Empfang des Botschafters zum Tag der Deutschen Einheit in Zagreb

Vom 1.-4. Oktober 2017 war ich in Zagreb, der Hauptstadt Kroatiens. Der Besuch erfolgte infolge der Einladung durch die Deutsche Botschaft in Zagreb zum Empfang des Botschafters am Tag der Deutschen Einheit.

Ich kam am Sonntag, den 1. Oktober gegen Nachmittag mit dem Bus aus Pula an, eine Fahrt von 4 Stunden lag hinter mir. Ich blieb in einem kleinen, gemütlichen Hostel 10 Minuten vom Hauptbahnhof entfernt. Nach dem Check-In erstmal in den nahegelegenen Josip-Juraj-Strossmayer-Park (Bilder) die Stadt angucken, sieht sehr schön dort aus.

Am nächsten Tag begab ich mich morgens in das Goethe-Institut Kroatien, welches meinen Arbeitsort in Pula unterstützt. Ich lernte meinen dortigen Betreuer und die Mitarbeiter kennen, die verschiedenen Projekte des Instituts und hielt mich noch in der Bibliothek des Instituts auf. Bin freundlich empfangen worden, mich gleich als Teil davon gefühlt.

Begab mich dann an den Fluss der Stadt, die Save (Bilder). Ich hoffte, dort eben schwimmen zu gehen. Doch waren an der Stelle, wo ich war, jeweils weit und breit steile Hänge um den Fluss – ich wäre ins Wasser gekommen, aber nicht mehr raus. Suche ein wenig nach einer flacheren Stelle, finde zuerst nicht, werde dann ungeduldig und kehre zurück ins Zentrum. Mache mir noch einen ruhigen Tag, kehre zum Sonnenuntergang gucken an einen Park am Fluss zurück und entspanne dort.

Am nächsten Tag hole ich recht früh eine Freiwillige aus einem anderen Teil Kroatiens ab, die ebenfalls den Empfang besucht und mit der ich zusammen den Tag verbringe. Wie sich herausstellte, war sie von der Arbeit schon mal in Zagreb gewesen und zeigte mir so einige Sehenswürdigkeiten, die mir zuvor nicht bekannt waren. Ich hatte mich sozusagen auf ein Blind Date mit Zagreb eingelassen – keinen Reiseführer oder TripAdvisor dazu gelesen, einfach vor Ort geschaut, was es so gibt. So bin ich an einem Tag mir nichts, dir nichts über den berühmten Hauptplatz der Stadt mit Reiter-Statue gelaufen, ohne es zu bemerken. Sie zeigte mir die berühmte Kathedrale von Zagreb, ich fühlte mich da direkt an den Kölner Dom aus meiner Heimatstadt erinnert. In der Tat sind die Kirchen laut Wikipedia beide dem Baustil der Gotik zuzurechnen.

Nach einem Kaffee und Croissant zur Stärkung zogen wir weiter in die Museen der Stadt – zuerst in das Museum für Naive Kunst. Ich verweise dafür auf deren eigene Website zur Beschreibung: http://www.hmnu.hr/ – die Bilder erklären das besser, als ich es als Kunst-Laie beschreiben könnte.

Darauf gingen wir dann in ein ungewöhnlicheres Kunst-Museum: das Museum der zerbrochenen Beziehungen. Mit Beziehungen sind hier romantische Liebes-Beziehungen gemeint.

Es handelt sich dabei um ein Theme-Museum, in dem der Name Programm ist: es wird je gescheiterter Beziehung ein für die Beziehung symbolischer Gegenstand gezeigt, und dazu gibt es eine Geschichte der gescheiterten Liebe von einem der beiden Betroffenen, Frauen*-Männer*-Verhältnis war meines Gefühls nach recht ausgeglichen. Diese missglückten Romanzen scheinen ein globales Phänomen zu sein, denn haben die Museumsgründerin und Museumsgründer  – es lässt sich unschwer erraten: ein ehemaliges Paar – Einsendungen aus allen Ecken der Welt zusammengesammelt.

Ich fand es doch recht erheiternd, was Leute im Namen der Liebe alles tatsächlich getan haben oder ihnen getan wurde. Zugegebenermaßen bin ich jedoch auch in einer komfortablen Lage in diesem Museum. Als Single lässt sich leicht auf solche Ereignisse gucken. Für Romantiker*innen, die fest an die ewige Liebe glauben, kann das durchaus ein Schock sein. Finde das jedoch sinnvoll, dieses Thema Liebe nicht bloß von der romantischen Seite, vom „bis dass der Tod uns scheidet“, sondern realistischer zu betrachten. Manchmal, aber nur manchmal, ist eben die Scheidung die klügere Entscheidung als die Heirat.

