übers freunde finden, reisefieber und den endspurt

Mein Reisemonat Juli. Bukarest ist wie leergefegt, ich weiß zwar nicht genau, wo alle Bukarester sich rumtreiben, aber vermutlich an einem kühlerem Ort. Die Hitze ist mittlerweile sehr drückend, da schläft es sich nicht mehr besonders gut (ein Hoch auf die Klimaanlage!). Naheliegend wäre, dass alle am Schwarzen Meer am Strand rumhängen. Die Menschenmassen am Bahnhof Bucuresti Nord würden diese These auch belegen. Auch ich habe irgendwann beschlossen, dass es jetzt erst mal genug Beton-Bukarest für mich war.

Mein erster Trip geht in die Ukraine. Ein ziemlich großes Land, wenn man sich das auf google maps mal so ansieht. Ein Fleck Erde, von dem ich absolut nichts weiß. Über schreckliche Auseinandersetzungen im Osten habe ich in den Nachrichten in den vergangenen Jahren schon gehört. Mein Ziel heißt Czernowitz (das ist die deutsche Schreibweise. Da gibt es aber noch einige andere: ukrainisch Чернівці Tscherniwzi; rumänisch Cernăuți). Czernowitz liegt relativ nah an der Grenze zu Rumänien. Doch die Reise dahin ist nicht ganz so einfach – es ist nicht nur mehr als 500 Kilometer von Bukarest entfernt, die Informationen über Verbindungen mit Bussen und der Bahn sind nicht wirklich ersichtlich online. Zu meinem Glück reise ich mit Dennis, der war im letzten Jahr schon dort, und hat daher einige Bekannte, die uns aushelfen, und sogar bei sich zuhause beherbergen. 

Bekanntschaft von Dennis aus dem letzten Jahr – nimmt uns mit über die Grenze

mit Alex, Dennis und Corina durch Chernivtsi cruisen

Mit Czernowitz verbindet mich aber noch etwas. Wer die Geschichte der Bukowina (Czernowitz war kulturelle Hauptstadt) kennt, weiß, dass das Gebiet über Jahrhunderte immer wieder an unterschiedliche Herrscher „gereicht“ wurde. Unter anderem auch an Österreich-Ungarn bis zum ersten Weltkrieg, dann an die Russen, dann an Großrumänien – wer sich dafür interessiert, dem empfehle ich den Wikipedia-Eintrag als Einstieg. Czernowitz war die Geburtstadt meines Urgroßvaters. Eine Zeit lang hat er da wohl auch mit seiner Frau, meiner Urgroßmutter, gelebt, eventuell sogar in einer Kirche dort geheiratet. Viele Dokumente sind verloren gegangen, es herrscht große Ungewissheit. Aber für mich hat das die Stadt interessant gemacht, ich wollte wissen, wie es dort heute aussieht. Ich denke, es ist wichtig über seine Familienhistorie zu wissen, aus der Geschichte zu lernen. Ich möchte nicht einfach für selbstverständlich hinnehmen, dass ich mein priviligiertes Leben in Deutschland leben kann. Die Generationen vor mir mussten sich ihre Freiheit hart erkämpfen, und das sollte ich nicht vergessen.

Heute lebt eine neue Generation in Czernowitz. Selbstverständlich ist der Konflikt im Osten ein Alltagsthema für die jungen Leute dort. Aber wie das überall ist, wird auch viel gefeiert, das Leben und die Freundschaft. Alle, die ich dort kennenlernen darf, sind super freundlich und herzlich, geben sich unfassbar viel Mühe, mir ihre Stadt, das Essen, die geilsten Bars (must see: Канапа) und den Lifestyle zu zeigen. Wir bekommen einen Crashkurs im Ukrainischen Vodkatrinken (einen Shot auf die Freundschaft, einen auf die Liebe, und so weiter – zugegeben habe ich die Details vergessen… lag vielleicht am Alkohol). Wir sitzen auf dem Dach eines kommunistischem Wohnblocks, philosophieren über die Welt.
Mein ursprünglicher Plan, mit der Truppe noch weiter auf eine Öko-Farm und nach Lemberg zu fahren, geht leider nicht ganz auf. Die Verbindung nach Bukarest ist unsicher, und ich möchte meinen Flug nach Timisoara erwischen. Deshalb geht es für mich schon nach kurzen zweieinhalb Tagen wieder nach Hause – mit großer Neugier auf weitere Reisen in die Region!

