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Worte, um Sprachlosigkeit zu beschreiben

Liebe Freunde groß und klein,

heute gibt’s versprochenen Bericht vom Sonntag, denn hier passiert so viel. Und wenn ich jetzt nicht gleich davon erzähle, werd‘ ich’s wohl gar nicht mehr schaffen.

Also versuche ich mal wieder Worte zu finden, um Momente der Sprachlosigkeit zu fassen. Denn das Wetter war wider Erwarten malerisch: blauer Himmel, Sonne und Wärme. Wir hatten keine Pläne für heute, aber nachdem ich ausgeschlafen war und mich der Tag gleich so freundlich anlächelte, fasste ich den Entschluss, zum Botanischen Garten zu gehen. Dann kam allerdings mein Mitbewohner ganz beschwingt in die Küche und wir zogen zusammen los zu einer Bäckerei, holten uns georgisches Essen und suchten uns im sonnigen, blühenden Park eine nette Bank aus. Danach erstmal türkischen Kaffee trinken und über den Markt schlendern. Wunderschönes Geschirr, noch schönere Malereien von Tbilisi. Dann war Anastasia aufgewacht und wir trafen uns, um schließlich gemeinsam den Botanischen Garten aufzusuchen. Florian wusste den Weg, der uns durch die Altstadt führte.

Altstadt. Das Wort lässt nicht im Mindesten die Schönheit erahnen, die sich uns darbot. Die ist ohnehin schwer zu beschreiben, aber „Altstadt“ wird ihr so gar nicht gerecht. Bunte Fassaden, eine über der anderen den Hügel hoch. Häuser im Jugendstil, jedes mit seinem eigenen verschnörkelten Balkon. Gassen, braunes Kopfsteinpflaster. Geziert von Pastelfarben, türkis, gelb, altrosa, blau, weiße Balkone. Am Ende eine kleine Kirche neben einem der ersten rosafarben blühenden Bäume, durch den Hinterhof von der Sonne angestrahlt. Ein kleiner Vorplatz mit Bänken, von dem aus man auf die Stadt hinuntersieht. Wir gehen höher, bis die Häuser der Wiese und den Bäumen weichen und wir angekommen sind. Bei der Mother of Georgia, die als Statue über die Stadt blickt. Den Bergkamm entlang. Links liegt Tbilisi, rechts erstreckt sich bis zum nächsten Hügel der Botanische Garten. Wir treten ein, steigen den Hügel ein Stück hinab und sind windgeschützt. Die Sonne schenkt uns den Sommer, die Vögelchen danken es ihr fröhlich zwitschernd. Einen schmalen Weg gehen wir entlang. Zwischen grünen Bäumen, Mohnblumen und aufgeregten Zitronenfaltern. Weiter, an dem ein oder anderen strahlend weiß blühenden Baum vorbei, bis wir auf einer Brücke über einem Wasserfall stehen. Und ich meinen Ort in Tbilisi gefunden habe.

Irgendwann sind Anastasia und ich zu zweit, wir wandern weiter, sind beide gleichermaßen beeindruckt und kommen schließlich zu einem Platz mit Aussicht auf die Burgruine gegenüber und ein paar Gartenschaukeln. Wir setzen uns, schaukeln, lassen die Seele baumeln und wiegen uns in Dankbarkeit. Nach einiger Zeit brechen wir wieder auf in gespannter Vorfreude auf unsere baldige Rückkehr hierher und auf all die Momente, die wir hier erleben werden. Als ob das nicht schon genug Gutes an einem Tag gewesen wäre, treffen wir direkt vor der Altstadtkulisse, die in all den Bildern auf den Kunstmärkten so wundervoll auf der Leinwand angepriesen wird, auf eine Feier. Wir setzen uns auf die Steinkuppeln der unterirdischen Schwefelbäder und ich bestaune die wunderschönen Häuser, all die kleinen Details. Lausche dem orientalischen aserbaidschanischen Gesang, verfolge mit den Augen die tanzenden Mädchen auf der Bühne und die tanzenden Menschen davor. Wie ein Kind sitze ich da und beobachte und alles fühlt sich so hyperreal an und gleichzeitig so unmöglich. Als ob ich irgendwie in eine magische Welt spaziert wäre, die ihren ganzen Zauber auf einen Schlag verliert, wenn ich blinzle und aufhöre, alles in mich aufzusaugen.

Hab ich aber nicht und hat sie auch nicht. Und so weiß ich jetzt, dass ca. 30 Minuten von meinem Haus entfernt dieser Ort liegt und ich jederzeit in einen verheißungsvoll zauberischen Raum hinüberwechseln kann. Außer es gibt ne magische Stunde dafür, aber das find‘ ich noch raus.

Aus die Maus.

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