Tag 12 – Willkommen in Ufa!

Liebe Leser_innen,

gestern war es zu spät und ich zu erschöpft, um noch etwas zu schreiben. Die Reise ist insgesamt gut verlaufen, nur in St. Petersburg war die Umsteigezeit etwas zu knapp bemessen. Womit ich nämlich nicht gerechnet hatte: ich musste nach der Passkontrolle ganz bis zum Ausgang laufen und dann ein zweites Mal durch die Sicherheitskontrolle gehen. Dort hat der Scanner meine Bordkarte erst nicht akzeptiert, und erst nachdem der dritte hektische Mitarbeiter zum dritten Mal telefoniert und das Ticket zum fünfzehnten Mal gescannt hatte, hat der Computer dann doch grün geleuchtet. Ich habe keine Ahnung, was da passiert ist, ich weiß nur, dass ich nach dieser Aktion noch fünf Minuten Zeit bis zum Boarding hatte und in dieser Zeit ziemlich gerannt bin. Die Entscheidung, dicke Kleidung zu tragen, weil es im Flugzeug immer so kalt ist und damit der Koffer weniger Gewicht hat, hat sich in diesem Moment als ziemlich blöd herausgestellt…

Trotzdem bin ich pünktlich in Ufa gelandet (zum Glück ist auch mein Koffer angekommen und nicht in St. Petersburg hängengeblieben) und wurde von der Schulleiterin, die gleichzeitig meine Ansprechperson ist, abgeholt und zu meiner Wohnung gefahren. Eigentlich ist es gar nicht meine Wohnung, sondern ich bewohne ein Zimmer bei einer ehemaligen Deutschlehrerin meiner Einsatzschule. [Antwort auf den letzten Kommentar: ich sollte eigentlich die Wohnung meines Vorgängers übernehmen, aber die Schulleiterin hat mir ein paar Tage vor meiner Abreise dieses Zimmer angeboten. Ich bezahle dafür monatlich 12.000 Rubel, das sind je nach Wechselkurs knapp 200€, also habe ich noch 150€ von meinem Gehalt übrig.] Sie ist sehr nett und sagt mir immer wieder, wie sehr sie sich darüber freut, dass ich da bin. Sie spricht ziemlich gut Deutsch, will aber unbedingt, dass ich sie korrigiere und ihr helfe, besser Deutsch zu sprechen. Im Gegenzug beantwortet sie mir sämtliche Fragen über die russische Sprache. Außerdem finde ich es gut, dass sie freundlich, aber klar sagt, was sie will. „In Russland sagt man: ‚Man ist drei Tage lang Gast, danach ist man ein Mitglied der Familie.’“ Soll heißen, bis morgen werde ich noch bekocht, danach muss ich – und darf ich – mich selber kümmern, was Einkaufen und Kochen betrifft. Ich möchte ja schließlich auch lernen, selbstständiger zu werden.

Heute hat sie mir schon die wichtigsten Orte der Stadt gezeigt und mir vieles über Ufa erzählt. Ich habe leider den Fehler gemacht, mich nicht warm genug anzuziehen – ich dachte, bei -2°C und strahlendem Sonnenschein brauche ich keine Strumpfhose, aber ich hatte den Wind nicht miteingerechnet, der mich ziemlich tiefgefroren hat. Außerdem ist mir bei dem langen Spaziergang bewusst geworden, was es eigentlich für ein Luxus ist, dass in Deutschland die Gehwege geräumt und gestreut sind. Hier sind nur die Straßen freigeräumt, und der Schnee landet auf dem Gehweg, wo er dann festgetreten und zu Eis wird. Ich habe die anderen Spaziergänger wirklich bewundert, die teilweise mit ganz normalen oder sogar hochhackigen Schuhen problemlos über das Glatteis gelaufen sind, während ich mit meinen Wanderschuhen doch öfters Schwierigkeiten hatte, mich auf den Beinen zu halten. Die Schulleiterin sagte gestern sogar (wenn auch deutlich ironisch): „Minus zwei Grad, das ist Frühling, es wird warm!“

Morgen ist mein erster Tag in der Schule, wo ich mit der Schulleiterin erst einmal alles genau besprechen werde, was meine Arbeitszeiten und Aufgaben angeht. Zum Glück muss ich, weil es mein erster Tag ist, erst um 10 Uhr dort sein – letzte Nacht bin ich erst um 3 Uhr eingeschlafen und um halb 12 aufgewacht.

Die ältere Tochter der Schulleiterin ist auch sehr freundlich und hat mir heute geholfen, eine neue SIM-Karte für mein Handy zu kaufen. Obwohl ich dachte, dass ich mich mit meinen Russischbrocken halbwegs verständigen kann, musste ich mit großer Enttäuschung feststellen, dass „Internet“ so ziemlich das einzige Wort war, das ich im Geschäft verstanden habe.

Trotzdem bin ich insgesamt sehr zufrieden und fühle mich sehr wohl hier. Das wunderschöne Wetter hat definitiv zu einem guten ersten Eindruck der Stadt beigetragen, obwohl ich noch nicht viel von Ufa gesehen habe. Der riesige Fluss Belaja ist tatsächlich komplett zugefroren und verschneit („belaja/белая“ bedeutet übrigens „weiß“ – logisch, oder?).

Jetzt höre ich aber mal auf zu schreiben, damit ihr meine nächsten Einträge auch noch lest. Wenn die Überschwemmung mit neuen Eindrücken nachlässt, wird auch die Überschwemmung mit Blogeinträgen nachlassen, versprochen!

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