Leaving Leőwey (magyarul, deutsch)

Sziasztok!

Probalok magyarul írni, mert szeretném hogy minden magyar ismerősöm a Leőweyben, aki szeret, tud megolvasni azt:

Tegnap volt az utolsó hivatalos munkanap a Leőweyben és en kellett mondani „Viszontlátasra“ mindenkinek. Bisztos vissza fogok jönni és bisztos megtalálkozni néhany kollégámmal a nyáron, de most nem tudom kivel és azért egy kicsit szomorú vagyok, mert tölttem a tényleg nagyon jó időt itt az aranyosok kóllegákkal.

Az előzők hétekben sok utolsók eseményék volttak – például az utolsó fáradt „Guten Morgen“ („Jó reggelt“) egy ostályiban, az utolsó óra, az utolsó iskólánap diakokkal. És az is szomorú volt, mert nem csak a kollégaim, de az édesek diakaim is fogok hyiánzik nekem.

Emelett most nem befejezték az utolsók események; lesznek meg az utolsó beszelgetni magyarul az utcán, az utolsó pizzazni a lakótársammal vagy az utolsó sétalni a Széchényi Téren…

Térmészetesen az nem végül lesz, de a pillanaton. És az éleg szomorú… De szerencsere helyette fog jönni masik új dologok amik is jók lesznek.

Most csak szeretnék megköszönni mindenkinek az iskolában – az jó ismerősöket és baratomaimat – köszönöm egy szuper időt: a néhez és a könnyü feladatokot, az érdékes tapasztalatat, a megbeszéléset és a nevetéset…

Tényleg nagyon fogtak hyiánzik nekem!

Puszi

Silja

PS: A következő szövég, ami írtam tulajdonképpen az iskolá újságotra, mond egy kicsit részletesenebb amit csináltam a Leőweyben, miért jöttem ide magyarországon, mit tetszik és fog hyiánzik nekem a legtöbbet, mit szeretnék csinálni most az önkéntes évet útán és más. De az sajnos németül van, mert, még ha nekem nagyon tetszik a magyar nyelv és szeretnék megtanulni azt, most sajnos nem beszélek éleg jól, hogy tudok írni valamit néhezebb mint azt magyarul.

PPS: Tulajdonképpen akartom azt adni a lakótársamnak, hogy ő tud korrigálni a hibák – és vannak sok, az bisztos – de ő mondat hogy cukik vannak, akkor nem korrigáltunk semmit…


Eine kleine Verschnaufpause vor dem Pécser Dom

Hallo du,

hast du letztes Schuljahr im Leőwey auch manchmal ein Mädchen gesehen, das morgens noch halb im Schlaf auf das Deutschlehrerzimmer zutaumelte, den Kopf schieflegte und angestrengt die Stirn runzelte, wenn Ungarisch gesprochen wurde, oder vor Freude strahlte, wenn es mit den Schülern lachen konnte? Klang aus einigen Klassenzimmern manchmal vielleicht zu lautes Rufen oder Musik von Alligatoah?

Dann war das vermutlich ich.

„Silja Heidbrink és egy német önkéntes iskolában vagyok.“

Das Wort „önkéntes“ lernte ich wohl etwa zur gleichen Zeit wie „Jó napot!“ – Doch obwohl ich sogar auf Ungarisch sagen konnte, was ich in Ungarn mache, wurde es selten wirklich verstanden.

Denn was macht so eine Freiwillige eigentlich? Habe ich Lehramt studiert, bin ich eine Lehrerin? Warum wollte ich gerade nach Ungarn kommen? Gefällt es mir hier, lerne ich Ungarisch? Was möchte ich später machen?

Zuerst einmal: Nein, ich bin keine Lehrerin, ich habe noch nicht studiert, sondern bin erst 18 Jahre alt und habe letztes Jahr mein Abitur in Deutschland gemacht. Danach wollte ich, wie so viele junge Menschen, etwas von der Welt sehen, ich wollte reisen, entdecken, andere Menschen kennenlernen, mich selber finden – das volle Programm.

Um ehrlich mit euch zu sein, an Ungarn hatte ich dabei nicht gedacht. Aber meine Organisation, kulturweit, bietet jedem Bewerber nur eine einzige Stelle in einem Land unserer großen weiten Welt an. Mir wurde Ungarn vorgeschlagen, und da dachte ich plötzlich: „Warum denn nicht?“

Und so kam ich hierher und habe es keine Sekunde bereut, denn ich liebe Ungarn, Pécs und all die wunderbaren Menschen, die ich hier kennenlernen durfte!

