Meine Reise in den Awash Nationalpark und nach Harar

Selam! Heute möchte ich euch von Raubvögeln im Sturzflug, hungrigen Hyänen und endlosen Weiten berichten, denn das und vieles mehr habe ich auf meinem viertägigen Trip zum Awash Nationalpark und in die Stadt Harar zu Gesicht bekommen. Nachdem ich die letzten Wochen lediglich in der lauten Hauptstadt verbracht hatte, war meine Vorfreude entsprechend groß endlich die bunte Vielfalt zusehen zubekommen, mit der die Äthiopier und die anderen Leute an meiner Schule mich schon so neidisch gemacht hatten. Als ich also von der Möglichkeit erfuhr mit einer Reisegruppe mitzufahren, zögerte ich nicht lange, packte meine sieben Sachen sowie ordentlich Mückenspray und Sonnencreme ein und es konnte losgehen.

Awash Nationalpark

Als der Tag der Abreise gekommen war, blieb uns das Ausschlafen leider verwehrt, aber das war mit Aussicht auf die kommenden Tage zu verkraften. Schließlich wollten wir auch nicht erst im Dunkeln im 200 km weit entfernten Nationalpark ankommen und so sammelten wir alle mit unserem Minibus ein und fuhren los. An riesigen Baustellen, weiten Feldern und Berglandschaften wie aus dem Bilderbuch vorbei war der erste Abschnitt schon bald geschafft. Von modernsten Autobahnen bis steinigen Ausweichpisten war schon jetzt alles dabei. So wurde die Fahrt selbst zum Erlebnis und keines Wegs langweilig, wie ich angesichts der eingeplanten Zeit heimlich befürchtet hatte.

So kamen wir gut in Awash an und nach kurzem Warten bei den bewaffneten Guards, konnte unsere Erkundungstour losgehen. Der Eintritt ist im Vergleich mit Nationalparks in z.B. Kenia übrigens spottgünstig, wer sich aber vom niedrigen Preis abschrecken lässt, ist selbst schuld, denn schon auf den ersten Metern bekamen wir wunderschöne Landschaften und die ersten Parkbewohner zu sehen:

bild-1bild-2bild-3Neben den Kamelen und verschiedenen Affenarten gab es bspw. auch Schildkröten und unzählige Vogelarten zu beobachten. Diese weigerten sich allerdings sich für ein Foto angemessen zu positionieren und blieben deshalb leider unseren Augen vorbehalten. Da die Sonne hier schon in den frühen Abendstunden hinter den Bergen am Horizont versinkt, mussten wir für eine längere Tour bis zum nächsten Tag warten. Dafür blieb uns durch die tolle Lage unserer Unterkunft aber noch eine großartige Aussicht auf den für den Park namensgebenden Fluss Awash und dessen Wasserfälle. Was wir von Weitem zunächst als weitere Felsen im Wasser wahrnahmen, entpuppte sich bei genauerer Betrachtung als eine ganze Schar von Krokodilen, die uns unsere Pläne, den Fluss nochmal von näherem zu betrachten, noch einmal überdenken ließen. So schien der erste Tag ein ruhiges Ende zu nehmen, bevor wir zunächst geschockt erfuhren, dass unser Fahrer von einem Skorpion gebissen worden war. Dieser wusste sich allerdings zu helfen und ließ das Gift mit zwei gekonnten Schnitten in seine Hand ausbluten. Er hatte den Übeltäter sogar überwältigt und in einer Wasserflasche als Trophäe aufbewahrt. Ein bisschen Desinfektionsmittel und einen Verband später konnten wir dann also doch einigermaßen beruhigt schlafen gehen.bild-4

bild-5bild-6bild-7Auch der nächste Morgen blieb für Frühaufsteher von Vorteil. Aber nach einer eher kalten als lauwarmen Dusche war selbst ich wach und motiviert den Park in seiner vollen Schönheit zu betrachten. Also packten wir unsere Sachen, um einen größeren Abstecher zu machen. Unsere Erwartungen sollten nicht enttäuscht werden. Sowohl Pflanzen-, als auch Tierwelt zeigten sich in ungeahnter Häufigkeit von neuen Seiten und so wurden wir ausnahmsweise nicht durch die vom Regen durchgespülten Straßen, sondern den unendlichen Gelegenheiten für Fotos in unserem Reisetempo gebremst. Unser vorläufiges Highlight fanden wir schließlich an einem Abschnitt am Rande des Parks, wo uns eine Aussicht auf die Berg- und Tallandschaft erwartete, für die sich schon jetzt der weite Weg mehr als gelohnt hatte.

