Tag 10 – Der ganz große Abschied

Liebe Leser_innen,

ich habe ein großartiges Vorbereitungsseminar hinter mir! Zusammen mit knapp 200 anderen Freiwilligen habe ich zehn Tage am Werbellinsee verbracht – und weil ich einige von euch schon fragen höre: nein, die anderen gehen nicht auch alle nach Russland, sondern diese vielen Menschen sind sämtliche Freiwillige, die mit kulturweit ausreisen, also auch in alle anderen Einsatzländer.

Übrigens: außer mir reisen noch fünf Andere nach Russland. Fünf wunderbare und inspirierende Menschen, die ich alle auf dem Vorbereitungsseminar kennenlernen durfte und die ich zum Glück schon in zweieinhalb Monaten auf dem Zwischenseminar wiedersehe.

Zum Seminar kann ich nur Folgendes sagen: Es sind jetzt alle Fragen geklärt, die auf dem Seminar geklärt werden konnten. Alle anderen offenen Fragen werden sich in den nächsten Tagen und Wochen von selbst klären (wie sieht die Schule von innen aus, was sind meine Aufgaben, wird mir meine Wohnung gefallen…?). In diesem Punkt hat das Vorbereitungsseminar seinen Zweck für mich absolut erfüllt. Die Themen und Workshops waren abwechslungsreich und waren, wo möglich, sehr lustig für alle Teilnehmer. Natürlich kann man von einem Workshop über Rassismus und Kolonialismus nicht gerade erwarten, Spaß zu haben und Spiele zu spielen… Es gab aber z.B. auch einen Workshop darüber, was man macht, wenn man spontan eine Klasse übernehmen muss – da haben wir 14 Spiele für mehrere Altersgruppen kennengelernt und die allermeisten auch gleich in der Gruppe durchgespielt.

Und jetzt nochmal etwas für zukünftige Freiwillige: stellt euch darauf ein, dass das Essen eher mittelmäßig ist, aber das ist ja bei Jugendherbergen zu erwarten. Außerdem: dass es nur einen Schlüssel für die Zwei- bzw. Dreibettzimmer gab, hat oft dazu geführt, dass ich auf der Suche nach der Schlüsselverantwortlichen entweder weite Strecken auf dem großen Seminargelände zurückgelegt oder statt im Zimmer eben im Seminarhaus rumgehangen habe.

Bevor sich jetzt jemand denkt „Wieso nennt sie denn den Artikel ‚Der ganz große Abschied‘ und labert dann nur über das Seminar?“: ein Mitglied meiner Homezone (= eine feste, nach Regionen eingeteilte Gruppe, die sich auf dem Seminar einige Male trifft, um sich über ihre Erfahrungen, Hoffnungen, Erwartungen und so etwas auszutauschen und Spiele zu spielen) hat gestern einen sehr treffenden Gedanken geäußert, den ich jetzt ganz dreist klaue. Er meinte, das Seminar sei so ein komisches Zwischending. Man hat sich schon von den Freunden und der Familie zuhause verabschiedet und ist zwar nicht mehr zuhause, aber auch noch nicht im Ausland. Ich habe mich sogar dabei ertappt, wie ich jemanden anrufen wollte und für einen kurzen Moment dachte: „Ach nee, geht nicht, ist zu teuer, ich bin ja im Ausland“ … Und dann muss man sich schon wieder von den vielen Leuten verabschieden, die man doch gerade erst kennengelernt hat und von denen man einige wahrscheinlich gar nicht mehr sehen wird. Ich bin jetzt aber trotzdem ganz froh darüber, dass ich erstmal wieder weniger Leute um mich herum habe. Natürlich werde ich in Russland auch viele Menschen kennenlernen – aber eben nicht so viele und vor allem nicht so viele auf einmal. Es ist nämlich doch erstaunlich anstrengend, ständig neue Namen zu lernen, sich Gesichter zu merken und dann auch noch den Überblick zu behalten, mit wem man über was geredet hat…

Morgen habe ich jedenfalls „nur“ einen Reisetag. Keine neuen Leute, kein Workshop, kein Input, nur ins richtige Flugzeug steigen und richtig umsteigen… Ich werde euch auf dem Laufenden halten und Bescheid sagen, wenn ich angekommen bin.

Bis morgen!

One thought on “Tag 10 – Der ganz große Abschied

  1. Ich fiebere mit dir mit und bin gespannt auf detaillierte Erzählungen darüber,
    wie du die ersten tage in deiner neuen Umgebung erlebst!

    Ich hätte dabei 2 Fragen an dich :
    1. Sprichst du russisch, und wenn ja – wie gut?
    2. Wie schwer war es eine Wohnung zu bekommen, hast du dabei Hilfe gehabt und wie stemmst du die Kosten?

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