És tanulok magyarul is, mert szeretnék beszélni magyar emberekkel és a magyar egy gyönyörü nyelv. Nagyon imádom.

Aber nun zurück zu der Frage, was eine Freiwillige macht, oder auch konkreter: Was mache ich hier am Leőwey? Die Antwort ist: vieles und auch mal nichts. Spannendes und auch mal Langweiliges. Sinnvolles und auch mal Unsinniges.

Ich unterrichte Grammatik – ja, auch das muss sein -, aber lieber spiele ich mit den Schülern Activity oder quatsche mit ihnen über Gott und die Welt (oder vielleicht eher über Szabolcs und die Schule). Ich korrigiere Texte oder Hausaufgaben und übe mit den Schülern für Prüfungen. Ich kopiere aber auch mal Zettel oder hole das Essen für uns Lehrer.

Kurzum – ich versuche zu helfen, wo und wem ich kann.

Und ich bin euch wirklich dankbar für die vielen großen und kleinen Dinge, mit denen ihr mich täglich zum Lächeln bringt:

Sei es der Moment, wo beim Improvisationstheater mit meiner Deutschgruppe aus der 9kn imaginär die Musik angemacht wird und im Nebenraum tatsächlich Musik angeht (magic exists); Tee trinken mit meinen zwei Lieblingsmädels aus der 10f; die 9a, die mir plötzlich spontan ein ungarisches Volkslied vorsingt; die Deutschgruppe aus den Neunten, bei denen ich einige Wochen im Winter regelmäßig den Unterricht vertrat und die sich immer so freuten, mich zu sehen; oder die vielen ernsten und weniger ernsten Gespräche mit den älteren Schülern – im Unterrricht, in Kleingruppen in der Bibliothek oder auch in einer Kneipe –, selbstverständlich nur mit Fanta oder Cola!

Aber um auch meine Kollegen hier nicht zu vergessen: Danke für die mir immer wieder mitgebrachte Schokolade oder die gehäkelte Blume, die eines Morgens auf meinem Tisch lag: „Ich habe für meine Kinder welche gemacht und ich dachte, du freust dich auch“; das Lächeln, das ich an der Pforte geschenkt bekomme und das Lachen zusammen mit Lehrern aus ganz anderen Ecken der Schule, Physik zum Beispiel – etwa über meine Versuche, Ungarisch zu reden; die vielen Diskussionen über so verschiedene Themen, wie Lehrer verschieden sind; das Vertrauen, das ihr in mich gesetzt habt; und all die bunten Ereignisse: unsere Lehrerpolka bei der Bandweihe etwa, mit allem, was dazugehörte – von den Proben bis hin zum Kauf eines Dirndls -, oder die wunderbaren Abende zusammen bei Feiern und nicht zuletzt natürlich die zwei Fahrten nach Graz, insbesondere die Lehrerfahrt.

Und, liebe Schüler – lasst euch eines gesagt sein: Lehrer sind, tatsächlich, ehrlich, keine Lüge, auch nur Menschen. Sie sind nicht immer gut gelaunt, manchmal sicher ungerecht oder wütend, aber eigentlich meist wirklich nett, humorvoll und intelligent. Genau wie ihr also, nur älter.

Während ich diesen Text schreibe – lange Zeit,  bevor ihr ihn lest -, liegt das Schuljahr in den letzten Zügen, rückt mein Abschied immer näher. Und auch wenn ich mich darauf freue, meine Familie und Freunde daheim in Deutschland wieder etwas regelmäßiger zu sehen, so bin ich doch gerade vor allen Dingen traurig:

Ungarn; das Leőwey; meine niedliche kleine Wohnung und meine ungarische Mitbewohnerin; die gefühlt immer sonnige Belváros (ich komme aus Norddeutschland; Regen ist unser bester Freund); Kollegen, Freunde; Schüler, die begeistert „Hallo Silja!“ rufen; kleine, aber schöne Reisen durch ein kleines, aber schönes Land, mal allein, mal mit Freunden aus Ungarn, Deutschland oder ganz anderen Ländern; den ständigen Wechsel zwischen Deutsch, Englisch und Ungarisch und manchmal sogar Französisch („Nagyon magnifique von euch“), die in meinen Ohren wiederklingende Ansage im Bus „Ez a 2/2A Uránváros felé“; der Pálinka, dem aus dem Weg zu gehen unmöglich ist; meine Versuche, Ungarisch zu reden, und meine geduldige Sprachlehrerin; mein häufig besuchtes liebenswertes Budapest und die Bekanntschaften, die ich auch dort gemacht habe; die EINMALIGEN anderen Kulturweitler; das Gefühl, immer spontan irgendwo vorbeikommen zu können…

All das werde ich nun bald hinter mir lassen, zusammen mit einem ordentlichen Stück meines Herzens.

