(M)ein »kulturweit« Blog

Valentinstag 2018 an der Schule für Tourismus, Gastgewerbe und Handel in Pula

Zum Valentinstag 2018 haben einige Schüler*innen des Deutsch-Unterrichts an meiner Schule für Tourismus, Gastgewerbe und Handel in Pula, Kroatien ihren Liebeskummer an den Juliet Club in Verona (Italien) geschrieben.

Dies ist ein Verein in Verona, an den Menschen im Fall von Problemen schreiben können. Man adressiert dazu einen Brief an die fiktive Julia aus Shakespeares Tragödie und Liebesgeschichte Romeo und Julia, welche in der Stadt Verona spielt. Die Stadt Verona und die Stadt Pula sind in einer Städtepartnerschaft, und eine Straße in Pula ist nach Verona benannt, sodass hier eine konkrete Verbindung existiert.

In einem Brief wird der Kummer, der einen plagt, beschrieben, und Julia um Hilfe gebeten. Dann wird der Brief an den Juliet Club versandt oder vor Ort in deren Briefkasten eingeworfen. Wer eine schnelle Antwort braucht, kann auch eine Mail versenden. Im Juliet Club lesen sich dann Freiwillige die Briefe durch und senden der Person eine hoffentlich nützliche Antwort. Die schönsten Briefe werden dabei jährlich mit einem Preis gekürt. Die Gewinner von 2018 können hier eingesehen werden.

Wen also eine ernsthafte Schwierigkeit plagt und seit längerem damit auf dem Schlauch steht, der kann sich an den Juliet Club wenden. Sie schrieben mir jedoch, dass es wirklich ernste Probleme sein sollten und kein Spam, da der Club enorm viele Briefe erhält. So viele zu beantworten braucht seine Zeit.

Habt ihr dem Juliet Club schonmal geschrieben? An wen wendet ihr euch bei Problemen?

Puno pozdrav iz Pule! (viele Grüße aus Pula)

Wie ich das Zwischenseminar erlebt habe

Für den 13.-17. November 2017 stand für mich das kulturweit-Zwischenseminar in der Ortschaft Sremski Karlovci bei Belgrad (Serbien) an. Recht früh entschied ich mich, das unter der Woche stattfindende Seminar mit zwei Wochenenden in der berühmten Stadt Belgrad zu umrahmen. Schließlich musste ich die Stadt für die Anfahrt eh passieren, und war ich da noch nie gewesen. Also Bus-Tickets gebucht, ebenfalls günstigste Hostels im Zentrum.

Die Tage vor der Abfahrt irgendwie keinen Bock, fühle mich so wohl in meinem aktuellen Wohnort Pula (Kroatien), will nicht raus von da, und die Idee einer 12-Stunden-Busfahrt, womöglich wieder mit Kopfschmerzen währenddessen missfällt mir. Aber gut, ich habe hier gerade keine große Wahl, wenn ich diesen Vertrag erfüllen möchte. Und wer weiß, was mir diese Zeit, dieser Ort bringt und möglich macht. Schließlich war ich noch nie in Serbien, ich kenne da auch einige Kumpels, die mich dorthin mal eingeladen haben, ich komme zum ersten Mal an die berühmte Donau, treffe die anderen Freiwilligen erneut, erhalte einen serbischen Stempel in meinem Pass, und wer weiß, was ich auf dem Seminar lerne.

Fahre also am 11.11. morgens früh um 7 Uhr los, zuerst einmal nach Zagreb, für einen Zwischenstopp auf halbem Weg. Gönne mir dort in einem auf TripAdvisor empfohlenen Café einen köstlichen Kuchen und Kaffee, gehe nochmal kurz durch die Stadt und in den zentral gelegenen Josip-Juraj-Strossmayer-Park. Leider war das Wetter im November nicht ganz so sonnig wie beim letzten Mal.

Alsbald fahre ich dann weiter nach Serbien und Belgrad, passiere die Grenze schon in der Dunkelheit und erhalte den serbischen Stempel in meinen Pass, tausche an der ersten Tankstelle in Serbien meine kroatischen Kuna in serbische Dinar um, erreiche eine leuchtende Szene in Belgrad, bin beeindruckt, Gedanke „hier mache ich meinen nächsten Austausch“.

Beim Ausstieg aus dem Bus wird mir gleich von mehreren Leuten ein Taxi angeboten. Ich entscheide mich aber, zu Fuß zum Hostel zu gehen, zum einen um gleich die Stadt kennenzulernen, und um etwaige potentielle Abzocker-Taxis zu vermeiden. Laufe dann eine gewaltige Straße entlang auf einen kleineren Hügel, um dann alsbald in einem zentral gelegenen Hostel anzukommen.

Am nächsten Morgen besuche ich sogleich einmal das Nikola-Tesla-Museum, das zufälligerweise gleich um die Ecke meines Hostels liegt. Der berühmte Erfinder ist sowohl in Serbien als auch Kroatien eine Legende, und viele Straßen sind nach ihm benannt. Kam noch zeitig für eine Führung, Highlight die von Tesla gebauten Maschinen und die Möglichkeit, selbst kleine Stromschläge zu erhalten.

Am Nachmittag Treffen mit einem Belgrader Freund, versuche danach die Mündung des Flusses Save in die Donau zu finden, lande in irgendeinem verlassenen Teil von Belgrad, fragt mich nicht wo, und als es dann langsam dunkel wird, wird mir das zu unheimlich und ich kehre ins Hostel zurück.

Am nächsten Tag gegen Mittag geht es dann mit dem Bus nach Sremski Karlovci. Am Busbahnhof Belgrad treffe ich auf ein Novum für mich: ich werde gebeten, für den Zugang zum Busbahnhof einen Eintritt zu bezahlen. Der Betrag war mit umgerechnet ca. 1,50 € irrelevant, doch hatte ich das noch nie erlebt. Im Bus ein wenig nervös gewesen, da es keinen Indikator gibt, wo ich mich gerade befinde, und ich die in Serbien verwendete kyrillische Schrift nicht entziffern kann. So frage ich dann in jeder größeren Stadt jemanden „Sremski Karlovci?“ Am Seminar-Ort gab es jedoch ein eindeutiges Schild, sodass ich wohlauf ankam.

