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Neunter Monat

Sie kollidieren jeden Tag.

Aber was kann ich schon tun?

 

Der Fahrer wäscht den Geländewagen,

auf dem Brachland hinter der Villa

schlafen die Arbeiter,

die eine neue Villa bauen,

in improvisierten Blechhütten,

schon lange nicht mehr.


Die Zeit hat sich verlaufen.

Am Morgen eile ich zum Bus

denn der Abschied wartet ungeduldig.

Beschleunige meine Blicke.

Erst der Gong,

dann der Traum

und keine Erkenntnis,

aber Kunst.

Ich muss husten – du reichst mir einen

Mangosmoothie als Medizin,

im Plastikbecher ohne Zucker.

Das Wiedersehen,

die Zukunft,

Hand in Hand rennen die Kinder auf mich zu.

Ich will sie warnen,

passt auf, der Verkehr ist verrückt.

Dass darf man nicht vergessen.

An der Straßenecke treffen sich zwei Mopeds

und fallen um.

Der Knall erschreckt alle Sehnen

in meinem Körper bis zum Verstand.

Ich kann es nicht mehr vergessen.

Langsam liest du den Brief vor,

den ich schreiben wollte und

der zwischen den Bildschirmen verloren ging.

Am Ende des Buches hast du geweint

und ich kann fühlen, dass es wichtig ist.

Ja, ich will noch nicht gehen

und renne los.

 

In jener Menschenansammlung lauert vielleicht

die wichtige Demonstration.

In dem Innenhof versteckt sich wohlmöglich

der zerrissene Lieblingsort.

Unter der kaputten Klimaanlage lernen möglicherweise

die Schülerinnen mit den innovativen Gedanken.

Und manchmal eben auch nicht.

Wir fragen in den dunklen Gang hinein,

was denn dann noch Bedeutung hat.

Was ausser Nichts ist noch wahr?

Am Morgen erwachend im Hier,

auf dem Dach ist ein Pool,

sind wir nicht allein

und das ist alles.

 

Morgen erschaffen wir den Raum,

für das Gemeinwohl

und für die effektive Vision,

für uns.

Dort wo Kollision

zu Kooperation wird,

und etwas wahr.

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Der Geist der Freundschaft

  – Kunst in Saigon –

 

Es ist eine Reise dem Begehren folgend auf der Suche nach den Fragmenten der Bedeutung.“ – Lap Xuan („Nothingness“ – HCM – 2017)

Auf der Suche sein nach Sinn und Verstehen. Auf der Suche nach Orten, die über das Materielle hinaus weisen. In Dimensionen der Tiefe wandeln. Im Kunst Erleben leben – ich fange an aufmerksamer zu finden.

Fragment eins:

Als einen Heilungsprozess, beschreibt Lap Xuan (*1986) ihre Performances. Sie sitzt auf einem der niedrigen Metallhocker und strahlt dabei eine sympathische Nähe aus. Hinter ihr auf der Wand steht „Don´t mess with my art“, ein Überbleibsel einer anderen Performance hier in Gallery MoT+++. Zugegeben es ist ein ungewöhnlicher Ort für eine Galerie, eine halbe Stunde vom Stadtzentrum entfernt in Binh Quoi, im Erdgeschoss eines edlen Apartmentgebäudes. Die Anziehung dieses Ortes ist dennoch groß, denn sechs Monate lang finden hier Performances und Artist Residences statt. Überall konservieren Relikte der kostbaren Momente die Visionen vergangener Performances. Es lässt sich nicht verraten was geschehen ist, es ist in die Körper und Objekte übergegangen. Aber es lässt sich neu anders erleben, wenn man will und vielleicht kann es auch heilen.

 

 

Fragment zwei:

An den bemalten Wänden hängt Marias Masterarbeit über die „vietnamesische“ Kunstszene. Sie ist „researcher in residence“ und stellt so ihre Beobachtungen und Forschungen zum Diskurs bereit. Es geht darum die westliche souveräne Forschungsperspektive aufzugeben und sich selbst in der Bewegung zu reflektieren. Eine wichtige Methodik, welcher die These, dass westliche Kunstparadigmen noch immer stark die Ausbildung und Standards asiatischer zeitgenössischer KünstlerInnen dominieren, vorwurfsvoll entgegen steht.

Fragment drei:

Schaue ich mich im Raum um, ist es schwer zu sagen, wer nicht KünstlerIn ist. Fast alle die hier sind schaffen in irgendeiner Weise. Jeder Blick ist herzlich und meint, wir sind Menschen und aus Freude machen wir eben Kunst. Keine Hierarchien und Vermarktungsfassaden. Freude und Leidenschaft, als Motivation, weil Ruhm auch nur selten eine Option ist. Wir alle sind irgendwie KünstlerInnen, singt der Geist der Freundschaft hell und tanzt umher.

Fragment vier:

Schon die erste moderne Ausstellung, welche ich hier in Saigon besuchte, stand genau unter diesem Motto – Spirit of Friendship. The Factory of Contemporary Art, der größte Ausstellungsort moderner Kunst in Saigon (Distrikt zwei) veranstaltete im Rahmen dieser auch Diskussionsveranstaltungen und Vorträge. Dabei wurden die Probleme der lokalen Kunstszene sehr konkret öffentlich benannt. Es fehlt an staatlichen Strukturen, KritikerInnen, KuratorInnen, KäuferInnen. Die Kunstszene scheint im immateriellen Schatten der konsumierenden Großstadt gefangen. Auf der Suche nach sich selbst und Verbündeten, muss sie kooperieren um zu bestehen.

Viele KünstlerInnen emigrieren ins Ausland erst zum Studium und dann finden sie dort Ausstellungsorte, bleiben. Verständlich, an den vietnamesischen Kunsthochschulen lerne man vor allem zu reproduzieren und schön zu malen, um zu verkaufen – erklärt ein älteres Mitglied eines KünstlerInnenkollektivs. Er schloss sich nach dem Studium deshalb mit seinen Kommilitoninnen zusammen. So waren sie unabhängiger und konnten sich endlich ausprobieren. Ganz im Sinne des Geistes der Freundschaft natürlich.

