Man kann ja nicht auf allen Hochzeiten tanzen…

Am Freitag durfte ich Zahra,  eine Schülerin nach Hause begleiten. Wir nahmen die Fähre um 14 Uhr und teilten uns ein Taxi mit ihren Freundinnen in Richtung Nord Foire.

Dort angekommen lernte ich gleich ihre Familie kennen, von der ich herzlich begrüßt wurde. Nach dem Mittagessen gingen Zahra und ich in die Boutique nebenan, um ein paar Zutaten für den Kuchen zu besorgen, den sie mit mir backen wollte.

War super lecker!

Am nächsten Morgen brachten mich Zahra und ihr Vater netterweise zum Terminus Dakar Dem Dikk in Liberté 5, wo täglich zwei Busse nach Kaolack abfahren. Einer um 7, der andere um 15 Uhr. Um nicht in der Mittagshitze zu reisen, hatte ich eine Karte für den ersten Bus besorgt.

Der Senegal Dem Dikk Bus nach Kaolack.

Allein schon für die Fahrt übers Land nach der Regenzeit hat sich die Reise nach Kaolack gelohnt! Bei meinem ersten Besuch im Senegal im Mai 2015 hatte mich die Landschaft eher an eine Steppe erinnert, vertrocknete Pflanzen, staubiger roter Sandboden und kaum Grün. Diesmal das komplette Gegenteil. Und in mitten der grünen Landschaft mit den riesigen Baobabs überall große Kuhherden.

Unterwegs wurde der ganze Bus von einem Mitreisenden mit Buoye-Saft (gesprochen „Bui“, ein dickflüssiger Saft aus den Früchten des Baobabs) und Gebäck versorgt.

Der Bouye-Saft. Sehr süß aber sehr gut.

Gegen halb elf erreichten wir die Endstation Kaolack.

Noch bevor ich einen Fuß aus dem Bus setzen konnte hörte ich schon eine Frau aufgeregt meinen Namen rufen. Wie sich herausstellte, war das Awa, die Mutter meiner Freundin Assa. Kurz darauf kam auch Assa. Viel Zeit blieb aber nicht, um ihre Familie zu begrüßen. Da Assa auch am Samstag zur Schule muss, machten wir uns mit dem Djakarta auf den Weg zum Cours Privé Mboutou Sow. Am Schultor wurden wir vom Aufseher begrüßt. Von ihm bekam ich den Namen Penda Monteil. Assa hatte an noch Unterricht zusammen mit Mustafa, Yaye Fatou und Soukeyna – sie alle waren auch am Anfang der Schulpartnerschaft zwischen ihrer und meiner Schule beteiligt. Zusammen mit drei weiteren Deutschschülern vom Lycée Valdiodio Ndiaye hatten Assa, Yaye Fatou und Mustafa 2014 als erste Gruppe zwei Wochen in Osterode verbracht.

v.l.n.r.: Soukeyna, ich, Yaye Fatou, Assa, Mustafa.

Schüler vor der Schule Mboutou Sow.

Blick vom Djakarta.

Nach dem Unterricht ging es, wieder mit dem Djakarta, weiter zum Schneider, wo wir unsere Kleider für die Hochzeit anprobierten. Ein bisschen ungewohnt war, dass Assa für mein Kleid einen weißen Stoff ausgesucht hatte. Nachdem der Schneider noch einmal unsere Maße genommen hatte, um die Kleider anzupassen ging es weiter zu Assa nach Hause.

Dort lernte ich Assas Tanten, Schwestern, Nichten, Neffen und ihre Großmutter kennen. Alle hatten sich im Schatten der Bäume im Hof zwischen den vier kleinen Gebäuden, in denen sich mehrere kleine Schlafzimmer, Küche und Bad  befanden, versammelt. Die Stimmung war sehr herzlich, überall wurde aufgeregt erzählt und gelacht.

Die Mittagshitze verschliefen Assa und ich, danach gab es zum Abendessen Thieboudyapp (Reis mit Fleisch). Da so viele Leute da waren, gab es gleich drei große, runde Schüsseln um die wir uns zum Essen verteilten. Awa bot mir zwar einen Löffel an, doch dabei kam ich mir komisch vor, denn alle anderen aßen mit der Hand. Wie ich feststellen musste, ist das garnicht so einfach wie ich dachte. Der Reis muss mit der Hand fest zu einer Kugel zusammengedrückt werden (die Bewegung heißt auf Wolof „Dank“), ansonsten fällt er kurz vorm Essen auseinander.

Beim Essen mit Assa und ihrer Familie.

Am Nachmittag kam noch kurz Herr Diouf, Deutschlehrer in Kaolack, vorbei und später besuchten wir noch kurz Assas Freund Mohamed. Er wohnt einen kurzen Fußmarsch entfernt. Bald wird er aber zum Studieren ins ein paar hundert Kilometer nördlich gelegene Saint Louis gehen. Also werde ich ihn im Dezember wahrscheinlich leider nicht wiedertreffen. Von ihm mussten wir uns dann  gegen neun schon wieder verabschieden, als Assa einen Anruf vom Schneider bekam. Unsere Kleider waren fertig zum Abholen.

v.l.n.r.: Herr Diouf, ich, Assa.

