Logbuch Eintrag 2

Tag 4 in Tallinn. Ich habe bereits herausgefunden, dass ich zu meiner Schule nur 4 Minuten zu Fuß unterwegs bin. Purer Luxus also. Außerdem habe ich mich sogar schon offiziell gemeldet, wobei ich das allein wohl nicht gemacht hätte, aber meine Mitbewohnerin war sehr motiviert und da bin ich kurzer Hand mitgegangen. Ein Dank also an Anna.

Ansonsten bin ich nicht wie der letzte Tourist losgezogen, dementsprechend oft habe ich mich allerdings auch verlaufen. Hier eine kleine Anekdote: Als ich am Donnerstag Abend feststellte, dass ich das dringende Bedürfnis verspürte noch einmal einen Fuß vor die Haustür zu setzen, entschied ich mich zum Strand zu gehen, einmal die Ostsee sehen, vielleicht sogar mal einen Finger reinhalten um festzustellen, dass es eh zu kalt ist und mich dann im Nachhinein zu ärgern, weil meine Hand kalt und nass sein würde. Um das Ende kurz vorwegzunehmen, ich bin nie beim Strand angekommen. Stattdessen beim Hafen für die Fähren nach Stockholm und Helsinki. Sicherlich keine schlechte Information für spätere Ausflüge, aber eben nicht mein Ziel. Meine Idee, dass wenn ich einfach immer weiter daran vorbei laufen würde, früher oder später ans Meer zu gelangen war auch falsch. Irgendwann habe ich mir dann eingeredet, ich hätte zumindest ein wenig Wasser gesehen und bin mit diesem kleinen Erfolg zurück in die Wohnung gestiefelt (Heute kann ich überzeugt sagen, dass ich kein Wasser gesehen habe, sondern nur blau schimmernden Asphalt des Hafens, aber ich brauchte eben einen kleinen Erfolg).

Die Tage darauf folgte ein kleiner Ausflug nach dem anderen. Zum einen auf den Domberg und in die Innenstadt. Die dänische Besetzung hat der Altstadt geformt, wie sie heute größtenteils noch aufzufinden ist und sie ist malerisch. Überall kleine Läden, Pubs, Restaurants. Es ist beeindruckend, wie hier Geschichte auf Realität trifft. Denn wenn man vom Domberg herunterblickt sind die modernen Bank- und Hotelgebäude nicht zu übersehen, aber sie stören die Atmosphäre keineswegs, sie tragen ihren eigenen Teil dazu bei. 

Mein persönliches Highlight war bisher allerdings der Kadriorg-Park (Katharinenthal-Park) mit dem dazugehörigen Schloss. Das war früher die Sommerresidenz verschiedener europäischer Monarchen, wie Adolf Gustav den 2. aus Schweden oder für die Frau eines russischen Zaren, der den Partypalast für sie errichtet hat. Heutzutage ist das Schloss Teil der Estnischen Kunstsammlung, wo hauptsächlich Werke von Vertretern des niederländischen Realismus und Naturalismus, aber auch russische Impressionisten hängen. Im Park und im Schlossist alles wunderbar symmetrisch. Da fühle ich michdoch direkt ein wenig heimisch.

Morgen dann der erste Tag an meiner Einsatzstelle. Davon werde ich dann die Tage berichten.

Liebe Grüße von Thekla aus Tallinn

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