Aber ich komme wieder!

Wenn auch nur für einen Besuch – doch ich vermisse euch bereits jetzt alle, also sage ich Viszontlátasra und nicht Hélo, während in meinem Kopf leise Cat Stevens singt:

„Oh very young, what will you leave us this time
You\’re only dancin\‘ on this earth for a short while
And though your dreams may toss and turn you now
They will vanish away like your dad‘s best jeans
Denim blue, faded up to the sky
And though you want them to last forever
You know they never will
(You know they never will)
And the patches make the goodbye harder still“

Bleibt so tökjó, wie ihr seid!

Eure Silja

Ein Rot, ein Grün, ein Grau vorbeigesendet

Mittlerweile gehört über die Hälfte meines Freiwilligendienstes der Vergangenheit an.

Auch wenn ich hier auf meinem Blog im letzten Artikel noch über die Weihnachtszeit berichtet habe, so sind doch auch bereits der Januar, Februar und bald der März Geschichte; ich blicke zurück auf kalte Tage, von draußen lacht die Sonne herein; es ist warm geworden. Hinter mir liegen Bandweihe und Abschlussball, auch Schwabenbälle und der Ball des französischen Klassenzuges, Gedenkfeiern, ein weiterer Nationalfeiertag – der 15. März -, ich war Juror bei Wettbewerben wie JdI (Jugend debattiert International) und dem Rezitationswettbewerb der Grundschulen, war in Szeged, Oroshaza und Budapest sowie mit einem Teil des Kollegiums auf Lehrerfahrt in Graz und vielen weiteren Orten – es ging von Ungarn nach Österreich und anschließend über Slowenien zurück nach Ungarn. Ich sah den berühmten Mohácser Karneval, trat einer englischen Improvisationstheatergruppe bei, ging weiter zum Ungarischsprachkurs und machte tatsächlich auch endlich einmal Fortschritte…  Einiges davon erlebte ich sogar gemeinsam mit Joshua, meinem Freund, denn ich hatte drei schöne Wochen lang Besuch von ihm.

Es ist nicht mehr lange hin, bis ich wieder Besuch bekomme, von Luzie, einer sehr guten Freundin aus Deutschland; dann kommen meine Eltern und später auch mein Bruder und wir fahren über Ostern an den Plattensee.

Vorher werde ich noch mit den anderen drei Freiwilligen aus Pécs nach Budapest fahren, um den Geburtstag von Milena, der Freiwilligen aus Iklad, zu feiern. Außerdem wollen wir nach der Landesrunde von JdI nach Bratislava und nächste Woche im Pécser Theater Macbeth sehen; gestern waren wir im Kino, es wurde „Wüstenblume“ auf Englisch mit ungarischen Untertiteln gezeigt, letzten Sonntag hängte ich in meinem Zimmer endlich die Fotos auf, die schon seit Januar hängen sollten, und die Wäsche vom Wochenende ist noch immer ungefaltet, da ich noch keine Zeit dazu fand – heute treffe ich einen Bekannten und habe Sprachkurs, morgen ist noch eine Nachholstunde…

Es ist also weiterhin viel los, ständig geschehen neue Dinge; da sollte man meinen, dass kaum Zeit zum Nachdenken bliebe, doch tatsächlich ist das Gegenteil der Fall.

Mittlerweile gehört über die Hälfte meines Freiwilligendienstes der Vergangenheit an.

Dies und auch die vielen aufgeregten ersten Blogeinträge der neu ausreisenden Freiwilligen sowie die Aussagen der Mitfreiwilligen, die wie ich bereits ein halbes Jahr hier sind und wie aus einem Munde erklären, mittlerweile sein sie wirklich angekommen – dies alles lässt mich nachdenklich werden; ich bin nicht wirklich angekommen und werde es wohl auch nicht, auch dies ist keine perfekt glückliche Zeit, auch dieses Jahr erzählt nicht die Geschichte eines Conni-Buches.

