Meine ersten Male

Über das Alleine leben, Geburtstag und Weihnachten ohne family aber mit Sommer, Reisepläne und Motten.

Wo fange ich an?
Es ist Sommer. Zwischen 25 und 30 Grad. Sonne. Keine Wolken. Laue Sommerabende. Grüne Bäume. Bunte Blumen. Leckeres Obst. Morgens um 7 schon hell, abends um 9 noch hell.
Als ich hier ankam, habe ich die ersten verregneten und kalten Tage des Septembers in Deutschland schon hinter mir gehabt und war richtig auf Herbst eingestimmt. Dicke, kuschelige Socken, Pullover. Tee. Decken. Filme. Eben alles, was man mit einem kuscheligen Herbst so verbindet. Die ersten Wochen in Chile waren auch kalt. Also nichts ungewöhnliches. Nur dann wurde es relativ schnell warm. Keine Pullis mehr, kein Schal mehr, keine Jacke mehr. Die Lust auf Tee verschwand, das abends in die Decke einkuscheln wurde zu warm. Anfangs fiel mir das schwer zu realisieren und auch zu akzeptieren, weil laut meines Jahresrhythmuses war jetzt Herbst und Winter dran. Nix da. Es ist warm, sonnig und wunderschön. Und wenn ich die ganzen verregneten, dunklen, verschneiten Fotos aus Deutschland geschickt bekomme, reizt mich das gar nicht. Ich genieße es mit Kleidchen, Birkenstocks und Sonnenbrille das Haus zu verlassen und nehme dafür auch das ekelige eincremen in Kauf.
Was für mich allerdings immer noch nicht passt ist, dass Weihnachten vor der Tür steht. Unsere WG ist nicht geschmückt, es gibt keinen Tannenbaum, keinen Adventskranz, keine Plätzchen und auch (das finde ich am traurigsten) keinen Adventskalender.
Für mich das erste mal.
Außerdem habe ich dieses Jahr das erste mal meinen Geburtstag im Sommer gefeiert und lag mittags mit Freunden in der Sonne. Dazu kommt noch, dass es auch das erste mal für mich war, meinen Geburtstag ohne Familie zu feiern. Kein Besuch von meinen Großeltern, keine Geburtstagstorte von Mami, nichts. An diesem Tag musste ich bei den Gedanken daran schwer schlucken, obwohl ich wegen meiner neuen und alten Friends hier eine wunderschöne Geburtstagsparty hatte. Um 0 Uhr, als alle angefangen haben zu singen, konnte ich meine Tränen nicht zurückhalten. Ich war so überglücklich, dass ich diese Menschen hier kennenlernen durfte und ich mich so wohl fühle. Als ich dann Geschenke bekam, war es vorbei. Ich hab nur noch geheult und konnte nicht aufhören. Ein riesiges Pinguinkuscheltier, Schokolade, Erdnussbutter, Kuchen, ein Bäumchen, Schmuck, Nüsse und vieles mehr. Ich hätte mir nichts schöneres vorstellen können. Ok, Ende von diesem emotionalem Geschwafel.

Weiter geht’s mit Reiseplänen… Was auch mein erstes Mal sein wird ist Weihnachten ohne Familie zu feiern und stattdessen in Florianopolis am Strand zu sein. Hätte ich nicht so ein cooles Alternativprogramm inBrasilien mit Freunden, würde ich glaube ich ganz schön traurig sein.

Was für mich noch obviously das erste Mal ist, ist alleine leben. Alleine einkaufen, putzen, Zeit einteilen, Prioritäten setzen und Entscheidungen treffen. Letzteres fällt mir nach wie vor am schwierigsten. Was willst du essen? Die gesunden Cornflakes oder doch lieber Nugatbits? Reichen 4 Joghurts? Esse ich ein ganzes Toastbrot oder wird das schlecht? Soll ich jetzt die Miete abheben oder lieber jetzt Yoga machen? Soll ich den Flug buchen, obwohl ich keine anderen Pläne habe? Fragen über Fragen und Entscheidungen treffen ist absolut nicht meine Stärke. Trotzdem läuft alles soweit rund.

Was aber mittlerweile meine Stärke und zusätzlich das erste Mal ist, ist auf meinen Körper zu hören und mich zu reflektieren. Ich sehe schon meinen Dad zu Hause bei diesem Satz die Augen rollen, aber es ist tatsächlich so. Ich weiß nicht wie man das beschreiben kann, aber ich glaube das ist eine Folge aus dem alleine leben und sich um sich selbst kümmern zu müssen. Klingt dumm, I know.

Übrigens Mama und Papa, ich kann jetzt alleine Motten aus meinem Zimmer vertreiben. Das erste Mal. Ich weiß nicht woher sie kamen, aber es gab ca 3 Wochen lang gefühlt 1 Millionen Motten in unserer Wohnung. So plötzlich wie sie kamen, waren sie auch wieder weg. Gruselig diese Tiere. Wenn plötzlich abends ein Schrei aus dem Nachbartimmer kam, war klar, wieder eine Motte. Lüften ging nicht. Wäsche draußen aufhängen eigentlich auch nicht. Zum Glück ist diese Zeit jetzt vorbei und die Zeit der Mücken hat noch nicht angefangen, weil das ganze Geschreie und panische Rumgefuchtel hat echt die Nerven strapaziert.

Was auch meine Nerven strapaziert ist das sich ständig neu eincremen müssen am Strand. Die Sonne verzeiht keinen Millimeter ohne Sonnencreme. Für mich als bekanntlicher Sonnencreme- Hasser ist das leider uncool. Hab auch schon einige Sonnenbrände an seltsamen Stellen erlitten. Ich hoffe aus Fehlern lernt man mal irgendwann…

Und zu guter letzt: Das erste mal sowohl Lehrer als auch Schüler verstehen können. Meine Schulzeit ist ja noch nicht all zu lang her und ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man nicht gerade gut vorbereitet für einen Test ist. Ich konnte damals diese Genervtheit der Lehrer nie nachvollziehen, weil wir alle haben auch ein soziales Leben in der Freizeit und das eine Fach ist nicht das einzige. ABER! Als Lehrer ist es so unglaublich nervig und anstrengend, wenn Schüler ihre blöden 10 Vokabeln, die eigentlich super einfach erscheinen, nicht lernen. Jetzt finde ich es irgendwie amüsant beide Seiten zu kennen. Das erste Mal.

In diesem Sinne bin ich gespannt was ich hier noch so alles zum ersten Mal erlebe.
Ciao Kakao.

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