du bist schön.

du bist schön.

oh! oh, danke, du aber auch! überrumpelt und überrascht. fremdsprachen lernen schafft freude und verbundenheit. und meistens sind es nicht die großen, sondern vielmehr die kleinen sprachlichen errungenschaften, die für das warme band sorgen. du stehst im schulklo und wäschst dir die hände, die tür geht auf, du wirst erkannt und einmal von oben nach unten gemustert, und ein satz aus drei wörtern, die man in der vierten klasse schon beherrscht, schlüpft über die lippen eines deiner lesekinder. inzwischen wurden schon wieder ballettkarten erworben, bach wurde 333 jahre alt und sein geist im zusammentreffen vieler, vieler musikschüler des konservatoriums im sonnenschein neben dem opernhaus in die lüfte geschickt. inzwischen kamen jede menge leute zu besuch, die es sich nicht nehmen ließen dich in ihre privatmarschrutka zu setzen und dich einluden, einen langen tag in kachetien, ostgeorgien, bodbe, sighnaghi und tsinandali, telavi bis alaverdi, zu verbringen. die bäume werden grün, die häuser weniger, die wege still. liebe, warme menschen. danach schießt du passfotos, um sie mit dem nächsten besuch nach deutschland zu schicken, man weiß ja nie, ob du sie dort nicht bald zum einrühren zukünftiger pläne brauchst. zu hause bist du für die nächste woche nur zum schlafen, wenn du auch nicht schlafen kannst, und pendelst zwischen schule, metro und der unterkunft der lang ersehnten besucherlinge. man versucht, die stadt wieder aus den augen eines neuankömmlings zu sehen. es will nicht gelingen, dafür bist du zu lange hier. auf der metrorolltreppe von einer älteren dame angesprochen, sie sprechen nicht georgisch, nicht russisch, woher kommen sie denn? aus deutschland, das sind meine eltern. ah, mein sohn wohnt auch in deutschland, sie wohnen hier, ja? ja, ich wohne hier und arbeite mit kindern an einer schule. und sie lernen georgisch? ja, naja, ich versuche es. ein lächeln. zwei lächeln und bestimmt 387 wörter, die ich noch hätte lernen müssen, um all das zu verstehen, was mir dann im plauderton auf georgisch erzählt wurde. eine handvoll schöner, warmer tage, mit vertrauten gesichtern, ein wimpernschlag später und auch jenes flugzeug verlässt wieder den -hafen. nicht weniger als 32 bunte, beschriebene und bemalte postkarten fliegen ebenfalls bald nach deutschland, ein gruß von hier-kindern an da-kinder. vielleicht kommt ja eine antwort? es ist ostern in georgien. eier werden rot gefärbt, gras gesät, gebacken. getrauert und gefeiert und auferstanden. ein zweikiloschweres westpaket, gefüllt mit nichts als schokolade, findet trotz fehlender sendeverfolgungsnummer seinen weg unerschrocken in mein postamt. du bist schön, eine stadt und ihre kinder. und was ist das eigentlich, dass jetzt schon april ist.

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