übers freunde finden, reisefieber und den endspurt

Mein Reisemonat Juli. Bukarest ist wie leergefegt, ich weiß zwar nicht genau, wo alle Bukarester sich rumtreiben, aber vermutlich an einem kühlerem Ort. Die Hitze ist mittlerweile sehr drückend, da schläft es sich nicht mehr besonders gut (ein Hoch auf die Klimaanlage!). Naheliegend wäre, dass alle am Schwarzen Meer am Strand rumhängen. Die Menschenmassen am Bahnhof Bucuresti Nord würden diese These auch belegen. Auch ich habe irgendwann beschlossen, dass es jetzt erst mal genug Beton-Bukarest für mich war.

Mein erster Trip geht in die Ukraine. Ein ziemlich großes Land, wenn man sich das auf google maps mal so ansieht. Ein Fleck Erde, von dem ich absolut nichts weiß. Über schreckliche Auseinandersetzungen im Osten habe ich in den Nachrichten in den vergangenen Jahren schon gehört. Mein Ziel heißt Czernowitz (das ist die deutsche Schreibweise. Da gibt es aber noch einige andere: ukrainisch Чернівці Tscherniwzi; rumänisch Cernăuți). Czernowitz liegt relativ nah an der Grenze zu Rumänien. Doch die Reise dahin ist nicht ganz so einfach – es ist nicht nur mehr als 500 Kilometer von Bukarest entfernt, die Informationen über Verbindungen mit Bussen und der Bahn sind nicht wirklich ersichtlich online. Zu meinem Glück reise ich mit Dennis, der war im letzten Jahr schon dort, und hat daher einige Bekannte, die uns aushelfen, und sogar bei sich zuhause beherbergen. 

Bekanntschaft von Dennis aus dem letzten Jahr – nimmt uns mit über die Grenze

mit Alex, Dennis und Corina durch Chernivtsi cruisen

Mit Czernowitz verbindet mich aber noch etwas. Wer die Geschichte der Bukowina (Czernowitz war kulturelle Hauptstadt) kennt, weiß, dass das Gebiet über Jahrhunderte immer wieder an unterschiedliche Herrscher „gereicht“ wurde. Unter anderem auch an Österreich-Ungarn bis zum ersten Weltkrieg, dann an die Russen, dann an Großrumänien – wer sich dafür interessiert, dem empfehle ich den Wikipedia-Eintrag als Einstieg. Czernowitz war die Geburtstadt meines Urgroßvaters. Eine Zeit lang hat er da wohl auch mit seiner Frau, meiner Urgroßmutter, gelebt, eventuell sogar in einer Kirche dort geheiratet. Viele Dokumente sind verloren gegangen, es herrscht große Ungewissheit. Aber für mich hat das die Stadt interessant gemacht, ich wollte wissen, wie es dort heute aussieht. Ich denke, es ist wichtig über seine Familienhistorie zu wissen, aus der Geschichte zu lernen. Ich möchte nicht einfach für selbstverständlich hinnehmen, dass ich mein priviligiertes Leben in Deutschland leben kann. Die Generationen vor mir mussten sich ihre Freiheit hart erkämpfen, und das sollte ich nicht vergessen.

Heute lebt eine neue Generation in Czernowitz. Selbstverständlich ist der Konflikt im Osten ein Alltagsthema für die jungen Leute dort. Aber wie das überall ist, wird auch viel gefeiert, das Leben und die Freundschaft. Alle, die ich dort kennenlernen darf, sind super freundlich und herzlich, geben sich unfassbar viel Mühe, mir ihre Stadt, das Essen, die geilsten Bars (must see: Канапа) und den Lifestyle zu zeigen. Wir bekommen einen Crashkurs im Ukrainischen Vodkatrinken (einen Shot auf die Freundschaft, einen auf die Liebe, und so weiter – zugegeben habe ich die Details vergessen… lag vielleicht am Alkohol). Wir sitzen auf dem Dach eines kommunistischem Wohnblocks, philosophieren über die Welt.
Mein ursprünglicher Plan, mit der Truppe noch weiter auf eine Öko-Farm und nach Lemberg zu fahren, geht leider nicht ganz auf. Die Verbindung nach Bukarest ist unsicher, und ich möchte meinen Flug nach Timisoara erwischen. Deshalb geht es für mich schon nach kurzen zweieinhalb Tagen wieder nach Hause – mit großer Neugier auf weitere Reisen in die Region!

Ich hab es schon erwähnt: es geht weiter nach Timisoara. Da treffe ich die liebe Yola, zusammen haben wir drei Tage die Stadt zu entdecken. Es ist heiß, ist ja auch Juli, aber für Städtetrip nicht gerade angenehm. Trotzdem ist Timisoara irgendwie cool. Viel kleiner, hübscher als Bukarest, Jugendhauptstadt und eine Menge zu erleben. Am Abend ist das Ceau Cinema Film Festival, und auch wenn der Film auf Rumänisch ist, gibts englische Untertitel. Das beste Eis essen wir am nächsten Tag bei Gelato di Bruno, und als uns definitiv zu warm wird, gehen wir ins Freibad, ein bisschen planschen. Eine kleine Foto-Ausstellung haben wir auch noch gefunden, die hat extra für uns aufgemacht, im Keller eines Künstlerhauses. Und so vergeht das Wochenende super schnell, und es geht auch schon wieder zurück – wenn auch nur für kurze Zeit.

Unsere Tipps für Timisoara: Eis bei Gelato di Bruno, Sandwiches bei George’s Snack Hut, Schlendern durch das Fabrica Viertel, am Ufer des Flusses laufen, und das ziemlich coole Exit Routine Hostel.