Treffe bald auf die anderen Freiwilligen und die Trainerinnen, erste Gespräche finden statt. Mir gefällt der deutlich, deutlich kleinere Rahmen des Zwischenseminars besser als das Riesen-Vorbereitungsseminar, fühle mich hier die ganze Zeit über wohl. Darauf die ersten Sitzungen, Kennenlern-Spiele, wir teilen den Blick aus unserem Fenster, beantworten die Fragen „was vermisse ich in Deutschland?“, „welche Person fasziniert mich in den letzten 60 Tagen am meisten?“, „was war das Highlight?“, „was ist mein Lieblings-Ort?“, „wie habe ich das Wochenende verbracht?“

Am Abend gehen wir in ein wunderschön künstlerisch gestaltetes Restaurant an der Donau gelegen, und genießen hier ein Festmahl. Zum Ausklang des Abends spielen wir noch einige Partien Werwolf.

Gefühlt noch im Stress am zweiten Tag, noch nicht so richtig da am neuen Ort Serbien. Wir beschreiben uns in unserer Arbeitsstelle anhand eines Standbildes, das eine typische Situation darstellt, schauen uns die Zeitaufteilung unserer Aufgaben in der Arbeitsstelle an und sprechen über konkrete Herausforderungen. Sehr amüsant waren am Morgen die Aufgabe, zwei wahre und eine falsche Geschichte zu erzählen, und die Runde erraten zu lassen, welche die falsche ist. In der Mittagspause gönne ich mir noch einen Kaffee im gestrigen Restaurant, so schön fand ich es dort.

Am Tag dann eine Reflektion ‚Was habe ich bisher gelernt? Was hat mir der FSJ bisher gebracht‘, ‚Wofür schlägt mein Herz? Wo finde ich Inspiration‘, ‚Was liegt mir im Magen? Welche Schwierigkeiten fühle ich, wie kann ich diese bekämpfen?‘, ‚Wo will ich hin? Was will ich in der verbleibenden Zeit noch erreichen/ändern?‘ Am Abend dann eine Einführung in das Projekt. Spaziere noch durch den Ort, entdecke dort ein Gugelhupf-Museum.

Am dritten Tag stand dann eine Exkursion nach Belgrad inklusive Besuches zweier NGOs an. Auf dem Weg im Bus genieße ich den Blick auf die Landschaft, kommen dann am Studentski trg (serbisch für Studenten-Platz) an der Uni in Belgrad an. Machen uns dann auf zur NGO Civil Rights Defenders, wo in einer Fragerunde vier Personen über die Organisation, über Sinti und Roma, Schwierigkeiten von Flüchtlingen in Serbien, LGBT-Rechte und -Herausforderungen sprechen. Sie haben Gay Prides in Belgrad organisiert, eine Ausstellung zu dem Thema gemacht, auch von Pink Washing gesprochen, dass Politiker sich freundlich geben, doch essentiell dagegen sind.

Dann ziehen wir an den nächsten Ort weiter, die NGO Atina. Diese hilft Opfern von Menschenhandel, sich (wieder) ins Leben zu integrieren. Sie haben recht detailliert erklärt, was sie tun, wie sie vorgehen, wie all sowas abläuft. Viele dieser Opfer sind jung, ohne Bildung und müssen überhaupt in die Gesellschaft integriert werden. Sind dann in deren Bäckerei weitergezogen, welche als Social Business die NGO finanziert. Sie verkaufen Bagels, denn sie sind innovativ, aber auch nicht zu neu für die Belgrader (die laut Aussage der Führerin nicht gut für neue Essens-Trends zu haben sind). Wir probieren die Bagels, ich persönlich empfand meinen veganen Bagel mit Humus und gegrilltem Gemüse vorzüglich.

Danach Freizeit bis zur Abfahrt des Busses, schließe mich zuerst zwei Freiwilligen an, trenne mich dann nahe der Mündung von Donau und Save, um dies nun nachzuholen, finde diesmal den Ort und die spektakuläre Sicht auf diese Mündung. Kehre dann in die Stadt zurück, sehe das Goethe-Institut dort, schaue es mir kurz an. Als ich dann darausgehe, treffe ich zufällig auf eine andere Gruppe von Freiwilligen, die von den Belgrader Freiwilligen angeführt sich an die Mündung von Donau und Save begibt. So schließe ich mich dem nochmal an und erfahre interessantes Hintergrundwissen über Belgrad. Mir blieb hängen, dass die Stadt 33-mal zerstört wurde. Am Abend zurück vom Ausflug stellen wir Mitbringsel aus unseren aktuellen Orten vor und erzählen eine Hintergrundgeschichte dazu, zum Ende des Tages wieder einige Runden Werwolf.

Am nächsten Tag beschäftigen wir uns mit dem Projekt, ich sammele Ideen hierfür. Dann ein Memory-Spiel, in dem mit den Bildern Zusammenhänge zur Kultur unseres Gastlandes knüpfen. Am Nachmittag Austausch über Roma und LGBTQ+ am Arbeits-Ort, sowie über den Balkan-Krieg. Komme an dem Tag mit ganz neuen Facetten dieses Austausches in Kontakt; zuvor war mein Fokus mehr auf der Arbeit, dem Ankommen, der Eingewöhnung, Urlaub machen und mir selbst gewesen. Bin an dem Tag sehr k.o., daher spare ich mir die Weinprobe, schließe mich später schon kurz vor dem Schlafen noch dem Wichteln an. Ich erhalte hier einen köstlichen Honig vom Belgrader Markt, den ich noch im November verputzt habe.

