Rücksicht und Aussicht

Gefangen im Alltag und der Routine beschließt die Kreativität eine Pause zu machen, sodass die Wörter sprudeln wie ein vereister Wasserfall. Gar nicht. Aber nichts ist ewig, und so konnte ich meine Faulheit heute doch überreden, mit einem Coldplay Album und der fünften Tasse Tee, es ist erst 12 Uhr, etwas zu tun.

Rücksicht

Es ist schwer zu erzählen, weil keiner versteht. Du kannst Bücher schreiben oder einen Blog, aber du kannst nicht Gefühle schreiben. Sie sind in dir, du kannst sie nicht greifen oder aufschreiben. Das Gefühl, in der sibirischen Natur zu stehen und in die weiße Unendlichkeit schauen zu können. Mit dem Auto fünf Kilometer zum anderen Ufer über das Eis zu fahren und der Natur vertrauen zu müssen. Endlich einen russischen Film zu verstehen. Von sibirischen Eisanglern das Handwerk erklärt zu bekommen. Von den Schülern mit einem Lächeln umarmt zu werden. Aber auch das Gefühl von Menschen umgeben zu sein und doch völlig fremd zu sein. Niemanden zu kennen. Nach Hause zu wollen, aber nicht zu können. Nicht raus gehen zu wollen, weil die Temperaturen viel zu extrem sind. Müde zu sein, von alles und jedem.

Rücksicht, fünf Monate sind vergangen. Fünf Monate Abenteuer. Die Zeit verging schneller als ich „Eiszeit“ sagen konnte.

Aussicht

Die Tage werden gezählt. In 24 Tagen bin ich zuhause. Drei Wochen. Dann ist mein Abenteuer zu Ende. Es wird auch Zeit langsam. Was hat die Zukunft mit mir vor? Ich muss sie fragen gehen. Ich sollte nichts planen, denn nichts funktioniert wie geplant. Eine Sache, die ich bei der Arbeit in der Schule gelernt habe. Spontanität funktioniert am besten. Treiben lassen. Reisen. Arbeiten. Noch mehr Menschen kennenlernen. Vom Schicksal leiten lassen. In 24 Tagen hat das warten ein Ende. Das Vermissen hat ein Ende. Die Einsamkeit hat ein Ende. Aber auch die Abenteuer, die Ausflüge, die schönen Zeiten werden ein Ende haben.

Jetzt

Die Zeit genießen. Den ersten Menschen auf Wiedersehen sagen. Souvenirs kaufen. Auf Zuhause freuen. Aber erstmal eine Woche Quarantäne genießen, schulfrei. Zu viele Schüler sind krank geworden. Bücher lesen, Tee trinken, schreiben, Filme schauen, bloß nicht rausgehen. So lassen sich die restlichen Wochen genießen. Und im hier und jetzt zu leben ist sowieso am schönsten.

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