Was wäre Sommer ohne Strand, Meer und Nichtstun. Freiwilligenleben ist ja bekanntermaßen anstrengend, weshalb Julia, Henning aus Chisinau, Yola und ich auf den Weg nach Griechenland gemacht haben. Genauer auf eine kleine Insel namens Angistri. Auf der Insel gibts vor allem griechische Binnen-Touristen, was das ganze irgendwie angenehmer macht, als eine Party-Insel Mykonos oder Santorini. Die Insel bietet trotzdem recht viel, eine hübsche Strandpromenade mit Tavernen und Supermärkten, Sandstrände, Kieselstrände in Buchten (hätten wir gewusst, dass man da klettern muss, um hinzukommen, wäre die Schuhwahl wohl nicht auf FlipFlops gefalllen…), dichte Kiefernwälder und vorallem viel viel Sonne.

der Traum von der Insel…

So vergeht dann eine Woche auch ziemlich schnell, den obligatorischen Sonnenbrand im Gepäck hüpfen wir also wieder auf die Fähre nach Athen. Hier bleiben wir noch zwei Nächte, wenn man schon mal da ist. Einmal hoch auf die Akropolis, eigentlich ein Muss (auch wenn es nicht gerade atemberaubend ist..) Für EU-Studenten ist das Ganze sogar kostenlos, genau so wie das wirklich coole Akropolismuseum. Auch in Athen ist die Hitze ziemlich drückend, umso besser, dass man an jeder Ecke Frappe (kalter Cafe, mein absoluter Sommerliebling) und frischen Orangensaft bekommt. Mittlerweile hat sich der Sonnenbrand in schönes braun verwandelt, also machen wir uns wieder auf den Heimweg nach Bukarest.

Unsere Tipps für Athen und die Insel: Angistri für entspannten Sommerurlaub, dort der Strand „Dragonera“; große Fähre (Saronic Ferries) falls man leicht seekrank wird; Bus Airport-Piräus (X96) fährt lang, aber wenigstens nicht durch die Stadt; Buns and Roses in der Nähe vom Omonia Platz für geniales Mittagessen; little tree cafe beim Akropolismuseum; überall nach Studentenrabatt fragen

So langsam beginnt der Endspurt des FSJ. Ich bin schon ein bisschen traurig, die letzten sechs Monate waren unbeschreiblich. Aber ich weiß, dass eine coole Zeit auf mich zukommen wird, mit Studium, und ich bin mir sicher, dass ich immer eine besondere Beziehung zu Rumänien haben werde.

Bukarest, die Stadt, in der ich zum allerersten Mal alleine gelebt habe, das erste Mal länger von Freund und Familie getrennt war, meine erste große Stadt-Liebe.

Machs gut, wir sehen uns. Pe curand!

Theresa

unterwegs in richtung unbekannt

Mit der Morgensonne auf der Nase, auf den Stufen des Zuges sitzend beginnt die kurze Reise ins Weite. Das Ziel heißt Piatra Mare, vorher fahren wir bis Predeal, einer kleineren Stadt kurz vor Brasov. In Begleitung habe ich Dennis, einen Local sozusagen. Dennis ist Abenteurer, Lebenskünstler und aktuell Medizinstudent in Bukarest. In seinen Worten war ich „stuck in Bucharest“, weshalb ich meinen Rucksack und die Wanderstiefel geschnappt habe, und mich mit ihm auf den Weg in die rumänischen Berge gemacht habe. Alleine hätte ich das mit sehr großer Wahrscheinlichkeit nicht gemacht, zumal ich meistens einen Anstoß von außen brauche, Dinge wie Wandern tatsächlich zu tun, und nicht nur realitätsfern die „wanderlust“ Bilder von anderen Menschen auf Instagram anzusehen. Schon das Zugfahren hat einen ganz anderen Flair als in Deutschland. Die Türen der Wagen gehen am Bahnhof immer zu beiden Seiten auf, damit Reisende aus der Tür rauchen können, und etwas frische Luft schnappen. Wenn man dann wie wir auf den Stufen sitzt, dann sieht man den Schotter unter sich, einige rostige Gleise und je nach Größe des Ortes ein Häuschen, das an einen Bahnhof erinnern soll. Der Zug rollt weiter, die Tür immer noch offen, und erst nach einigen Metern schließen die Türen sich langsam. Als ob die Türen einem noch eine letzte Chance geben, sich umzuentscheiden, und doch noch aus dem fahrenden Zug zu springen. An dieser Stelle sei angemerkt, dass ich das wohl auch schon ausprobiert habe, etwas notgedrungen, auf dem Weg nach Fagaras zum Zwischenseminar. Wir waren im letzten Wagen und haben keinen Bahnsteig gesehen, dachten uns, wir sind bestimmt noch nicht da. Selten hab ich so schnell Sachen zusammen gepackt, als eine Dame „E Fagaras, mergeti!“ (etwa: Das ist Fagaras, bewegt euch!) gerufen hat.