Am Freitag und dem letzten Tag mit meinem Zimmerpartner das Frühstück gedeckt. Tauschen uns über unser Deutsch-Sein im Ausland aus. Ich lebe schon recht ‚deutsch‘, auch weil die Versuchung hier mit identischen Supermärkten (Kaufland, Lidl, Spar, dm, …) enorm groß ist, habe auch (zu dem Zeitpunkt) noch kaum Kontakt zu Leuten dort. Im Anschluss planen dann viele schon ihre Freiwilligendienste durch, mir wird das zu viel, gehe lieber Schritt für Schritt vor, oder ‚prozessorientiert‘, wie die Trainerin es schön professionell nannte. Dann erstellen wir eine Dankbarkeits-Liste über den Freiwilligendienst, auf der wir 15-20 Dinge nennen, für die wir während des Freiwilligendienstes dankbar sind, am Ende verabschieden wir uns von jedem einzelnen.

Ich bleibe noch einige Stunden bis ca. 19 Uhr in der Stadt, gehe auf den Berg der Stadt spazieren, an die Donau. Sremski Karlovci ist eine wunderschöne Stadt, es gefällt mir dort sehr gut. Schaue mir noch das Gugelhupf-Museum an, kaufe mir ein Stück Gugelhupf, das göttlich schmeckt, hätte mir einen ganzen Kuchen kaufen sollen. Als ich wieder in Belgrad ankomme ein Déjà-Vu, mir werden Taxis angeboten. Lege mich schlafen.

Am nächsten Tag noch ein schöner Ausklang in Belgrad. Zeige einer Belgrader Freundin das Bagel-Restaurant vom Mittwoch, das sie nicht kannte. Denn Belgrad ist groß, und dieser Ort am anderen Ende der Stadt war ihr unbekannt. Ziehe dann weiter in das neue Museum für zeitgenössische Kunst, schaue mir ein legendäres, mir empfohlenes Pfannkuchen-Restaurant in der Nähe an, genieße das vorzügliche Essen dort, am Abend treffe ich mich mit einigen Freiwilligen zum lockeren Billard-Spiel und einem schönen Abend im Zentrum Belgrads.

Am nächsten Morgen schon früh raus, der Rückweg nach Pula steht an. Diesmal ohne Zwischenhalt in ca. 12 Stunden Fahrt. War dann auf der Rückfahrt doch ganz froh, dass ich durch kulturweit inspiriert diese Reise gemacht habe. Ich will ehrlich sein, von mir aus wäre ich sie wohl nicht angetreten, da Großstädte wie Belgrad mir da zu viel und zu intensiv sind, und ich von Sremski Karlovci nie gehört hatte.

Danke für die diese vielen besonderen Erlebnisse und die neuen Impulse, die mir diese Zeit gegeben hat!

Empfang des Botschafters zum Tag der Deutschen Einheit in Zagreb

Vom 1.-4. Oktober 2017 war ich in Zagreb, der Hauptstadt Kroatiens. Der Besuch erfolgte infolge der Einladung durch die Deutsche Botschaft in Zagreb zum Empfang des Botschafters am Tag der Deutschen Einheit.

Ich kam am Sonntag, den 1. Oktober gegen Nachmittag mit dem Bus aus Pula an, eine Fahrt von 4 Stunden lag hinter mir. Ich blieb in einem kleinen, gemütlichen Hostel 10 Minuten vom Hauptbahnhof entfernt. Nach dem Check-In erstmal in den nahegelegenen Josip-Juraj-Strossmayer-Park (Bilder) die Stadt angucken, sieht sehr schön dort aus.

Am nächsten Tag begab ich mich morgens in das Goethe-Institut Kroatien, welches meinen Arbeitsort in Pula unterstützt. Ich lernte meinen dortigen Betreuer und die Mitarbeiter kennen, die verschiedenen Projekte des Instituts und hielt mich noch in der Bibliothek des Instituts auf. Bin freundlich empfangen worden, mich gleich als Teil davon gefühlt.

Begab mich dann an den Fluss der Stadt, die Save (Bilder). Ich hoffte, dort eben schwimmen zu gehen. Doch waren an der Stelle, wo ich war, jeweils weit und breit steile Hänge um den Fluss – ich wäre ins Wasser gekommen, aber nicht mehr raus. Suche ein wenig nach einer flacheren Stelle, finde zuerst nicht, werde dann ungeduldig und kehre zurück ins Zentrum. Mache mir noch einen ruhigen Tag, kehre zum Sonnenuntergang gucken an einen Park am Fluss zurück und entspanne dort.

Am nächsten Tag hole ich recht früh eine Freiwillige aus einem anderen Teil Kroatiens ab, die ebenfalls den Empfang besucht und mit der ich zusammen den Tag verbringe. Wie sich herausstellte, war sie von der Arbeit schon mal in Zagreb gewesen und zeigte mir so einige Sehenswürdigkeiten, die mir zuvor nicht bekannt waren. Ich hatte mich sozusagen auf ein Blind Date mit Zagreb eingelassen – keinen Reiseführer oder TripAdvisor dazu gelesen, einfach vor Ort geschaut, was es so gibt. So bin ich an einem Tag mir nichts, dir nichts über den berühmten Hauptplatz der Stadt mit Reiter-Statue gelaufen, ohne es zu bemerken. Sie zeigte mir die berühmte Kathedrale von Zagreb, ich fühlte mich da direkt an den Kölner Dom aus meiner Heimatstadt erinnert. In der Tat sind die Kirchen laut Wikipedia beide dem Baustil der Gotik zuzurechnen.

Nach einem Kaffee und Croissant zur Stärkung zogen wir weiter in die Museen der Stadt – zuerst in das Museum für Naive Kunst. Ich verweise dafür auf deren eigene Website zur Beschreibung: http://www.hmnu.hr/ – die Bilder erklären das besser, als ich es als Kunst-Laie beschreiben könnte.

Darauf gingen wir dann in ein ungewöhnlicheres Kunst-Museum: das Museum der zerbrochenen Beziehungen. Mit Beziehungen sind hier romantische Liebes-Beziehungen gemeint.

