G’schichtn aus Peking, Hongkong und Hanoi oder „im Palast der himmlischen Klarheit“

Einen wunderschönen guten Morgen (10:03 Uhr – Chudschand – 10.02.17)

Verrryyy long time, no seee! Izwinite paschaluista! Mein letzter Blogeintrag liegt so weit zurück, dass ich euch an dieser Stelle noch Frohe Weihnachten und ein frohes neues Jahr wünschen sollte, aber irgendwie ist der Weihnachtsspirit auch bei mir schon zu Ende. Ich erzähle euch lieber von den letzten 3-4 Wochen:

Den gesamten Januar über sind Schulferien in Tadschikistan und die Schulen sind größtenteils geschlossen. Da Chudschand im Januar meist relativ kalt und windig ist, machte ich mich mit meinen Lieblings-Mitfreiwilligen Thurid und Christian aus Dushanbe und Ann-Sophie aus Almaty auf zu einer Reise von Peking, über Hongkong nach Hanoi. Ich könnte gefühlt zu jeder der Städte einen eigenen Blogeintrag verfassen, werde mich aber kurzfassen. Ihr müsst weniger lesen, ich muss weniger schreiben – klassische win/win Situation! Kurz vorab: Meine Erzählungen spiegeln nur meine Erfahrungen und Erlebnisse auf der Urlaubsreise wieder und repräsentieren nicht die Städte und Menschen generell.

Klassisches Weihnachten mit Geschenken, Grüntee und Schaschlik

Peking:

Kurz vor Silvester ging‘s los! Da wir leider kein Visum für China beantragen konnten, hatten wir in Peking jeweils nur 72 Stunden visafreien Aufenthalt. Diese nutzten wir aber so gut es ging und machten uns direkt nach unserer Ankunft im Hostel auf den Weg zum Tian‘anmen Platz, auf dem unter anderem ein riesiges Mausoleum für Mao Zedog steht und in dessen Nähe laut Wikipedia (hoffentlich sieht keiner meiner Schüler, dass ich diese Quelle verwende) 1989 das Tian’anmen- Massaker die monatelangen Demonstrationen der chinesischen Demokratiebewegungen beendeten, was laut Christian in China allerdings als Tabuthema gilt. Danach besuchten wir die verbotene Stadt, die früher Regierungssitz der Kaiser war. Für die einfache Bevölkerung war der Zugang verboten, was den Namen erklärt. Aufgrund bitterer Kälte war sie an diesem Tag nicht allzu touristisch-überlaufen. Der Komplex besteht unter anderem aus Sälen und Palästen mit exotischen Namen wie „Halle der höchsten Harmonie“ oder „Palast der himmlischen Klarheit“. Von einem Berg aus hatten wir einen phantastischen Überblick über die Stadt. Egal in welche Richtung man schaut, kein Ende der 20 Millionen Metropole ist in Sicht. Während unseres Aufenthalts war übrigens strahlend blauer Himmel und keinerlei Smog zu sehen.

Ein Palast in der Verbotenen Stadt

Hongkong, city of shopping malls:

Nach dem Tag in Peking flogen wir für 10 Tage nach Hongkong. Vor 5 Jahren nahm ich an einem Schüleraustausch mit Hongkong teil und einer der damaligen Austauschschüler, Charly, nahm uns 4 für 10 Tage in seiner wunderschönen Wohnung auf. Das war super nett, weil die Hostels über Silvester gerne mal 70 Dollar pro Nacht kosten und wir einfach umsonst wohnen durften.
Hongkong empfand ich als eine Stadt voller Kontraste. Auf der einen Seite gibt es natürlich diese riesigen Wolkenkratzer, eine super moderne Metro, wirklich überall Einkaufszentren, Fastfood an jeder Ecke und völlig überlaufene Märkte. Auf der anderen Seite findet sich eine atemberaubende Natur mit vielen kleinen Inseln, Stränden und einer riesigen Buddha-Statue. Kurze Anmerkung zu den Einkaufszentren: Die meisten Wolkenkratzer haben im Erdgeschoss ein Einkaufszentrum, das oftmals auch an die Metro angeschlossen ist. Heißt man kann einkaufen und dabei die halbe Stadt durchqueren ohne einmal das Tageslicht gesehen zu haben!
Silvester verbrachten wir auf einem Hausdach mit einer relativ guten Sicht auf das Feuerwerk am Meer. Neujahr in Hongkong, zwischen Millionen von Menschen – das war schon ein absolutes Highlight! Die folgenden Tage bestanden aus einem sehr vielsteigen Programm: Wir besuchten die große Buddha-Statue, ein klassisches Neujahrskonzert des Hongkonger Jugendorchesters und Lamma Island – eine schöne Insel mit Dschungel und Strand, auf die die Regierung dummerweise ein Atomkraftwerk gebaut hat. Abends saßen wir oft am Hafen und machten Musik. Charly hat eine Westerngitarre, die echt super klingt und auf der ich viel spielte. Einen überragenden Ausblick auf die Stadt hat man von der Peak, dem höchsten Berg in Hongkong, aus. Über eine Tram gelangt man auf die Bergspitze. Dort war ich nun schon das zweite Mal und der Anblick über die Stadt ist immer wieder überwältigend.
Meinen Geburtstag erklärte ich zum Sporttag: wir starteten mit einer Radtour am Hafen entlang. Nach dem Mittagessen standen Badminton und Bowlen auf dem Programm und danach entspannten wir im Schwimmbad. Abends gingen wir auf die Partymeile um ein bisschen zu feiern.
Da es in Tadschikistan keine der bekannten Fastfood-Ketten gibt, muss ich zugeben, dass meine Ernährung in Hongkong durchaus einseitig war, was jetzt zurück in Chudschand bei Kohlsuppe und Plov allerdings wieder geändert wird. Plov > Burgerking