rumänischer Provinzbahnhof

Doch zurück zu dieser Reise.Nach etwa zwei einhalb Stunden Fahrt steigen wir in Predeal aus, und Dennis schaut mich an, meint er hat eine Überraschung für mich. „Wir werden ein Stück trampen.“, sagt er, und grinst. Er weiß genau, ich bin eher so Model Komfort-Reisende, und bin wohl noch nie per Anhalter gereist. Aber – his country, his rules. Ein bisschen Offenheit tut mir gut, also lass ich mich selbstverständlich darauf ein. Er erklärt mir kurz, dass es wichtig ist, ein paar Dinge zu beachten, wo hinstellen, wie gestikulieren und so weiter. Für mich ist das ja neu, also komm ich mir noch ziemlich doof vor, als ich das erste Mal meinen Daumen rausstrecke. Ich bin mir sicher, meine Unsicherheit hätte man noch Kilometer weiter sehen können. Kein Wunder also, dass der neben mir stehende Dennis schmunzelt. Na der hat leicht reden, immerhin ist er schon viele Tausend Kilometer getrampt. Gut, also ein bisschen mehr Empathie und positive Ausstrahlung, bitte, Theresa. Keine fünf Minuten später sitzen wir im Auto eines Ehepaars, auf dem Weg zum Anfang des Wanderwegs. Unbewusstsein is a bitch, so klammer ich mich in meiner Unsicherheit an meinen Rucksack, versuche das wegzulächeln. Klappt nur so mittelmäßig, glaub ich. Dabei bin ich eigentlich total zufrieden, liebe das kleine Abenteuer dass ich da grade erleben darf. Dennis unterhält sich angeregt mit den beiden, mit einer Freundlichkeit und Herzlichkeit, die mich ziemlich beeindruckt. Später sagt er mir „du bekommst etwas von ihnen, umsonst, also gibst du etwas zurück, und unterhältst dich.“

Wir steigen aus, laufen los. Unser erster Stopp wird der „Canionul Șapte Scări” (https://ro.wikipedia.org/wiki/Canionul) sein. Mitten im Wald gelegen ist der Canyon mit den sieben Treppen ein bisschen touristischer. Einige Menschen warten Schlange, warten darauf die Treppen rauf und runter klettern zu können. Instruktionen gab es nicht wirklich, ein wesentlicher Unterschied zu Deutschland. So nasse Eisentreppen sind ja schon eine rutschige Angelegenheit, da würde es von Warnschildern und Versicherungshinweisen nur so wimmeln. Kaum ist der Canyon vorbei, verlaufen sich die Massen der Menschen, und die wundervolle Ruhe im Wald kann wirken. Wir gehen den Wanderweg mit dem Namen Prăpastia Ursului“ (Urs = Bär), der wird etwa 4 Stunden dauern. Das liegt aber an meiner untrainierten Wenigkeit, Dennis wäre da vermutlich in einer knappen Stunde hochgesprintet. Bald treffen wir auf einen Mann, der Pause auf einem Stein macht. Ein bisschen unsicher sieht er uns an, fragt, ob wir Englisch sprechen. Einige Wanderer haben ihn gewarnt, ein Bär wäre auf dem Weg. Oh, nun, so eine direkte Konfrontation mit einem Bären brauche ich jetzt nicht unbedingt, denke ich. Aber was wäre die Alternative? Umdrehen? Auch irgendwie doof. Also gehen wir weiter, machen viel Krach und Lärm, denn die Bären bleiben dann wohl eher fern. Wir rufen nach dem Herrn Bären, ob er Stress will, lachen ziemlich viel dabei. Dennis lernt Deutsch, also üben wir Verbkonjugationen in einer Lautstärke, die den Bären wohl beeindruckt hat. „Laufen, lief, gelaufen. Hörst du, Herr Bär?“ Wir sind ihm nicht über den Weg gelaufen.

Ich bin am Ende meiner Kräfte, als wir an der Hütte ankommen. Der Ausblick ist der absolute Wahnsinn. Mir fehlen wirklich die Worte. Man sieht ganz Brasov, es ist einfach fantastisch. Ein paar Eselchen stehen auch herum, die runden das Panorama perfekt ab. Das Gipfelbier war wohl das Beste, dass ich je getrunken habe. Wir unterhalten uns gut und lange, die „Vibes“ sind super.

Leider fährt der letzte Zug in drei Stunden, stellt Dennis fest, und deshalb reicht uns die Zeit leider nicht, um die letzten Höhenmeter auf den Gipfel zu steigen. Also geht es dann mit ein bisschen schnellerem Tempo bergab, was mir schon wesentlich besser gefällt, ist weniger anstrengend, obviously.

Unten angekommen beginnt das gleiche Spiel wieder zurück, Daumen raus, zurück nach Predeal. Diesmal gefällt mir das schon besser, ich bilde mir ein ich bin entspannter bei der Sache. Und wieder, nach nicht mal fünf Minuten, sitzen wir auf der Rückbank eines jungen Pärchens. Für mich war das schon ein big deal, das Trampen, etwas Neues halt. Für jemanden mit Erfahrung liest sich das wahrscheinlich ziemlich komisch, aber das ist mir jetzt erst mal egal. Für mich war das cool und eine wertvolle Erfahrung.

Auf dem Weg zurück bin ich zwar erschöpft, aber auch super zufrieden. Normalerweise dauert die Heimfahrt gefühlt doppelt so lange, aber Dennis erzählt unermüdlich von seinen Wandergeschichten, ich höre interessiert zu, das sind Geschichten aus einer mir eher unbekannten Welt.

Jede Reise macht uns reicher, immer, egal wie man reist. Aber ironischerweise hat mir der Tag gezeigt, dass es nicht darauf ankommt, viel Geld beim Reisen auszugeben. Ich stelle jetzt mal die verrückte Theorie auf, dass man mit wenig Budget noch mehr erlebt, als mit einem Haufen Geld.

Ich kann sehr empfehlen, die rumänischen Berge zu besuchen.

Bis bald,
Theresa

 

a day in the life of a volunteer.

7:30 Bună dimineața Bucuresti. Mein Wecker klingelt. Ist es ein guter Start in den Tag, dann werde ich auch tatsächlich davon wach, und schäle mich aus den Federn. Soll auch schon mal vorgekommen sein, dass ich das Weck-Lied (Rather Be, Jess Glynne) so fest in meinen Traum eingebaut habe, dass ich erst kurz vor knapp aufgeschreckt bin.