Fragment fünf:

Fast alle Veranstaltungen sind kostenlos. Wenn man schaut, findet man Kunst auf einmal wirklich überall. An den weißen Wänden der kühlen Cafes (z.Bsp: Red Door, Soma oder L´uisine) hängen Fotografien oder Gemälde. Auf den improvisierten Leinwänden laufen experimentelle Kurzfilme (z.Bsp: Saigon Outcast, the Hive, Yoko…). Auf den Holztischen kann man durch das Saigon Artbook blättern (z.Bsp: inpages, Factory…). Zwischen den dicken Seiten atme ich endlich die Bedeutung ein. Der Geschmack von Wassermelonenesaft liegt noch auf meiner Zunge, als ich zum ersten Mal Bao Zoans Fotografien von Saigon sehe. Blinzel und mit aufgerissenen Augen minutenlang anstarre. Die Bilder überlagern die Stadt seitdem mit ihrem tiefenscharfen Filter. Ich schreibe ihm, man könnte meinen, beseelt vom Geist der Freundschaft, aber das wäre wahrscheinlich zu pathetisch.

Bao Zoan antwortet mir auf meine Mail via Google Übersetzer:

Er war Automechaniker und kündigte um frei zu sein, um die Stadt zu erkunden. Er fotografierte und sah so die Freude des Momentes. Nach einem Jahr verstand er, dass die Fotografie ihn erwählt hat. Es ist ein Prozess, der von den kleinen Dingen ausgeht und ihn jeden Tag wachsen lässt.

 

c. Bao Zoan – https://www.instagram.com/p/BZEoNG5gpkp/?taken-by=baozoan

 

Kunstorte in Saigon:

  • Gallery Quynhhttp://galeriequynh.com
  • Gallery MoT+++ http://motplus.xyz
  • The Factory of Contemporary Arthttp://factoryartscentre.com/en/home/
  • inpages, Soma, Vin Galleryhttp://www.vingallery.com/showing
  • in Coffee Shops (Snap Cafe, Red door, L´uisine…)
  • Chaos Downtown (Le Thi Rieng)
  • Bao Zoan: https://www.instagram.com/baozoan/
  • Lap Xuan: http://lapxuan.info (1)

Mehr über Kunst in Vietnam:

The 6 Best Art Galleries in Ho Chi Minh City, Vietnam

https://www.nytimes.com/2017/08/11/arts/design/vietnamese-art-has-never-been-more-popular-but-the-market-is-full-of-fakes.html

http://www.vervemagazine.in/travel-and-spaces/playing-to-the-galleries-vietnam

https://www.citypassguide.com/en/travel/vietnam/blog/blog/the-saigonese-art-scene

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Der achte Monat

1.

Ein Film wird verboten,

aus dem gleichnamigen Buch wird vorgelesen,

der Tee ist zu süß für die Wahrheit.

2.

Ehrlich,

ich kann,

das Fliegen noch fühlen.

Das ist keine schlechte Metapher,

für eine viel zu gute Zeit.
Es geht nämlich so:

Man muss nur die Arme heben und dann

ein paar Schritte ins Meer rennen und dann

hoffen, dass ein Jetski dich ziehend los düst,

dann bist du im Himmel, so hoch

höher als die Hotels

größer als die Ameisenmenschen,

echter als der Müll auf den Straßen.

Weil mir dass nie jemand glauben wird,

ist es so gut, dass du da bist.

Mein Dämon und du und ich

und damit so viel.

Die Welt wird zu mehr als einer Oberfläche.

(Danke, Leonie.)

3.

Was kann

nach der Unschuld noch geschehen,

wenn du eine Frau bist, allein

oder geschieden?

4.

Es gibt Gefühle für bestimmte Orte

und einen bestimmte Ort für ein Gefühl.

Nachtzugbetten, Pazifikinseln,

Schlafzimmer ohne Klimaanlagen,

Straßenstände, Duschkabinen,

Höhlentempel, Sandstrände.

Und dann gibt es noch den Ort

zwischen meinen Augen,

auf den ich mich konzentriere,

während ich atme und leise summe,

um zu verstehen,

dass hier überall ist

5.

Selbst der aufgehende Mond leuchtet hier wie ein orangener Lampion.

Diese Stadt hat eine Aufmerksamkeitsstörung,

besser immerhin als die krankhafte Oberflächlichkeit der großen Schwester,

oder die Plastiksucht des Bruders im Süden.

6.

Ich beginne ein neues Notizbuch.

Auf der ersten Seite steht:

Ich will alles leben,

nicht um Leere zu füllen,

sondern weil ich voll bin.“

Von außen ist das Notizbuch schwarz.

7.

Als ich zurückkomme,

ist auf einmal die Regenzeit da.

Alle flüchten aus der Stadt ins Private.

Das schwüle Orchester aus Trommeln und Motoren

prasselt auf mich ein und ist

zu viel.

Meine Welt steht unter Wasser.

Knietief, es spritzt in alle Richtungen.


8.

Und wie willst du die Welt verändern?

Ich habe Angst auf deine Frage zu antworten.

 

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Zwischen den Schulen

– Meine Eindrücke zum Schulsystem in Vietnam –

Es ertönt das archetypische Läuten einer Pausenglocke und die SchülerInnen stürmen auf den Schulhof. Sie setzen sich auf blaue Plastikhocker in Reihen zu ihren KlassenlehrerInnen. Sie lassen pinken Schleim zwischen ihren Händen hin und her fließen, greifen in die Chipstüte, schauen auf ihr Handy, nippen am Milchtee und vertreiben sich die Zeit. Bis es plötzlich still wird, sie aufstehen und eine Melodie erklingt, zu der sie feierlich mitsingen. Es ist die vietnamesische Hymne und ein ganz normaler Montagnachmittag. Ich schleiche mich eilig zur Straße davon und treffe dort auf einige Schülerinnen der achten Klasse, die darauf warten von ihren Eltern mit dem Moped abgeholt zu werden. Sie tragen eine weiße Bluse und einen dunkelblauen Rock, manchmal noch ein rotes oder blaues Halsband. Die älteren SchülerInnen versuchen aber die Konformität der Uniformen mit langen Pullovern, Haarschmuck, bunten Turnschuhen oder grellen Jacken immer wieder zu durchbrechen.

Würde ich einen Schulaufsatz über das Schulsystem in Vietnam verfassen, würden nun einige Fakten genannt werden müssen. Also los: 12 Jahre dauert auch hier die höchste schulische Ausbildung (bestehend aus Grund-,Mittel- und Oberschule). Fünf Abschlussprüfungen (Multiple-Choice-Tests) warten dann auf die SchülerInnen des ganzen Landes. Um 90% ist die Alphabetisierungsrate seit der Wiedervereinigung in Vietnam gestiegen. 45 Minuten dauert eine Unterrichtsstunde, davon haben die SchülerInnen meistens 6-9 am Tag. 1 Stunde und 40 Minuten dauert dazwischen die Mittagspause, die SchülerInnen fahren währenddessen zum Schlafen und Essen nach Hause. Zwischen 35 und 50 Euro verdient eine vietnamesische Lehrkraft im Monat, bezahlt wird nur die Präsenzzeit. 21 965 Euro beträgt das jährliche Schulgeld an der Britisch International Highschool Saigon.