Ich hab es schon erwähnt: es geht weiter nach Timisoara. Da treffe ich die liebe Yola, zusammen haben wir drei Tage die Stadt zu entdecken. Es ist heiß, ist ja auch Juli, aber für Städtetrip nicht gerade angenehm. Trotzdem ist Timisoara irgendwie cool. Viel kleiner, hübscher als Bukarest, Jugendhauptstadt und eine Menge zu erleben. Am Abend ist das Ceau Cinema Film Festival, und auch wenn der Film auf Rumänisch ist, gibts englische Untertitel. Das beste Eis essen wir am nächsten Tag bei Gelato di Bruno, und als uns definitiv zu warm wird, gehen wir ins Freibad, ein bisschen planschen. Eine kleine Foto-Ausstellung haben wir auch noch gefunden, die hat extra für uns aufgemacht, im Keller eines Künstlerhauses. Und so vergeht das Wochenende super schnell, und es geht auch schon wieder zurück – wenn auch nur für kurze Zeit.

Unsere Tipps für Timisoara: Eis bei Gelato di Bruno, Sandwiches bei George’s Snack Hut, Schlendern durch das Fabrica Viertel, am Ufer des Flusses laufen, und das ziemlich coole Exit Routine Hostel.

Was wäre Sommer ohne Strand, Meer und Nichtstun. Freiwilligenleben ist ja bekanntermaßen anstrengend, weshalb Julia, Henning aus Chisinau, Yola und ich auf den Weg nach Griechenland gemacht haben. Genauer auf eine kleine Insel namens Angistri. Auf der Insel gibts vor allem griechische Binnen-Touristen, was das ganze irgendwie angenehmer macht, als eine Party-Insel Mykonos oder Santorini. Die Insel bietet trotzdem recht viel, eine hübsche Strandpromenade mit Tavernen und Supermärkten, Sandstrände, Kieselstrände in Buchten (hätten wir gewusst, dass man da klettern muss, um hinzukommen, wäre die Schuhwahl wohl nicht auf FlipFlops gefalllen…), dichte Kiefernwälder und vorallem viel viel Sonne.

der Traum von der Insel…

So vergeht dann eine Woche auch ziemlich schnell, den obligatorischen Sonnenbrand im Gepäck hüpfen wir also wieder auf die Fähre nach Athen. Hier bleiben wir noch zwei Nächte, wenn man schon mal da ist. Einmal hoch auf die Akropolis, eigentlich ein Muss (auch wenn es nicht gerade atemberaubend ist..) Für EU-Studenten ist das Ganze sogar kostenlos, genau so wie das wirklich coole Akropolismuseum. Auch in Athen ist die Hitze ziemlich drückend, umso besser, dass man an jeder Ecke Frappe (kalter Cafe, mein absoluter Sommerliebling) und frischen Orangensaft bekommt. Mittlerweile hat sich der Sonnenbrand in schönes braun verwandelt, also machen wir uns wieder auf den Heimweg nach Bukarest.

Unsere Tipps für Athen und die Insel: Angistri für entspannten Sommerurlaub, dort der Strand „Dragonera“; große Fähre (Saronic Ferries) falls man leicht seekrank wird; Bus Airport-Piräus (X96) fährt lang, aber wenigstens nicht durch die Stadt; Buns and Roses in der Nähe vom Omonia Platz für geniales Mittagessen; little tree cafe beim Akropolismuseum; überall nach Studentenrabatt fragen

So langsam beginnt der Endspurt des FSJ. Ich bin schon ein bisschen traurig, die letzten sechs Monate waren unbeschreiblich. Aber ich weiß, dass eine coole Zeit auf mich zukommen wird, mit Studium, und ich bin mir sicher, dass ich immer eine besondere Beziehung zu Rumänien haben werde.

Bukarest, die Stadt, in der ich zum allerersten Mal alleine gelebt habe, das erste Mal länger von Freund und Familie getrennt war, meine erste große Stadt-Liebe.

Machs gut, wir sehen uns. Pe curand!

Theresa

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