7:38 Ziemlich routiniert läuft mein erstes Morgenritual ab: das Kaffeekochen. Eines meiner Lieblingsteile ist die süße die Bialetti Moka Express, die in Minuten guten Espresso zaubert. Wasserhahn auf, Kännchen auffüllen. Dose öffnen, ein paar Teelöffel gemahlenes Gutes auf das Sieb. Oberteil draufschrauben. Auf die Herdplatte stellen. Gasherd an, warten bis es duftet und föhlich blubbert.

Während der Kaffee kocht, mix ich mein Frühstücksmüsli zusammen: Haferflocken und Leinsamen zusammen mit einem Esslöffel Ahornsirup, einem Esslöffel geschmacksneutralem Öl und etwas Wasser in einer kleinen Schüssel mischen. Ab damit in die Mikrowelle – bei 600 Watt für etwa einenhalb Minuten backen. Zusammen mit einem kleinen Esslöffel Erdnussbutter, Birne und Milch ergibt das einen perfekten Energielieferanten für den Tag an der Schule.

8:30 Ausgestattet mit einem Goethe Institut Baumwollbeutel (manchmal auch zwei, man schleppt ja ziemlich viel Zeug durch die Gegend, wenn man mit Kindern arbeitet) mach ich mich auf den Weg zur Einsatzstelle. Die letzten Wochen habe ich viel mit einer vierten Klasse gearbeitet. Und obwohl ich nie den Wunsch hatte, Lehramt zu studieren, macht es mir wahnsinnig viel Spaß, und die Kinder geben einem viel zurück. Ich laufe etwa zehn Minuten durch die Stadt, aber zu meinem Schulweg hab ich schon mal einen Post geschrieben.

8:50 So schnapp ich mir meine Sachen, die vorbereiteten Blätter für die Kinder, und los gehts mit einem neuen Schultag. Ironischer Weise wird dieser Blogpost am letzten Schultag hochgeladen – je länger ich hier dran schreibe, desto mehr merke ich, wie mir die Arbeit am Goethe Kolleg fehlen wird.

14:00 Der größte Teil des Schultags ist vorbei. Jetzt treffe ich mich noch mit einer meiner AGs, Montags ist die Lese AG an der Reihe. Dienstags eine Schreibwerkstatt. Wenn das Wetter so toll ist, wie die letzten Wochen, gehen wir nach draußen, lesen gemeinsam aus Büchern, die die SchülerInnen mitgebracht haben, danach aus einem, das ich dabei habe: Rico, Oskar und das Herzgebreche.

16:00 Einer der Gründe, warum ich vom kulturweit Programm überzeugt bin, ist dass alle Freiwilligen einen Sprachkurs im Gastland machen. Ich habe sehr viel Spaß dabei, die rumänische Sprache zu lernen. Ich habe schon in München damit angefangen, tu mir trotzdem ein bisschen schwer zu sprechen. Am Arbeitsplatz spreche ich nur Deutsch, da komm ich nur selten mit Rumänisch in Berührung. Warum ich das hier jetzt erwähne? Weil es in der Nähe der Schule ein tolles Cafe gibt, eine Art Garten (Gradina Eden), das sich perfekt eignet, die Unterlagen aus dem Sprachkurs noch mal anzuschauen. Zugegeben bin ich nicht immer so ambitioniert, alles nachzubereiten. Aber in letzter Zeit hab ich durch das tolle Wetter hier so unglaublich viel Energie, und die nutz ich gern aus.

17:15 Ab nach Hause. Ich habe den großen Luxus, nicht bis spät am Nachmittag arbeiten zu müssen. Die Zeit in der Schule nutze ich in der Regel sinnvoll, während des Unterrichts bin ich sehr gefordert. Zu ewigen Leerlauf-Zeiten kommt es nicht, und das finde ich optimal. So mach ich mich dann auf den Weg in die Wohnung, um mich einer meiner Lieblingsbeschäftigung zu widmen: dem Kochen. An heißen Tagen bleibt es aber bei Salat, da habe ich keine große Lust, mich lange in den heißen Dampf zu stellen. Was ist eigentlich typisch rumänisches Essen? Gute Frage, denn auch hier, man glaubt es kaum, ist die Globalisierung angekommen. Die Supermärkte gehören großen Lebensmittelkonzernen, die Regale sind voller internationaler Produkte. Lediglich der Preis verrät, ob ein Produkt in Rumänien angebaut wurde. In Restaurants sind die Speisekarten oft ähnlich, was angeboten wird, schmeckt aber dann meistens auch sehr gut. Es gibt hier oft Burger mit Pommes, Salate oder Pasta.

20:00 Stammtisch-Time! Vom Goethe Institut organisiert gibt es hier in Bukarest einen Stammtisch für TeilnehmerInnen der Sprachkurse. Aber es kommen meistens einfach junge Menschen, die an der deutschen Sprache interessiert sind, und vielleicht ein mal eine Zeit lang in Deutschland arbeiten möchten. Bei einem Bier lässt es sich wirklich gut unterhalten, und man lernt echt interessante Leute kennen. Von der in Bukarest Medizin studierenden Moldauerin bis zum Piloten in Ausbildung alles mit dabei. So schnapp ich mir mein Ciuc und stoße mit den Leuten an – übrigens: in Rumänien wird nie mit unalkoholischen Getränken angestoßen! That’s not the real shit.

Ciuc meets Edelweiß – deutsch-rumänische Be(er)ziehungen pflegen…

Feierabend. Ab ins Bett, morgen geht es weiter. Wenn auch mein Einsatz an der Schule, dem Goethe Kolleg, schon vorbei ist, so bleiben mir trotzdem noch gut zwei Monate in Bukarest, auf die ich mich riesig freue. Gefühlt steh ich noch ganz am Anfang meines Freiwilligendienstet – doch in Realität ist die Halbzeit schon lang vorbei.