Kann das Museum aus vollstem Herzen für jede*n Besucher*in empfehlen – und wer selbst den Abgang der letzten Flamme noch nicht emotional verarbeitet hat, dem steht es frei, selbst Teil des Museums zu werden: https://brokenships.com/

Nach so viel Input dann uns erstmal mit einem leckeren Burger versorgt und was ausgeruht. Eben für den Empfang schickgemacht, dann durch den Regen in Zagreb auf zum Französischen Pavillon im Studenten-Zentrum (Studentski centar) gemacht.

Das ist ein Festsaal der Universität, der für diesen Anlass zur Verfügung gestellt wurde. Die Wahl erfolgte nicht zufällig. So steht der französische Pavillon für die europäische Einigung, die viel mit der deutschen Wiedervereinigung zu tun hat. Die Versöhnung mit dem Nachbarn Frankreich ist da ein Teil von. Zum anderen ist der Ort, an dem früher die Zagreber Messe war, auch ein Mahnmal. 1941 wurden hier Juden für die Fahrt ins Konzentrationslager „gesammelt“.

Der Empfang selbst war sehr schick, viele fein angezogen, es gab kostenlose Getränke und Snacks, die einem vom Kellner gebracht wurden. Recht bald trafen wir auf die zwei anderen Freiwilligen in Kroatien, sodass wir zu viert vollzählig als kulturweit-Freiwillige in Kroatien auf dem Empfang vertreten waren. Ich kam mit einigen Menschen auf dem Empfang in Kontakt und ins Gespräch.

Wie aus dem Nichts wurden dann die Europa-Hymne sowie die Hymnen von Kroatien und Deutschland gespielt. Direkt darauf hielt der Botschafter Thomas E. Schultze eine Rede. Ich habe die Rede leider nur kaum gehört, da die Akustik in den Raum nicht allzu gut war, und die Rede nicht bis in die hinteren Reihen, wo wir standen, durchkam.

Doch wie ich gelesen habe, ging es um Europa, dass die deutsche Wiedervereinigung viel mit der Versöhnung in Europa zu tun hat, um die Werte und Errungenschaften der Europäischen Union. Er sagt, dass europäische Solidarität statt nationaler Alleingänge in der Vergangenheit Probleme gelöst hat, und auch in Zukunft dies nur so möglich ist. Ebenfalls brauchen wir keine Angst vor Migration zu haben, denn hat sich Europa über Jahrhunderte durch Migration entwickelt. Dazu zitiert er „Alle Europäer sind Migranten.“ Als Beispiel für gelungene Migration hat er ein kroatisches Catering von Migranten für den Abend eingeladen.

Die komplette Rede ist unter dieser URL nachlesbar: http://www.zagreb.diplo.de/Vertretung/zagreb/de/02/Botschafter__und__Abteilungen/rede-tde-2017.html

Schade, dass ich die Rede nicht live gehört habe! Recht bald nach der Rede und einigen weiteren Gesprächen ging es dann auch für mich zurück ins Hostel, müde von diesem langen Tag. Fand den Tag schön und dieser Empfang war etwas Besonderes, was ich nicht alle Tage erlebe. War sehr froh, dabei gewesen zu sein.

Am letzten Tag, dem 4. Oktober, nahm ich noch an einer sogenannten Free Spirit Walking Tour teil. Eine Gruppe von ca. 50 individuell Reisenden traf sich vor der Pferde-Statue des Hauptplatzes von Zagreb. Eine in Zagreb aufgewachsene und dort lebende Frau  leitete die Führung und erläuterte die verschiedenen Stationen der Tour.

Das war recht eindrucksvoll und interessant, ebenfalls erfuhr ich Details, die ich vorher über die Stadt nicht wusste. Auch bin ich lokalen Phänomenen begegnet, die ich selbst wohl kaum entdeckt hätte. Nach der Tour recht k.o., ist doch irgendwie anstrengend, an so viele Orte zu gehen und diese vielen Informationen aufzunehmen.

Da bis zur Abfahrt noch was Zeit ist und die Sonne bei wunderschönem Wetter scheint, lege ich mich noch in den Josip-Juraj-Strossmayer-Park, mitten am Puls der Stadt. Zagreb hat sich für mich vom Lebensgefühl wie meine Heimat- und Millionenstadt Köln angefühlt. Das empfand ich als schöne Abwechslung zu Pula, mit 60.000 Einwohnern größte Stadt der Region. So gerne ich an diesem schönen Ort bin, so gerne bin ich auch in der mir vertrauten Großstadt-Atmosphäre.

Recht bald kehrte ich dann wieder in Pula ein, zurück von ein paar schönen Tagen in Zagreb.

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