Genug. Wie kann man diese Zahlen in ihren Kontext setzen? Bildung sei ein hohes Gut hier in Vietnam, sagt man. Auf Plakaten sieht man Ho-Chi-Minh mit SchülerInnen lernen. In jedem Zimmer hängt neben den Lautsprechern sein Bild. Auf welche Schule ein Kind geht entscheidet sich durch spezielle Aufnahmeprüfungen (und Zahlungen an den SchulleiterIn). Es gibt „Highschools for the gifted“ und andere für eben die Anderen.

Der Unterricht besteht häufig aus frontalen Monologen der LehrerInnen, die im Ao Dai (traditionelle vietnamesische Kleider) auf dem Podest vor der Klasse in ein Mikrofon sprechen (es sind vorwiegend Frauen, doch es ist natürlich eine Verallgemeinerung). Die Gesichter der SchülerInnen blicken sie dann müde an oder versuchen hastig im Heft alles mitzuschreiben. Fast alle von ihnen lernen nach dem offiziellen Unterricht in privaten Lehrinstituten weiter. Auch die LehrerInnen fahren dort nach Schulschluss mit dem Lehrplan bis in die Nachtstunden fort. Bessern so ihr geringes Gehalt auf und bereiten die SchülerInnen gezielt auf die Reproduktion des Gelernten am Ende der Semester in den abschließenden Tests vor. Diese schreiben sie in Mathematik, Biologie, Chemie, Physik, Englisch, Literatur und je nach Schulform zum Beispiel auch noch in Deutsch, Musik oder Fotografie.

Und plötzlich stehe ich in der Schusslinie. Vor mir liegen zwei Kinder in Sportuniformen auf dem Boden und zielen auf mich, oder genauer auf die Zielscheibe hinter mir. Erschrocken renne ich auf die SchülerInnengruppe, welche sich gerade Wundverbände um den Kopf wickeln zu. Von rechts schleichen sich robbend weitere Kinder an. Als ich eine andere Gruppe mit roten Fahnen winken sehe habe ich es fast geschafft und bin an dem Unterrichtsraum angekommen. Sportunterricht eben. Am Montag üben sie vielleicht wieder Hochsprung.

Die Familien investieren viel in die Bildung ihrer Kinder. Nicht nur chauffieren sie diese durch die Mopedfluten, morgens, mittags und abends durch die Stadt, sondern sie bezahlen auch viel Geld für Nachhilfe, Zusatzstunden oder Unterricht bei Muttersprachlern. So ist der doppelte Schulalltag nicht nur finanziell, sondern auch mental für die Kinder und Eltern sehr anstrengend. Für Hausaufgaben und Hobbys bleibt oft nur sonntags Zeit. Denn auch in den scheinbar endlosen dreimonatigen Sommerferien von Mai bis August bieten viele Schulen (verpflichtende) Sommerkurse an.

Und was machst du hier?“ – „Ach, du bist auch LehrerIn. Welche Schule?“ – Unzählbar oft habe ich in den vergangenen Monaten dieses Gespräch geführt. Denn auffällig viele junge Menschen aus westlichen Ländern arbeiten in Saigon, ausgebildet oder unausgebildet, für einige Monate bis Jahre als LehrerIn. Es ist leicht ein Visum und Job zu bekommen und so lässt sich für viele Reisende die Urlaubskasse gut aufbessern. Ihr Stundenlohn ist schließlich mehr als doppelt so hoch, wie der lokaler Lehrkräfte. Den Schulen und Eltern ist es das Wert, denn die Sprachkenntnisse sind besonders wichtig für die SchülerInnen, da viele gerne im Ausland studieren wollen. USA, Australien, Großbritannien, Deutschland; diese Länder werben aktiv mit Stipendien und Kooperationen den vietnamesischen Nachwuchs an. Private Institute kann man wiederum bezahlen, damit sie einem bei der Bewerbung für ein solches Stipendium helfen.

ISHMIC, BIS, EIS, IGS, VAIS – so klingen die Abkürzungen der vielen internationalen Schulen in Saigon wie eine Geheimsprache. Tatsächlich sind diese, häufig in Distrikt zwei angesiedelten Schulen, eine andere Welt. Technisch sehr gut ausgestattet wird hier Wert auf kindgerechte Inhaltsvermittlung im projektorientierten Lernen gelegt und der Curriculum des jeweiligen Partnerlandes unterrichtet oder ein internationaler Abschluss (IB) angestrebt. Viele Vietnamesen und Expats geben ihre Kinder bewusst an eine solche „gute“ Schule und nehmen dafür auch lange Fahrtwege und die hohen Kosten auf sich.

Das Schuljahr an der staatlichen Mittelschule, an der ich nun 8 Monate hospitiert, assistiert und unterrichtet habe ist vorbei. Semestertests wurden geschrieben, Sommerkurse haben begonnen. In gemeinsamen Unterrichtseinheiten mit SchülerInnen und LehrerInnen und dem Betreuen von Projekten hatte ich die Möglichkeit einen Perspektivwechsel zu erleben. Mein rebellisches Schul-Ich, welches die engen überfüllten Strukturen, welche statt der Persönlichkeit der SchülerInnen, nur ihr reproduktives Leistungsvermögen fördern, lautstark kritisiert, schaut mich erwartungsvoll an. Es fordert konkrete Beispiele, deswegen hier einige neualte Impulse, auf die Frage, wie Schule und Lernen funktionieren können.

