Kirschblüten, Apfelstrudel und Frau Merkel.

Frühling macht ja bekanntermaßen alles besser. Zumindest mag ich die kalte Jahreszeit einfach nicht so gern, und tau dann erst ab März so richtig auf. Deshalb kommt es ganz gelegen, dass auch Bukarest an allen Ecken blüht, dass die noch nicht allzu starke Sonne die grauen Kommunismus-Bauten in ein freundliches Licht taucht, und dass die Luft auch Abends noch so wunderbar warm ist. Und so freu ich mich jeden morgen auf dem Weg zur Schule über ein paar weitere Kirschblüten am Straßenrand, und darüber, dass ich meine dicke Winterjacke zuhause lassen kann.
Mein „zuhause“ ist seit letztem Sonntag übrigend woanders. Ich hab nochmal meine sieben Sachen gepackt, und bin in eine Wohnung mit der lieben Julia (kulturweit-Freiwillige am Goethe Institut) gezogen, die praktischerweise nur wenige Gehminuten von der Schule weg ist. Auf dem Schulweg komm ich auch an der besten aller besten Bäckereien vorbei. Der Duft nach frischen Covrigi (die erinnern an eine lustige Kreuzung von Brezen und türkischen Sesamkringeln, gibt es mit Mohn, Sesam oder Rosinen) und Strudeln (ein bisschen wie Blätterteigstangen mit Apfel- oder Kirschfüllung und viel Puderzucker, die gibt es aber auch mit Käse gefüllt) ist einfach herrlich, und ist schwer zu wiederstehen. Wer einen Trip nach Bukarest plant, muss unbedingt eines der vielen Teilchen probieren, am besten in einer Luca Bäckerei.

Bei dem Wetter bin ich logischerweise nicht die einzige, die es nach draußen zieht. Die Schülerinnen und Schüler schauen auch sehnsüchtigst aus dem Fenster, und würden vermutlich lieber draußen spielen, als sich von der ollen Freiwilligen etwas über Inhaltsangaben und Personenbeschreibungen erzählen zu lassen. Verständlich, irgendwie.
Ein Schüler der 6. Klasse hat mich letzte Woche ganz besonders überrascht. Er hatte die Aufgabe, ein Wortfeld zu dem Wort Deutschland aufzustellen. (Zur Erinnerung: Als Wortfeld wird eine Gruppe von Wörtern bezeichnet, die eine ähnliche Bedeutung haben und der gleichen Wortart angehören.) Neben Worten wie Deutscher, Deutsche, Flagge und Mannschaft (schon gut, ist nicht ganz korrekt, aber wir wollen mal nicht zu kleinlich sein) wollte der Schüler noch ein paar Begriffe hinzufügen, und fragt mich: „Wie nennt man auf deutsch die Menschen, die ihr Zuhause verlassen, und nach Deutschland kommen?“. Ich antworte: „Meinst du Geflohene?“. „Ja genau! Dann schreib ich noch Geflohene, Muslime, Islam und Angela Merkel.“ Ich war ziemlich überrascht. Und ein kleines bisschen stolz auf den Sechstklässler.

Am Montag beginnt meine neue Lese-AG. Ich freu mich schon riesig, und ich glaub ein paar Schüler und Schülerinnen sind auch schon gespannt. Jedenfalls springen die immer wie kleine Flummis um mich rum, wenn ich sie auf dem Gang treffe, rufen „Hallo Frau Theresa“ und „Ich komm zu das Lese-AG!“. Frau Theresa kommt übrigens daher, dass man bei der Begrüßung auf rumänisch, insbesondere bei LehrerInnen, „doamna“, also „Frau“ immer hinzufügt. Ich wollte die Kinder nicht zwingen, meinen komplizierten Nachnamen zu lernen, deshalb mein Vorname. Heraus kommt die etwas merkwürdige, aber irgendwie liebenswürdige Version „Frau Theresa“.

Frau Theresa muss sich jetzt aber um die neuerlichen Haushaltsaufgaben wie Waschen und Putzen kümmern, so eine eigene Wohnung soll man ja nicht verkommen lassen. Wedelnd mit dem Putzlappen und leicht verwirrt über das Waschmaschinenmodell sowie dessen Funktionsweise sag ich damit la revedere, und bis bald,

Theresa

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