Leider zwang uns der enge Zeitplan irgendwann zum Weiterziehen, aber auch auf dem Rückweg bekamen wir noch einiges Sehenswertes vor die Linse. So z.B. die anmutigen Oryxantilopen oder eine ganze Bande von Affen, die die Straße für sich beansprucht hatten. So fand unser Aufenthalt in Awash ein würdiges Ende und wir machten uns bereit für unser nächstes Ziel, wo für die über 300 km lange Strecke erneut Sitzvermögen gefragt war.bild-9bild-10bild-11bild-12

 

Harar

Als wir auch diese lange Fahrt voller fragwürdiger, aber dennoch souveräner Fahrmanöver mithilfe der einmaligen Blicke auf die Berge gut überstanden hatten, kamen wir am Abend in der geschichtsträchtigen Stadt Harar an. Diese war durch ihre Nähe zum Meer über lange Zeit ein wichtiger Handelspunkt, ist heute allerdings vor allem für ihre ereignisreiche Vergangenheit voller Höhen und Tiefen bekannt. Die Stadt unterteilt sich in einen neuen Teil und die historische Altstadt, die durch eine beeindruckende über drei km lange Stadtmauer vom restlichen Gebiet getrennt wird. Der innere Teil ist muslimisch geprägt und Heimat der ursprünglichen Bevölkerungsgruppe der Stadt, den Harari. Ihre Kultur konnte bis zum heutigen Tag überliefert werden, auch weil die Mauer die sie vor der Ausbreitung anderer Bevölkerungsgruppen schützte. Die fünf Stadttore symbolisieren die fünf Säulen des Islam und befinden sich in regelmäßigen Abständen rund um die Stadt verteilt. Inzwischen wurden aus praktischen Gründen allerdings weitere Eingänge eingerichtet.

Bevor wir den historischen Teil am nächsten Tag in voller Länge besichtigen sollten, wurden wir noch Zeugen einer ganz besonderen Tradition Harars, der Fütterung der Hyänen. Aufgrund ihrer nützlichen Tätigkeit, die Straßen vom Dreck zu befreien waren sie in der Stadt stets willkommen und es etablierte sich die Fütterung, die nun jeden Abend beobachtet werden kann. So eigentlich auch am Abend an dem wir in der Stadt waren, doch als wir dort eintrafen machte sich zunächst Ernüchterung breit. Anscheinend hatten die Hyänen es nicht für nötig gehalten mit ihrem Futter auf uns zu warten und waren deshalb schon gesättigt weitergezogen. Trotz aller Versuche des sogenannten Hyänen-Mannes sie noch einmal zu uns zu rufen, schienen sie an keinem zweiten Abendessen interessiert zu sein. Als wir es eigentlich schon aufgegeben hatten, gab es plötzlich neue Hoffnung. Unser Guide kannte noch eine andere Gruppe von Hyänen, die nicht weit entfernt lebten. Also schlichen wir uns durch einige Gassen und an manchen Hinterhöfen vorbei bis uns schließlich einige leuchtende Augen aus der Dunkelheit anstarrten. Auch wenn sie anfangs ein wenig schüchtern waren, nahmen sie die Mahlzeit doch dankend an und so bekamen wir schließlich unsere ganz exklusive Fütterung mitten in den versteckten Winkeln Harars zu erleben. Als auch dieses Rudel satt war, machten wir uns spät abends erschöpft, aber sehr fasziniert von den Geschehnissen auf den Weg zurück zum Hotel.bild-13

