Erste Eindrücke

„Regen bringt Segen.“

Das hoffte ich beim Abflug in Frankfurt zumindest. Bei strömendem Regen verließen meine Mitfreiwillige Sophie und ich deutschen Boden um ein halbes Jahr in der Hauptstadt Vietnams, Hanoi, zu verbringen.

Unser Freiwilligendienst mit der vom Auswärtigen Amt finanzierten und von der Deutschen UNESCO-Kommission getragenen Organisation ‚kulturweit‘ (ja, das schreibt man klein – hat bestimmt etwas mit der Gleichberechtigung der Buchstaben zu tun) begann aber offiziell schon am 1.9.2017 mit dem 10-tägigen Vorbereitungsseminar am Werbellinsee bei Berlin. Dort philosophierten und diskutierten wir viel über Diskriminierung, Rassismus, Weiß-Sein und die durch die Kolonialisierung bedingte Ungerechtigkeit der Welt. Der praktische Teil kam mir dabei etwas zu kurz und so brach ich mit einem Gefühl der Privilegiertheit und leider auch mit meinen noch offenen Fragen wie zum Beispiel „Wie komme ich mit dem Kulturschock, der mich in Hanoi wahrscheinlich erwartet, zurecht?“, „Wie baue ich mir in der Fremde einen Alltag auf?“ oder „Auf was sollte ich bei einem Mietvertrag (zu einer Unterkunft, die ich mir noch suchen muss) achten?“ ins Ungewisse auf.

Bei der Ankunft am frühen Morgen wurden wir nicht nur von einer unerwartet hohen Temperatur und Luftfeuchtigkeit, sondern auch von einem unglaublichen Ausblick empfangen

 

Schon im Flieger gab es eine kleine Aufregung für mich: Nach panischem Durchsuchen meines Rucksacks befürchtete ich schon meinen Beutel mit den allerwichtigsten Wertsachen wie meinem Reisepass und meiner Kreditkarte verloren zu haben. Er ist aber nur aus dem Rucksack gefallen und lag begraben von einer Decke auf dem Boden. Glück gehabt!
Doch das hielt scheinbar nicht lange an dachte ich, als Sophie und ich nach einer problemlosen Passkontrolle am Gepäckband warteten. Sophies Koffer kam. Sophies Rucksack kam. Die unzähligen mit extra viel Klebeband umwickelten Pakete, die bei einigen Asiaten wohl als Kofferersatz fungieren, erreichten erfolgreich ihre Besitzer. Vor mir wartete noch immer mein leerer Gepäckwagen. Sophies Frage, ob ich denn eine Gepäckversicherung abgeschlossen hatte, hat mich auch nicht gerade beruhigt, da ich das nicht gemacht hatte. Als ich schon fast die Hoffnung aufgegeben hatte und nur noch ca. 5 Personen mit uns warteten fuhren meine Reisetasche und mein Koffer kurz nacheinander auf dem Gepäckband zu ihrer Besitzerin. Nach dieser Erleichterung holte mich dann doch die Müdigkeit ein, da ich auf unserem 11-stündigen Flug nur ca. eine Stunde schlafen konnte.

Der Rest des Tages verlief wie geplant, wir wurden von der Hitze, die in starken Kontrast zum kalten Wetter in Deutschland und dem angenehm klimatisierten Flugzeug stand, begrüßt und ein vom Goethe-Institut (meiner Einsatzstelle in Hanoi) geschickter Taxifahrer erwartete uns am Ausgang und fuhr uns über eine von Palmen und schicken Straßenlaternen gesäumte Schnellstraße zu unserem Hostel mit dem kreativen Namen ‚Bedgasm‘. Je näher wir der Stadt kamen, desto mehr Mofas gesellten sich zu uns. Manche transportierten die kuriosesten Frachten wie zum Beispiel einen Käfig lebender Hühner. Auf den Verkehr hier in Hanoi möchte ich später näher eingehen, wenn ich ihn besser kennengelernt habe, heute sage ich nur, dass unser Fahrer sehr gut gefahren ist, immer geblinkt hat und alle Autos bei roten Ampeln stehen bleiben.
Nach einem Mittagschlaf und einem Spaziergang zum Hoan Kiem See (der eigentlich nur ca. 5 Minuten vom Hostel entfernt liegt – wir haben aber eine halbe Stunde gebraucht, da wir natürlich falsch abgebogen sind) kamen die anderen zwei kulturweit-Freiwilligen, die ein Jahr in Hanoi bleiben werden, Nour und Anna an. Trotz Müdigkeit und Erschöpfung nach der langen Reise brachen wir noch einmal auf und wurden mit einem superleckeren vietnamesischen Essen (erfolgreich mit Stäbchen verzehrt!) belohnt. Leider mussten wir das Mahl kurz unterbrechen, um vom Balkon ins Innere des Imbiss zu ziehen, da es innerhalb von Minuten anfing in Strömen zu regnen. Nach der schwülen Hitze des Tages war der Regen eine willkommene Abkühlung.
Am nächsten Tag hatten Sophie und Anna schon ihren ersten Arbeitstag, während Nour und ich einen Touri-Tag einlegten und wieder zum Hoan Kiem See spazierten (diesmal mit kleinerem Umweg) und viel Bilder machten, wofür wir einmal sogar von Vietnamesen ausgelacht wurden.

Fotoshooting am Hoan Kiem See – sehr zur Belustigung zuschauender Vietnamesen.

Bis jetzt ist mein Eindruck von Hanoi sehr positiv, ich bin begeistert von dem vietnamesischen Essen, den vielen Bäumen in der 8-Millionenstadt und dem nicht so chaotisch wie erwarteten Verkehr. Die Hitze macht mir noch etwas zu schaffen, aber das legt sich hoffentlich bald und ich freue mich schon, bald aus dem kleinen Hostelzimmer zu ziehen und nicht mehr aus dem Koffer zu leben.

Viele Grüße,
Theresa

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