Es handelt sich dabei um ein Theme-Museum, in dem der Name Programm ist: es wird je gescheiterter Beziehung ein für die Beziehung symbolischer Gegenstand gezeigt, und dazu gibt es eine Geschichte der gescheiterten Liebe von einem der beiden Betroffenen, Frauen*-Männer*-Verhältnis war meines Gefühls nach recht ausgeglichen. Diese missglückten Romanzen scheinen ein globales Phänomen zu sein, denn haben die Museumsgründerin und Museumsgründer  – es lässt sich unschwer erraten: ein ehemaliges Paar – Einsendungen aus allen Ecken der Welt zusammengesammelt.

Ich fand es doch recht erheiternd, was Leute im Namen der Liebe alles tatsächlich getan haben oder ihnen getan wurde. Zugegebenermaßen bin ich jedoch auch in einer komfortablen Lage in diesem Museum. Als Single lässt sich leicht auf solche Ereignisse gucken. Für Romantiker*innen, die fest an die ewige Liebe glauben, kann das durchaus ein Schock sein. Finde das jedoch sinnvoll, dieses Thema Liebe nicht bloß von der romantischen Seite, vom „bis dass der Tod uns scheidet“, sondern realistischer zu betrachten. Manchmal, aber nur manchmal, ist eben die Scheidung die klügere Entscheidung als die Heirat.

Kann das Museum aus vollstem Herzen für jede*n Besucher*in empfehlen – und wer selbst den Abgang der letzten Flamme noch nicht emotional verarbeitet hat, dem steht es frei, selbst Teil des Museums zu werden: https://brokenships.com/

Nach so viel Input dann uns erstmal mit einem leckeren Burger versorgt und was ausgeruht. Eben für den Empfang schickgemacht, dann durch den Regen in Zagreb auf zum Französischen Pavillon im Studenten-Zentrum (Studentski centar) gemacht.

Das ist ein Festsaal der Universität, der für diesen Anlass zur Verfügung gestellt wurde. Die Wahl erfolgte nicht zufällig. So steht der französische Pavillon für die europäische Einigung, die viel mit der deutschen Wiedervereinigung zu tun hat. Die Versöhnung mit dem Nachbarn Frankreich ist da ein Teil von. Zum anderen ist der Ort, an dem früher die Zagreber Messe war, auch ein Mahnmal. 1941 wurden hier Juden für die Fahrt ins Konzentrationslager „gesammelt“.

Der Empfang selbst war sehr schick, viele fein angezogen, es gab kostenlose Getränke und Snacks, die einem vom Kellner gebracht wurden. Recht bald trafen wir auf die zwei anderen Freiwilligen in Kroatien, sodass wir zu viert vollzählig als kulturweit-Freiwillige in Kroatien auf dem Empfang vertreten waren. Ich kam mit einigen Menschen auf dem Empfang in Kontakt und ins Gespräch.

Wie aus dem Nichts wurden dann die Europa-Hymne sowie die Hymnen von Kroatien und Deutschland gespielt. Direkt darauf hielt der Botschafter Thomas E. Schultze eine Rede. Ich habe die Rede leider nur kaum gehört, da die Akustik in den Raum nicht allzu gut war, und die Rede nicht bis in die hinteren Reihen, wo wir standen, durchkam.

Doch wie ich gelesen habe, ging es um Europa, dass die deutsche Wiedervereinigung viel mit der Versöhnung in Europa zu tun hat, um die Werte und Errungenschaften der Europäischen Union. Er sagt, dass europäische Solidarität statt nationaler Alleingänge in der Vergangenheit Probleme gelöst hat, und auch in Zukunft dies nur so möglich ist. Ebenfalls brauchen wir keine Angst vor Migration zu haben, denn hat sich Europa über Jahrhunderte durch Migration entwickelt. Dazu zitiert er „Alle Europäer sind Migranten.“ Als Beispiel für gelungene Migration hat er ein kroatisches Catering von Migranten für den Abend eingeladen.

Die komplette Rede ist unter dieser URL nachlesbar: http://www.zagreb.diplo.de/Vertretung/zagreb/de/02/Botschafter__und__Abteilungen/rede-tde-2017.html

Schade, dass ich die Rede nicht live gehört habe! Recht bald nach der Rede und einigen weiteren Gesprächen ging es dann auch für mich zurück ins Hostel, müde von diesem langen Tag. Fand den Tag schön und dieser Empfang war etwas Besonderes, was ich nicht alle Tage erlebe. War sehr froh, dabei gewesen zu sein.

Am letzten Tag, dem 4. Oktober, nahm ich noch an einer sogenannten Free Spirit Walking Tour teil. Eine Gruppe von ca. 50 individuell Reisenden traf sich vor der Pferde-Statue des Hauptplatzes von Zagreb. Eine in Zagreb aufgewachsene und dort lebende Frau  leitete die Führung und erläuterte die verschiedenen Stationen der Tour.

Das war recht eindrucksvoll und interessant, ebenfalls erfuhr ich Details, die ich vorher über die Stadt nicht wusste. Auch bin ich lokalen Phänomenen begegnet, die ich selbst wohl kaum entdeckt hätte. Nach der Tour recht k.o., ist doch irgendwie anstrengend, an so viele Orte zu gehen und diese vielen Informationen aufzunehmen.

Da bis zur Abfahrt noch was Zeit ist und die Sonne bei wunderschönem Wetter scheint, lege ich mich noch in den Josip-Juraj-Strossmayer-Park, mitten am Puls der Stadt. Zagreb hat sich für mich vom Lebensgefühl wie meine Heimat- und Millionenstadt Köln angefühlt. Das empfand ich als schöne Abwechslung zu Pula, mit 60.000 Einwohnern größte Stadt der Region. So gerne ich an diesem schönen Ort bin, so gerne bin ich auch in der mir vertrauten Großstadt-Atmosphäre.

Recht bald kehrte ich dann wieder in Pula ein, zurück von ein paar schönen Tagen in Zagreb.

