24 – vergessener Eintrag von April x)

‚Nein, der „Fack ju Göthe“-Film ist momentan nicht im Bestand des Goethe-Instituts Tbilissi, auf unbestimmte Zeit ans Institut in Baku, Aserbaidschan ausgeliehen.‘

8:15, ich putzte fluchend im dunklen Bad die Zähne. 12:05 ich in der Schule, die Vermieterin betätigt mit Zauberhand den Lichtschalter in der Wohnung: ‚Also ich bin gerade bei Euch, das Licht funktioniert einwandfrei!‘. 17:25 ich räume fluchend im dunklen Bad die Waschmaschine ein…

Ein Schatz von einem Geheimtipp, den wir an einem Samstag Mitte April gefunden haben, ist das Movement Theatre im Stadtteil New Tbilisi, einst eine Deutsche Siedlung. http://movementtheatre.ge/ Sehr cool eingerichtet:

 

Es gab eine Vorführung von ‚Der kleine Prinz‘, ganz ohne Sprache, dafür aber mit wunderschönen Kostümen, Rollschuh-fahrenden Schlangen, mehrere Ebenen und viel Akrobatik in der Luft, an Schaukeln, Reifen und Spiralen, oder auch: einfach eine Sicherung um den Bauch und dann rückwärts fallen lassen, oder als Schlange eine Wand hinunter schlängeln! Sehr verrückt, glitzernd, ein bisschen so als wäre, ohne Rücksicht auf die Schwerkraft, alles möglich, was man als Kind gerne machen würde. Plus französische Ohrwurmfilmmusik im Hintergrund.
Eine andere coole Neuigkeit war, dass es auch im nächsten Jahr für meine Ani-Zet Schule wieder eine kulturweit-Freiwillige geben wird.
Dann bekam ich eine SMS von der Reiseführerin, die meine Eltern begleitet hatte, ob meine Deutschen Freunde und ich nicht Lust auf einen Ausflug hätten. Sie habe mit ihren Auszubildenden Reiseleiter*innen einen Übungsausflug geplant und noch Platz im Bus. So kamen wir ganz unerwartet zu einer erstklassigen geführten Rundfahrt, vorbei am Tsalka Wasserreservoir und Georgiens größtem See Paravani.

Bis zum Höhlenkloster Vardzia:

Und der Stadt Akhalzikhe, was ‚Neue Festung‘ bedeutet. Ein bisschen wie Elben und Herr der Ringe… schlechte Fotoqualität und zu viel Filter…

Akhalkalaki was ‚Neustadt‘ heißt. Durch die Nähe zur Armenischen Grenze, sieht man* viele Schilder und Beschriftungen auf Armenisch, laut Reiseführerin wird in manchen Gemeinden kaum Georgisch gesprochen.

Am 18. Mai wird meine offizielle Hauptbeschäftigung zu einem Ende kommen. Es steht die Bewährungsprobe für meine ersten eigenen Kurse an, das Wett-Vorlesen der 4. und 5. Klässer. Wir haben uns einmal die Woche getroffen, ich habe versucht witzige, deutsche Kinderbücher für Erstleser zu finden (Es ist gar nicht mal so einfach etwas zu finden, was der gemeine fremdsprachige 4./5. Klässer versteht … und nicht als Babykram abtut). Jede Klasse hat am Vortrag einer eigenen Geschichte gefeilt und tapfer geübt, wie man* sich, auch von größeren Mengen, unbekannten fremdsprachigen Wörtern nicht unterkriegen lässt. Vor zwei Wochen haben wir unseren eigenen kleinen Wettbewerb ausgetragen, um die ehrenwerten Klassensieger zu bestimmen. Wir hatten einen Publikumskreis aus mitfiebernden Mitschülern, ein Jury-Bank mit Lehrerinnen, die Germanistik studiert haben und natürlich so talentierte Vortragende, dass sich die Jury-Bank fasst gegenseitig mit ihren roten Kulis bedrohte.

Mit den blühenden Frühlingsbäumen kommt auch der Flohmarkt von jungen Tbiliser Künstlern in den Dedaenis Parki (= Park der Muttersprache) zurück. Nichts ist besser für einen Samstagskater als ihn mit einem trägen Spaziergang zu frischer Luft und sweeten detailverliebten Schnickschnack zu therapieren.  Wenn man sich dann noch eine große Portion Spaghetti Carbonara im Bookcorner-Cafe findet, kann man sich eigentlich auch schon wieder ein bisschen Siesta gönnen.

Habe ich schon erwähnt, dass unsere Wohnung über AirbnB in Saburtalo eigentlich viel zu luxuriös,  riesig und komfortabel für den*ie gemeine*n faule*n FSJler*in ist? Ein schnuckeliger runtergekommener, efeubewucherter Altbau in der Innenstadt wäre so viel passender! Deswegen kompensieren wir unseren loftmäßigen Freiraum, indem wir uns in ein Hostel für Deutsche Freunde mit zu viel Freizeit verwandeln. Zeitweise hatte sich die Belegung unseres trauten Heims sogar verdoppelt. Bei mir war es meine liebste Stadt-Land-Fluss (oder auch andere Kategorien…) Partnerin gegen die Langeweile der gymnasialen Mittelstufe. Gleich an ihrem ersten Tag wurde sie mit in meine Stunde bei der 8. Klasse geschleppt, denen ich mit unserer zerbeulten WG-Gitarre die gute Deutsche Popmusik näher bringen sollte. Man* muss wissen, dass wir gemeinsam an einem musischen Gymnasium waren und zwar mein Wissen über die zweite Umkehrung des Dominantseptakkords und die Tonika subdominante erschöpflich ist, aber wir uns zeitweise als legendäre 10b bekannt gemacht hatten, da wir überall eine Gitarre auftreiben konnten und all zu quälenden Unterricht mit lauten Covern der schönsten Lieblingsliedern sabotierten.

Auf der Suche nach den besten Plätzen wo man den Georgienfrischlingen die georgische Esskultur näher bringen könnte, entdeckten wir Sofia Melnikova’s Fantastic Douqan. Gärtchen im Innenhof, Shop mit avantgardistischen Postkarten- ich glaub diese Obsession entwickelt sichbei mir zu Sucht ähnlichem Verhalten, eine offene Tür zum Kostümfundus eines kleinen Theaters, ich bin glücklich!

 

 

 

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