Theresa

Blümchen zum Abschied von den SchülerInnen der 4C

planlos, kreativ und wundervoll.

Das wundervolle steckt im Detail, Schönes liegt auf der Straße. Wer danach sucht, wird es nicht finden. Jeden Tag geht ein Großteil der Bevölkerung zur Arbeit, zur Schule oder Uni. Diesen Weg kennt man auswendig, die Beine tragen einen wie von allein durch Straßen, Gassen, über Ampeln. Ich gehe auch zu Fuß zur Schule, jeden Tag von Montag bis Freitag. Ich liebe meinen Schulweg, auch wenn ich gut aufpassen muss, nicht überfahren zu werden, und mich durch die zugeparkten, maroden Bürgersteige mit den lockeren Platten quetschen muss. Bukarest ist auch deshalb so besonders, weil es so vielfältig ist. Kein Bauplan hat sich hier etabliert – eher von der Natur und deren unvorhersehbare Katastrophen, und einem Jahrhundert voller politscher, sowie gesellschaftlicher Umschwünge, ist das Straßenbild geprägt. Eine Stadtvilla im französichen Stil neben einem grauen Ceaucescu-Sozial-Bau neben einem recht jungen Graffiti: planlos wundervoll.

Deshalb hier meine kleine Liebeserklärung an das kreative Bukarest in Schnappschüssen:

strada general david praporgescu – homebase

Augen auf, es gibt so vieles zu entdecken! Und dafür muss man nicht mal weit fahren.

Theresa.

übers busfahren, entdecken und heimkommen.

April. Mein Reisemonat. Dieses Jahr sind hier in Rumänien ungewöhnlich lange Osterferien, fast drei Wochen. Jetzt, wo es noch nicht so unerträglich heiß ist, muss ich die Gelegenheit nutzen und mir Südosteuropa etwas genauer ansehen. Meine Faszination für Bukarest hat keineswegs nachgelassen, im Gegenteil, ich verteidige mein neues „Zuhause“ immer wehement, wenn jemand (vorschnell?) böse drüber redet. Aber Bukarest ist eine Gr0ßstadt, und somit kein Spiegel für das ganze Land, nicht einmal für die Region der Walachei. Über die Osterfeiertage habe ich aber erstmal ein anderes Ziel: μαυροδενδρι (Mavrodendri), ein Dorf in Griechenland, es liegt grob bei Kozani, noch gröber bei Thessaloniki. Von Bukarest aus sind das immerhin knapp 788 Kilometer, mit dem Reisebus also 12 Stunden Fahrt durch Bulgarien. Das mag nicht die allerschönste Aussicht sein, und ich war durchaus skeptisch, hab mich zwischendurch vor Reiseaufregung verrückt gemacht, habe mir gedacht das war die doofste Schnapsidee jemals. Aber ich hatte ja ein Ziel vor Augen: Osterfest in Griechenland, zusammen mit der Familie vom besten Copiloten der Welt! Und so waren die vielen Stunden Fahrt erträglich, eigentlich wirklich in Ordnung. Bulgarien liegt näher an Bukarest als ich es eingeschätzt habe. Nach einer knappen Stunde hat der Bus die im Abendlicht ziemlich genial aussehende Donau schon überquert. Der Nachteil einer Nachtfahrt: außer den erstaunlich penibel sauberen Raststätten hab ich von Bulgarien sonst nichts gesehen. Nicht einmal Sofia, schade aber auch. Wie sich herausstellen wird hab ich das auf der Rückfahrt ein zweites Mal verschlafen, aber dazu später! Um fünf Uhr fünfzig morgens schmeißt mich der Busfahrer also in Thessaloniki raus, und ich begeb mich auf die Suche nach dem Bus zum Busbahnhof. Dann ein Bus nach Kozani, eineinhalb Stunden Fahrt. Dann noch ein Regionalbus nach Mavrodendri. Das klingt jetzt einfach, und im Endeffekt ist es auch keine große Kunst, aber ich war doch ein bisschen stolz, so ganz ohne Verfahren oder dergleichen angekommen zu sein. Alex Oma, die dort wohnt, nimmt mich herzlichst in Empfang und ich fühle mich so richtig angekommen.
Es riecht nach Frühling, ist wahnsinnig grün, und die Idylle wird durch Kirchenläuten alle paar Minuten perfektioniert (Ein Brauch am Karfreitag, es erinnert die Christen an den Trauer über den Tod Jesu). Und so erlebe ich die Tage ganz viel, was beim griechischen Ostern dazugehört: Tsureki (Osterstollen), Eier schlagen (die Eier werden nur rot gefärbt, als Erinnerung an das Blut Jesu), die Gottesdienste (besonders emotional war der in der Nacht auf den Ostersonntag, hier wird die Auferstehung verkündet und das Fasten gebrochen) und die Familienessen. Und so vergehen ein paar wundervolle Tage wirklich schnell, und ehe ich mich versehe sitze ich schon wieder im Bus nach Bukarest. Der Abschied fällt schwer, natürlich wird es ein Wiedersehen geben, vielleicht sogar schon ganz bald, aber Trennung bleibt einfach unschön. Ich denke an Griechenland, aber noch mehr an den Co-Piloten.

