Anekdoten aus dem Land des Doppeladlers

Nun ist es nicht mehr lang (um genau zu sein drei Tage…) bis ich wieder zurück nach Deutschland fliege und mich nicht nur von meinen Kollegen, Schülern und Freunden verabschieden werde, sondern auch von meiner Wohnung und dem Leben in Tirana.

Es ist momentan wirklich schwer für mich, meine Empfindungen und Gedanken in Worte zu fassen. Aber eins kann ich sagen: Ich hätte nicht gedacht, dass ich so ein „Gefühlschaos“ durchleben werde, dass ich mich zwar wirklich sehr auf meine Familie und Freunde freuen würde, aber mich nur schwer von meinem jetzigen Leben in Albanien trennen könnte. Nun ja, genau in diesem Schlamassel stecke ich momentan.

Aber es ist noch nicht an der Zeit, meine Erlebnisse der letzten Monate Revue passieren zu lassen (dieser Eintrag wird dann wohl aus Deutschland kommen), sondern ein paar kleine Anekdoten aus Shqipëria – dem Land des Doppeladlers – zu erzählen.

Um ein Land besser zu verstehen, ist es natürlich auch eine der ersten Voraussetzungen, die Sprache wenigstens so ein bisschen zu kennen. Wie ihr vielleicht schon in einigen früheren Beiträgen von mir mitbekommen habt, gehe ich seit Oktober zweimal pro Woche zum albanischen Sprachkurs und kann ein wenig Smalltalk auf Albanisch betreiben.

Die Sprache ist wirklich nicht so einfach, viele Wörter machen für mich keinen Sinn, da sie ganz anders sind als zum Beispiel im Deutschen, Englischen oder Spanischen – das ist einfach eine komplett andere Sprachfamilie.

Aber damit ihr einen kleinen Eindruck von dieser Sprache bekommt, habe ich hier meine „fjalet shqip im të preferuar“, also meine zehn albanischen Lieblingswörter:

  1. papfingo – der Dachboden: als wir das Wort im Sprachkurs gelernt haben, musste einfach jeder drüber lachen
  2. lule – Blume: in der ersten Stunde des Sprachkurses gelernt
  3. nderkombëtar – international: man müsste ja denken, dass das Wort „international“ eigentlich international gleich ist… nun ja, im Albanischen leider nicht! 😀
  4. lulestrydhe – Erdbeere: ein echter Zungenbrecher, wenn man schnell auf dem Markt Erdbeeren kaufen möchte (vgl. „luleschtrüthe“, wobei das „th“ wie das englische „th“ ausgesprochen wird)
  5. qumësht – Milch: das gehört wohl zu einem von Alex‘ albanischen Lieblingswörtern (und zu meinen selbstverständlich auch!)
  6. gëzuar – Prost; alles Gute;…: tatsächlich mein allererstes albanisches Wort, welches ich in Deutschland schon gelernt habe; sehr vielseitig einsetzbar
  7. përshëndetje – Hallo: es hat einige sessions mit meinem albanischen Kollegen gebraucht, bis ich das mal richtig ausgesprochen habe
  8. bubullima – der Donner: hört sich einfach schön an!
  9. mirë – gut: wenn man gefragt wird, wie es einem geht, ist es immer „mirë“, wenn nicht sogar „shumë mirë“ (sehr gut!) oder „shumë shumë mirë!“
  10. goca – Mädchen (eigentlich heißt „Mädchen“ auf Albanisch „vajza“, jedoch gibt es je nach Dialekt noch andere Wörter): so werde ich ständig genannt in Tirana, egal ob ich einkaufe oder mich albanische Lehrer ansprechen; ist nicht böse gemeint (fand ich anfangs sehr komisch, weil sich das auf Deutsch nicht wirklich nett anhört, jemandem zusagen „Auf Wiedersehen, Mädchen“.)

