mein Opa war Lehrer, meine Eltern waren Lehrer, meine älteste und zweite Schwester sind auch Lehrerinnen, und was sollte ich sein? Ja, natürlich auch Lehrerin! Und 100km von unserer Siedlung gibt es eine kleine Stadt, und da ist ein
pädagogisches Institut. Da studierten auch meine Schwestern, und da ging ich auch hin, um zu studieren. Nach dem ersten Studienjahr habe ich meinen zukünftigen Mann kennengelernt. Er studierte hier in Ufa, und ich in dieser Stadt Birsk, 100km zwischen uns. Einmal kam er zu mir mit dem Bus, beim zweiten Mal fuhr ich zu ihm usw. Das dauerte zwei Jahre. Dann wurden wir ganz müde davon, und wir dachten: „Vielleicht werden wir uns verheiraten, dann wird das viel leichter.“
Er war Student, aber er war ein sehr aktiver Student. Er leitete eine Studentenbewegung „Baugruppen“. Im Sommer trafen sich die Studenten, eine große Gruppe, 30 Studenten, oder 40, und sie fuhren nach Osten, um etwas zu bauen, fuhren nach Norden oder in den Süden oder hier, nicht weit von Ufa. Und mein Mann leitete solche Gruppen, er hatte ein Lastauto, um seine Studenten zu besuchen, denn sie arbeiteten in vielen verschiedenen Gebieten der Republik [Baschkortostan]. Wir haben uns verheiratet, und dann bekam er sogar eine Zweizimmerwohnung im Studentenwohnheim. Er hat selbst mit seinen Freunden alles repariert, renoviert usw. Unsere Hochzeit war nach dem dritten Studienjahr, das war eine sehr lustige Hochzeit mit vielen Studenten und Studentinnen, und dann nach einem Jahr ist Ina geboren. Das war in der Mitte des fünften Studienjahrs, und ein halbes Jahr studierten wir zu dritt, mein Mann, ich und unsere Tochter Ina.
Wir machten alles selbst. Zum ersten Mal ist meine Mutter nach 6 Monaten gekommen. Ich hatte staatliche Prüfungen, und um mir zu helfen, kam sie zu uns, um sich um Ina zu sorgen. Und dann sind wir hier in der Stadt geblieben. Früher bekamen alle Studenten, nachdem sie die Hochschule beendet hatten, ein Papier, auf dem stand, wo sie arbeiten werden, Beruf, Platz, Stadt usw. Zur Zeit haben wir solche Papiere überhaupt nicht mehr. Keine Papiere, jeder Absolvent wählt selbst seinen zukünftigen Arbeitsplatz. Und er bekam einen Platz hier in Ufa und wir haben ein Zimmer gemietet, das war ein kleines Holzhaus in der Vorstadt, hier in Djoma, aber weit von hier. Aber das war kein Haus, nur ein Anbau. Da gab es einen Ofen mit Holz, ein Bett, einen Fernseher, einen Schrank, und nichts mehr. Sogar einen Tisch hatten wir nicht. Und wenn meine Mutter zu uns kam, sagte sie: „Wie schlecht wohnen sie, sie haben sogar keinen Tisch, und sie denken, dass sie in einer Stadt wohnen?“ (lacht) Aber das war für uns nicht so dramatisch, das war für uns keine Tragödie. Ja, wir hatten keinen Tisch, aber wir hatten einen Korb, darauf lag eine Tischdecke. Und wir wussten, dass wir nach einigen Jahren eine Wohnung bekommen werden, wir waren sicher, wir glaubten das. Man hat uns versprochen, dass wir nach einem Jahr die Wohnung bekommen werden. Wir haben sechs Jahre gewartet.
Ina ist gewachsen, dann ist Regina geboren. Zuerst warteten wir auf eine Zweizimmerwohnung. Wir hatten ein Kind, Vater und Mutter, also eine Familie aus drei Menschen, und wir hatten das Recht auf eine Zweizimmerwohnung. Aber nicht kaufen – früher bekamen wir das kostenlos von unserem Staat. Und ich hatte meinem Mann gesagt: „Wir haben keine Wohnung und die Zeit vergeht, vielleicht wollen wir noch ein Kind?“ (lacht) „Und dann werden wir das Recht haben nicht auf zwei Zimmer, sondern auf eine Dreizimmerwohnung!“ Und das geschah, und wir haben das geschafft.
Aber die Geschichte, wie wir uns kennengelernt haben, ist sehr romantisch. Auf Deutsch kann ich das nicht erzählen, unsere Freunde und Verwandte kennen die Geschichte, ja, wir waren sehr, sehr interessant, unvergesslich. Und ich habe mit ihm 40 glückliche Jahre gelebt. Und meine Freundin sagte mir immer: „Sveta, du hast so einen Mann, die gibt es überhaupt nicht mehr!“ Ich hab gesagt: „Er ist wie alle anderen, warum sagst du das?“ Ich verstand das nicht, aber als ich allein geblieben bin, verstand ich, was für einen Mann ich diese 40 Jahre lang hatte.

