Die Tränen des Winters

Sie sind kein Zeichen der Traurigkeit. Auch nicht der Freude. Ihr denkt in die falsche Richtung. Die Tränen können nur im Winter existieren, daher der Name. Sie sind nicht da. Sie kommen leise, schleichen sich heran. Sie häufen sich, werden immer mehr, bis sie sich schließlich der Wärme ergeben. Kurz fließen sie in Strömen. Dann sind sie weg. Und kommen wieder. Sie lassen nicht lange auf sich warten. Ihr kennt sie nicht und werdet sie auch nicht kennenlernen, wenn ihr da bleibt, wo ihr seid. Die Tränen des Winters fügen sich nicht den Emotionen. Doch kennt sie jeder hier. Sie sind alltäglich. Aber finden keine Beachtung. Obwohl sie doch eine Botschaft haben.

Sie sind kein Zeichen der Traurigkeit. Vielleicht der Freude. Trotzdem denkt ihr in die falsche Richtung. Für mich sind sie ein Zeichen des Abenteuers. Aber nicht des Aufbruchs. Ein nach Hause kommen. Doch kein nach Hause kommen. Zuhause ist woanders. Sie sind Wärme. Nur durch sie existieren sie. Obwohl sie dem Winter gehören. Das ist die erste Botschaft. Durch Gegensätze entstehen die schönsten Dinge. So wie die Tränen des Winters nur durch Wärme existieren. Sie haben auch eine zweite Botschaft. Diese ist so alltäglich, dass sie umso wichtiger ist. Es ist die Botschaft der vollendeten Tat. Denkt drüber nach, es ist wahr. Die Tränen sind ein Zeichen des nach Hause Kommens. Aber dazu gehört, dass man auf dem Weg war. Draußen war. Etwas geschafft hat. Sonst kommt man ja nicht nach Hause. Und ich finde diese Botschaft ist viel wichtiger als die erste. Denn sie motiviert. Trotz der Kälte hast du etwas geschafft. Du bist rausgegangen. Hast dich nicht verkrochen.

Aber was sind nun die Tränen des Winters? Hier kennt sie jeder. Aber ihr kennt sie nicht, wenn ihr da bleibt, wo ihr seid. Die Kälte hier friert alles, außer die Seele ein. Sie macht vor nichts halt. Auch nicht vor den Wimpern, so klein und unscheinbar sie auch scheinen. Die Wimpern sind nicht mehr dunkel, sondern plötzlich ganz hell. Sie sind eingehüllt, nicht in Kleidung, sondern in Eis. Aber Eis wird zu Wasser, wenn es warm wird uns so lässt die Kälte auch die Wimpern los, wenn es warm wird. Ganz plötzlich sind diese nicht mehr in Eis gehüllt, sonder von Wasser überflutet. Ja und ganz plötzlich weine ich, obwohl ich nicht traurig bin. Und die Tränen des Winters fließen und fließen. Es kommt mir so vor, als wären es jene Tränen, die ich nicht finde, wenn ich sie brauche. Als hätten sie nicht auf die Uhr geschaut. Ich wünschte, ihr könntet sie auch kennen, die Tränen des Winters. Dann könntet ihr meine Euphorie teilen. Denn sie sind wirklich fabelhaft. Aber dafür müsstet ihr euch nach Sibirien begeben.

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