Als wir bei der Hochzeit eintrafen, war die Feier schon längst Im Gang. Senegalesische Hochzeiten können manchmal bis zu einer Woche dauern. Vor dem Haus war ein großes kaum beleuchtetes Zelt aufgebaut, um das eine riesige Menschenmasse herumsaß. Der größte Teil der Gäste waren Frauen. Alle in wunderschönen Kleidern in bunten Farben, die trotz der Dunkelheit leuchteten. Eine Band spielte und immer  wieder kamen eine oder mehrere Frauen auf die leere Tanzfläche in der Mitte, um kurz zum Takt der Trommeln zu tanzen. Schließlich kam auch die Braut auf die Tanzfläche, wo wir sie begrüßten. Ihren Ehemann, lernte ich nicht kennen, denn er lebt in Spanien. Lang unterhalten konnten wir uns aber nicht, die Braut war gerade auf dem Weg, ihr Kleid erneut zu wechseln. Im Laufe des Abends trug sie mindestens drei unterschiedliche Kleider. Alle bodenlang, in kräftigen Farben und mit glitzernden Steinen besetzt.

Leider sehr dunkel ür gute Fotos. Hier ein Teil der Menschenmenge und das Zelt.

Dann setzten wir uns auf ein paar Stühle, die etwas abseits des Trubels standen, wo es ein bisschen ruhiger war, da die Musik hier nicht mehr ganz so laut dröhnte. Das hielt aber nur kurz an. „Willst du Tanzen?“, fragte mich Assa. Eigentlich fühlte ich mich nicht sehr wohl bei dem Gedanken, gleich von den vielen Menschen beobachtet mittendrin zu stehen. Aber wann bekommt man schonmal die Möglichkeit auf einer senegalesischen Hochzeit zu tanzen? Bald stand ich also – zum Glück nicht ganz allein, sondern von Assa und ihren Schwestern begleitet – auf der Tanzfläche unter dem Zeltdach und wurde vom Sänger der Band auf Wolof ausgefragt. Assa, die neben mir stand flüsterte mir die Antworen auf seine Fragen zu. Was genau ich gesagt habe, weiß ich leider nicht genau, da Assa mir nicht alles übersetzt hat. Dann begannen die Musiker zu spielen und wir zu tanzen. Also ich versuchte es zumindest und ich war doch ganz froh, als ich die Tanzfläche ein paar Minuten später verlassen durfte.

Gegen eins hörte die Band auf zu spielen und die Feier begann sich aufzulösen. Mittlerweile waren wir alle ziemlich müde und hohe Schuhe wurden gegen flache Flipflops ausgetauscht. Im Dunkeln, da es hier nur wenige Laternen gibt, machten wir uns auf den Heimweg. Im Haus angekommen, ging es aber für Assa und mich noch weiter. Wir packten Zahnbürste und Schlafsachen ein, denn wir verbrachten die Nacht bei ihrer Schwester Sophie. Sie wohnt mit ihrem Verlobten in einer kleinen Wohnung ein paar Straßen weiter. Nach einem Mitternachtssnack schliefen wir dann, erschöpft aber glücklich, sofort ein.

Am nächsten Morgen beschloss Sophie, dass es zum Frühstück Omelett und Baguette geben sollte. Die Zutaten dafür suchten Assa und ich in den kleinen Boutiquen zusammen. Die eine hatte zwar Eier, aber kein Öl oder Baguette. Die nächste konnte uns dann ein bisschen Öl in einem kleinen Plastiksäckchen verkaufen, Baguette hatte sie aber auch nicht. War aber auch kein Problem, die kleinen Kaufmannsläden gibt es gefühlt wie Sand am Meer. Meist ist es auch einfacher hier, anstatt in großen Supermärkten einzukaufen. Zum einen bekommt man alles auch in kleinen Mengen und muss zum Beispiel nicht gleich ein ganzes Kilo Mehl kaufen, und auch die Produkte sind teilweise viel günstiger. Mit unseren vier Eiern, dem Säckchen Öl, einer Prise Pfeffer, einem Maggiwürfel und einem Baguette unterm Arm kamen wir wenige Minuten später wieder in die Wohnung im dritten Stock.

Am Nachmittag zeigten Assa und ihr Bruder mir die Stadt, unter anderem stand auch ein Besuch im Künstlerdorf von Kaolack an. Das ist eine kleine Ansammlung von Hütten, in denen zum Beispiel Schuhe, Taschen und kleine Figuren aus Holz angefertigt werden.

Hier werden gerade Lederschuhe angefertigt.

Holzfiguren im Künstlerviertel.

Eine Pause im Schatten.

Auch in Kaolack gibt es viel Müll, und Ziegen, die dazwischen etwas zum Fressen suchen.

Die große Moschee von Kaolack.

Nach dem Tee musste ich mich dann aber auch schon wieder verabschieden, denn um drei sollte der Bus nach Dakar abfahren, den ich zusammen mit Assas Schwester Peme und ihrer Mutter nehmen wollte.

Teekanne und Becher der senegalesischen Teezeremonie Ataya.

Der Schaum ist besonders wichtig. Um ihn auf den Tee zu bekommen wird der Tee mehrmals umgeschüttet.

Nach der dreistündigen Fahrt kamen wir in Dakar an, wo Awa darauf bestand, mich noch bis zur Fähre zu begleiten. Das Wochenende war sehr schön und ich freue mich schon auf meine Zeit in Kaolack!

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