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Alltag in bunt

Hallo ihr Lieben,

endlich schaffe ich es mal wieder, mich zu melden. Gori ist gefühlt erst letztens gewesen und andererseits auch schon wieder so weit weg, weil hier ständig was passiert. Zwischen meinem letzten Bericht und jetzt liegen gemütliche WG-Abende, Café-Tage, mein Geburtstag, Spaziergänge und neue Bekanntschaften. WG-Besuch ist gegangen und neuer gekommen. Leute haben bei uns gegessen und wir haben neue Orte entdeckt.

Alltag und irgendwie auch nicht; jeden Tag erwarte ich Unerwartetes.

Vielleicht wollt ihr genauer wissen, wie mein Geburtstag war. Am Abend vor dem 14. haben mich Anastasia, Lina und Paul von der Arbeit abgeholt und Nastja und ich sind

Foto: Anastasia

gleich weiter in das Café, in dem wieder die Blues-Musiker spielten. Ich kam erst eine Stunde später als sonst aus dem Büro; die Gitarrenklänge und Stimme des Sängers waren deswegen wie ein Heilmittel und verwandelten Stress in Gelassenheit. Später sitze ich mit Paul und Nastja in der Küche und wir spielen Kabu. Und von einer Minute auf die andere werde ich 23. Meine erste Tat? Den Kuchen probieren, den Leonie für mich gebacken hatte – sehr lecker! Am nächsten Tag sind sie alle in der Küche versammelt – Leonie, Nastja, Lina und Paul -, singen mir ein Geburtstagsständchen und überreichen mir süße Geschenke 🙂 dann sind wir Brunchen und abends in einer neu entdeckten Bar mit guter Musik…und mein Geburtstag endet, wie er begonnen hat: ich spiele Kabu, bin von lieben Menschen umgeben und rundum glücklich.

 

Sehr gerne mag ich unsere gemütlichen Café-Tage im Book Corner. Das ist ein schmuckes kleines Café ganz in der Nähe von uns direkt am Fluss mit Glasfassade, Terrasse, Bildern von jungen georgischen Künstlern, entspannten Kellnern und sehr leckerem Essen, Kuchen (göttlicher Honigkuchen!!) und Getränken. Dort kann man stundenlang sitzen, reden, am Laptop arbeiten, Musik hören und lesen ohne ein einziges Mal danach gefragt zu werden, ob man nicht noch etwas bestellen möchte.

 

Hauptorte der letzten Wochen waren außerdem unser geliebter Balkon, vor allem jetzt, wo es schön warm ist auch abends noch und natürlich unsere gemütliche Küche; die Fabrika: ein mit Lichterketten überspannter Innenhof, gebildet von Bars, Restaurants, einem Hostel und einem Spielecafé – dort ist immer sehr viel los. Pluspunkt für uns: nur eine Viertelstunde zu Fuß von zuhause entfernt. Und weil alle guten Dinge drei sind: die Warszawa Bar, wo man immer bekannte Gesichter antrifft und neue kennenlernt, gefühlt DER nächtliche Treffpunkt.

 

Ich für mich bin auch mal alleine losgezogen, mit der Kamera den Hügel hinter unserem Haus hoch, zur Sameba-Kathedrale und die Siedlung dahinter erkunden. Zu gern wäre ich den grünen Hügel hochgewandert, habe aber leider keinen Weg aus der Wohnsiedlung raus gefunden. Vorgestern Abend bin ich nochmal aufgebrochen und habe nach kurzem Suchen tatsächlich einen versteckten kleinen Pfad gefunden, der durch grüne Wiesen den Berg hinaufführt. Links, rechts und hinter mir die Lichter der Stadt. An einem schönen Fleckchen habe ich mir eine Steinmauer gesucht, meine Lieblingsmusik angemacht und die Stadt bei Nacht bestaunt. Hier ein paar Eindrücke von meiner Erkundungstour tagsüber:

 

Auch sonst gab’s einige Premieren für mich: zum ersten Mal auf einem Flohmarkt in Tbilisi, zum ersten Mal auf einer Messe mit dem DAAD, zum ersten Mal Beisitzerin einer Kommission bei Stipendien-Auswahlsitzungen, zum ersten Mal offizielle Leiterin eines Unikurses, zum ersten Mal Billy Elliott angeschaut (kann ich Jedem empfehlen!), zum ersten Mal hausgemachte Limonade in einer Weinbar, zum ersten Mal zu viert mit Nastja, Lina und Leonie in einem romantischen Gärtchen essen.

 

Alltag eben, nur in bunt.

 

Vorgestern dann war ich mit Lina am Tbilisi Sea, es war warm und wir die Einzigen dort. Das Geräusch von Wasser und Wind, um uns herum grüne Hügel. Und leider auch

Foto: Lina

Müll, den die Leute hier an allen möglichen und unmöglichen Orten zurücklassen. Danach halb getrampt (was ein Glücksgefühl, super liebe Menschen hier!!), halb zu Fuß zu einem Café in einem Blumengarten mit intensiven Farben, knallroten Büschen und pastellblauen Bäumen. Neues traditionelles georgisches Essen probiert; leider wenig überzeugend (und vor allem wenig), aber immerhin weiß ich jetzt, was Elargi Balls sind. Die Erkärungsversuche der Kellner bei Nachfragen zur Speisekarte variieren hier nämlich ziemlich stark in Aussagekraft. Im Zweifel ist die Antwort immer „cheese“.

 

 

So, over and out. Bis zum nächsten Mal, macht’s gut!

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