Aber neben einigen sprachlichen Verständigungsschwierigkeiten, die sich in den letzten Monaten natürlich trotz super tollen Albanisch-Kenntnissen nicht verhindern ließen, gibt es noch weitere Dinge, die es einem Gast in dem Land anfangs nicht immer allzu leicht machen, erstes Stichwort: Mündliche Preisangaben

Wenn man z.B. auf dem Markt den Preis gesagt bekommt, muss man eigentlich mental im Kopf immer schon eine Null wegstreichen, da gefühlt die Mehrheit der Bevölkerung die Preise immer noch in „alten Lekë“ angeben. Seit der Währungsreform (die schon einige Jahre zurückliegt…) wurde zwar eine Null gestrichen, und der wirkliche Preis stimmt auch (z.B. 80 Lekë für ein Brot) und steht auch so auf der Quittung, jedoch sagt einem die Verkäuferin „800 Lekë“ – am Anfang war das sehr irritierend für mich! Das ist ein bisschen so, wie wenn man die Europreise in D-Mark umrechnet, nur, dass man das eben nicht mal „privat“ zum Vergleich macht. Stellt euch einfach vor, ihr würdet einkaufen und euch würde der Preis „10 D-Mark“ gesagt und ihr würdet dafür 5 Euro zahlen – da kann man doch schon ein bisschen durcheinander kommen! 😀

Albanische Leke_01 Albanische Leke_02

So sieht übrigens albanisches Geld (Lekë, ausgesprochen aber einfach „Lek“) aus – momentan liegt der Wechselkurs bei 1 € : 138,2 Lekë. Es ist also leider nicht mehr ein ganz so erhabenes Gefühl für mich, mit einem Tausender zu zahlen…

Wie erwartet, funktioniert der Verkehr in Albanien auch nicht ganz so wie in Deutschland… Deswegen hier nun ein Abschnitt, über den Verkehr in Tirana:

Nach dem ich nun länger hier lebe muss ich sagen, dass ich mich echt an den Verkehr gewöhnt habe und es gar nicht sooooo schlimm ist, wie man vielleicht nach meinen nachfolgenden Schilderungen denken mag (ein bisschen muss ich Albanien doch verteidigen! 🙂 ).

Den ersten Eindruck, den ich gleich auf der Fahrt vom Flughafen in die Stadt am Tag meiner Ankunft hatte, war: Hier fährt und läuft jeder, wie er/sie will – wer bremst oder anhält, verliert. Die Autos fahren auch bei Zebrastreifen oder wenn sie als Linksabbieger eigentlich bei einer grünen Fußgängerampel halten müssten. Dementsprechend laufen die Leute (jetzt sogar inklusive mir…) einfach, wenn es gerade eine große Lücke gibt, auch wenn man als Fußgänger rot hat – wenn es grün ist, kommt man ja auch nicht immer drüber! 😀

Solche Fahrzeuge sind keine Seltenheit in Tirana

Man muss aber sagen, dass die Autos (wirklich größtenteils) anhalten, wenn ihre Ampel rot ist – für Mopeds und Fahrrads scheint diese Regel jedoch nicht zu gelten, da diese eigentlich fast immer einfach über die rote Ampel fahren. Diese beiden Verkehrsteilnehmer halten sich übrigens an so manches nicht, z.B. treffe ich fast immer auf meinem täglichen Nachhauseweg in einer Einbahnstraße Fahrradfahrer oder Mopeds (oder ein bisschen modifizierten Räder/Mopeds), die entgegen der Fahrtrichtung fahren. Bisher habe ich es auch nur ein einziges Mal erlebt, dass ein Mann auf einem Moped von zwei Polizisten, die zufällig durch die Straße liefen, angehalten wurde. Nach ein bisschen reden durfte er aber unbeirrt weiterfahren…

Es ist außerdem recht schwer in Tirana, Parkplätze zu finden, weswegen es auch keine Seltenheit ist, dass man Autos in zweiter Reihe auf der Straße parkend sieht. Oft passiert es auch, dass die Autos „kurz“ für 5 Minuten in engen Straßen abgestellt werden, dann müssen die anderen Autos eben schnell mal warten, bis sie vorbei fahren können.