  1. ) Ein motiviertes und ruhiges Lernumfeld sind für ein gutes Lernen essentiell. Wenn in einem Raum für zwanzig SchülerInnen, stattdessen dreißig sitzen, weder Beamer, noch Klimaanlage oder Lautsprecher funktionieren und aus dem Nebenraum eine scheppernd verstärkte Stimme erklingt, dann, ja was dann, dann kann nichts verstanden werden.
  2. ) Es ist wichtig ein begründetes Lernziel zu haben. Warum ist das wichtig? Für mich führte die Frage, mit welcher Berechtigung ich hier das Privileg habe in Vietnam zu sein und was ich hier lernen und geben kann, immer wieder zu tagelangen Gedankenschleifen. Warum, ist vielleicht die mächtigste Frage, die es an die Welt und sich selbst zu stellen gilt. Die Antworten kann viel entblößen.Warum soll ich mit den SchülerInnen über typische Charaktereigenschaften von Mädchen und Jungen reden? Wenn, dann doch um Stereotype zu brechen und nicht um sie zurück in eine Gesellschaft zu drücken in der Jungen stark sind und nicht weinen dürfen. Warum sollen SchülerInnen eine langweilige Fotostory über einen Jungen der seit kurzem nun Internet hat lesen? Warum soll ich den SchülerInnen nur die bereits bekannte deutsche Persönlichkeit Hitler und die Grauen des zweiten Weltkriegs vorstellen und nicht auch Menschen, die Deutschland positiv verändert haben? Und so weiter.
  3. ) Lernen ist ein ständiger Prozess, der begleitet und unterstützt werden muss. Auch wenn das heißt, Freitagnachmittag Helene Fischers Atemlos in Dauerschleife zu proben oder Mitternachts mit Kakerlaken kämpfend in der Küche Falafel zu braten um sm nächsten Tag die internationalen Einflüsse auf die deutschen Essengewohnheiten auch geschmacklich zu verdeutlichen.
  4. ) Begeisterung steckt an. So hatten Carlotta (meiner Mitfreiwillige) und ich während eines Theaterprojekt mit 35 SchülerInnen sehr viel Spaß und viele Überraschungsmomente durch die Verwandlungen der SchülerInnen . In einem Umwelt-Projekt und in zahlreichen Workshops und Deutschclubs wurde ich immer wieder überrascht von der Energie und Freude, die plötzlich die Inhalte mit Bedeutung erfüllte. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Charakter und Verhalten wurde Schwerpunkt und verlieh Sinn und das Erlernen von Sprache und Fakten mischte sich einfach so unter.

Das beweist, dass nicht jeder Klassenraum vier Wände braucht (aber wenn dann sollten sie schalldicht sein), denn Bildung ist vielleicht das, was übrig bleibt, wenn wir vergessen, was wir gelernt haben (weil wir erkennen, was wirklich Bedeutung hat für unser Leben) und natürlich ist Bildung die wichtigste Waffe, die wir haben um die Welt zu verändern. Das nur drei beliebige, aber bedingt wahre, schließlich haben Werner Heisenberg und Nelson Mandela sie gesagt, Zitate als Ausklang.

 

Quellen:

http://www.grenzenlos-online.at/public/Sp_VIETNAM-Bildung.pdf

http://www.dw.com/de/ein-bildungssystem-im-wandel-vietnams-weg-zu-neuen-lernformen/a-2181708

http://maivietnam.myblog.de/maivietnam/art/7266681/Schulsystem

http://hope-for-tomorrow.de/2010/01/01/bildungssystem-in-vietnam/

https://orange.handelsblatt.com/artikel/28105

https://vietnamnotizen.wordpress.com/tag/schulsystem/

http://www.zeit.de/2011/44/C-Vietnam-Uni/seite-2

https://www.ishcmc.com/admission/tuition-fees

https://kinderhilfe-vietnam.de/Schule.html

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Der siebte Monat

Die Tage trugen Nummern bis die Buchstaben neidisch wurden.

Mit Worten die Konnotationen der Macht

hören wollen, deshalb

alles aufschreiben und restaurieren.

Hinter jedem Gesicht ein Untergang vergraben.

Dann schmeiße ich alle Zeichen in die Zukunft und weg

weht sie der Fahrtwind.

 

 

Wie viele Gegenstände siehst du?

In den Müllbergen an den Fischerhäusern,

zwischen den Plastikhockern vor dem Einkaufszentrum,

im Sirenenlicht der Barmeile.

Die Dinge, sie haben

die Idylle entführt.

 

Begeisterung:

Das Gefühl aufzugehen in einer gemeinsamen Idee

oder

die Bewegung von Molekülen in Nächten

zu Gitarrenakkorden.

Die Verwandlung in ein Selbst beginnt

auf dem staubigen Grund

im Bannstrahl der Existenz.

 

 

Ihr geht. Flughafen.

Haustor. Seitenstraße.

Alles geht weiter, die

Fragen, sie fragen die Fragen an,

Fragen, wohin gehst du?

 

Höre,

da ist keine Un-Stille,

sondern Ein-Blick.

 

 

Die Zeit holt die Unendlichkeit ein.

Ich drehe mich um und erblicke die Straße,

die hinter mir entstanden ist.

 

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Der sechste Monat

   Sechs Skizzen

Eins

Um viertel vor sieben ist die Welt noch fast still. Ich höre meine nackten Füße auf den Fliesenstufen schaben, als ich auf die Dachterrasse steige. Im großen Fenster des gegenüberliegenden, nur einen Meter entfernten, Hauses, beobachte ich eine ältere Frau im Blumenzweiteiler. Räucherstäbchen holt sie aus der Holzkommode. Zündet sie an als sie vor den dreistufigen Altar tritt. Eine Strohmatte wartet schon ausgerollt auf dem Boden. Sie faltet die Hände mit den Räucherstäbchen vor ihrer Stirn, vor ihrer Brust, über ihrem Kopf. Sinkt dann in die Knie. Legt sich auf ihre Knie, die Stirn zum Boden geneigt. Richtet sich wieder auf. Sie faltet die Hände mit den Räucherstäbchen vor ihrer Stirn, vor ihrer Brust, über ihrem Kopf. Ehrt so die Verstorbenen und die, die sie beschützen. Mein Tee verdampft in der Morgenluft.

Zwei

Wir halten unsere Arme, einen Kreis formend, über den Kopf, wie ein Baum. Es wird stiller im Raum. Der letzte Schüler wird angetippt. Er hebt auch die Arme. Dann singen wir ein deutsches Kinderlied. „Was müssen das für Bäume sein“ . Reden über Elefanten. Es gibt in Südkorea einen Elefanten der sprechen kann. In Vietnam gibt es noch 400 Elefanten. Auch nur noch 100 Tiger. Kein Nashorn mehr, seit sieben Jahren. Vietnams Natur verliert seine atemberaubende Vielfalt. Schuss für Schuss.