Während ich weitestgehend allein durch Ungarn spaziere, wechselnde Begleiter an der Seite, folgen mir auch meine Gedanken auf Schritt und Tritt; angespannt und konzentriert beobachte ich, lese dort, wo ich die Worte nicht verstehe, Gesichter; Gefühle stehen immer zwischen den Zeilen.

Wohin werden uns unsere Leben noch führen? Der eine stürzt sich in immer neue Erlebnisse, vielleicht auch in die Arbeit, der andere spielt sich selbst am besten vor, dass ihm nichts fehle.

Moment um Moment treibt an mir vorbei, kaum geschehen bereits vergangen, so schnell wie ein Wimpernschlag.

Worte fallen aufs Papier, leise spielt Chopin in meinen Ohren; Zeit zieht vorbei: Landschaften, Städte, Häuser, Gesichter – der Geruch nach frischgebackenem Kuchen, nebenan spielt jemand Klavier.

In diesem Zug mit unbekanntem Ziel. Zwischen Traum und Realität, Vergangenheit und Zukunft. Szenen noch so präsent wie ein altes verblasstes Foto, eine Ecke geknickt; in meinem Kopf ein Kinderlachen. Irgendwo scheppert Geschirr. Ich liebe dich; Worte so alt wie die Welt selbst. Unendlich oft gesagt und doch noch immer kraftvoll. „Den Fahrschein bitte.“ Ich erinnere mich nicht, einen gekauft zu haben, doch ich besitze einen, geschrieben auf meiner Haut.

Es geht immer weiter, immer weiter, niemals zurück.

Blende

Die Sonne lacht mir ins Gesicht, warm auf meiner Haut, die Sonne; vor mir eine Straße in Gold getaucht, einen Fuß setze ich vor den anderen, automatisch lenken mich meine Schritte, das Unterbewusstsein übernimmt die Führung. Bilder großer Abenteuer, fantastische Geschichten, Gefühle – rau in meinem Herzen – weben den Stoff, aus dem meine Träume gemacht sind.

Blende

Ich stehe an der Bushaltestelle, den Blick nach innen gerichtet. Es ist Nacht, meine Haare wippen, als ich mich anschicke, zu gehen; der Busfahrer, das große Gefährt – beinahe lebendig, erfüllt von fremden Leben – zurück auf die Straße lenkend, hebt die Hand, winkt und lächelt mir zu. Auch meine Hand hebt sich zum Gruß, ein Lächeln breitet sich auf meinem Gesicht aus; wie leicht ist es doch, ein Lächeln zu schenken.

Blende

Morgens, das Bett so weich, weigert sich jede Faser meines Körpers aufzustehen. Ist es wirklich die Wärme, die uns jeden Morgen unter der Decke hält? Ist es nicht diese Chance, alles zu sein? Einige Augenblicke länger einfach die Arme auszubreiten, um zu fliegen, schwerelos?

Mittlerweile gehört über die Hälfte meines Freiwilligendienstes der Vergangenheit an.

Das Leben ist nie leicht – und doch war es noch nie leichter, hier zählt nur der Moment, was hat denn schon Konsequenzen? Ein Abenteuer, die große Chance, so heißt es oft. Doch was ist dein Leben, wenn das größte daran ist, es für ein Jahr hinter dir zu lassen? Sollte uns nicht unser ganzes Leben Abenteuer und Chance sein?

Ein besonders kräftiger Nordwestwind verschlug mich aus dem Herzen Schleswig-Holsteins in diese Stadt, die Stadt Pécs, hier in Ungarn. Und im verzweifelten Versuch, aus diesem Ort hier ein Zuhause zu machen, merke ich: Es funktioniert. Mit jedem neuen Tag hier lasse ich ein Stück meiner selbst in den Straßen von Pécs. Doch wird es mir nicht fehlen – in der Zukunft?

Wahr ist auch: Meine Zweifel und Fragen, Unsicherheiten und Ängste begleiten mich, wohin ich auch gehe. Ich kann sie weder in Ungarn lassen noch im Haus meiner Kindheit oder in den Armen meines Freundes – jeder muss sich selbst die Hand reichen und sich aus der eigenhändig gegrabenen Grube helfen. Immer und immer wieder.

Ein Auslandsjahr, das ist eine wirklich gute Zeit voller wunderbarer Momente und faszinierender Bekanntschaften. All die Menschen und Erlebnisse, von denen wir auf unseren Blogs berichten, erweitern unseren Horizont und fügen dem nie zu beendenden Puzzle neue Teile hinzu.