Zufälle

Schon immer mal wollte ich einen Blog schreiben und einige Geschichten aus meinem Leben protokollieren, sowohl für mich, mein Ego und für interessierte Verwandte und Freunde. Ein paarmal hatte ich auch vor, das jetzt also wirklich zu machen, bin auf die Registrieren-Buttons von WordPress u.Ä. gegangen, und immer wieder an einer Hürde gescheitert: der Namensfindung. Schließlich muss ich ja überall dem Blog einen Namen geben, dabei will ich doch einfach nur was schreiben. So habe ich dann im Endeffekt nie einen Blog geschrieben.

Einige Tage vor dem Vorbereitungs-Seminar kam mir dann wieder, auf Inspiration dieses kulturweit-Blogs, der Gedanke, nun doch endlich einen Blog zu schreiben. Schließlich ist das ja auch eine Möglichkeit mich auszuprobieren. Dachte mir dann „komm, irgendein Name halt“ und entschied mich für ‚Schritt für Schritt‘, da dieser Freiwilligendienst aus so vielen einzelnen Schritten besteht, am Anfang teils Monate auseinander. Ebenfalls lässt sich aus der Schritt-Metapher eine Menge machen. Übrigens:

Eine gut gebundene Krawatte ist der erste wichtige Schritt im Leben. — Oscar Wilde

Ich nahm also den ersten Schritt, erstellte den Blog, einen ersten Artikel, machte meine ersten Geh-Versuche auf dem Vorbereitungs-Seminar am Werbellinsee, nahm dann den Schritt in den blauen Ozean des Freiwilligendienstes, an die Schule für Tourismus, Gastgewerbe und Handel, nach Pula, nach Kroatien. Viele weitere Schritte habe ich seitdem genommen, einige hier im Blog beschrieben, einige möchte ich noch beschreiben.

In diesem Beitrag möchte ich von einigen zusammenhängenden, nicht geplanten, spontanen Schritt(en) erzählen. Es war an einem gewöhnlichen Arbeitstag an der Schule — frag mich nicht, an welchem. Ich war in dem Fachraum für den Deutsch-Unterricht (dem sogenannten Treffpunkt Deutschland), mit ich weiß nicht mehr was beschäftigt. In dem Raum gibt es eine Auswahl an deutschsprachigen Büchern, die zur Ausleihe zur Verfügung stehen. Die sind auf allen Sprachniveaus, zum Teil Bilderbücher, zum Teil auch Goethe, berühmter deutscher Autor und Namensgeber des Goethe-Instituts, dessen Partner die Schule ist.

Gibt es bei dir auch eine Auswahl an spannenden, interessanten Büchern?

An jenem Tag ging ich (bewusst oder unbewusst) an dem Bücher-Regal vorbei und guckte auf die Buch-Titel. Und siehe, just da sprang mir ein Titel zu meinen Augen: Schritt für Schritt. Das ist doch mehr als ein Zufall!

Natürlich nahm ich dieses Buch genauer unter die Lupe. Schon jemand vor mir hatte die Idee, ein Werk Schritt für Schritt zu nennen. Und zwar ein ungarischer Autor namens Imre Kertész, manchen bekannt als Literatur-Nobelpreisträger 2002. Es handelte sich dabei um ein Drehbuch zu seinem Roman eines Schicksalslosen, welches die Stadt Wien im Rahmen der Reihe Eine Stadt. Ein Buch. herausgab.

Ich entschied mich dann, mir dieses Buch also einmal durchzulesen, im Interesse was andere mit diesem Titel verbinden. Nun ja, das Buch hat deutlich andere Assoziationen mit diesem Titel, als ich sie habe — er beschreibt den Weg eines jüdischen Ungarns durch die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald. Ich empfand es als ein sehr wertvolles Buch, das ich jedem/r empfehle. Natürlich kein schöner Inhalt, das ist hoffentlich klar. Will die Handlung jetzt nicht spoilern, daher gebe ich einmal eine Rezension vom Buchrücken wieder, was eine*n hier erwartet:

Imre Kertész, der Auschwitz und Buchenwald überlebte und im Überleben die ‚unüberwindliche Schande der Selbsterhaltung‘ fand, hat eindringlich die Zäsur markiert, die Auschwitz für die Menschheitsgeschichte bedeutet. ‚Die moderne Mythologie beginnt mit einem gigantischen Negativum: Gott hat die Welt erschaffen, der Mensch hat Auschwitz erschaffen.‘ — Karl-Markus Gauß in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Das ist ein zufälliges (oder etwa nicht?) Geschehnis, Erlebnis, das ich während der Zeit im Freiwilligendienst hatte. Es hätte wohl auch in Deutschland geschehen können, ist es aber nicht. Das ist einer von zahllosen Eindrücken, die ich mitnehme, noch viele weitere werden folgen.

Welche derartig unerwarteten, zufälligen Erlebnisse hast du während deines Freiwilligendienstes gehabt?

Internationaler Tag der Krawatte in Pula, Kroatien

Viele haben schon von der Krawatte gehört, oder gar selbst eine getragen. Doch die wenigsten wissen, dass die Krawatte ursprünglich aus Kroatien stammt. Die Ähnlichkeit des Wortes Krawatte mit dem kroatischen Wort Hrvati (kroat. für Kroaten) ist kein Zufall. Vor meiner Recherche war mir dies auch nicht bekannt.

So ist die Krawatte hier ein berühmtes Souvenir für Touristen, und das spektakuläre Motiv einer überdimensionalen Krawatte um das römische Amphitheater in Pula (Bild und Info hier) regelmäßiges Postkarten-Motiv. Dieses Bild ist keine Foto-Montage!

Ebenfalls findet in Kroatien jedes Jahr am 18. Oktober der Internationale Tag der Krawatte statt. Ich wurde gebeten, an dem Tag eine Krawatte zu tragen, zum Glück hatte ich eine nach Pula mitgenommen, sodass ich dies auch tun konnte.

