Zwölftes Türchen – Sonne, Wind und Regen

„Ich wünsche dir besonders gutes Wetter für deine Reise!“

Das war einer der Sätze, den mir ein sehr guter Freund vor meinem Trip nach Zentralvietnam gewünscht hat.
Die Ironie daran war dann leider, dass ich wenige Stunden später, nachdem ich nach dem Lesen der Nachricht mehrere Stunden im Bus geschlafen hatte, graue Wolken und nasse Straßen durch die Fensterscheibe sehen musste.
Geregnet hat es dann zwar wirklich nur einige Stunden, aber davon habe ich mich natürlich nicht abschrecken lassen. Ganz nach dem Motto: Schönes Wetter kann jeder!
Im zwölften Türchen soll es nun um das Wetter in Vietnam gehen:

Das Land kann eine ganze Palette an klimatischen Zonen und Bedingungen vorweisen. Generell sind zwei Winde entscheidend für das Klima im Land:
Zum einen der winterliche Nordostmonsun, der von Oktober bis April der zentralen Küste und dem nördlichen Bergen Regen bringt.
Und zum anderen der von Mai bis September andauernde Südwestmonsun, der für Regen in den beiden Deltas und dem südlichen und zentralen Hochland sorgt.

Auch der Fakt, dass das Land eine Ausdehnung von insgesamt 1.650 Kilometer hat (was Wochenendtrips in den Süden so gut wie unmöglich macht), ist entscheidend für die unterschiedlichen klimatischen Bedingungen.

Im Norden, also auch Hanoi, gibt es sozusagen „Four Seasons“, was jeder Tourguide stets erwähnenswert findet. Hier kann man von wintertrockenem subtropischen Wetter sprechen.
Heiße Sommer, in denen es gut und gerne durchschnittlich 35 Grad hat und „kalte Winter“ mit im Durchschnitt gerade mal fünf bis zehn Grad am Tag (in den Bergen kann es in der Nacht sogar manchmal bis an den Gefrierpunkt gehen) sind im Wechsel an der Macht. Zwischendurch kommen aber auch Frühling und Herbst an die Regentschaft. Im Herbst kann man in Hanoi zum Beispiel durch die mit bunten Blättern verschönerten Straßen spazieren.
Zwischen Juli und September ist im nördlichen Landesteil die „rainy Season“, das heißt zu den sehr hohen Temperaturen kommt oft tagelanger Regen.
Der Tatsache, dass es inzwischen ganz schön kalt in Hanoi wird und man nicht mehr nur mit einer flatterigen Bluse, sondern lieber mit Pullover und Schal in den Gassen Hanois spazieren gehen sollte, entfliehe ich gerade noch. Ich glaube aber, dass die aktuell 16 Grad im Vergleich zu den Minustemperaturen in Deutschland noch ganz akzeptabel sind. Tut mir leid, wenn du gerade mit dicken Socken und einem fetten Schal vor dem Laptop oder am Handy sitzt und zitterst. Ich bin aber echt ganz froh, hier in Hoi An angenehme 23 Grad genießen zu können. 😉

Bei schönstem Wetter heute in Hoi An

Im Süden Vietnams bleibt es das ganze Jahr mit Temperaturen zwischen 20 und 40 Grad angenehm warm. Der lokale Guide in Saigon erklärt außerdem stolz, dass es „only two seasons“ gibt. Die „Rainy“ und die „Hot Season“. Im Mekong-Delta, dem zentralen Hochland und Saigon herrscht nämlich von Juli bis Oktober der Südwestmonsun, der die Gegend mit ordentlich Nass von oben beliefert. Meist in Form von nachmittäglichen Wolkeneinbrüchen, mal aber auch als Dauerregen.