Aber ein Auslandsjahr, das ist auch: auf dem Bett sitzen und die Wand anstarren, sich fehl am Platz fühlen. Auch: Augenblicke und Begegnungen festhalten wollen. Auch: sich wünschen, Skype wäre ein magisches Portal.

Im Grunde also fast wie zuhause. Denn wir bleiben die Gleichen, wohin es uns auch verschlägt, wohin wir auch fliehen. „Umarme den Moment, nutze deine Chance, genieß diese Zeit, nie wieder wirst du so viel erleben!“ Diese und ähnliche Aussagen höre ich immer wieder; doch ich möchte nicht nur diesen, sondern alle Momente umarmen, mein Leben als Chance nutzen und jede Zeit genießen; ich hoffe, noch viel mehr zu erleben.

Notizzettel

Du trägst nicht nur deine Zweifel und Fragen, Unsicherheiten und Ängste in dir, sondern ebenso jedes Lächeln und all die Wärme, deine eigene Stärke, Hoffnung, Mut und einen bunten Rucksack voller Ideen, Träume und Liebe.

Das Karussell

Jardin du Luxembourg

Mit einem Dach und seinem Schatten dreht
sich eine kleine Weile der Bestand
von bunten Pferden, alle aus dem Land,
das lange zögert, eh es untergeht.
Zwar manche sind an Wagen angespannt,
doch alle haben Mut in ihren Mienen;
ein böser roter Löwe geht mit ihnen
und dann und wann ein weißer Elefant.

Sogar ein Hirsch ist da, ganz wie im Wald,
nur dass er einen Sattel trägt und drüber
ein kleines blaues Mädchen aufgeschnallt.

Und auf dem Löwen reitet weiß ein Junge
und hält sich mit der kleinen heißen Hand
dieweil der Löwe Zähne zeigt und Zunge.

Und dann und wann ein weißer Elefant.

Und auf den Pferden kommen sie vorüber,
auch Mädchen, helle, diesem Pferdesprunge
fast schon entwachsen; mitten in dem Schwunge
schauen sie auf, irgendwohin, herüber –

Und dann und wann ein weißer Elefant.

Und das geht hin und eilt sich, dass es endet,
und kreist und dreht sich nur und hat kein Ziel.
Ein Rot, ein Grün, ein Grau vorbeigesendet,
ein kleines kaum begonnenes Profil -.
Und manchesmal ein Lächeln, hergewendet,
ein seliges, das blendet und verschwendet
an dieses atemlose blinde Spiel. . .

Rainer Maria Rilke, Juni 1906, Paris

Flashback II

Wir schreiben den ersten März; Aschermittwoch, aschgrauer Himmel, Himbeerteewetter – der perfekte Tag, sich in die dunklen, aber gemütlichen Tage der Weihnachtszeit zurückzuversetzen:

Die Adventszeit 2016 war für mich einerseits geprägt von der Suche nach Geschenken und dem Schreiben von Karten, während aus meiner kleinen Bluetoothbox in Dauerschleife Weihnachtsmusik und auch von Zeit zu Zeit das eine oder andere Hörbuch klangen. Auf dem Pécser Weihnachtsmarkt war ich wohl ein halbes Dutzend Mal, immer wieder fehlte mir noch ein Geschenk. Ich fühlte mich wie ein Weihnachtswichtel. Nebenbei erlebte ich wieder eine Menge: Schul- und Gospelchorkonzerte, das Weihnachtsprogramm der Schule inklusive Abendessen für den Lehrkörper, meine ersten Polkatanzstunden mit der Lehrertanzgruppe, Pécs weihnachtlich geschmückt – in ein Lichterkleid gehüllt, Rentiere im Arkad (zugegeben aus Plüsch) -, nicht zu vergessen die Fahrt zum Grazer Christkindlmarkt…

Andererseits war diese Zeit für mich geprägt von einer starken Vorfreude auf die Wochen zuhause und Sehnsucht nach meiner Familie, meinem Freund und dem windzerzausten Schleswig-Holstein. In meinem kleinen Pécser Zimmer kuschelte ich mich in Kerzenschein und Orangenduft umgeben von lauter Adventspäckchen, immer wieder fand ich einen Abholschein im Briefkasten, an dieser Stelle ein kleines Danke an meine Familie; ihr seid die besten!

