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¡Ahorita me voy!

Übersetzt so viel wie: “Ich komme sofort!” Doch die direkte Übersetzung wird dem kleinen feinen Wort „ahorita“ bei weitem nicht gerecht. Denn es kann „jetzt“, „morgen“ oder auch „nie“ bedeuten. Ahorita entfaltet seine diversen Facetten kontextabhängig und sorgte zwischen mir und meinen lieben Mitbewohnern Paco und Carolina gerade in den ersten Tagen bereits für viel Spaß und Verwirrung gleichermaßen.

Diminutive in Form des „–ita“ finden sich angehängt an viele Begriffe und erzeugen in meinem Ohr einen lieblichen, offenen und freundlichen Sprachklang. Ich fühle mich mehr als herzlich in Empfang genommen, nach dem langen Flug mit Aeroméxico, der sich wohlgemerkt als einer der modernsten Langstreckenflüge herausstellte, auf dem ich jemals unterwegs war. Ein extra Plus gibt es von mir für den Flugszeugchat, über den ich mit der zweiten Freiwilligen in der UNESCO Nationalkommission in México, per Sitzauswahl chatten konnte – quasi das Whatsapp über den Wolken. Zwar sorgten die vielen Flugstunden im Nachhinein für einen ordentlichen Jet Lag, jedoch für viel Unterhaltung während des Kontinentwechsels.

Angekommen in der Millionenstadt Ciudad de México, werden mir die Ausmaße der Stadt im ersten Moment gar nicht bewusst. Zwar erscheint die Stadt unfassbar weitläufig, durch die meist jedoch nicht mehr als drei- bis vierstöckigen Gebäude wirkt zumindest das Zentrum auf mich eher wie der Zusammenschluss mehrer Kleinstädte. Es lässt sich also mehr als angenehm durch die Strassen schlendern, die immer wieder von viel „Grün“ gezäumt werden. Unglaublich fasziniert bin ich daher auch von dem Ausblick aus meinem Zimmer direkt auf den schönen kleinen Park „Parque de Rio de Janeiro“, in dem sich Schulkinder nach dem Unterricht, Hundebesitzer und Dogsitter sowie Pärchen und Arbeitskollegen gleichermaßen eine kleine, aber feine Pause gönnen.

Fensterblick auf den „Parque Rio de Janeiro“

Einen Tag später, werden die Mitfreiwillige Mariella und ich ebenfalls sehr herzlich von unserer Chefin Claudia in Empfang genommen. Der Tag beginnt mit einem mexikanischen Frühstück (was hier meist in Form von unterschiedlichen Maisprodukten serviert wird) nach dem es zur neuen Arbeitsstelle geht. Der Sitz der mexikanischen UNESCO Nationalkommission befindet sich im von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärten historischen Zentrum von Mexiko Stadt. Das Gebäude in der Calle Donceles ist atemberaubend schön und ich kann nicht fassen, dass ich diesen Platz für die nächsten sechs Monate meinen Arbeitsplatz nennen darf. Viele neue Gesichter, die uns mit einer herzlichen Umarmung und einem freundlichen „Mucho Gusto“ begrüßen, bevor sich der erste Arbeitstag auch schon dem Ende neigt.

Festtagsgericht „Chile de Nogada“

Einen Tag Arbeit und vier Tage frei? Ja das geht tatsächlich, wenn der Nationalfeiertag vor einem Wochenende liegt und das Gebäude außerdem wegen der großen Menschenansammlungen in der Nähe auf dem Platz „Zócalo“ und den Vorbereitungen für den „Grito“ (den Nationalgruß des Präsidenten) einen zusätzlichen Tag geschlossen bleiben muss. Glücklicherweise sind meine neuen Mitbewohner so großartig, dass sie mich direkt mal mit zur Hausparty ihrer Freunde nehmen. Es gibt „Pozole“, eine Suppe die wegen ihrer vielen Bestandteile eher wie ein Hauptgericht auf micht wirkt und „Chile de Nogada“, eine gefüllte Paprika in den Nationalfarben. Dazu Vino und Tequila, und ein kleines Tänzchen auf der Dachterrasse, bis das Feuerwerk am Himmel erscheint.

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Strassen von Coyoacán

Das anschließende Wochenende nutze ich für einen ausgiebigen Spaziergang mit Mariella durch das wunderbare Künstlerviertel „Coyoacán“, in dem es leckeres Streetfood und in bunten Farben bemalte Häuser, rund um Frida Kahlos Geburtsthaus die „Casa Azul“ gibt. Im Park „Viveros“ springen die zahmen kleinen Eichhörnchen umher und lassen sich von den meist sehr jungen Parkbesuchern mit Nüssen verwöhnen. Am darauffolgenden Tag fahre ich zusammen mit meinen Mitbewohnern und ihren Freunden zum Weltkulturerbe „Xochicalco“, riesigen Pyramiden, die mich mit ihren durchdachten Ornamenten und wuchtigen Stufen beeindrucken. Der Ausblick ist faszinierend und unserer Touristenführer versorgt uns mit vielen nützlichen Informationen, die uns helfen, die indigenen Kulturströmungen auf dem Gebiet von Xochicalco besser zu verstehen.

Pyramiden von Xochicalco

Das Wochenende ist, wie könnte es anders sein, mal wieder rum, bevor man es eigentlich erst richtig angefangen hat zu genießen. Zum Glück folgen noch viele Weitere, die genutzt werden wollen.

In diesem Sinne: ¡Viva México!

 

 

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