Aber wie ist das sonst so, außerhalb Tiranas? Wie ist, es unterwegs zu sein in Albanien?

Das, meine lieben Leute, ist ein Furgon

Da es nicht wirklich einen zentralen Busbahnhof oder ähnliches in Tirana gibt, von wo aus wirklich alle Busse abfahren, muss man ziemlich viel rum fragen, bis man den Abfahrtsort und wenn man Glück hat, sogar die Abfahrtszeit rausgefunden hat. Wie bereits erwähnt, gibt es seit Neuem so eine Art Parkplatz, von wo aus viele Busse und Furgone fahren, aber eben auch nicht alle. Meistens gilt für die Abfahrtszeit die Regel zur ganzen Stunde oder eben „wenn er voll ist“.

Unterwegs werden dann auch noch Leute mitgenommen oder rausgelassen, zum Teil an ganz abenteuerlichen Stellen und Orten, unter anderem auch mitten auf der „Autobahn“.

Allgemein fahren sehr viele Kleinbusse, die Furgone, in Albanien (ca. 14 Sitzplätze). Man bekommt keine Tickets für die Fahrt, man bezahlt entweder beim Aussteigen direkt beim Fahrer oder jemand läuft während der Fahrt durch und sammelt das Geld ein.

Einmal hatte ich ein erstaunliches Erlebnis als eigentlich alle Sitzplätze besetzt waren: Trotzdem wurden auf der Strecke zwei ältere Männer noch mitgenommen, die dann im Gang standen. Daraufhin wurden einfach zwei Klapphöckerchen aus irgendeiner Nische gezaubert und die Männer setzten sich damit in den Gang und schwatzten munter weiter. Wenn das in Deutschland die Polizei sehen würde, ohje…!

Aber nicht nur Furgone sind beliebte Verkehrsteilnehmer, sondern auch Pferde oder Esel habe ich nicht nur einmal am Straßenrand vorbeilaufen sehen.

Ein Esel als Transportmittel, gesehen in Berat

Ansonsten gibt es aber noch die Möglichkeit, mit Reiseagenturen (die gibt es in Tirana wie Sand am Meer!) zu verreisen, dort kann man nämlich auch ein Ticket schon im Vorfeld kaufen und einem wird so ungefähr gesagt, wann man wo sein soll. Das ist natürlich für jemanden, der die Sprache nicht so super toll spricht viel angenehmer, aber auch um einiges teurer!

Wenn man von Tirana aus reisen möchte, fällt leider auch die Option Bahn aus, da es seit ca. 2 oder 3 Jahren keinen Zugverkehr mehr hier gibt. Der Grund hierfür ist, dass die alte Regierung wohl den Umbau bzw. die Renovierung plante, die neue Regierung (damals die Opposition) jedoch nun kein Geld dafür hat. In Durrës jedoch fahren ab und zu ein paar Züge, ich habe tatsächlich mal einen gesehen! Diese fahren aber sehr langsam – es wird behauptet, die Züge seien so langsam, dass man während der Fahrt nebenher laufen und Blümchen pflücken könne…

So nun habe ich von Dingen wie Sprache und Verkehr gesprochen, aber eine ganz entscheidende Sache fehlt doch noch, um die Kultur eines Landes kennen zu lernen? Ganz genau, das Essen:

Wer damals den Blog meines Bruders Alex verfolgt hat (zur Auffrischung hier nochmal der Link: http://kulturweit-blog.de/yalishanda/), dem wird vielleicht auffallen, dass ich leider nicht ganz so viel kulinarische Highlights vorgestellt habe, wie er, obwohl der Drang zum Kennenlernen neuer Speisen eindeutig in der Familie liegt! 😀 Außerdem ist das Essen hier auch nicht gaaaaanz so exotisch und anders wie das chinesische, es gibt schon viele Dinge, die man in Deutschland eigentlich auch isst.