Nun aber zu meinen Erlebnissen, Fotos gibt es natürlich auch wieder reichlich.

Aus Zagreb zurück, empfing mich ein strahlend geschmücktes Pécs; ich bummelte über den Weihnachtsmarkt, hörte Konzerte auf dem Széchenyi tér, traf Schüler in der Stadt, half bei dem Schnupperunterricht für Achtklässler und – nicht zu vergessen – entwarf und besprach Unmengen an Arbeitsmaterial über Advent und Weihnachten: Suchsel, Quiz, Vokabellisten und informative Texte; wir erstellten Präsentationen und hörten deutsche Weihnachtslieder.

In dieser Zeit versuchte ich auch, Schüler mit einem liebevoll erstellten Plakat, Schokolade, Keksen und Saft zu einem Deutschclub am Dienstagnachmittag zu motivieren; leider kam jedoch kaum jemand, so dass das Projekt rasch im Sande verlief.

Interessant auch der Versuch, mein Zimmer zu dekorieren – Kerzen, Süßigkeiten und Orangen waren zwar rasch gekauft, kleine Christbaumkugeln für einen Adventsstrauß lagen in dem Adventspaket von meinen Eltern, doch Tannenzweige sowie eine Vase für selbige fand ich lange nicht. Im Blumengeschäft kosteten erstere ein Vermögen, und woanders fand ich keine – bis mir schließlich eine Kollegin, Kriszta, Zweige aus ihrem Garten mitbrachte. Als Vase diente eine große Glaskanne.

Bald folgte die Fahrt nach Graz zum Christkindlmarkt. Kriszta, Timi, eine Busladung Schüler und ich machten uns freitagvormittags auf den Weg. Nach fünf Stunden Busfahrt, Zwischenstopp bei einem riesigen Tesco und einem äußerst mühseligen Weg mit einem viel zu großen Bus durch viel zu kleine und zugeparkte Grazer Straßen erreichten wir schließlich das Schülerwohnheim der Grazer Partnerschule des Leöwey.

Mit Timi, Kriszta und Timis Tochter beim Bummel durch die weihnachtlich geschmückte Altstadt von Graz

Auf ein schnelles Abendessen folgte ein ausgedehnter Bummel durch die Innenstadt über die vielen kleinen Weihnachtmärkte mit gemütlichem Punschtrinken und Unterhaltungen. Zusammen mit Timi, Kriszta und Timis Tochter schlenderte ich durch die festlich beleuchteten Straßen.

Am darauffolgenden Tag, Samstag, ging es bereit um zehn wieder in die Stadt. Mit der Schlossbergbahn fuhren wir – nun, zum Schloss. Dort erneut ein kleiner Weihnachtsmarkt, tolle Ausblicke und, im Gegensatz zu den anderen beiden Punkten eher unerwartet, drei flauschige Lamas. Mittags trennten wir uns – Freizeit. Während die Schüler diese wohl weitestgehend mit Shopping oder ähnlichem verbrachten, ging unser Vierergrüppchen auf eine Sightseeingtour. Von der berühmten Grazer Doppelwendeltreppe bis hin zum Dom sahen wir die Highlights des Stadtbildes. Auch für Shopping bei Zara und einige weitere Themenweihnachtsmärkte blieb Zeit – besonders toll fand ich den Kunsthandwerksmarkt und den internationalen Weihnachtsmarkt, auf dem ich als Andenken ein Paar Ohrringe fand. Hungern mussten wir auch nicht, gingen wir doch zu „Nordsee“ zum Mittagessen – und dafür fahre ich nach Ungarn beziehungsweise Österreich?

Von den vielen Eindrücken der kaum 24 Stunden in Graz redlich müde, stiegen wir in den Bus zurück nach Pécs, der eine halbe Stunde später auch schließlich losfuhr, nachdem alle Mädchen noch einmal schnell zur Toilette gegangen waren – an der Raststätte, an der wir von der (an Adventsonntagen übrigens kostenlosen) Straßenbahn in den Bus wechselten, gab es genau eine.

