31 – What time is it

What time is it? Meine goldigen Kinder nehmen Tag für Tag ab… jede Umarmung auf Bauchnabelhöhe muss ich genießen und mir überlegen, seh ich dich nochmal?“

Ich war mir nicht sicher, wie sich das bei der Belegschaft des Lehrerzimmers gestalten würde, ob die auch in den letzten Tagen aus tröpfeln würden, ich wollte mich richtig verabschieden. Deshalb habe ich mit meiner Mitbewohnerin schon für unseren allerletzten Montag einen Schokokuchen mit versunkenen Kirschen aus dem kleinen Beistell-Chickengrill in unserer Küche geholt. Ein paar Blümchen von dem Laden gegenüber meiner Schule hatte ich auch und von meiner Mama eine Postkarte mit Motiv meiner Heimatstadt, auf der ich mich mit meinen Georgisch-Brocken bedankt und verabschiedet habe. Sie haben alle tapfer meine Kochkünste gelobt und sogar gefragt ob es sich um eine Art traditionelle Donauwelle handelt. Das musste ich leider verneinen.

Am selben Tag fand unsere letzte Georgischstunde statt, es war furchtbar. Unsere liebste Georgischlehrerin ist in diesem Jahr wirklich zu unserer georgischen Mama geworden, das kann kein Abschiedsgeschenk der Welt aufwiegen.

Für Donnerstagabend hatte ich meine älteren Schüler, die 8., 9., 10. und 11. zur Filmnacht mit Fuck ju Göthe eingeladen. Wir hatten einige Kämpfe mit der Leinwandhalerung auszutragen und obwohl ich angekündigt hatte Cola, Chips und Kekse gingen auf mich, schwammen wir in einem Buffet aus Süßkram. Meine süße 8. hatte sogar einen Brief mit einem Foto von uns und einem kleinen Georgier, gefüllt mit Chacha (traditioneller Georgischer Alkohol), ich habe erklärt, dass sie in ihrem Alter keinen Alkohol kaufen sollten, aber ich war furchtbar gerührt.

Bei den kleinen Klassen blieb es ohne Chacha aber mit deutschen Kinder Schoko-Bons und georgischem Panda-Konfekt. Das habe ich in den letzten Stunden verteilt und eben erklärt, dass ich nächstes Jahr nicht mehr im Deutschunterricht dabei sein würde. Dann habe ich einen neuen Ausruf auf Georgisch gelernt: „ar zachvideeee!!“ – Nicht gehen! Ich hab ihnen allen einen Platz in meinem Koffer angeboten.

Dann habe ich noch Abschiedsgeschenke von den Lehrerinnen bekommen! Am besten finde ich den Pfefferstreuer in Khinkaliform, meine Kollegin meinte, der finde bestimmt einen Platz in der Küche meiner Studentenwohnung. Da bin ich mir todsicher und hoffentlich finden sich dort auch echte Khinkali, die er bestreuen kann, das ist nämlich wirklich mein Lieblingsessen geworden. Außerdem noch, ganz verrückt, wunderschöne kleine Ohrringe von der Deutschlehrerin, die die kleinen Klassen macht und mich wirklich viel hat mithelfen lassen, ohne viel hin und her, es war ohne Frage klar, ich darf bei ihr mitgehen und machen was sie macht, auch ganz viel alleine, aber ohne mich zu überfordern oder vollkommen ohne Infos auf irgendwas loszulassen.

Am letzten Tag, meinem allerletzten Freitag, musste ich unsere Wohnungs-Gitarre abgeben, es war ein sehr trauriger Abschied, sie hat uns durch gute und schlechte, tonsichere und weniger harmonische Zeiten begleitet.

Nach der letzten Stunde überraschten mich die Lehrerinnen mit einer Abschiedsparty im Lehrerinnenzimmer. Es gab Chatschapuri, Lobiani, eine Goodwill-Schokoladentorte, Rotwein und Martini!

Ich habe mich nochmal richtig gut mit unserer jungen Kunstlehrerin unterhalten und mit ganz vielen anderen, ich glaube wirklich, dass wir uns ganz gut angefreundet haben in diesem Jahr. Die eine der zwei Direktorinnen beehrte uns ebenfalls und ich habe von allen zusammen ein wunderschönes Armkettchen geschenkt bekommen.

Wir saßen im, ohnehin schon engen, schlauchartigen Zimmer um den langen Schreibtisch, die Musik- und Chorleiterin hat irgendwann Volkslieder angestimmt und meine Mentorin und liebste Georgischlehrerin sind richtig abgegangen auf ihren Stühlen.

 

Naja und dann muss ich mich bald verabschieden, weil mein Reiserucksack noch gepackt werden muss. Also nehme ich meine Kaffeetasse aus dem Schrank, leere mein Regal, ziehe das Namensschild ab, auf das ich ganz am Anfang meinen Namen in Georgischen Buchstaben geschrieben habe, noch mit dem falschen K. Platz für meine Nachfolgerin im nächsten Jahr. Und steige das letzte Mal für den Nachhauseweg von der Arbeit in die gelbe 4 und fahre über die Chavchavadze Street, am Vake Park vorbei und die Verbindungsstraße, Richtung Saburtalo.

Was soll ich sagen, für Ani-Zetis Schüler*innen und kulturweit-Freiwillige: Summertime!

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