Drei

Ich zeige auf den hellbraunen Tofu in der silbernen Schale und auf die länglichen Pilze und auf dunkles Geschnetzeltes, von dem ich nicht weiß was es ist, dafür, dass es fantastisch schmeckt. Die Frau mit dem Pferdeschwanz in dem blau gemusterten Zweiteiler schichtet alles auf den Teller mit Reis. Ich setze mich an den Metalltisch am Straßenrand gegenüber eines Mannes im Anzug. Ertränke den Reis dann in Sojasoße. Com chay: Reis, mit vegetarischen Beilagen. Sein Geschmack: salzig nussig süß köstlich Geschmack. Als ich gehe, versuche ich den Satz: Ich mag das Essen, zu formulieren. Bin schon ein halbes Jahr hier, es sollte doch möglich sein. Ich krame nach Vokabeln. Die Frau in blau, wiederholt meinen Satz, lächelt und lobt mich: Gut gemacht oder vielleicht habe ich das auch falsch verstanden.

Vier

An den Hauswänden bröckelt die türkise Farbe ab. Die Gasse ist leer, es ist Mittag. Hinter den offenen Haustoren der Erdgeschosswohnungen, verstecken sich die Menschen vor der Sonne. Auf dem Fliesenboden waschen sie ab, tippen auf ihr Handy, singen Karaoke oder sind eingeschlafen. Was soll man sonst auch machen in dieser erschlagenden Hitze. Ein Moped rast um die Ecke, ich drehe mich hastig zur Seite. Die Reflexion des Sonnenstrahls durch den Seitenspiegel trifft mein linkes Bein. Verschreckt bin ich in eine große Pfütze gestolpert, das Abwaschwasser. Eine gelbe Blüte liegt überfahren daneben. Müllsäcke und ein Gecko an der lila Hauswand. Dazu zwitschern noch Vögel. Es ist diese Harmonie der trägen Stunden, die sich in der Tagesmitte unendlich ausdehnen. Um mich die Illusion von Natur: an den Balkonen hängen Pflanzen und Blumenkästen zieren die Straße. Im nächsten orangenen Haus ist ein Schönheitssalon, gegenüber eine minimalistische Boutique mit englischen Namen, rechts daneben mein Lieblingscafé. Davor sitzt ein Sicherheitsmann auf einem Plastikhocker. Auch er ist eingenickt. Das Hupen weckt niemanden mehr.

 Fünf

Die Musikbox ist kaputt, es rauscht jeder Ton, wie in einem alten Cabrio. Mein Bauch ist kalt und mein Kopf voller Zucker. Pfirsicheistee. Stilvoll ist der helle Raum, mit Holztischen und Stühlen eingerichtet. An diesen tippen junge Menschen in ihre Laptops oder markieren Sätze in Büchern. Neben dem Plastikbecher steht ein kleines Glas mit grünem Tee und Eis. Auf der Straße hupt schon wieder jemand. Ich setzte meine Kopfhörer auf. Logge mich in das W-Lan ein und fange auch an zu tippen. Versinke in der Nichträumlichkeit dieses Cafés. 

Sechs

Mit beiden Händen ziehe ich an meinem linken Oberschenkel, lehne dazu meinen Kinn nach vorne und versuche meine Wade nach rechts zu ziehen, hinter meinen Kopf. Als ich meinen Blick hebe, mich im Spiegel sehe, albern, verliere ich das Gleichgewicht und falle um. Die Yogalehrerin lächelt fürsorglich: „Try“. Schweiß tropft auf die Yogamatte. Kein lauer Wind und keine Klimaanlage schützen mich. Also atme ich ein und hebe mein Bein, soweit es eben geht. Fixiere diesmal den Nacken der Frau vor mir, welche die Zähne zusammenbeißend, mit ihren Zehen den dunklen Pferdeschwanz berührt. năm, bốn, ba, hai. Die Yogalehrerin lässt lange Pausen zwischen den Zahlen, währenddessen ließe sich bis acht zählen. Ich atme aus und lege mein Bein ab. một.

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Kambodscha – Eine Reise

Dann überqueren wir die Grenze. Zwei Gebäude am Straßenrand, ein neuer Stempel im Pass. Die Schilder nun in fremden Schriftzeichen, flackern genauso grell. Schlagloch Straßen und Stelzenhäuser vor dem Busfenster. Dahinter Felder, flaches Land. Wir sind in Kambodscha, nur drei Stunden von Saigon entfernt.
Kambodscha, ein Land, das nur einige vage fragwürdige Assoziationen hervorruft in uns. Reiseführerfakten können Kontur konstruieren: 16 Millionen Einwohner. Altersdurchschnitt 22 Jahre. Landessprache: Khmer. Ich schaue den Dörfern beim Vorbeiziehen zu und frage mich: wie man reisen kann in einem Land, welches laut Einkommensstatistik zu den ärmsten der Erde gehört. Platz 50 auf der Liste der fragilen Staatlichkeit, gleich hinter dem Iran. Platz 143 von 188 auf der Entwicklungsskala weltweit. Die drei häufigsten Todesursachen in Kambodscha sind: HIV, Verkehrsunfälle und Landminenexplosionen.

Ich schlucke.

Wie vier Millionen andere jedes Jahr, werde ich hier einfach Touristin sein. In einem Podcast über deutsche Backpacker, ekelt mich das Chaos, der unsicheren phrasieren Geschichten, über die authentische Erfahrung der Armut und des Selbst und die Partynächte im Hostel, an. Ich starre hilflos in mein müdes Spiegelbild im Fenster.

Nachdem es dunkel geworden ist, erreichen wir Siem Reep. Tuk-Tuk Fahrer warten mit einem Namensschild in der Hand auf uns. Den lauen Abendwind im Haar fühle ich Scham. Wir werden zu unserer Unterkunft am Rande der Stadt gefahren. Dieses Tuk-Tuk Gefühl, des westlichen Privilegs, wird mich die ganze Reise begleiten. Es ist absurd gefahren zu werden, einen privaten Fahrer zu haben, allzeit bereit. Ich trete koloniale Spuren breit.

Der nächste Tag beginnt viel zu früh, aber mit Vogelgesang. Erdnussbutter zum Frühstück an der Weide. Dann betreten wir offiziell Angkor, Unesco-Weltkulturerbe. Angkor bedeutet eigentlich nur Stadt. Sie umfasst 200 km², die Hauptstadt der Khmer. Die Khmer waren ein Volk von über 1 Mio. Menschen, die vom 9.-15. Jahrhundert hier siedelten. 1000 Tempel zwischen Hinduismus und Buddhismus bauten sie in den 6 Jahrhunderten. Dazu schufen sie eine beeindruckende Infrastruktur für ihr Großreich, welches sich auch über das heutige Laos, Vietnam und Thailand erstreckte. Die riesigen Wasserbecken (Barays) und die Tempelbauten, die Vishnu, Shiva, Brahman oder Ahnen geweiht sind, lassen erahnen wie gigantisch, technisch und künstlerisch versiert die Khmer waren. Denn die klimatischen Extreme von 6 monatiger Regen- und Trockenzeit stellten sie auf die Probe. Nur weil sie das Wasser beherrschten erblühte das Khmer-Reich kontinuierlich, gehörte zu den wichtigsten Imperien Südostasiens. Das Wasser, aber sorgte auch für den Niedergang des Reichs, über den immer noch viel spekuliert wird.