Aber natürlich gibt es auch einige Leckereien, die ich auf jeden Fall vermissen werde:

Byrek me gjizë, mish, qepë, domate ose spinaq:

Byrek

Byrek sind gefüllte Teigtaschen, die man für ca. 30 Lekë pro Stück an vielen Ecken kaufen kann und die einfach super lecker sind! Am liebsten esse ich byrek me gjizë, die Füllung besteht aus einer Art Käse-Joghurt-Mischung und schmeckt frisch aus dem Ofen einfach göttlich!

Sufflaqe

Sufflaqe

Vielleicht kennt das der ein oder andere von euch unter dem griechischen Namen “Pita”. So wie wir in Deutschland Döner essen (unter dieser Bezeichnung kann man hier in Albanien zwar auch etwas bestellen, das ist aber auf gar keinen Fall Döner…), so wird hier Sufflaqe gegessen.

Djathë kaçkavall

Extrem leckerer Hartkäse, der ziemlich würzig ist und der warm, aus der Pfanne, vom Grill oder (wenn man zu faul ist wie ich)  aus der Mikrowelle oberlecker ist!

Tre Leche

Typischer albanischer Kuchen, den ich tatsächlich schon in Deutschland kannte, weil meine Mädels Lena und Kata mir dieses Dessert zu meinem Abschied zubereitet haben! Tre Leche ist ein Kuchen, der gefühlt in Milch getränkt ist und meiner Meinung nach auch wirklich gut schmeckt!

Und natürlich den weltbesten Macchiato der Welt…

Macchiato „marr me vete“ – Macchiato to go! Steht leider viel zu oft auf meinem Arbeitsplatz in der Schule

…und die Kaffeeketten wie „Mon Cheri“ oder „Mulliri Vjeter“, die einfach soooo viel besser und günstiger sind, als Starbucks jemals sein könnte!

Mon Cheri_02 Mon Cheri_01

Das ist jetzt zwar ein bisschen „product placement“, aber Mon Cheri ist einfach nur zu empfehlen!

Ansonsten gibt es auch immer sehr leckeres Obst und Gemüse, gerade noch im September hat man wirklich geschmeckt, dass diese Nahrungsmittel frisch aus der Umgebung kommen! Generell wird auch fast überall Obst und Gemüse verkauft, auf meinem Weg in die Schule komme ich mindestens an fünf Verkaufsstellen vorbei.

Ein Bild aus dem September 2015 – komplett frisches und unglaublich leckeres Gemüse!

Pazar i ri_01 Pazar i ri_03

Unglaubliche Marktstände

 

In den letzten Tagen und Wochen habe ich auch noch Einiges erlebt, das würde jetzt aber einfach den Rahmen sprengen und zu lang werden, d.h. über die Erlebnisse der letzten Wochen wird auch bald ein Eintrag folgen!

Shihemi se shpejti nga Gjermania!

 

Sarah

Ein Gedanke zu „Anekdoten aus dem Land des Doppeladlers

  1. Pershendetje Sarah,

    nun bist du wieder in Deutschland und liegst bestimmt noch im Bett, schlafend oder nicht schlafend.Hunderte von Sachen werden dir die nächsten Wochen durch den Kopf gehen und du wirst lange brauchen, ehe du wieder angekommen bist.
    Hoffe, die Rückreise ist gut verlaufen; deine Mama wird morgen frei genommen haben, um dich einen Tag für sich zu haben.
    Deine Einträge werden mir fehlen, aber vielleicht hören wir trotzdem mal in größeren Abständen voneinander.
    Hier wird es bald Frühling und dann zeigt sich Deutschland auch wieder von der besseren Seite.
    Wünsche dir ein unkompliziertes Eingewöhnen!
    Liebe Grüße an dich und deine Eltern von Ingrid aus Wallichen.

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