nach baku fahren.

nach baku fahren.

vielleicht sollten wir nach baku fahren, denn es sind frühlingsferien. wir fliegen über gebirge, gebirge und gebirge und dann plötzlich ein meer. kaufen eine metrokarte am flughafen, der so modern ist, dass ich nicht auf anhieb weiß, wie die toilettenspülung zu bedienen ist. einmal bus gefahren und in der metro verlaufen später stehen wir mit sack und pack in der weltgeschichte rum und wissen noch nicht, dass wir aus versehen direkt in der altstadt gelandet sind. durch fußgängerzonen und verwinkelte gassen geht es zum ersten mal und nach langer, langer zeit für mich ans meer, das kaspische. der geruch hat gefehlt. und der himmel zieht sich zu, eiskalter wind fegt durch alle pulloverschichten. der hostelnachbar spielt bis nachts um zwei seine kuschelrock-best-of-playlist auf voller möhre, was uns nur milde freude entlockt.

und dann erkundet man eben. freut sich wie ein kind über papageien in den bäumen, die da einfach so ihr ding machen. zieht seine kreise durch die sonnengeflutete altstadt, „İçərişəhər„, entlang einer jahrhundertealten stadtmauer, palästen, moscheen, teppichen und teppichen und tüchern. an wehrtürmen vorbei, in denen zu schöne töchter eingesperrt wurden, so eine der vielen legenden, die sich um ihn ranken. man stolpert sogar kurz in ein miniatur-buch-museum, in dem miniatur-bücher ausgestellt werden. es ist internationaler frauentag, blumen und luftballons und gigantische teddybären. müde in der sonne dösende katzen.

mit der funikularbahn nach „oben“ und hinaus blicken über die stadt. gräber und immer wieder gräber und gedenkstätten und ein nie ausgehendes feuer. das kenne ich schon irgendwoher. es scheint ein spiegel.

dann zurück zur strandpromenade und ein erdbeereis auf die hand, in der sonne sitzen. das gesicht glüht und die füße werden lahm. ein kurzer mittagschlaf und ingwertee, danach geht es ja auch schon weiter. zum gin tonic gesellt sich eine neue entdeckung, die da heißt „xirdalan“ und ist bier von hier. nette und neue gesichter. ich frage mich insgeheim, was es ist, das eine bestimmte konstellation von fremden leuten in genau derselben zeit an genau denselben ort bringt, wege kreuzend. bier? die nie enden wollende suche? kurz sieht es aus, als gäbe es „stress mit der mafia“, was immer das bedeuten mag. aber nur kurz. doch wir gehen und uns wird am nächsten morgen berichtet, dass es noch ein interessanter abend wurde, inklusive fliegender stühle. und vodka.

armenisches frühstück. buslinie 2 bringt uns zum heydər əliyev merkezi, einem meisterwerk der dekonstruktivistischen architektonik zaha hadids und kulturzentrum für haufenweise kultur und so. man durchläuft die geschichte aserbaidschans, ein baku in klein, an puppengsichtern und zeitgenössischer chinesischer kunst vorbei, alfonse mucha und aleksey beqovun. und hat das gefühl durch ein raumschiff zu gehen. wir laufen gefahr vom wind aufgeschnappt und davon getragen zu werden und flüchten in buslinie 5.

dann sind wir für unschlagbare 25 manat versuchskaninchen für ein noch-nicht-ganz-existierendes reiseunternehmen, fetzt. ziel: qobustan und petroglyphen und schlammvulkane. leider hatte es am vortag geregnet. aber das merken wir uns für später. da das wetter unbeständig umkrempelung der reiseroute. man ziehe sich plastetüten über die schuhe, da „die taxifahrer es nicht leiden können wenn die touristen den ganzen dreck mit ins auto schleppen“. auch das merken wir uns für später. das, was nun folgen sollte ist wahrscheinlich die absurdeste taxifahrt, die ich seit langem erleben durfte. nun, denn der schlamm, ja, war echt überall. was mit rumgedrifte durch die schlammwüste anfängt, endet mit schrecken, wir bleiben stecken. alle. die starterbatterie wird weitergereicht und haucht den erprobten fahrzeugen neues leben ein. unterwegs erblickt man ein mosaik aus kuhschädeln und müll, im hintergrund ein güterzug. die plastetüten verabschieden sich bereits nach zwei schritten. ich empfinde eine plötzlich aufwallende, starke sympathie für meine mich seit monaten und jahren durch erlebnisse wie eben dieses begleitenden schuhe. mögen sie in frieden ruhen.

jedenfalls kommen wir irgendwann an und erklimmern unter schlittern und schlurfen das terrain schlamm spuckender miniatur-vulkane. ein auto verlor leider sein leben, sodass wir schließlich zu siebt in einen lada gestapelt den rückweg antraten, zur rettenden tankstelle mit kaltwasserhähnen, um dem tapferen schuhwerk erste hilfe zu leisten. fehlende rückspiegel und rausfallende fensterscheiben, mit dem fahrer geteilte letzte zigaretten und ein ruiniertes auto-interieur. ich fühle mich heute noch schlecht deswegen.

„eine petroglyphe ist ein in stein gearbeitetes feslbild aus prähistorischer zeit.“, und zu bewundern im qobustan-nationalpark nicht weit von baku. und ins wundern kommt man wirklich. manchmal rennt die zeit, doch hier bleibt sie stehen. yanar dağ, der „brennende berg“ sollte unser letzter halt sein. zehn meter erdgasfeuer, das seit dem altertum brennt. langsam wird es dunkel, das feuer lodert und schmilzt meinen rucksack. zurück im hostel klopfe ich den dreck aus meiner hose und den schuhen, zur erheiterung des unter mir ziehenden, nächtlichen treibens. carla und ich finden uns des nachts um zwei in einem hohen altbauraum wieder, der mal ein theater werden soll, wenn er groß ist. zigarettenrauch, paletten, holz, lila licherkette, ein weitergreichtes gedicht sitzen wir in einem kreis kreativer köpfe und freundlicher seelen, schöner menschen voller ideen, die gitarre im anschlag, und fragen uns einmal mehr in diesen bereits sechs monaten, wie wir eigentlich hierher gekommen sind. und morgen ist dann wieder einer dieser letzten tage.

an dem wir noch eine moschee von außen und den palast der schirwanschahs, einer muslimischen dynastie, von innen bewundern. in der zwischenzeit hat der portier freundlich, wie er ist, unsere rückflugtickets für uns ausgedruckt, wir sind eingepackt und ausgecheckt, zu einem letzten abendessen bei freunden eingeladen und werfen einen letzten blick vom balkon auf die stadt. ich verlaufe mich zum letzten mal und mache mein letztes foto. wobei man ja vorher nie wissen kann, dass es das letzte sein sollte. wir fliegen „nach hause“.

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