Die Tempelbauten sind als Referenz zum heiligen Berg Meru häufig Pyramidenartig gebaut. Die Hitze ist unerträglich. Doch oben angekommen blickt man auf ein Becken aus Bäumen aus dem einzelne Tempelspitzen hervorragen. Die Natur eroberte über Jahrhunderte die Tempel zurück. Diese magische Symbiose aus Zeit, Wurzeln und Ruinen macht einen Besuch besonders einzigartig. Fern der Touristenmassen strahlen die Bauten eine religiöse Ruhe aus. Irgendwo zwischen den restaurierten Mauern, Wurzeln und Reliefs scheint ein Geheimnis geborgen zu sein.

Umso schwerer fällt es wieder herauszutreten. Schweißüberströmt, überwältigt uns die moderne Realität. Kinder stürmen auf uns zu, wollen Postkarten, Getränke, Souvenirs verkaufen. Wir lächeln die Ungerechtigkeit an. Später kaufen wir Süßigkeiten, die wir dann doch nicht verschenken.

Abschiede und drei Tage später, erreichen wir den Markt von Battambang, Kambodschas zweitgrößter Stadt. Wir bummeln durch die kolonialen Gassen und am begrünten Fluss beobachten wir Schulkinder beim Ballspielen. Wir genießen, dass es absolut nichts zu sehen gibt in dieser Stadt. So können wir verweilen und naiv entdecken, zum Beispiel die Kunstgalerie „Romcheik 5 Artspace“, ein Ort an dem fünf junge Männer, die ihren thailändischen Menschenhändlern entflohen sind, ihre Kunst teilen. Ein Prozent der Kambodschaner ist Opfer des Menschenhandels. Sie werden nach China zwangsverheiratet, zur Prostitution oder Plantagenarbeit in Thailand gezwungen. Haben keine legale Einreiseberechtigung, so auch keine Rechte. Die zurückgebliebenen Familien brauchen das Geld und hoffen auf eine bessere Zukunft der Kinder im Ausland. Die Gesetze zur Einschränkung des Milliardengeschäfts bestehen in Kambodscha bereits, aber kaum jemand kann es sich leisten sie einzuhalten. Platz 156 von 175 im Korruptionsindex. Ich verstehe, verstehe nicht. 

Auch die Phare Zirkus Schule, welche wir am Abend besuchen, bemüht sich auf kreativen Wege zu befreien. Sie bietet benachteiligten Kindern eine kostenlose künstlerische Ausbildung. Einige treten später im Ausland auf oder touren mit dem Zirkus um die Welt. Sie schaffen den Absprung aus der armen Provinz, sie fliegen oft weit über die Grenzen Kambodschas hinaus.

Kindermönche, welche ich nur aus GEOlino Fotos kannte, kreuzen angekommen in Phnom Penh, fast minütlich meinen Weg. Der Buddhismus befindet sich im Aufschwung, so wie die Hauptstadt selbst. Überall Jeeps, Hochhäuser, Baustellen. Chinesische Flaggen. Die sozialistische Regierung auf ausländische Gelder angewiesen. Im Sommer ist Wahl. Doch viele wollen nicht wählen gehen. Die Opposition und freie Journalisten werden unterdrückt, verhaftet, ins Ausland verjagt. Der Premierministers Hun Sen, ist seit 1985 im Amt und führt die parlamentarische Wahlmonarchie an. Ob die Wahlen daran etwas ändern werden?

Ich würde so gerne die Demokratie verteidigen können.

Kambodscha müht sich sehr aus der tiefen Schlucht seiner Vergangenheit zu klettern. Eine stabile Führung wird deshalb geschätzt, auch vom Ausland. Der Absturz begann am 17.April 1975. Die roten Khmer unter der Führung des „ersten Bruders“  Pol Pots „befreiten“ und evakuierten Phnom Penh. Die Städte sollten entvölkert werden. Menschen kollektiv auf dem Land leben, im Sinne eines Agrar-Kommunismus. Bildung wurde nicht nur abgewertet, sie wurde vernichtet. Eine Brille, eine Fremdsprache, weiche Hände, ein Mönchskleid oder ein falscher Blick – kosteten deshalb über 2 Millionen Menschen (ein Drittel der Bevölkerung) das Leben. Pol Pot selbst hatte, wie viele aus dem Führungskader des neuen demokratischen Kambodschas, in Paris studiert. Zeugnisse der „Säuberung“ sind die über 300 Killingfields überall im Land. Als ich auf dem bekanntesten Killingfield bei Phnom Penh stehe und den Geschichten der Überlebenden folge, kann ich nicht mehr fühlen. Ich suche die Menschlichkeit, an die ich glaube, suche sie im Kontext der Katastrophe. Es begann wohl schon vor dem 17. April. Damit, dass die Amerikaner, vermeintlich um die Belieferung der Nordvietnamesen aus Kambodscha zu stoppen, das Land mit 2 756 941 Bomben beschossen. Wahrscheinlich auch schon davor, mit der französischen Kolonialherrschaft. Die ausländischen Herren waren noch im Land, als vermehrt Jungendliche aus den armen ländlichen Regionen, sich den roten Khmer anschlossen, um ihr Land zurückzuerobern. Es waren ideologisierte Kindersoldaten, die die Menschen in Arbeitslager trieben. Die Ernte sollte vervierfacht werden. Tausende verhungerten. Es gab nicht genug Gräber für all die Toten. Fast vier Jahre später befreiten die Vietnamesen die Überlebenden, nachdem die roten Khmer versucht hatten ihr Territorium zu erweitern. Allerdings bestand die Gruppierung der roten Khmer aktiv an der thailändischen Grenze weiter bis 1998. Das Jahr in dem ich geboren bin. Die UN erkannte sie bis in die 90er als legitime Vertretung Kambodschas an. Der neue Staatsführer war von den Vietnamesen eingesetzt worden. Die Weltgemeinschaft hatte zugesehen, man hatte andere Probleme. Es gab vier Verurteilungen der Anführer der roten Khmer in Den Haag. Vier. Die meisten Funktionäre starben eines natürlichen Todes, viele waren, sind, an der nachfolgenden Regierung beteiligt. Die Unterdrücker wurden zu Nachbarn.

