16 – Granatapfeljolly 2

Was noch in meinem Geburtstagspaket drin war, ein großes Bilderbuch, haltet Euch fest: „Carlas jazzige Weihnachten“.  Eine ganz süße Geschichte, über ein Mädchen, das rein zufällig heißt wie ich und die gesamten deutschen Weihnachtsbräuche aus dem Lehrplan zelebriert. Meine Mama ist einfach die Beste! Mit Frau Shorena mache mit der Ersten, der Zweiten und der Vorschule auf einmal nichts anderes mehr. Wir setzen uns in einen Stuhlkreis, zünden eine von meinen deutschen Kerzen an, ich zeige die Bilder, lese auf Deutsch und Frau Shorena übersetzt. Ich lese vor, dass die Carla aus dem Buch einen Adventskalender hat,  Tornike kichert und zeigt auf unseren an der Wand. Dann zünden sie im Buch die zweite Kerze an und jetzt guckt er mich kritisch an, zeigt auf den Kranz mit den brennenden Kerzen in unserer Mitte und sagt „Das Buch geht über uns?!“

Ich bin total begeistert von der georgischen Tanzlehrerin meiner Schulkinder, ab und zu darf ich auch in ihrem Unterricht hospitieren. Sie schlägt vor mir und meinen Deutschen Freunden das auch bei zu bringen. Wir treffen uns im Viertel um Marjanishvili mit vielen kleinen Theatern und Tanzschulen im Hinterhaus. Fazit: Zu jedem Chatschapuri (z.B. Acharuli, Imeruli,…) gibt es ein Tanzstil-Pendant.

Am 15. Dezember gehen endlich auch die Weihnachtsbeleuchtungen an. Es sind so viele und wirklich überall in der Stadt, ich bin schwer beeindruckt. Das Georgische Weihnachten wird von der georgisch orthodoxen Kirche aber auch vom Kommunismus der Zeiten in der Sowjet Union beeinflusst. Kristes schoba – die Geburt Christus‘ wird am 7. Januar gefeiert. Nach dem alten Kalender, deshalb später als in Deutschland. Genauso feiern sie auch Barbaratag nicht am 4. oder Nikolaus nicht am 6.12. sondern alles 2 Wochen später. Deshalb auch die Weihnachtsbeleuchtung für deutsche Rechnung 2 Wochen zu spät. Übrigens auch die Weihnachtsferien, der 24. 25. und 26. Dezember sind ganz normale Arbeitstage. Die große Party allerdings, mit Baum, Bescherung Weihnachtsmann (=tovles babua, Schneeopa) und Familienessen ist gar nicht an Schoba, sondern zu Silvester, das nach dem weltlichen Kalender am 31.12. gefeiert wird, und hat nichts mit Religion zu tun. Feuerwerk um Mitternacht gibts auch. Am 7.1. wird in aller Stille und nur bei den Religiösen, mit Kirchgang und in kleinerem Familienkreis gefeiert. Zum kirchlichen Neujahr, auch 2 Wochen später am 14.1. wünscht man „Glückwunsch zum alten Neuen Jahr“ und es gibt nochmal ein kleines Feuerwerk.

 

Ich finde eine Packung Grieß im Schrank, die ich im Sommer gekauft habe, im Glauben es wäre Mehl weil ich den Aufdruck nicht richtig entschlüsseln konnte, ich lasse mir von Oma das Rezept für ihre Grießsuppe schicken. Sie gelingt natürlich nur fast ebenso gut aber die Packung macht jetzt immer noch keine Anstalten leer zu werden.

Wir kriegen Besuch von Joe aus Batumi und mit ihr entdecke ich den Laden, AVTANDIL – ein voguefähiger georgischer Designer, wir verbringen den ganzen Nachmittag in den Umkleiden und vor dem Spiegel, es ist the shit.

Noch mehr Shopping im Goodwili (unser Edeka). Ich lade mir den Korb dekadent voll mit Spezialitäten, als Weihnachtsgeschenke für meine Familie. Ein bisschen wie in italienischen Weihnachtsfilmen wenn man die Großfamilie besuchen geht. Lautsprecher spielen „Driving home for Christmas“.

Als nächstes sind meine georgischen Freunde dran, ich backe Dukaten, Plätzchen nach Oma-Rezept und es brennt auch nur das erste Blech an. Die verteile ich in den letzten Tagen vor Weihnachten.

Jeden Morgen wenn ich in die Schule komme probt eine andere Klasse in der Aula für ihre Weihnachtsaufführung und in der Mittagspause sitzen da die dazugehörigen Eltern. Ich staune über die Schauspieltalente und entdecke gewisse Parallelen zu meinen Lesekursen, wenn sie wirklich, wirklich total müde sind oder „ich war’s nicht, ich war’s nicht!!-Momenten“.

Am Weihnachtsbasar zwei Tage vor Weihnachten an der Deutschen Internationalen Schule erscheint mir diese wie eine fremde Insel und gibt einen unerwartet starken Vorgeschmack auf Deutschland. Irgendwie gefällt mir meine kleine georgische Schule mit nur zwei Fluren und der kleinen Schulfamilie ziemlich gut.

Schnee gibt es selten und er bleibt auch nicht liegen. Deswegen planen wir Anfang Januar einen Skiurlaub im Kaukasus. Zu viele Weihnachtselfen verderben die Zimtsterne, oder sie kommen erst gar  nicht aufs Blech, weil sich niemand verantwortlich fühlt, den Zucker einzurühren. Aber mit meinen zwei Mithexen im Lebkuchehaus bekomme ich meine Bakurianifahrt und einen unglaublich schönen Schneemann mit Bananennase. Nach einem zauberhaften „Nussknacker“ des Staatsballett, trällern wir beim Abwasch den Schneeflockenwalzer.

 

 

 

 

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