(Als Gladiator) in die Arena einlaufen

Meine Einsatzstadt Pula, Kroatien, ist eine 3000-jährige Römerstadt. Das berühmte Wahrzeichen der Stadt ist die Arena, ein noch erhaltenes Amphit-Theater.

(Wem Amphit-Theater nichts sagt: das Kolosseum in Rom ist ein Amphit-Theater wie dieses. Zu Römerzeiten fanden dort Gladiatoren-Kämpfe, teils untereinander, teils gegen wilde Tiere, sowie Hinrichtungen statt.)

Es steht heute täglich für Besucher zur Besichtigung offen. Ebenfalls finden bis heute noch hier Kultur-Veranstaltungen statt. Jedes Jahr kämpfen die besten Filme des Jahres um die Gunst der Zuschauer und Kritiker beim Pula Film Festival. Klassische Musiker  und Rock-Stars nutzen die besondere Akustik und Atmosphäre. Selbst Eishockey-Spieler haben sich hier drin schon gemessen.

Einer solchen Veranstaltung habe ich aktiv beigewohnt. Ich bin in den Kampf gegen meinem inneren Schweinehund getreten – beim 10-km-Nachtlauf durch Pula, inkl. Zieleinlauf in der Arena. Der Lauf Pulska Xica startete am Sa., 23. September 2017, 20 Uhr vor der Arena.

Mehr zufällig bin ich auf die Informationen zu diesem Lauf gestoßen, ich hatte mich über Wandern in Istrien (Anm.: die Region Kroatiens, in der Pula liegt) informiert, und auf derselben Website wurde auch der Lauf genannt. Als erfahrener Hobby-Läufer fand ich die Aussicht auf einen weiteren Lauf inkl. spektakulärer Zielgerade interessant.

Melde mich also sogleich dafür an, Bezahlung von ca. 15 € erfolgt ganz einfach per SEPA-Überweisung, da Kroatien in der EU ist, ist nach ein paar Tagen bereits bestätigt. In der Woche zuvor trainiere ich, am Tag zuvor hole ich die Startnummer, Chip und T-Shirt ab.

Am frühen Abend des Samstags begebe ich mich also zur Arena. Sie ist mir nicht unbekannt, ich sehe sie täglich, da meine Schule 150 m von ihr entfernt liegt. Davor befinden sich bereits eingekleidete Läufer, es wird Musik gespielt. Wie ich herausfinde, ist der Lauf Teil eines größeren Festivals, in welchem DJs auflegen und Licht-Shows stattfinden. Mehr zufällig treffe ich hierbei eine Englisch-Lehrerin meiner Schule an, deren Tochter und Schwiegersohn an dem Lauf teilnehmen. Zusammen laufen wir uns für dieses Ereignis ein, und wir sind auch nicht allein, ca. 500 Leute nehmen an dem Lauf teil.

Recht bald geht es los, wir laufen an der Arena entlang, ein wenig hinaus aus der Stadt zu einem berühmten beleuchteten Kreisverkehr, zurück in die Stadt, vorbei am Busbahnhof, dann parallel zum Meer und den Eisenbahn-Schienen gelaufen, wieder zurück, an der Uferstraße am Hafen entlang, in die Altstadt eingebogen bis zum Hauptplatz der Stadt, hindurch durch berühmte unterirdische Tunnel auf die Zielgerade zur Arena, eingebogen in einen Seiten-Eingang der Arena, innendrin vor den Zuschauern dann die letzten 100 Meter Ziel-Sprint. Zwei Verpflegungs-Stationen mit Wasser auf dem Weg, Zuschauer mehr vereinzelt, meist ist es unglaublich ruhig auf der Strecke.

Im Ziel angekommen gibt’s sofort die Medaille, und auch gleich Verpflegung für die Läufer. Ich hätte da nun super optimierte, gesunde Bio-Power-Superfoods erwartet. Stattdessen finde ich dort kartonweise zugeschnittene Pizzen einer örtlichen Pizzeria vor. Das ist ein (positives) Novum für mich auf Läufen. Ich bediene mich reichlich an diesem Büffet, die verbrannten Kalorien müssen ja wieder rein 😛 irgendwo liegen auch Äpfel herum, die jedoch weniger konsumiert werden.

Treffe dann alsbald auf die Englisch-Lehrerin und die Mitläufer*innen, genieße noch diese Atmosphäre und einige Augenblicke hier. Im Anschluss an den Lauf werden die verschiedensten Sieger*innen des Rennens und der einzelnen Alters-Kategorien geehrt. Anschließend wurde ein DJ  mit einem fetten Set auf die noch fitten Party-Löw*innen losgelassen. Da soll es ziemlich abgegangen sein, mir selbst fielen nach dem Lauf jedoch schon die Augen zu, machte mich zuvor auf den Heimweg in den wohlverdienten Schlaf.

Insgesamt ein schönes Erlebnis. Vor allem habe ich so als Neuling gleich viele mir zuvor unbekannte Teile der Stadt kennengelernt. Ich habe die schöne Beleuchtung dieses Kreisverkehrs entdeckt, der sonst tagsüber völlig unspektakulär, ein Kreisverkehr eben. Ebenfalls bin ich als Läufer auf die unterirdischen Tunnel-Systeme der Stadt, genannt Zerostrasse, gestoßen und durfte da durchlaufen. Von außen sieht das ganz unspektakulär aus, es befindet sich eine Tür auf einer Straßenseite und darüber ein Schild mit dem Schriftzug Zerostrasse. Dies befindet sich auf meinem täglichen Schulweg, und ich hatte mich schon gewundert, was es mit diesem Namen auf sich hat. Wie sich herausstellt, ist die Zerostrasse ein unterirdisches Tunnel-System aus dem Ersten Weltkrieg, das damals für einen Fall des Luftangriffs gegen Pula gebaut wurde. Pula war damals nicht nur Teil von Österreich-Ungarn, deren Hauptkriegshafen befand sich in Pula.

Das hat mich auch inspiriert, diese mir zuerst unscheinbar wirkende Stadt genauer anzuschauen. Ebenfalls laufe ich nicht jeden Tag in so eine Arena ein. Daher bin ich für dieses Erlebnis dankbar.

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