Set und Setting; eine Ausstellung

Set und Setting, so heißt die mehrteilige Ausstellung der Kuratorin Clara Hofmann, die Ende März ihre Pforten öffnete. Das Goethe Institut war Partner dieser Ausstellung.

Der Museumsshop in der Unterführung.  © Samuel Bich, Fidschi Fischer, Olga Monina und Gregor Peschko

Schon wieder eine Ausstellung in Belgrad. Man könnte die Stadt beinahe in Ausstellungsgrad oder Festigrad umbenennen – wegen der Festivals, die das ganze Jahr über ununterbrochen stattfinden. Aber diese Ausstellung ist anders. Denn sie ist gleichzeitig auch Kunstwerk und Shop der Ausstellung – wie geht das? Und warum macht man sowas?
Die Antwort hat einen einfachen Hintergrund; Zwei der drei größten Museen Belgrads, das Nationalmuseum und das Museum für zeitgenössische Kunst, sind seit über 10 Jahren geschlossen und werden offiziell renoviert. Clara Hofmann formuliert es so: „Die Auseinandersetzung mit dem Museum ist in erster Linie ein allgemeines Nachdenken über diese Institution, über die heutige Bedeutung eines Museums für zeitgenössische Kunst, über den Begriff des ‚Zeitgenössischen‘, über die Repräsentation von Kunst, über Kunstkanon, etc. Dass es in Belgrad seit mehr als 10 Jahren keine derartige Institution gibt, war für uns natürlich sehr spannend. Doch war unser Wunsch nicht, die Situation in Belgrad zu kritisieren, sondern diese eher als weiteren Anlass zu nutzen die Institution zu befragen.“ 

      

Viele kleine und große Initiativen in Belgrad stellen auch deshalb selbst Kunst auf die Beine – mangelnde Initiative in der kreativen Szene gibt es in Belgrad gewiss nicht. Die deutsche Kuratorin Clara Hofman ist seit Jahren mit kulturellen Aktionen im Balkan unterwegs. Sie war in Belgrad, als am Museum für Zeitgenössische Kunst der Countdown für die Eröffnung auf null lief – es aber keine Eröffnung gab. Sie kam auf die Idee, eine Kunstaktion zu diesem Thema zu machen und lud die vier Künstler Samuel Bich, Fidschi Fischer, Olga Monina und Gregor Peschko aus Deutschland ein, etwas in Belgrad zu gestalten.
„Natürlich liegt der Impuls eine Ausstellung in Belgrad zu machen in der Tatsache begründet, dass ich viel Zeit dort verbracht und die Szene und die Stadt gut kennengelernt habe. Die Ausstellung ist sehr stark ortsspezifisch und geht auf städtische, sowie soziale Momente ein. Ein wesentlicher Gedanke der Straßengalerie ist die Aneignung öffentlichen Raums. Diesen Gedanken wollte ich in unserem Projekt aufgreifen und ausbauen, indem ich ein leerstehendes Ladengeschäft in einer der Untergrundpassagen bespielt habe. Dabei findet eine Umwidmung des Ortes statt. Für mich war es spannend dieser spezifischen Realität mit der Kunst andere Ebenen/Gedanken hinzuzufügen.“ 

Die Outdoor Galerie mit Panorama des Museums für Zeitgenössische Kunst. © Samuel Bich, Fidschi Fischer, Olga Monina und Gregor Peschko

Kunst im öffentlichen Raum im Belgrad, kann man das einfach so machen? Clara Hofmann war sich des enormen Aufwands bewusst. Ohne einen offiziellen Partner vor Ort geht es nicht. „Mir wurde von der ulicna galerija während meines ersten Aufenthaltes im Winter 2015 eine Kooperation angeboten, sodass es Anfang 2016 erste Treffen mit mir und den beteiligten Künstlern gab. Vor Ort haben wir 10 Tage vor der Eröffnung begonnen die Ausstellung zu bauen.“

Die uličnoj galeriji, beschreibt das ganze Geschehen folgendermaßen: ‚Four young artists from Leipzig are appropriating public space to present their artistic strategies to deal with their own reality, aesthetics and functionality.‘  

   

In der own reality der Künstler wurde ein Museumsshop geplant und gebaut. In einer Straßenunterführung, einer unwirklichen Welt mit verwinkelten Ausgängen, indirektem Licht, Neonröhren, hunderten kleinen Geschäften und einem Supermarkt. Dieser Shop, der mit seinen hellen Farben und der modernen Einrichtung in Naturholz wie eine Lichtung im Getümmel wirkt, soll zu einem imaginären Museum gehören, zu dessen imaginärer Ausstellung auch Plakate gehören, die über die Stadt verteilt aufgehangen wurden. „Das Ausstellungsprojekt fand auf verschiedenen Ebenen statt: es gab die zwei Ausstellungorte als Museumsfoyer und Museumsshop, die Plakate in der Stadt, Flyer, die die Ladeneröffnung beworben haben usw. Die Geschichte, die in der Ankündigung auftaucht, ist als weitere narrative Ebene unseres Projekt zu betrachten. All diese Momente kreisen um das Museum, wobei der Shop das Kernstück des Projekts war.“ Sidekick der Kunstaktion ist eine Outdoor Ausstellung in den Schaukästen eines ehemaligen Kinos, die Uličnoj Galeriji. Dort werden in den Glaskästen Fotos zur Schau gestellt, die im 360° Winkel den Blick aus dem Museum für zeitgenössische Kunst wiedergeben. So als ob man dort wäre. Fast lebensgroß.

Auch im Museumsshop ist alles lebensgroß. Ist gibt typisches Museums Merchandise – Bücher, Postkarten, kleine Kunstwerke. Auf einer Kommode steht ein architektonisches Modell. Die Farben sind im Corporate Design des Museums gehalten, Pastell – lila, grün, rot, blau und gelb. Unbehandeltes Holz, indirektes Licht. Es ist alles da. Nur das Museum nicht.

 

Titelbild: © Samuel Bich, Fidschi Fischer, Olga Monina und Gregor Peschko

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