Bei der Rückkehr nach Pécs erwartet uns Schnee

Verschlafen erreichten wir schließlich Pécs, wo eine Überraschung auf uns wartete: Schnee! Hinter der Schule aber war die weiße Pracht schon zu Ende – eine Schneekante…

 

 

 

Es folgten noch einige Tage Schule, angefüllt mit Festprogrammen wie Weihnachtskonzerten des Schulchors oder einer in die Schule eingeladenen Big Band, Weihnachtsfeiern – offiziell im Festsaal der Schule, privat zwischen den Stunden im Lehrerzimmer, aber dennoch mit großem Buffet-, und am letzten Abend vor den wohlverdienten Ferien die große Feier des gesamten Kollegiums, zu der auch ich eingeladen war. Leckeres Essen und interessante Gespräche – mit einem seltsamen Gefühl im Magen verließ ich schließlich die Schule, die nächsten zweieinhalb Wochen würde ich wieder in Deutschland verbringen.

Die Entscheidung, über Weihnachten nach Hause zu fahren, bereue ich übrigens in keinster Weise. Sicher wäre es auch interessant gewesen, die Feiertage in Ungarn zu verbringen oder das Jahr 2017 in Budapest zu beginnen, doch ebenso wichtig, wie es ist, neue Erfahrungen zu machen, ist es, über lauter aufregenden neuen Erlebnissen seine Wurzeln und die Menschen, die nicht nur flüchtig das eigene Leben streifen, sondern fest verankert im Herzen sind, nicht zu vergessen. Es war unglaublich schön, meine Familie, Freunde und meinen Freund wiederzusehen, den Hund zu knuddeln oder am Ufer des Meeres zu stehen, eiskalte Salzluft in der Nase, sanftes Rauschen in den Ohren – die Gedanken auf den Schwingen des Windes treiben lassen…

Beruhigend zu wissen, dass, auch wenn sich manches verändert hat, einige Dinge doch immer gleich bleiben.

Zwischen viel Weihnachtsstress und diversen Erledigungen flogen die Tage geradezu vorbei, kaum hatte ich Zeit, mich einmal hinzusetzen; die Großeltern kamen oder wurden besucht, die Freunde zur Feuerzangenbowle eingeladen, mein neues altes Kleid aus Zagreb wurde bei der Hochzeit meiner Patin eingeweiht, und selbst den Stadtbummel mit meiner besten Freundin nutzte ich noch für den Gang zur Versicherung. Nur wenige Tage blieben einzig dem Genuss vorbehalten – dem Spaziergang mit meiner Mutter am Meer oder dem Ausflug mit meinem Freund nach Hamburg.

Dennoch fand ich zwischen all dem Trubel eine alte Ruhe, schnell kamen bekannte Routinen zurück, bald war es, als wäre ich nie weggewesen.

Nach einem erneuten Abschied und einer äußerst abenteuerlichen Zugfahrt inklusive langem Warten am unglaublich kalten Bahnhof – durch die schließlich notwendige Umbuchung auf einen Nachtzug auf Kosten der Bahn blieb mir allerdings angenehmerweise die Zwischenübernachtung in Budapest erspart – hatte mich schließlich Pécs wieder. Das alte Lied: Wer günstig reist, reist unbequem.

Zum Abschluss möchte ich euch nun noch einige Impressionen des Pécser Schneezaubers nicht vorenthalten:

Bis auf ein Weiteres

Silja

Hétköznap

Es ist noch früh und ich habe Schwierigkeiten, die Augen offen zu halten. Ein grauer Oktobermorgen, es regnet, ich habe verschlafen und nur noch den späteren Bus erwischt; letztendlich in der Schule angekommen, ist nichts zu tun.

Das ist allerdings gerade sehr entspannt, und im Allgemeinen bilden sich in der Schule mittlerweile meine Aufgaben heraus: Ich arbeite mit einzelnen Schülern (z.B. helfe ich bei der Prüfungsvorbereitung), unterstütze aber auch die Lehrer im Unterricht, was mir großen Spaß macht, auch wenn ich feststellen musste, dass manche meiner Unterrichtsideen nicht realisierbar sind, weil die Schüler etwa zu schüchtern sind. Für den Unterricht bereite ich natürlich vor, ich suche Vokabeln raus zu Alligatoahs Lied „Lass liegen“ für die zwölfte Klasse (DSD-Prüfungsthema Umwelt) oder Ideen für Spiele in der neunten. Zum Alltag  gehört jedoch auch das anstrengende Korrigieren von Hausaufgaben, ich ertappe mich immer wieder dabei, einfachste grammatikalische Fragen nachzuschlagen, weil ich mir plötzlich nicht mehr hundertprozentig sicher bin, ob ich Recht habe oder nicht doch der Schüler.