Ich sagte vorhin, dass es früher ein Defizit an Kleidung, Nahrungsmitteln usw. gab. Heute haben wir ein Defizit an Gutherzigkeit und Liebe. Die Autofahrer zum Beispiel, die können sich streiten. Früher war das eine unmögliche Situation. Früher half jeder dem anderen, und jetzt haben wir etwas
anderes. Die Autofahrer können sich auf der Straße streiten, sie können sogar schießen – ja, bei uns gibt es solche. Und sehr viele Ehepaare, die nicht so glücklich sind, die lassen sich scheiden. Dafür gibt es einen objektiven Grund: die Frauen wurden unabhängig. Sehr oft verdienen sie nicht weniger als die Männer oder sie verdienen sogar mehr, sie wurden selbstständig und wozu brauchen sie dann einen Mann, der zu viel Alkohol trinkt oder nicht so sorgfältig ist, warum sollen sie einen solchen Mann neben sich haben? In meiner Kindheit kannten wir solche Situationen nicht. Die Frauen ehrten ihre Männer, sie warteten immer und machten alles. Aber das ist normal. Nichts bleibt stabil. Das Leben geht weiter, alles verändert sich, das ist ein Gesetz, kann man sagen.

Waren die Leute früher aus Liebe verheiratet oder war es eher eine Zweckgemeinschaft?

Meine Generation natürlich aus Liebe. Aber unsere Eltern – z.B. meine Mutter hat meinen Vater geheiratet ohne Liebe. Sie hat uns das gesagt, sie liebte einen anderen Mann, aber es gab Gründe dafür, um nicht mit ihm zusammen zu sein. Die Mutter meines Vaters hat unsere Mutter ausgewählt, als sie noch ein Mädchen war. Sie hat sie auf dem Markt gesehen und meine Mutter hat seiner Mutter sehr gut gefallen und sie hat ihrem Sohn gesagt: „Du sollst dieses Mädchen wählen.“ Du sollst, nicht du musst, aber du sollst, hat sie gesagt. Er hat es so gemacht und war glücklich. Er war glücklich, aber vielleicht nicht bis zum Ende. Er tat alles, um sich ihre Liebe zu verdienen. Meine Mutter liebte ihn vielleicht nicht von ganzem Herzen, aber sie hat ihn geehrt, er hatte Autorität, er war sehr klug, er war sehr sorgfältig und er war ein guter Mann, ein guter Vater, und dafür ehrte sie ihn.

Wie hat sich die Stadt Ufa im Stadtbild und in der Größe und überhaupt verändert, seitdem Sie hier wohnen?

Auch eine gute Frage! Ich habe schon gesagt, ich mietete mit meinem Mann einen Anbau, und wir begannen da zu wohnen. Und was hatten wir hier im Zentrum [von Djoma]? Es gibt viel Wasser hier, und unser Grundwasser ist sehr hoch. Und im Zentrum wuchs Schilf und die Enten schwammen. Da gab es eine Straße, die haben wir immer noch, und nicht so viele Häuser natürlich, viel weniger, und natürlich gab es nicht so viele Schulen. Die Hochhäuser hatten wir überhaupt nicht, wir hatten nur fünfstöckige Häuser. Vielleicht nicht so saubere Straßen – aber jetzt sind sie auch nicht sauber, besonders jetzt in unserem Stadtviertel, denn wir haben einen Neubau. Und ich habe in Deutschland gesehen, wenn ein Gebäude gebaut wird, dann wird die Straße neben der Baustelle gewaschen, damit der Schmutz sich nicht verbreitet, und bei uns macht man das leider nicht, darum gibt es so viel Schmutz, vor allem in den neuen Vierteln.
Was noch? Wir hatten z.B. kein Schwimmbad, wir warteten sehr lange auf dieses Schwimmbad. Man hat uns immer versprochen: „In diesem Jahr wird das Schwimmbad gebaut.“ Wir warteten, dass das Jahr vergeht, und im nächsten Jahr sagten sie wieder: „Im nächsten Jahr wird das Schwimmbad gebaut.“ und so weiter und so fort. Endlich wurde das Schwimmbad gebaut, ein gutes Schwimmbad.