Gleich darauf fand ein besonderer Anlass statt, die Schule begab sich in einen nahegelegenen Park. Hier befindet sich eine Statue eines berühmten historischen kroatischen Politikers (Matko Laginja), Presse und Fernsehen waren dabei, und schließlich kam jemand von der Krawatten-Akademie sowie der Bürgermeister der Stadt Pula. In einem feierlichen Akt legte letzterer der Statue eine Krawatte um. Unsere Bibliothekarin und der Herr von der Krawatten-Akademie hielten noch eine Rede, die ich leider nicht verstand. Zum Abschluss kam noch das Fernsehen in die Schule und hat einige Interviews mit Schülern geführt, die ich aus dem Deutsch-Unterricht kannte.

Ein Artikel aus der Lokalzeitung zeigt hierzu einige schöne Bilder (neben einem informativen Text auf kroatisch). Ich empfand es als ein sehr schönes und interessantes Erlebnis, danke, dass ich dabei sein durfte!

Zu welchen Anlässen trägst du gerne Krawatte? Was gefällt dir besonders daran, eine Krawatte zu tragen?

Besuch des Pädagogik-Leistungskurses des Arnoldinums im Treffpunkt Deutschland

Zum europäischen Tag der Sprachen, am 26. September 2017, hatte der Treffpunkt Deutschland an der Partner-Schule des Goethe-Instituts Kroatien, der Schule für Gastgewerbe, Tourismus und Handel aus Pula, eine Klasse aus Deutschland zu Besuch.

Der Pädagogik-Leistungskurs der Abitur-Klasse des Arnoldinums, begleitet von zwei Lehrer*innen, entschied sich für eine Abschluss-Fahrt auf einem Camping-Platz in Medulin an der Küste von Istrien in Kroatien. Von dort aus fuhren sie täglich an unterschiedlichste Orte der Region.

In Deutschland gehen die Gäste auf das seit 1588 existierende Arnoldinum. Das ist ein Gymnasium in Steinfurt nahe von Münster. Die Schule hat eine reiche Geschichte mit berühmten Alumni und Lehrern. Heute ist die Schule eine vom Land Nordrhein-Westfalen zertifizierte Europaschule.

Was ist eine Europaschule? Folgende Beschreibung steht in den Kriterien:

Europaschulen vermitteln ihren Schülerinnen und Schülern ein umfassen­des Wissen über Europa und befähigen sie unter anderem durch Steige­rung ihrer sprachlichen und interkulturellen Kompetenzen zum Handeln als mündige Bürgerinnen und Bürger Europas.

Am 26. September 2017, zum europäischen Tag der Sprachen, besuchten sie die Ausstellung „Erfinderland Deutschland“ im Treffpunkt Deutschland. Der Treffpunkt Deutschland ist ein vom Goethe-Institut Kroatien unterstützter Fachraum für den Deutsch-Unterricht an der Schule für Tourismus, Gastgewerbe und Handel in Pula, Kroatien.

Zu Beginn wurden die Gäste mit einem amüsanten Sketch über den Schul-Alltag von den Lehrerinnen Marina Bojanić und Vesna Pavletić, der Schulleiterin Orhideja Petković und dem kulturweit-Freiwilligen Janko Hoener empfangen. Die Gäste brachten als Geschenk eine illustrierte Karte von Deutschland und ein Buch zu ihrer Region, dem Münsterland, mit.

Schließlich ging es weiter in die Ausstellung über die Erfindungen deutscher Wissenschaftler. Die Schüler und Lehrer lernten hier die Errungenschaften des Wissenschaftsstandortes Deutschland kennen.

Als Muttersprachler waren die zu lösenden Aufgaben für sie einfach, da sie keine Verständnis-Schwierigkeiten hatten. Doch war das Erlernen der deutschen Sprache heute nicht das Ziel – stattdessen lernten die Schüler an sich selbst, wie sie interaktiv über eine Ausstellung Wissen vermitteln können.

Nach der erfolgreich gelösten Ausstellung ging es über in einen Austausch mit kroatischen Schülern des Deutsch-Unterrichts. Die Schüler tauschten sich über die Unterschiede zwischen Deutschland und Kroatien, über ihren Alltag und die Schulen aus. Ebenfalls unterhielten sich die Lehrer über die Herausforderungen in ihrem täglichen Schul-Leben. Der kulturweit-Freiwillige Janko Hoener hat den Abiturienten aus Deutschland den Freiwilligendienst „kulturweit“ nahegebracht. Schüler und Lehrer brachten ein Stück Deutschland in den Treffpunkt und nahmen einen Eindruck von Kroatien mit. Ein lebendiger Austausch fand statt.

Ich selbst war Teil dieser Begegnung. Zum ersten Mal seit meinem eigenen Abitur vor 5 Jahren bin ich einmal wieder mit aktuellen Abiturienten in Kontakt gekommen. Einer meinte „Boah, 5 Jahre Studium, das ist echt lange“ – wahre Worte. Die Diskussionen über den Schulalltag waren für mich so eine Erinnerung an lange vergangene Zeiten. So was wie die Klausuren, die Abschlussprüfung, die Länge des Schultags, Freistunden, Freizeit, Hausaufgaben, Leistungskurse, Schwerpunkte sind mir zwar schon noch ein Begriff, doch völlig aus meinem Bewusstsein raus, müsste in meinen Erinnerungen graben, so viel ist seitdem passiert.

Fand’s schön, Teil davon zu sein, in Kontakt zu kommen mit Menschen, die ich in meinem Studium nie getroffen habe, diese Zeit und die Abschluss-Fahrt aus einer anderen Perspektive erneut zu erleben, und mittendrin vom Freiwilligendienst zu berichten. Die mitgebrachte Karte hängt nun als Erinnerung an diese Begegnung im Treffpunkt Deutschland. Sie führt die größeren Städte und diverse Attraktionen Deutschlands auf und mir fällt auf, von wie vielen dieser Attraktionen, seien es die Dülmener Wildpferde, die Völklinger Hütte, der Rote Turm, die Ruhmeshalle Walhalla, das Nordertor ich noch nie gehört habe, geschweige denn sie selbst gesehen habe.

(Als Gladiator) in die Arena einlaufen

Pula in Kroatien ist eine 3000-jährige Römerstadt. Das berühmte Wahrzeichen der Stadt ist die Arena, ein noch erhaltenes Amphit-Theater.