Entscheidend für die Temperatur ist natürlich auch die jeweilige Höhenlage: Man kann sagen, dass es an der Küste grundsätzlich zehn Grad wärmer ist als in den Bergen. Besonders auf dem Fan Si Pan kann es richtig frostig werden und im besten oder für Vietnamesen schlimmsten Fall Schnee fallen.
Als ich nämlich im Oktober mit den Schülern der elften Klasse auf Klassenfahrt im nördlich gelegenen Sa Pa war, sind wir auf den Fan Si Pan, den höchsten Berg in Indochina mit der Seilbahn gefahren. Während wir im Tal noch angenehm im T-Shirt herumlaufen konnten, waren wir am Gipfelkreuz (wobei es hier keine Kreuze gibt, also halt dem höchsten Punkt des Berges) alle sehr froh über unsere dicken Pullover, Schals, Jacken und teilweise sogar Handschuhe. Für mich war es schon ziemlich kalt, aber nicht kälter als im deutschen Winter. Doch die Schüler, von denen die meisten eine solche Kälte noch nie erlebt hatten, sprachen davon, dass ihre Finger abfroren und sie sich nicht mehr bewegen konnten. Stolz konnte ich dann erzählen, dass wir in Deutschland ganze Monate haben, in denen es so kalt, wenn nicht sogar noch kälter ist, haben. Die Reaktion der Schüler: Vor Staunen geöffnete Münder und entsetzte Blicke.

Die Weltmeere steigen, Inseln verschwinden im Meer und auch Vietnam wird nicht vom Klimawandel verschont:
Besonders an den nicht stabilen Regenzeiten merkt man das. Wie bei einem Überraschungsei weiß man inzwischen nicht mehr, wie die „Rainy Season“ ausfallen wird. Mal kommt viel zu wenig Nass von oben, mal schlägt das Wetter besonders heftig zu. Die Gefahr von Erdrutschen im Bergland im Norden und Überschwemmungen in den Deltas rühren in den Sommermonaten vom Südwestmonsun.
Aber auch der Nordostmonsun hat es ordentlich in sich: Zwischen November und Januar ist er an seinem Höhepunkt angelangt und kommt teilweise sogar als Taifun angebraust. Dieser betrifft vor allem die zentralen Landesteile von Vietnam. Besonders hart wurde die Gegend von Hoi An, einer Küstenstadt, in der ich gerade in meinem Bett im Hostel liege und diesen Blogartikel schreibe, dieses Jahr Anfang November getroffen. Mindestens 110 Menschen sind zu Tode gekommen, mehr als 80.000 Häuser wurden zerstört und gefährden die Existenz der Einwohner. Und das alles hauptsächlich wegen des Klimawandels. Da steht bei mir – und hoffentlich auch bei dir – die Frage im Vordergrund, was man dagegen machen kann. Ich könnte jetzt einen Artikel gegen die Klimaerwärmung schreiben. Mir fehlt dazu jedoch leider das nötige Fachwissen. Sagen möchte ich trotzdem, dass es wichtig ist, auch als Einzelner gegen den Klimawandel anzukämpfen. Bitte behalte das im Kopf, denn sonst gehen tolle Gebiete in Vietnam und auf dem ganzen Globus verloren!

In einem alten Haus in Hoi Ans Altstadt. Der unterste Balken über den Wasserstand war bei mir etwas über dem Kopf… und doch war das Haus wieder hergerichtet als wäre nichts gewesen.

Nun ist es schwierig, einen passenden Abschluss für dieses Türchen zu finden. Sehr schwierig sogar.

Also sende ich nun – „mitfühlend“ wie ich bin für dich – Grüße aus dem angenehm warmen Hoi An ins kalte Deutschland.
Deine im T-Shirt dasitzende Sophie

2 responses to “Zwölftes Türchen – Sonne, Wind und Regen

  1. Ernst Pehl

    Gut, dass Du in der Schule aufgepasst hast 😉

  2. Red Crimson

    Ich kann dir erklären, wie die Monsune entstehen…
    Hab ich in Geo gelernt☺️

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