Angst vor den Wölfen haben heißt, nicht in den Wald zu gehen

Und ich bin schon mittendrin. Im Wald. Ganz aus Versehen. Und es ist gerade verdammt still. Andächtiges schweigen.

Ich sitze in der Klasse. Halber Perspektivenwechsel. Denn ich bin weder Schüler noch Lehrer. Ich sitze in der Klasse als Volontärin, die die Weisheit mit Löffeln gefressen hat. Was gelogen ist, denn das einzige, was ich mit Löffel esse ist Suppe und Müsli. Und garantiert nicht Weisheit.

Zur Uneinheitlichkeit mal Englischunterricht. Leitgedanke Gab Year. Da ist die in der Schule rumgeisternde Volontärin natürlich Paradebeispiel. Mein Publikum ist die Abschlussklasse. G7. Wir sind beinahe gleichalt.

Ich sitze in der Klasse. Im Auftrag, von dem Gab Year zu schwärmen. Nichts leichter als das. Ich stelle mich meiner Mission, nicht umsonst habe ich als Kind immer Kim Possible geguckt. Das Gab Year ist hier Fiktion. Bin ich eine Aktionfigur? So kommt es mir vor. 15 Augenpaare starren mich an. Ich glaube, ich bin eine. Ich will es aber nicht sein. Ich bin nichts besseres.

Ich sage, was ihr braucht ist einfach nur Mut. Scheiß auf Geld, ihr könnt doch arbeiten, es muss kein Entspannungsurlaub sein. Mut, Sehnsucht und Neugierde. Ihr könnt nicht für den Rest eures Lebens in eurer Komfortzone verweilen. Lernen und arbeiten könnt ihr in der Unendlichkeit. Jetzt ist die beste Zeit zu reisen. Die Welt zu sehen. Sich selbst zu finden. Angst vor den Wölfen haben heißt, nicht in den Wald zu gehen. Aber das ist falsch. Denn Wölfe tun keiner Menschenseele etwas. Und der Wald ist wahrhaftig wunderschön.

Schweigen. Man könnte eine Stecknadel fallen hören. Augenpaare starren mich an. Sie sind der Spiegel der Seele. Und ich sehe in beinahe 15 Seelen gerade die Sehnsucht aufleuchten. Rückfrage. What do you want to do after school? Die Antwort ist 100% einheitlich. Studieren. Auch wenn eure Augen gerade etwas anderes verraten. Ha, erwischt.

Ich muss schnell raus, aus dieser prekären Situation. Denn ich bin definitiv nichts besseres und will es auch nicht sein. Nur ist aus meiner Fiktion Realität geworden. Und ich habe mich in den Wald getraut.

3 Kommentare

  1. Hallo Merle,
    schauen täglich in deinem Blog ob es neues gibt und sind immer wieder überrascht was dir so alles einfällt. Du solltest „Schriftstellerin“ in deine Berufswünsche mit aufnehmen. Wir freuen uns auf deinen nächsten Beitrag.
    LG Peter und Erika (Toms Eltern)

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