(Wem Amphit-Theater nichts sagt: das Kolosseum in Rom ist ein Amphit-Theater wie dieses. Zu Römerzeiten fanden dort Gladiatoren-Kämpfe, teils untereinander, teils gegen wilde Tiere, sowie Hinrichtungen statt.)

Es steht heute täglich für Besucher zur Besichtigung offen. Ebenfalls finden bis heute noch hier Kultur-Veranstaltungen statt. Jedes Jahr kämpfen die besten Filme des Jahres um die Gunst der Zuschauer und Kritiker beim Pula Film Festival. Klassische Musiker  und Rock-Stars nutzen die besondere Akustik und Atmosphäre. Selbst Eishockey-Spieler haben sich hier drin schon gemessen.

Einer solchen Veranstaltung habe ich aktiv beigewohnt. Ich bin in den Kampf gegen meinem inneren Schweinehund getreten – beim 10-km-Nachtlauf durch Pula, inkl. Zieleinlauf in der Arena. Der Lauf Pulska Xica startete am Sa., 23. September 2017, 20 Uhr vor der Arena.

Mehr zufällig bin ich auf die Informationen zu diesem Lauf gestoßen, ich hatte mich über Wandern in Istrien (Anm.: die Region Kroatiens, in der Pula liegt) informiert, und auf derselben Website wurde auch der Lauf genannt. Als erfahrener Hobby-Läufer fand ich die Aussicht auf einen weiteren Lauf inkl. spektakulärer Zielgerade interessant.

Melde mich also sogleich dafür an, Bezahlung von ca. 15 € erfolgt ganz einfach per SEPA-Überweisung, da Kroatien in der EU ist, ist nach ein paar Tagen bereits bestätigt. In der Woche zuvor trainiere ich, am Tag zuvor hole ich die Startnummer, Chip und T-Shirt ab.

Am frühen Abend des Samstags begebe ich mich also zur Arena. Sie ist mir nicht unbekannt, ich sehe sie täglich, da meine Schule 150 m von ihr entfernt liegt. Davor befinden sich bereits eingekleidete Läufer, es wird Musik gespielt. Wie ich herausfinde, ist der Lauf Teil eines größeren Festivals, in welchem DJs auflegen und Licht-Shows stattfinden. Mehr zufällig treffe ich hierbei eine Englisch-Lehrerin meiner Schule an, deren Tochter und Schwiegersohn an dem Lauf teilnehmen. Zusammen laufen wir uns für dieses Ereignis ein, und wir sind auch nicht allein, ca. 500 Leute nehmen an dem Lauf teil.

Recht bald geht es los, wir laufen an der Arena entlang, ein wenig hinaus aus der Stadt zu einem berühmten beleuchteten Kreisverkehr, zurück in die Stadt, vorbei am Busbahnhof, dann parallel zum Meer und den Eisenbahn-Schienen gelaufen, wieder zurück, an der Uferstraße am Hafen entlang, in die Altstadt eingebogen bis zum Hauptplatz der Stadt, hindurch durch berühmte unterirdische Tunnel auf die Zielgerade zur Arena, eingebogen in einen Seiten-Eingang der Arena, innendrin vor den Zuschauern dann die letzten 100 Meter Ziel-Sprint. Zwei Verpflegungs-Stationen mit Wasser auf dem Weg, Zuschauer mehr vereinzelt, meist ist es unglaublich ruhig auf der Strecke.

Im Ziel angekommen gibt’s sofort die Medaille, und auch gleich Verpflegung für die Läufer. Ich hätte da nun super optimierte, gesunde Bio-Power-Superfoods erwartet. Stattdessen finde ich dort kartonweise zugeschnittene Pizzen einer örtlichen Pizzeria vor. Das ist ein (positives) Novum für mich auf Läufen. Ich bediene mich reichlich an diesem Büffet, die verbrannten Kalorien müssen ja wieder rein 😛 irgendwo liegen auch Äpfel herum, die jedoch weniger konsumiert werden.

Treffe dann alsbald auf die Englisch-Lehrerin und die Mitläufer*innen, genieße noch diese Atmosphäre und einige Augenblicke hier. Im Anschluss an den Lauf werden die verschiedensten Sieger*innen des Rennens und der einzelnen Alters-Kategorien geehrt. Anschließend wurde ein DJ  mit einem fetten Set auf die noch fitten Party-Löw*innen losgelassen. Da soll es ziemlich abgegangen sein, mir selbst fielen nach dem Lauf jedoch schon die Augen zu, machte mich zuvor auf den Heimweg in den wohlverdienten Schlaf.

Insgesamt ein schönes Erlebnis. Vor allem habe ich so als Neuling gleich viele mir zuvor unbekannte Teile der Stadt kennengelernt. Ich habe die schöne Beleuchtung dieses Kreisverkehrs entdeckt, der sonst tagsüber völlig unspektakulär, ein Kreisverkehr eben. Ebenfalls bin ich als Läufer auf die unterirdischen Tunnel-Systeme der Stadt, genannt Zerostrasse, gestoßen und durfte da durchlaufen. Von außen sieht das ganz unspektakulär aus, es befindet sich eine Tür auf einer Straßenseite und darüber ein Schild mit dem Schriftzug Zerostrasse. Dies befindet sich auf meinem täglichen Schulweg, und ich hatte mich schon gewundert, was es mit diesem Namen auf sich hat. Wie sich herausstellt, ist die Zerostrasse ein unterirdisches Tunnel-System aus dem Ersten Weltkrieg, das damals für einen Fall des Luftangriffs gegen Pula gebaut wurde. Pula war damals nicht nur Teil von Österreich-Ungarn, deren Hauptkriegshafen befand sich in Pula.

Das hat mich auch inspiriert, diese mir zuerst unscheinbar wirkende Stadt genauer anzuschauen. Ebenfalls laufe ich nicht jeden Tag in so eine Arena ein. Daher bin ich für dieses Erlebnis dankbar.