… ein bisschen Gemüse am Ostersonntag

Ein ganzes Stück nördlicher liegt Sibiu. Meine zweite Reise diesen Monat. Der Rucksack aus Griechenland bleibt fast gleich gepackt, Dreckwäsche kurz raus, neue Sachen rein, viel braucht man ja nicht. Was man alles nicht braucht, auf Reisen, das merkt man spätestens dann, wenn man das ganze Gewicht auf dem Rücken trägt. Diesmal bin ich mit Yola und Henning unterwegs, zu dritt schlagen wir uns durch Siebenbürgen, entdecken Neues und bewundern Altes. Ganz anders als Bukarest ist es für einen Deutschen in Sibiu fast unmöglich, einen „Kulturschock“ zu verspüren. Dafür ist es zu sauber, zu renoviert – sowieso spürt man den Einfluss ‚deutscher‘ bzw ‚österreichischer‘ Kultur stark. Der fantastische Blick auf die Karpaten im Hintergrund der Skyline weckt Alpenfeeling, wie ich es nenne. Es gibt eine große evangelische Kirche im Zentrum von Hermannstadt, den Kirchturm sollte man unbedingt besteigen, wenn man dort ist. Ganz in der Nähe gibt es auch ein Pharmaziemuseum. In der vermutlich ersten Apotheke Rumäniens hat um 1777 der Begründer der Homöopathie, Samuel Habermann, Mittelchen gegen allerlei Wehweh erfunden. An die zweitausend hübsche kleine Fläschchen mit Globuli (ich vermute nicht mehr im Original…) und vergilbte Pulverfässchen kann man begutachten.

Die rumänisch-orthodoxe Kirche in Sibiu

Einenhalb Stunden von Sibiu entfernt liegt Sighisoara (auch bekannt als Schäßburg). Ja, es gibt da so eine Legende, dass Dracula, also Vlad Tepes, dort geboren sein mag. Ehrlich gesagt bin ich kein Fan dieser Mythen, sie vernebeln die historischen Grundlagen, und sagen meist mehr über den aktuellen Geist der RumänInnen aus, als sie über die Geschichte des ‚Volkes‘ erzählen. Sighisoara ist wirklich hübsch, die Altstadt liegt auf einem Hügel, viele Häuser haben bunte Fassaden und über die bekannte „Schülertreppe“ erreicht man das Gymnasium der deutschen Minderheit.

Der zweite Daytrip führte uns nach Păltiniș. Wir hatten zwar kalte Temperaturen erwartet, doch mit einem Meter Schnee hatten wir nicht gerechnet. Vom Spazieren sollte uns das aber nicht abhalten, es gibt dort schöne Wanderwege durch die dichten Wälder, manchmal trifft man sogar auf Bären oder Wölfe. Wir haben keine gesehen, und so im Nachhinein finde ich das ganz gut, glaube ich. Wir haben allerdings einen Anfängerfehler gemacht: Mit dem Bus von Sibiu sollte man am besten eine Station vor Păltiniș aussteigen, im Dorf davor. Von dort aus gibt es Wanderwege mit beeindruckender Aussicht auf die Karpaten, die kann man dann bis zur „Hohen Rinne“ laufen. Jetzt im April – die Skisaison ist eigentlich vorbei, der Sommer hat noch nicht begonnen, da ist es sehr verlassen und einsam in Păltiniș.

Siebenbürgen ist schön, wirklich hübsch und ästhetisch. Als wir im Bus zurück nach Bukarest sitzen, kommt ein Gefühl in mir auf: Ich bin auf dem Weg nach Hause. Ich hab schon ein bisschen Sehnsucht nach dem kaputten, unaufgeräumten, lauten, chaotischen, improvisierten, dem liebgewonnenen Bukarest.

Theresa

Kirschblüten, Apfelstrudel und Frau Merkel.

Frühling macht ja bekanntermaßen alles besser. Zumindest mag ich die kalte Jahreszeit einfach nicht so gern, und tau dann erst ab März so richtig auf. Deshalb kommt es ganz gelegen, dass auch Bukarest an allen Ecken blüht, dass die noch nicht allzu starke Sonne die grauen Kommunismus-Bauten in ein freundliches Licht taucht, und dass die Luft auch Abends noch so wunderbar warm ist. Und so freu ich mich jeden morgen auf dem Weg zur Schule über ein paar weitere Kirschblüten am Straßenrand, und darüber, dass ich meine dicke Winterjacke zuhause lassen kann.
Mein „zuhause“ ist seit letztem Sonntag übrigend woanders. Ich hab nochmal meine sieben Sachen gepackt, und bin in eine Wohnung mit der lieben Julia (kulturweit-Freiwillige am Goethe Institut) gezogen, die praktischerweise nur wenige Gehminuten von der Schule weg ist. Auf dem Schulweg komm ich auch an der besten aller besten Bäckereien vorbei. Der Duft nach frischen Covrigi (die erinnern an eine lustige Kreuzung von Brezen und türkischen Sesamkringeln, gibt es mit Mohn, Sesam oder Rosinen) und Strudeln (ein bisschen wie Blätterteigstangen mit Apfel- oder Kirschfüllung und viel Puderzucker, die gibt es aber auch mit Käse gefüllt) ist einfach herrlich, und ist schwer zu wiederstehen. Wer einen Trip nach Bukarest plant, muss unbedingt eines der vielen Teilchen probieren, am besten in einer Luca Bäckerei.

Bei dem Wetter bin ich logischerweise nicht die einzige, die es nach draußen zieht. Die Schülerinnen und Schüler schauen auch sehnsüchtigst aus dem Fenster, und würden vermutlich lieber draußen spielen, als sich von der ollen Freiwilligen etwas über Inhaltsangaben und Personenbeschreibungen erzählen zu lassen. Verständlich, irgendwie.
Ein Schüler der 6. Klasse hat mich letzte Woche ganz besonders überrascht. Er hatte die Aufgabe, ein Wortfeld zu dem Wort Deutschland aufzustellen. (Zur Erinnerung: Als Wortfeld wird eine Gruppe von Wörtern bezeichnet, die eine ähnliche Bedeutung haben und der gleichen Wortart angehören.) Neben Worten wie Deutscher, Deutsche, Flagge und Mannschaft (schon gut, ist nicht ganz korrekt, aber wir wollen mal nicht zu kleinlich sein) wollte der Schüler noch ein paar Begriffe hinzufügen, und fragt mich: „Wie nennt man auf deutsch die Menschen, die ihr Zuhause verlassen, und nach Deutschland kommen?“. Ich antworte: „Meinst du Geflohene?“. „Ja genau! Dann schreib ich noch Geflohene, Muslime, Islam und Angela Merkel.“ Ich war ziemlich überrascht. Und ein kleines bisschen stolz auf den Sechstklässler.