Fassungslos reise ich weiter. Ich kann absolut nichts sinnvolles dazu denken. Wir fahren vorbei an den Textilfabriken heraus aus der Stadt.

Das Meer ist türkis und der Himmel blau. Der Sand so fein und weiß. Ich bin in einem Reisekatalog gestrandet. Kann endlich ein und ausatmen, es stinkt nicht mehr. Schnorchelnd stimuliere ich meine Sinne.

Flip-Flops, Plastikflaschen, bunte Kreise und dunkle Kanister werden am nächsten Morgen an den Strand gespült. In Pnom Penh wurde ich mitgenommen zu den Mülldeponien am Stadtrand, die einfach Berge sind an denen die Familien hausen, die den Müll sortieren. Absuchen nach Papier, Plastik, Metall, nach dem Dollar zum Überleben für heute. In einem Kindergarten, der versucht den Kindern der Müllsammlern einen alternativen Aufenthaltsort und den Einstieg in das Bildungssystem zu bieten, werde ich zum Mittagessen eingeladen und darf zuhören. Die intensive Arbeit der vielen NGO´s in Kambodscha ist bemerkenswert und sehr konfliktreich. Konflikte zwischen den NGO´s, der Bevölkerung, der Regierung. Dazu die Kapitalisierung des Waisenkindlächelns. Der Müllberg wird, wenn er zu hoch wird, zugeschüttet. Neues Bauland entsteht. Investoren warten. Vereinfachte Chronologie.

Ich fische zwei Plastikflaschen aus dem Ozean. Schwimme dann den Wellen entgegen. Was für eine Reise. Verunsicherte Touristenlogik.

Quellen:

Allgemeines:

https://de.wikipedia.org/wiki/Kambodscha

Reiseführer: Kambodscha – National Geographic, Marco Polo

Müll:

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kambodscha-ueberleben-im-muell-13495228/seu-ist-13-jahre-alt-mit-13495246.html

Politik:

Podcast – hr.info (26.12.2017) – „Zeitenwende in Kambodscha?“ – Holger Senzel

https://www.asienhaus.de/fileadmin/uploads/soai/Zeitschrift_SOA/2014/2014-3/SOA_2014-03_karbaum_markus_web.pdf

https://de.wikipedia.org/wiki/Hun_Sen

Menschenhandel und Kinderarmut:

https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/kambodscha-menschenhandel/-/id=660374/did=19420334/nid=660374/ipcuv4/index.html

https://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/menschenhandel-in-kambodscha-verschleppt-und-versklavt/20161924.html

Podcast: Weltspiegel (10.07.2017) – Kambodscha: Eine Zirkusschule als Sprungbrett fürs Leben

Geschichte:

Khmer:

https://en.wikipedia.org/wiki/Angkor

https://de.wikipedia.org/wiki/Khmer_(Volk)

Rote Khmer:

https://de.wikipedia.org/wiki/Rote_Khmer

Film und Buch: „First they killed my father“ – Regie: Angelina Jolie, Autor: Loung Ung

Film: „The killing fields“- Regie: Roland Joffé

Podcasts über das Reisen in Kambodscha:

WDR Weltweit (07.08.2017) – „Zwischen Karma und Koma: Mit dem Rucksack durch Kambodscha“ – Norbert Lübbers, Ullrich Bentele

hr.info (18.06.2017) – „Kambodscha 2017: helfen und Erinnern. Wie ein traumatisiertes Land wieder aufstehen kann“ – Daniella Baumeister

Statistiken:

http://fundforpeace.org/fsi/data/

http://www.kambodscha.don-kong.com/2014/12/07/kambodscha-im-korruptions-index-2014-verbessert.html

http://hdr.undp.org/en/composite/HDI

 

 

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Der fünfte Monat

  Abschied sucht NeubeginnDer erste Abend in Saigon
Vor dem Wiedervereinigungspalast – historisches erstes Gruppenfoto 


Der Geschmack einer Kokosnuss:

ist  mild-süßlich, trüb-tropisch,

ist belebend,

mit Meerblick

ist köstlich,

wenn du nicht alleine bist,

und bitter,

weil es wohl das letzte Mal

gewesen sein wird,

dass wir hier so nah zusammen sind.

Ich weigere mich unsere Schattierung des Glücks

zum letzten Mal gefühlt zu haben.

Die Zeit dreht sich rechts-links-schwindelig.

Müde auf dem Mekong

Mui Ne nach dem Sprung

 

Die Straße vor der Wohnung

an der Sicherheitsmänner winken,

auf der Mopeds ins Zentrum streben

und du intuitiv jedes Nummernschild liest,

wird ein versunkenes Zuhause,

wenn eine zittrig zarte Hand überraschend deine nimmt

und auf die andere Seite begleitet

                                                               – Cảm ơn –

Silben ergeben je nach Tonhöhe Sinn.


Prem

Umgezogen.

Jedes Datum ist nur ein Chiffre.

Ungelogen.

Es geht noch weiter.

Halbzeit.

Die Sonne geht auf-unter-auf.

Überall auf der Welt – aber hier

Wer ich hier sein kann,

muss ich noch werden.

Will diesmal,

weil alles anders wird,

anders alles leben.

Als Touristen getarnt

Oft versuche ich fragmentarisch diese neue Kulisse Vietnam, aka das Zuhause in der Fremde, in der sich gerade mein Lebendig-Sein dreht, zu skizzieren. Aber es sind die Menschen, diese sensiblen inspirierenden schlauen unterstützenden wundervollen Menschen, mit denen diese Stadt zu einer Bühne wird für unfassbar viel Leben und von denen ich nur selten, nur in den Konnotationen schreibe.

Von viel zu vielen Bekannten, die Freunde wurden, musste ich mich nun verabschieden.

Dankbar und in der Hoffnung auf ein Bald.

Das erklärt dieses kleine melancholisch-merkwürdige Gruppenfoto-Best-Of.

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In den Bergen nach der Flut

– über das Leben der Lolo, einer ethnischen Gruppe in Vietnams Norden –

Einmal war da eine Flut.

Das Wasser stieg an,

immer weiter,

reichte bis zum Himmel,

irgendwann.