In welchem Jahr wurde das Schwimmbad gebaut? Ungefähr?

Ungefähr? Also, ich wohne hier in Djoma seit 1975 und vielleicht warteten wir auf dieses Schwimmbad 15 Jahre, 20 Jahre. Ein gutes Schwimmbad, es ist heute sehr beliebt, Kinder, Rentner und die jungen Leute besuchen es. Es gab nicht so viele Kindergärten. Bei uns, als viele Kinder geboren wurden, brauchten sie natürlich Kindergartenplätze. Es gab sehr wenig Kindergärten und Plätze. Und unsere Regierung hat eine Aufgabe gestellt: jede Region soll diese Kindergärten bauen, das war eine sehr wichtige Aufgabe für den Staat. Diese Aufgabe wurde erfüllt und zur Zeit haben wir genug Plätze, z.B. in unserem Hof wird ein Kindergarten mit Schwimmbad gebaut, das ist untypisch für Kindergärten. Ein bisschen weiter gibt es auch einen neuen, jetzt haben wir genug Platz für die Kinder und das ist sehr gut für die jungen Mütter. Sie haben die Möglichkeit zu arbeiten und unsere Kindergärten sind im Vergleich zu den ausländischen Kindergärten besser, meiner Meinung nach. Warum? Sie bekommen da alles, sie essen gut, sie schlafen da, sie bekommen eine gute Entwicklung, gute Spiele und Unterricht zur Entwicklung der Kinder. Man sorgt für ihre Gesundheit, es gibt da einen Arzt, eine Krankenschwester, oder nicht nur eine, es gibt Erzieherinnen. Aber in meiner Jugend konnte man die Kinder sogar mit zwei, drei Monaten in den
Kindergarten geben. Zur Zeit – nein, mit drei Jahren, das ist normal. Und drei Jahre sorgen die Mütter für ihre Kinder, natürlich bekommen sie nicht so viel Geld vom Staat, aber sie bekommen Geld. Und die Kinder können dort sein von 8:00 bis 18:00 Uhr, den ganzen Tag. Erst am Abend holen die Eltern sie wieder ab.

Gibt es genug Erzieher_innen?

Es gibt genug, aber das Problem ist, dass sie nicht so gut bezahlt sind. Aber wenn es keine andere Arbeit gibt, macht man auch diese Arbeit.

Würden Sie sagen, dass Sie es in der heutigen Zeit in Ihrem Alter, in Ihrer Generation eher leichter oder schwerer haben? War es schwierig, sich umzugewöhnen?

Für mich ist es nicht schwierig. Das freut mich sehr, das ist super, dass wir solche Möglichkeiten bekommen haben. In meiner Generation gibt es Leute, die vermissen die frühere Zeit. Natürlich, die Menschen, die älter sind als ich, nicht viel älter, aber es gibt solche Leute, die schimpfen und sagen: „Früher hatten wir ein glückliches Leben, wir hatten keine Arbeitslosigkeit, wir bekamen immer Geld…“, aber alle hatten ein gleiches Niveau des Lebens. Alle wohnten wie Zwillinge. Jetzt haben wir so viele Möglichkeiten, um unsere Begabungen auszudrücken und ich bin nicht damit einverstanden, dass es heute unmöglich ist, eine Arbeit zu finden. Es gibt Arbeit! Vielleicht nicht so gut bezahlt, vielleicht nicht so leicht, wie du willst, aber wenn du etwas verdienen willst, dann hast du immer solche Möglichkeiten. Du kannst einen anderen Beruf erlernen, aber wenn du liegen wirst und träumen, und nichts mehr, natürlich fällt nichts in deinen Mund vom Himmel! Man muss sich bemühen.
Diese Zeit ist sehr interessant, ist sehr schön. Natürlich gibt es Probleme, natürlich gibt es einige dunkle Seiten, aber es gab das früher auch. Nicht alles war so hell, so fantastisch usw. Früher gab es auch Probleme, aber solche Möglichkeiten wie heute hatten wir nicht. Und daher gefällt mir diese Zeit besonders.

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