Am Montag beginnt meine neue Lese-AG. Ich freu mich schon riesig, und ich glaub ein paar Schüler und Schülerinnen sind auch schon gespannt. Jedenfalls springen die immer wie kleine Flummis um mich rum, wenn ich sie auf dem Gang treffe, rufen „Hallo Frau Theresa“ und „Ich komm zu das Lese-AG!“. Frau Theresa kommt übrigens daher, dass man bei der Begrüßung auf rumänisch, insbesondere bei LehrerInnen, „doamna“, also „Frau“ immer hinzufügt. Ich wollte die Kinder nicht zwingen, meinen komplizierten Nachnamen zu lernen, deshalb mein Vorname. Heraus kommt die etwas merkwürdige, aber irgendwie liebenswürdige Version „Frau Theresa“.

Frau Theresa muss sich jetzt aber um die neuerlichen Haushaltsaufgaben wie Waschen und Putzen kümmern, so eine eigene Wohnung soll man ja nicht verkommen lassen. Wedelnd mit dem Putzlappen und leicht verwirrt über das Waschmaschinenmodell sowie dessen Funktionsweise sag ich damit la revedere, und bis bald,

Theresa

Geld, Museum, Café.

Zunächst ein kurzes Tauben-Thesi-Beziehungs-Update: Die Mistviecher haben zurückgeschlagen. Bestimmt verärgert über meinen letzten Blogpost wurde meine um den Hals baumelnde Kamera angekackt. Volltreffer. Ich hab nur noch gelacht. Der Krieg ist noch nicht vorbei, das spüre ich.

Doch Bukarest hat ja noch viel mehr zu bieten. Bei einer free walking tour durch das Zentrum hab ich ein paar echt coole Stories über Bukarest erfahren. (Die kostenlos Tour ist übrigens absolutes Muss, wenn man in Bukarest ist!) Eine Story fand ich besonders amüsant: In Rumänien ist die Währung der Leu. (Ein Leu, zwei Lei, 1 Euro entspricht circa 4,4 Lei). Zahlt man also einen großen Betrag, so braucht man viele der Scheinchen. Die fühlen sich ziemlich lustig und plastisch an, und haben ein kleines „Guckfenster“. Vor vielen Jahren war eine australische Delegation zu Besuch in der Rumänischen Nationalbank, die beim Anblick der immensen Bargeldsummen meinte: „you (referring to the Romanians) definitely need more plastic money…“. Gemeint waren Kreditkarten. Doch die Rumänen produzieren seither Geldscheine aus Plastik.

Im Nationalmuseum für rumänische Geschichte war ich auch schon. Ich hatte irgendwie erwartet, dass ein bekanntes Museum inmitten der Altstadt für Touristen interessant sein kann. Zwar steht eine beeindruckende Kopie der Trajansäule im Zentrum der Dauerausstellung, eine englische Übersetzung der Beschreibungen gibt es aber nicht. Man kann also nur vermuten was man sieht, wenn man die Geschichte des Sieges Trajans über die Daker nicht besser kennt. Umso besser, dass der Eintritt nur 10 Lei (= 2,75€) kostet.

Leise, leise hat sich der Frühling heute in Bukarest angekündigt – fast 18 Grad und so wundervoll blauer Himmel heben die Laune sofort. Ich freu mich so sehr. Winter, du hast verloren! So lass ich morgen gleich die dicke Daunenjacke zuhause und schnapp mir meinen Trenchcoat. Sonnenbrille auf die Nase, Café in die Hand – nichts kann mich stoppen. Ich liebe diese Energie! Bis bald, Theresa

 

Taubendreck in Bukarest

Heute ist Tag fünf. Eigentlich bin ich also ziemlich spät dran mit meinem ersten Beitrag live aus Bukarest. Aber wie das nun mal so ist, sind die ersten Tage, vielleicht sogar Wochen, im neuen Land so intensiv, dass man gar nicht gleich davon berichten kann. Vielleicht sollte man das auch gar nicht, denn es verleitet oftmals dazu, die „single story“, die man in Deutschland über das Gastland gehört hat, zu reproduzieren. (Der Begriff stammt nicht von mir, sondern von Chimamanda Adichie, deren Vortrag mich sehr inspiriert hat: https://www.youtube.com/watch?v=D9Ihs241zeg)

Logischerweise ist nicht alles Blumenwiese hier. Es ist aber auch nicht alles Bettlerbanden und Kriminalität. Bukarest ist vielleicht nicht „schön“, oder sauber, aber ich fühle micht nicht fremd. Ich war zuvor noch nie in Bukarest oder Rumänien, denn für wie so viele stand das bei mir nicht an oberster Stelle auf der Reiseliste. Jetzt lebe ich aber hier, und muss wohl oder übel mich auf neue Dinge einlassen. Bei manchen Dingen fällt mir das auch gar nicht schwer, so hab ich mich sehr in die Metro verliebt. Auf die bin ich zwar nicht angewiesen, aber wenn ich an der Station Universitate einsteige, freu ich mich immer. Und bei den durchaus moderaten Preisen (Einzelfahrt ab circa 50 cent) kann man sich den Luxus auch mal leisten. Etwas schwerer tu ich mir damit, die Tauben lieben zu lernen, wie auch schon mein leicht despektierlicher Titel verrät. Ich habe eine große Abneigung den kackenden Viechern gegenüber, und davon gibt es hier durchaus einige. Auch direkt vor meinem Fenster im Innenhof. Mach ich mein Fenster auf, so gurrt mich instantly ein graues Wesen an, und kackt im nächsten Moment meinen Fenstervorsprung voll. Na vielen Dank auch. Und als könnt es theatralischer nicht mehr werden, dreht besagtes Viech völlig ignorant den Kopf, und flattert weg. Gurr Gurr.