Und die Menschen?

Gott rettete nur ein Mädchen und ihren jüngeren Bruder,

indem er sie in eine Bronzetrommel tat.

Das Mädchen in eine große Trommel,

den kleinen Bruder in eine kleinere Trommel.

Als die Flut vorbei war,

waren sie ganz alleine in den Bergen.

Die Beiden wurden ein Paar.

Sie wurden so die Wiedererschaffer der Menschheit,

nach der Flut.

So klingt eine zentrale Legende der Lolo.

Die Lolo, sind eine der 53 ethnischen Minderheiten in Vietnam.

Sie leben in den nördlichen Bergen,

nahe der chinesischen Grenze.

Ungefähr 3.300 Menschen, welche diese Kultur auf unterschiedliche Weisen leben,

gibt es in Vietnam.

Je nach der dominierenden Farbe in ihrer traditionellen Kleidung werden sie in

Blumen-Lolo, Schwarze Lolo, Weiße Lolo und Rote Lolo

unterteilt.

Es dauert über ein Jahr diese Kleidung zu besticken und

Mütter fertigen sie traditionell für ihre Töchter.

Diese,

mit grafischen Ornamenten bestickten Westen und Röcke,

tragen sie aber nur zu den großen Festen.

Zu Beerdigungszeremonien zum Beispiel.

Dann werden auch die heiligen Bronzetrommeln ausgegraben,

welche ansonsten an einem besonderen Ort unter der Erde verborgen liegen.

Der Philosophie des Yin-Yangs folgend,

verkörpern sie das weibliche und männliche Prinzip

und müssen deswegen gleichzeitig

von einem alleinstehenden Mann oder einem, dessen Frau gerade nicht schwanger ist, gespielt werden.

Nur so kann die verstorbene Seele ihren Weg zurück zu ihrem Geburtsplatz finden.

Die Lolo,

welche nach Sprachfamilien zu den sino-tibetischen Völkern eingeteilt werden,

leben auch in China (Yi-People) und Thailand.

Insgesamt sind es circa 8 Millionen Menschen,

welche im weitesten Sinne

ähnliche Überzeugungen und Traditionen teilen.

Den Lolo ist es wichtig in der Nähe einer Wasserquelle und in den Bergen zu siedeln.

In engen Dorfgemeinschaften von etwa 20-25 Häusern,

mit einem eigenen Friedhof

und einem Gemeinschaftsraum.

Vorgezogen wird es wenn innerhalb dieser Gemeinschaft auch geheiratet

und dann monogam gelebt wird.

Ihr Jahr zählen die Lolo in 12 Monaten,

jeder ist einem Tier zugeordnet,

feiern aber auch das chinesische Neujahr.

Eine eigene Bildschrift gab es einmal,

diese wird allerdings heute kaum bis gar nicht mehr verwendet.

Stattdessen

steigt das Bildungsniveau nach westlichem Vorbild.

Als ich auf dem Moped durch den Dong Van Karst Global Geopark in der

touristisch unbekannteren Ha Giang Provinz fahre,

begegnen mir immer wieder Frauen in bunten Röcken, Leggings, bestickten Westen und Winterjacken,

die auf ihrem Rücken in Bambus- oder Plastikkörben Holz oder ihre Kinder die steilen Bergstraßen hinauftragen.

Wenn ich die Dörfer durchquere kommen mir oft

fahrradfahrende winkende Kinder entgegen.

Sie kommen aus den

,häufig eigens für eine ethnische Gruppe bestimmten,

Schulen.

Die Schilder an den Schulen helfen mir diese Menschen

ungefähr in das Netz aus unbekannt,

geheimnisvoll klingenden Namen:

Hmong, Pupeo, Tày und Lolo

einzuordnen.

Nur eine illusorische Idee

erhasche ich so,

wie das Leben dieser Menschen,

hier abgeschieden in den Bergen,

ca. 6 Stunden von Hanoi entfernt,

(über 90% gehören hier zu einer ethnischen Minderheit Vietnams)

wohl sein mag.

Im Dezembernebel blicke ich auf die Reisterrassen,

auf den Fluss im Tal

und die Holzhäuser an den grünen Hängen.

Vorwiegend von dem arbeitsintensiven Reis und Maisanbau

leben

die Menschen hier.

Auch Viehzucht und der wachsende Tourismus unterstützen das Einkommen der Bewohner,

welche laut Einkommensstatistik zu den Ärmsten Vietnams gehören.

Für mich war es eine Reise in

eine vergessene Märchenwelt.

In mir

erstrahlt die kindliche Freude,

die ungläubig staunend,

jeden Atemzug,

dieser kalten Winterluft

im Fahrtwind

tief einatmet.

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Völker_Vietnams

https://north-vietnam.com/ha-giang/

Berührende Portraits :

http://wordvietnam.com/people-culture/the-big-story/the-ethnic-minorities

Lolo:

http://www.vietnamtourism.com/en/index.php/about/items/1827

http://www.trekkinghagiang.com/things-to-see/lo-lo-ethnic-group-ha-giang-vietnam/

https://www.traveldudes.org/travel-tips/lolo-ethnic-group-vietnam/15802

http://www.trekkinghagiangtour.com/ha-giang-tour-stories-from-the-highlands-of-the-lo-lo-ethnic-minority/

Über ihre traditionelle Kleidung:

http://hauteculturefashion.com/lung-cu-lolo-ethnic-minority-vietnam/

        http://hauteculturefashion.com/ethnic-travel-vietnam-black-lolo/

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Der vierte Monat

Ein Sonnenaufgang

irgendwann ist die Sonne wohl aufgegangen

in den Winterwolken

im Nebel

hinter den Reisfeldbergen.

Ich bin schon unterwegs,

schon wieder.

Denn für wenige Stunden ist Licht.

Licht, dass den Weg hinauf und hinab weist.

Licht, dass auf dem Asphalt einen Teppich auslegt.

Licht, dass tief in mich reflektiert.

Ein Sonnenuntergang,

in Pastell und hinter den Wolkenkratzern,

verteilt sich

flugmüde

die Zeit,

zwischen den Leben,

hier und hier.

So bleibt:

Die Melancholie der Straßenlaternen.

Sie besingt im Echo des Gefühls

die Momente als Geschichten.

Eine Rakete veredelt den Nachthimmel funkelnd,

es dröhnt der Knall,

im Kerzenschein.

Warten, dass diese Nacht nie vergeht.

Zwei Horizonte versuchen

einen Kreis formen.

 

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