Quint Buchholz zu Besuch im Treffpunkt Deutschland

Am 14. September 2017, meinem zweiten Arbeitstag, kam der Autor und Illustrator Quint Buchholz in Begleitung seiner Ehefrau zu Besuch nach Pula (Kroatien) und dabei speziell in den Treffpunkt Deutschland, den Fachraum des Deutsch-Unterrichts der Schule für Tourismus, Gastgewerbe und Handel.

In einer Gruppe von sechs Schülern und mir holten wir die beiden von ihrem Besuch des berühmten römischen Amphit-Theaters in Pula ab, einer noch erhaltenen ehemaligen Gladiatoren-Arena und dem Wahrzeichen der Stadt.

Von dort aus zogen wir auf eine kleine Stadtführung zum Forums-Platz mit Augustus-Tempel. Dabei fand ein erster Austausch statt zwischen Quint Buchholz, seiner Frau, den Schülern und mir statt. Weiter ging es dann in den sogenannten Treffpunkt Deutschland – einen vom Goethe-Institut finanzierten Fachraum für den Deutsch-Unterricht an der Schule.

Dort gingen wir zum Interview über. Von den ca. 20 anwesenden Schülern stellten abwechselnd welche Fragen an Herrn Buchholz. Hier eine Auswahl der gestellten Fragen:

  • Wie gefällt Ihnen Istrien [die Region, in der Pula liegt]?
  • Sie sind gerade in Pazin [kroatische Stadt 50 km nördlich von Pula] zu Gast im Haus der Dichter. Was machen Sie dort konkret?
  • Reisen Sie gerne?
  • Haben Sie eine eigene Familie?
  • Wo bekommen Sie die Inspiration für Ihre Werke [her]?
  • Wie viele Bücher haben Sie schon illustriert? Welches war Ihr erfolgreichstes?
  • Was muss ein guter Bilderbuch-Illustrator können? Was ist das Schwierigste?
  • Haben Sie ein Lieblingsbuch?
  • Wie haben Sie sich als Schüler gefühlt?
  • Was würden Sie uns auf den Weg geben, was ist das Wichtigste im Leben?

Herr Buchholz hat die Fragen sehr detailliert und ausführlich beantwortet, und sie gelegentlich mit einer persönlichen Geschichte illustriert.

Was ist bei mir hängen geblieben von diesem Treffen?

Quint Buchholz malt sehr langsam, nimmt sich Zeit für seine Werke. Das Zeichnen eines Bildes kann dann schon mal etwas länger dauern. Zu seiner Studienzeit war er dadurch Außenseiter, weil damals grobes, schnelles Malen in der Kunst-Szene angesagt war. Erst mit der Zeit haben andere, u.a. auch Professoren, in ihm sein Talent im Malen erkannt.

Seine Philosophie ist es, Bilder zu malen, die über das Geschriebene hinaus gehen, und zugleich zum Text passen. Er findet es langweilig, wenn Bilder dasselbe sagen wie der Text. Sein vorrangiges Ziel ist es, Bilder zu malen oder Bücher zu schreiben, die Kindern gefallen. Zugleich muss er jedoch auch dafür sorgen, dass die Illustrationen Erwachsene ansprechen. Denn nur Erwachsene kaufen letztendlich Kinder-Bücher.

Quint Buchholz kommt aus einer familiären Umgebung, in der Malen als Kind an der Tagesordnung war. So kam er mit seinem späterem Metier schon früh in Kontakt und ebenfalls wurde er von älteren Brüdern in seinem Talent fürs Malen bekräftigt, selbst in einem Moment, als er (ausgerechnet) im Kunstunterricht seine schlechteste Note erhielt.

Mittlerweile hat er eine eigene Familie mit Frau, Kindern und Enkelkindern und lebt in einem kleinen Haus nahe von München. Er verreist schon gerne, bleibt aber auch gerne mal zu Hause.

Ich empfand es als enorm inspirierend, Quint Buchholz zu treffen und seiner Denkweise und Vorgehensweise  zuzuhören. Er ist ebenfalls ein sehr guter Erzähler und mir sehr sympathisch. Ich bedanke mich für dieses Treffen und wünsche seiner Familie und ihm alles Gute und weiterhin viel Inspiration für seine Werke.

Zum Abschluss verweise ich auf seine Website sowie seinen Wikipedia-Eintrag.

Erster Arbeitstag

Bin gut angekommen, heute erster Arbeitstag, viel los, mich vorgestellt, erste Gespräche. Schüler stellen mir Fragen, auch durchaus direkte („Wann haben Sie Geburtstag?“, „Was sind Ihre Hobbys?“, „Warum sind Sie hier?“, „Was ist Ihre Lieblingsfarbe?“, „Mögen Sie …?“, „Deutschland oder Kroatien?“, …), übe mit Schülern Gespräche zum Deutsch-Lernen und als Vorbereitung auf Prüfungen des Goethe-Instituts. Es geht ratz-fatz, meist bloß 5 Minuten Pause zwischen den Stunden, einmal 20 Minuten, und schon geht es in den nächsten Klassenraum und die nächste Situation. Bin noch nicht gewohnt, aus meinem monotonen Arbeitsalltag in so rasch wechselnde Szenarien überzugehen.

Danach empfahlen meine Ansprechpartner einen Strand-Besuch, den ich gleich gemacht habe (Werbe-Bilder des Ortes). Ordne mich noch, viel Input, neue Umgebung. Noch ist hier Tourismus, wie meine Ansprechpartner sagen, bald soll es weniger werden. Zähle am ersten Tag bestimmt 20 deutsche Auto-Kennzeichen. „Mallorca/Ballermann“ ist eine Assoziation, die bei mir aufkommt (abzüglich der Exzesse, die es glaube ich hier weniger gibt). Auch im Supermarkt bemerke ich viele deutsche Labels, auch bei Bio-Produkten insbesondere (sind da Stereotypen am Werk?) Das fällt mir unerwartet auf.

Habe eine schöne, eigene Wohnung, die Platz für mehrere bietet, und darf hier auch Verwandte beherbergen. Fühle mich wohl hier, alles ganz neu, positiver Stress.

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