Jetzt mach ich mich noch schnell an die Gestaltung eines Flyers für meine zukünftige Lese AG an der Schule, damit ich am Ende nicht mit zwei Schüler_innen da stehe, und sich ganz ganz viele anmelden. Doch davon erzähl ich ein ander Mal.

Bis dahin alles Liebe und allen kulturweit-Freiwilligen eine gute erste Zeit in ihrem Einsatzland,

Theresa

 

Berlin, Berlin.

Meine Damen und Herren, Ihr Lufthansa Flug LH 2034 nach Berlin Tegel steht nun zum Einsteigen bereit. Wir bitten zunächst ausschließlich HON-Circle member sowie kulturweit-Freiwillige an Board.

Gut, sooo wichtig bin ich dann auch wieder nicht, schon klar. Dennoch empfinde ich es als ein großes Privileg, mit kulturweit ins Ausland reisen zu dürfen, und in den nächsten Tagen während des Vorbereitungsseminars viele neue Menschen kennen lernen zu dürfen. Ich bin mittlerweile am Hauptbahnhof in Berlin angekommen, und schlage mir bis 12:30 die Zeit um die Ohren.

Ich hab schon ein paar Mal an Konferenzen oder Jugend-Begegnungs-Wochen teilgenommen. Und jedes Mal, auf dem Weg dort hin, check ich alle jungen Menschen, die mit mir im Bus/ in der Ubahn fahren ab, ob die eventuell auch Teilnehmer sein könnten. Das ist diesmal natürlich kein bisschen anders… Ich bin neugierig, will ja wissen, wer ein ähnliches Abenteuer wie ich erleben wird.

Komisch ist es schon, zu wissen, dass ich nur noch einen einzigen Tag effektiv „zuhause“ sein werde. Aber das nennt man wohl Abenteuer und Erfahrung. Wenn du also auch im März ausreisen wirst, das hier zufällig liest, und ein leicht chaotisches Mädchen mit Punktetrolley am Hauptbahnhof rumlaufen siehst, dann bin das ich.

Gespannt auf das Auswärtige Amt und die EJB am Werbelinsee schlürf ich jetzt meinen cappucino aus.

Bis bald,
Theresa

 

La revedere München, bună ziua București…

Hey, ich bin Theresa. Nun, jeder Blog hat einen ersten Artikel, die meisten davon sind eher unspektakulär und dienen nur der Vorstellung… aber alles hat einen Anfang, und wenn man gerade nicht so recht weiß, was man schreiben soll, so hab ich mal gelesen, soll man einfach aufschreiben, was einem durch den Kopf geht. Das mir momentan recht viel durch den Kopf schwirrt, muss ich wahrscheinlich nicht dazu sagen, immerhin versuche ich grade mich mental auf die kommenden sechs Monate einzustellen, meine Habseeligkeiten in eine viel zu kleine Reisetasche zu quetschen, und alles was eben noch so ansteht zu organisieren. Und da bin ich logischer Weise nicht die einzige, der es momentan so geht. Heute sind es nur noch wenige Tage bis zum Vorbereitungsseminar, und ich freu mich riesig! Noch ein klitzekleinesbisschen mehr freu ich mich aber auf Bukarest. Ich war noch nie in Rumänien, nicht ein mal in Südosteuropa. Ich wär auch nie auf die Idee gekommen, dort hin zu reisen, die „Vorurteile“ viel zu groß, die anderen Länder Europas scheinbar viel näher und vertrauter. Ich glaube genau deshalb ist Rumänien das Beste, was mir passieren konnte. Ich hab eigentlich gar keine andere Wahl, als Bukarest als meine neue Heimat zu akzeptieren, und das find ich richtig klasse. Ich lerne seit Oktober auch Rumänisch. Wenn du Französisch und etwas Spanisch kannst, ist Rumänisch ganz leicht, haben sie gesagt. Das Rumänische hat halt 7 Vokale und ist voller Alternanzen, hängt den Artikel hinten ans Wort, ist also durchaus kompliziert, haben sie nicht gesagt. Macht aber trotzdem wahnsinnig viel Spaß! Vermutlich fall ich trotzdem aus den Latschen, wenn ich dann das erste Mal versuche eine Kommunikation vorort zu führen, und nur Bahnhof (gara, übrigens…) verstehe.
Jetzt ist da halt noch diese Sache mit dem Vermissen. Ich liebe München, besonders im Frühling und Sommer, ich hab echt gute Freunde hier, meine Familie, und einen Freund, meinen Co-Pilot. Natürlich stehen die hinter einem, finden die Entscheidungen (meistens) gut, die man trifft. Umso schwerer fällt es, sich für sechs Monate zu verabschieden… aber hey: es sind nur etwas mehr als 20 Wochen, das klingt doch schon gar nicht so schlecht. Und ich bin mir sicher, die Zeit wird rasend schnell vorbei gehen!

Und so starten die letzten Tage in München, bevor die kurze Reise nach Berlin, und die gar nicht allzu lange Reise nach România losgeht – in diesem Sinne: la revedere München, buna ziua Bucuresti!

Theresa