Silvester in HK

Eine Einkaufsstraße

Der Blick über die Stadt von The Peak aus

Charlie, Thurid und ich auf Lamma Island

Der Hafen in der Nähe unserer Wohnung bei Nacht

Kräftiger Typ der Charlie

Hanoi und Da Nang:    

Schweren Herzens mussten wir Hongkong wieder verlassen und machten uns auf den Weg nach Hanoi, der Hauptstadt Vietnams. Theresa und Mathilda, zwei der Kulturweit-Freiwilligen in Hanoi zeigen uns unter anderem die Insiderecken in Hanoi, abseits der Touri-Attraktionen, die wir sowieso besichtigten. Die Vernetzung durch kulturweit ist etwas ganz Besonderes; wohin die Reise führt, überall erwartet dich jemand!
Mir erschien Hanoi nochmal, wie ein völliger Kontrast zu Peking, Hongkong oder Chudschand. Überall wuseln Mopeds, Autos und Fahrräder in allen Richtungen. Zu Rushhour-Zeiten sind die Hauptstraßen völlig verstopft. Während unseres Aufenthalt hing meist ein dichter Smognebel über den Dächern Hanois. Fast jeder Mopedfahrer trägt eine Atemschutzmaske. Hinzu kamen starke Regenfälle. Trotz schlechten Wetters waren wir absolut begeistert von Hanoi!
Die unglaubliche Vielfalt an gemütlichen Cafés und Bars, das unbeständige Treiben in den kleinen Gassen und das unfassbar gute Essen, dass oftmals auf Plastiktischen und -Stühlen eingenommen wird, ist ziemlich beeindruckend. Besonders die Kaffeevarianten Eierschaum- und Kokosnusskaffee hatten es uns angetan.
Für 5 Tage beschloss sich unsere Gruppe zu trennen, sodass jeder das entdecken konnte, was er wollte. Es klingt jetzt blöd, aber das bisherige Reisen war durchaus anstrengend. Deshalb fuhr ich mit dem Nachtzug nach Da Nang, eine Küstenstadt im Südosten Vietnams, um ein paar Tage Erholung in einem schönen Hotel zu finden. Die Fahrt mit dem Nachtzug in kurzen Worten: Ich, in einem vierer Abteil, mit viel zu kleinen Betten, lauten Fahrtgeräuschen, wunderschöner Natur hinter dem Fenster und einem gleichgesinnten Touristen aus Freiburg im Nebenbett.
Die 5 Tage in Da Nang waren wirklich entspannend, aber ans alleine Reisen, muss ich mich erst noch gewöhnen. Ich war viel am Meer, das Wetter war inzwischen besser geworden, machte eine Motorradrundtour zu alten Ausgrabungen und fand endlich Zeit mein Buch zu lesen.
Nach den 5 Tagen Ruhe trafen wir uns alle wieder in Hanoi.

Ein Mix aus Hühnchen, Nudeln, Erdnüssen, Salat und Soße

Rushhour in Hanoi

Coconut-coffee

Die Drachenbrücke in Da Nang

Entspannung in Da Nang

Peking Nr.2: THE WALL – also nicht die von Trump sondern die chinesische

Nach 14 Tagen Vietnam hieß es dann schon Abschied nehmen und nochmal zurück nach Peking. Dort besuchten wir die Chinesische Mauer. Es war zwar eisig kalt aber strahlend blauer Himmel. Von der Mauer sieht man auf endlose Natur im Landesinneren. Ich habe mich wirklich bemüht, mich in die Lage eines damaligen Grenzsoldaten hineinzuversetzen, was allerdings aufgrund der guten Renovierung der Mauer und den unzähligen anderen Touristen nur schwer möglich ist.
In der letzten Nacht brach dann noch mein Hochbett unseres Hostels unter mir zusammen, was meine Freunde endgültig dazu ermutigte mir Diättipps an den Kopf zu werfen. Alles halb so wild und irgendwie ganz lustig.

Great Wall

 

Current mood oder kak dela?

4 Wochen sind mir noch geblieben in Chudschand, dann beginnt das Nachbereitungsseminar in Berlin. Die Stimmung ist zwiegespalten: Ich freue mich total auf meine Family in Deutschland, das anstehende Praktikum und den alltäglichen Luxus wie 24/7 fließendes Wasser, Strom und Wifi. – kurzer Einwurf: unser Haus hier wird nicht vollständig geheizt, weil zu groß und Kohle zu teuer. Boa war ich verwundert als es kälter wurde, ich durch das Haus gelaufen bin und mitten im Flur meinen Atem sehen konnte, weil es im Haus so kalt war. –
Auf der anderen Seite merke ich jetzt schon, dass der Abschied von meinen Kolleginnen und meiner tadschikischen Family nicht einfach wird. Ich finde ja Abschiede generell nicht so einfach und hier sind mir die Menschen einfach so ans Herz gewachsen. Zudem weiß ich genau, dass ich mit ein bisschen Fernweh im Bauch in Stuttgart sitzen werde. Ich würde das all meinen (nicht-deutsch oder -englisch sprechenden) Mitmenschen ja gerne auch so sagen, was mein schlechtes Russisch allerdings wieder mal zu verhindern weiß. Meine Antwort auf diese Überschrift lautet also: „vsyo normal‘no“!

PS: Jetzt, nachdem ich fertig mit dem Schreiben bin: So viel zu „Ihr müsst weniger lesen“ – Hahaha

Wer es tatsächlich bis hierher geschafft hat, ist entweder Familie oder wird fürs Lesen bezahlt. An dieser Stelle: YOU’RE THE REAL MVP! (Most valuable player!)

 

Bis bald und ganz liebe Grüße,

 

Tim

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