Am nächsten Morgen bekamen wir durch einen weiteren Insider-Tipp die Gelegenheit einen tollen Blick auf die Altstadt zu bestaunen. Als alle ihre Fotos gemacht hatten, fuhren wir an einen Eingang zu gerade diesem inneren Teil, der aufgrund der schmalen Wege kaum von Autos befahren werden kann. Hier bekamen wir dann eine Führung über den orientalisch anmutenden Markt, voller bunter Gewürze und neuer Düfte, sowie durch die verwinkelten Gassen der Stadt, an denen es auch einiges zu entdecken gab. Während sich außerhalb fast nur moderne Architektur befindet, besteht das Stadtbild im Inneren aus meist einstöckigen traditionellen Häusern, von denen noch immer etwa 1800 zu den Harari-Häusern zählen. Diese sind geprägt von ihrem fast immer gleichen Aufbau sowie bunten Schüsseln und Töpfen. Wirklich traditionell sind allerdings die aufwendig geflechteten Körbe, von denen vor allem früher jedes Mädchen vor der Hochzeit einen anfertigte. Die Räume der Häuser sind sehr genau durchgeplant. Im Wohnzimmer findet sich eine Fläche mit mehreren Ebenen, von denen jede einem Familienmitglied je nach Status zugeordnet ist. Zudem bestehen die Wände aus einem Material, welches das Haus an heißen Tagen angenehm kühl- und an kalten stets warmhält.

Nach diesen kulturellen Einblicken erwartete uns am Nachmittag noch ein anderes tierisches adlerErlebnis: An einem Marktplatz durften wir richtige Adler mit der Hand füttern (zumindest waren es laut unserem Guide Adler). Auch diese Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen und so stellte ich mich mit einem Stück Fleisch in die Mitte des Platzes und streckte meine Hand gen Himmel. Gerade als es anfing etwas peinlich zu werden, nachdem sich kein Vogel für den Leckerbissen zu interessieren schien, ging es plötzlich ganz schnell und ein Exemplar stürzte sich mit atemberaubender Geschwindigkeit auf das Fleisch und war genauso schnell wieder verschwunden, sodass ich gar nicht richtig hinschauen konnte. Zum Glück hatte einer meiner Mitreisenden den Moment mit der Kamera festgehalten. Danach schienen die anderen Vögel auch keine Hemmungen mehr zu haben und ich konnte sie sogar mit Fleisch auf meinem Kopf füttern. Trotz der hohen Geschwindigkeit war überraschender Weise außer einem leichten Kratzen nicht viel zu spüren. Nachdem sich dann noch andere zu diesem Experiment entschlossen und andere lieber die Distanz zu diesen beeindruckenden Tieren bewahrten setzen wir unsere Tour Richtung Ende fort. So endete unser Aufenthalt in Harar mit meinem persönlichen Highlight und wir machten uns auf zu unserem letzten, aber nicht weniger spannenden Reiseziel. bild-14bild-16bild-17

Das Meskelfest

Diese Station für die letzte Nacht vor unserer Abreise war Dire Dawa, die zweit größte Stadt Äthiopiens. Durch die Anbindung an die Bahnstrecke Addis Abeba-Djibouti löste sie im letzten Jahrhundert Harar in der Rolle als lokales Zentrum ab. Allerdings waren wir nicht für die Eisenbahn, sondern für das jährliche Meskelfest angereist. Das Fest wird Ende September in der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche gefeiert und erinnert an die Entdeckung des Kreuzes von Jesus Christus. Der Legende nach hatte die damalige Königin Helena, die im 3. und 4. Jahrhundert lebte, eine Offenbarung, die ihr befahl ein großes Feuer zu errichten, aus dem sie dann die genaue Position des Kreuzes lesen werde. Sie folgte den Anweisungen und tatsächlich zeigte ihr der Rauch die richtige Richtung. Aufgrund dieser Erzählung wird noch heute zu den Feierlichkeiten ein großes Feuer entzündet. Hinzu kommen Tanz und Musik und in Dire Dawa auch ein Theaterstück, das die Meskelgeschichte nachspielt. Also genossen wir an unserem letzten Abend noch die voller Energie steckende Musik und das beeindruckend in die Höhe schnellende Feuer, bevor wir uns zum nach den aufregenden Tagen wohl verdienten Schlaf aufmachten.bild-18

So fand meine erste richtige Reise durch Äthiopien ein schönes Ende und selbst Tage danach habe ich immer noch nicht alle neuen Eindrücke verarbeitet. Falls ich vorher noch irgendwelche Zweifel über meine Zeit in Äthiopien hatte, sind diese nun längst verflogen. Wer dieses Land einmal in dieser Form erlebt hat, wird es sicher nicht mehr vergessen. Zum Schluss lasse ich euch noch ein paar Bilder, die während der Fahrt entstanden sind. Ich hoffe ich konnte meine Freude an meinen Erlebnissen ein wenig mit euch teilen und vielleicht seid ihr ja auch bei meinen nächsten Einträgen wieder dabei.

Bis dahin liebe Grüße,

euer Timo

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