Woche drei und vier

Schon die vierte Woche hier und ich habe immer noch nicht alle touristisch relevanten Orte Tbilissis gesehen. Erst die vierte Woche hier und ich habe schon Lieblingsorte.

Steiler Weg zum Botanischen Garten

Zum Beispiel den Botanischen Garten. Dort insbesondere eine Ausichtsplattform, auf der Gartenschaukeln stehen, die mich an sonnigen Frühlingstagen in warme Tagträume wiegen.

Wenn ich dort oben sitze, um mich herum die Natur und sanftes Vogelgezwitscher, vor mir die bunten Dächer der Altstadt, dann kommen mir all meine Probleme klein vor. Unbedeutend. Lösbar. Probleme? Welche Probleme?

Lieblingsbaum

 

 

 

 

Eines hat sich zum Beispiel am Montag gezeigt. Ich hatte mich am Donnerstag noch über meine 20 Schulstunden alla 40 Minuten pro Woche gefreut, da musste ich am Montag erfahren, dass einige Deutschklassen getrennt werden und ich daher für 32 Klassen pro Woche „Unterricht“ vorbereiten muss. Schock. Ich weiß nicht, ob das so normal ist und wie viele Stunden für die Unterrichtsvorbereitung drauf gehen werden, aber ich werde es auf jeden Fall versuchen. Und ich werde mir Mühe geben. Für die jüngeren Schüler habe ich schon einige Ideen. Nur für die super coolen und leider auch super unmotivierten 10-Klässler muss ich noch etwas Spannendes finden.

 

Blick auf die Altstadt

Weiteres Problem: mein kaputter Handybildschirm. Ich habe befürchtet, dass er jeden Moment auseinanderbricht. Das wäre angesichts der Tatsache, dass dort viele wichtigen Infos und Erinnerungen drauf sind nicht so gut. Außerdem hatte ich keine Lust hier ein neues Handy zu kaufen und mich noch um den Kram zu kümmern.

Meine auswegslose Situation sollte sich jedoch Mittwoch Abend, gegen 21 Uhr ändern. Mein georgischer Bekannter Misha und ich, standen fröstelnd in einem schummrigen Hinterhof eines uns unbekannten Viertels. Der dichte Nebel trübte unsere Sicht. Um uns herum Stille. Und Dunkelheit. „Sicher, dass wir richtig sind?“, frage ich. „Er wird gleich da sein“. Plötzlich tritt aus dem Gebüsch eine dunkle, kleine und sehr nette Gestalt heraus. Ein Freund von Mishas Bruder, der wiederum einen Bekannten hat, der Handybildschirme repariert. Hier in Georgien wird viel über Freunde von Bekannten von der Großtante der Mutter des Cousins des Vaters vom Nachbar usw. organisiert. Naja, ihr wisst, was ich meine.

Mit der Versicherung, dass er in 10 Minuten wieder da sein wird, verschwindet er mit meinem Handy wieder im Gebüsch. Mit in die Werkstatt dürfen wir nicht. Nach einiger Zeit kommt der Bekannte wieder. Mein Handy wie nagelneu. Das Ganze hat mich 70 Lari gekostet. Das sind nicht einmal 30 Euro.

Mit einem Schuster habe ich eine noch interessantere Erfahrung gemacht: für das Zukleben meiner durchlaufenen Sohle hat er kein Geld verlangt- lediglich meine Handynummer. Ganz ungeniert hat er danach gefragt und mich obendrauf zum Mofafahren eingeladen, plus nach meiner Adresse und meinem Gehalt gefragt. So offen sind viele Menschen hier. Da muss ich mich noch dran gewöhnen.

Eine weitere Offenheit ist mir im Umgang mit digitalen Medien aufgefallen. Oftmals bekomme ich beim Chatten mit den Deutschlehrerinnen ein Herzchen zurückgeschickt. Das ist eine absolute Kleinigkeit, aber kann manchmal unglaublich glücklich machen. Vor Allem, wenn davor ein „Morgen basteln wir“ steht.

Was gibt es noch Spannendes?

Die Wäsche wird an sonnigen Tagen auf der Straße aufgehängt

Ich habe immer noch das Gefühl, etwas verloren zu sein und viel zu wenig Zeit für Freizeit und Erkundungstouren zu haben. Meine Aufgaben in der Schule sind noch nicht klar definiert und wenn ich um 17 oder 18 Uhr erst heim komme (!Beachte an dieser Stelle das Wort Heim. So schnell findet man ein weiteres zu Hause!) , habe ich eigentlich keine Lust auf Unterrichtsvorbereitung, sondern möchte losziehen, was erleben, was sehen, so viel von der georgischen Kultur aufnehmen, wie nur möglich. Und alles, was ich so lerne und entdecke, würde ich am liebsten direkt mit euch teilen. Aber das geht leider nicht immer gleich.

Daher gilt das Motto: step by step!

Apropos „step by step“. Das denke ich mir jedes Mal, wenn ich mit 20.000 Taschen und Tüten den Hügel zu unserer Unterkunft hochlaufe.

 

Noch ein paar Bilder von Tina und mir von letzter Woche:

 

 

 

 

 

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