Durch meine Arbeit hier kann ich meine ehemaligen Lehrer nun zugegeben besser verstehen:

Was mache ich mit einer Klasse, die geschlossen ihre Hausaufgaben nicht gemacht hat, wenn ich den folgenden Unterricht mit einer Gruppenarbeit, auf den Aufgaben basierend, gestalten wollte?

Wie korrigiere ich einen Text auf einem eng beschriebenen Blatt ohne Rand?

Warum sind die Schüler nur so unmotiviert, obwohl ich mir ein wirklich, ja wirklich, tolles Programm für die Stunde überlegt habe? Na los, wer macht mit? Lasst mich nicht so hängen. Das macht doch richtig Spaß!

Alles in allem fühle ich mich aber wohl, besonders in den Klassen – eine neunte, in der ich bereits mehrfach war, ist mir mittlerweile richtig ans Herz gewachsen.  Ich kann inzwischen auch tatsächlich alle Namen…

Wie der heutige Tag verlaufen wird lässt sich absehen; meine Arbeitstage spielen sich mittlerweile nach einem mehr oder weniger gleichen Muster ab.  Nach vier Wochen hier in Ungarn ist Alltag eingekehrt.

Auf dem Schulweg
Auf dem Schulweg

Ich stehe zwischen halb und viertel vor sieben auf, also um sieben, mache mich fertig, packe meine Tasche, schlinge schnell ein Müsli runter, das Geschirr landet in der Spüle, ich kämpfe mit dem Riegel an der Haustür, vier Stockwerke nach unten und in den Keller, das Fahrrad hochgeholt und schnell zur Schule gefahren, die Klänge meines MP3-Players im Ohr. In der Schule angekommen, verheddere ich mich dann gewöhnlich in meinen Kopfhörern, schließlich sitze ich, mit Glück um viertel vor acht, an meinem Schreibtisch.

Das Lehrerzimmer, im Vordergrund mein Schreibtisch
Das Lehrerzimmer, im Vordergrund mein Schreibtisch
Mein Fahrrad
Mein Fahrrad

Jedenfalls wäre es so, wenn nicht gerade letztes Wochenende mein Fahrrad kaputtgegangen wäre. Aber laufen ist zur Abwechslung auch ganz entspannt, zumindest nachmittags und wenn ich es nicht eilig habe – für morgens weiß ich inzwischen immerhin die Busfahrzeiten und die Linie.

Essen aus der Kantine - ein ungarisches Gericht, Schupfnudeln mit Mehl und Marmelade
Essen aus der Kantine – ein ungarisches Gericht, Schupfnudeln mit Mehl und Marmelade

Anschließend verbringe ich an den meisten Tagen erst einige Zeit im Deutschlehrerzimmer – es gibt tatsächlich ein eigenes, durchaus gemütliches Lehrerzimmer für den deutschen Zweig. Dort korrigiere ich Texte, bereite etwas vor oder beschäftige mich auch mal anderweitig, zum Beispiel mit diesem Blog. Im Laufe des Tages treffe ich einzelne Schüler, gehe in Stunden oder helfe spontan dort, wo es notwendig ist. Zwischen elf und eins holen dann ein oder zwei von uns, oft ich mit wechselnder Begleitung, das Mittagessen, das am Anfang der Woche in der Kantine der benachbarten Grundschule bestellt wird.

Der Nachmittag schließlich vergeht meist schnell. Ich arbeite noch etwas, trage Termine in meinen Kalender ein, lerne einige ungarische Vokabeln oder ich schnacke einfach eine Weile, zum Beispiel mit der Praktikantin oder der Bibliothekarin. Die Schule verlasse ich zwischen drei und vier, manchmal setze ich mich noch in ein Café oder gehe in ein, zwei Läden, ich treffe mich auch schon mal mit Dóra in der Stadt, zum Shoppen oder Eis essen. Meist jedoch zieht es mich nach Hause:

Ich räume auf oder koche, lese etwas oder schaue einen Film, schreibe Nachrichten, telefoniere oder skype, quatsche mit Dóra oder mache einfach nichts. Die Abende gehen so immer schnell vorbei, ohne dass ich recht weiß, wie und womit. Und oft gehe ich zu spät ins Bett, denn müde bin ich zwar morgens, manchmal auch mittags oder nachmittags, nie aber abends…

Und morgen beginnt auch endlich mein Sprachkurs – ich bin gespannt. Megszeretnék tanulni magyarul!

Szeretettel!

Silja