14 – Ein bisschen Herbtsfeeling, ein bisschen Weihnachtsstimmung

Am Montag begann für uns alle wieder die Arbeit. Bei mir ziemlich lustig, denn:
Vor dem Vorbereitungsseminar hatte ich mich ein bisschen nutzlos und überflüssig gefühlt, weil meine Aufgabe immer noch hauptsächlich hospitieren war, also im Unterricht dabeisitzen, manchmal dem*r Lehrer*in ein bisschen zur Hand gehen, oder aber sich langweilen und sich fragen weshalb man sich das nach dem erfolgreich bestandenen Abitur nochmal antut. Ich wusste aber auch nicht, wie ich jetzt auf Knopfdruck eine coole Projektidee aus dem Hut zaubern sollte, oder welche Schüler ich dafür haben könnte, in was für einem Umfang man* Material kaufen kann, ob ich das Schulgelände verlassen dürfte und was überhaupt gebraucht wird, sinnvoll ist. Es war auch schon mitten im Schuljahr, Testzeit und Lehrer*innen, wie Schüler*innen machten mir eher einen gestressten Eindruck. Im Gespräch mit den Anderen auf dem Seminar, war ich dann schon neidisch auf Erzählungen von vielen kleineren Projekten und festen „Bürozeiten“ mit Leerlauf, um sich solche auszudenken.

Ich kam also voll motiviert und bereit mir mehr Eigenständigkeit zu erkämpfen zurück und wurde im Lehrer*innenzimmer empfangen:
‚Hey, könntest du mit den Kindern Adventskalender machen? Gebraucht würden welche für den Deutschunterricht der Eins A und B, vielleicht auch die Zweite, die Vierte und Fünfte und auf jeden Fall die Achte und Neunte, aber der könntest du auch einfach nur ein Konzept vorlegen, was sie dann selbstständig machen…“
Öhm okay, cool! Carla geht mit offenem Mund zum Vorschulunterricht:
„Hey, lass uns heute das mit den Martinslaternen basteln machen. Wir sollen die Materialien nehmen, die schon in der Schule sind und einfach mal anfangen (weder die Kinder noch die Lehrerin hatten jemals eine echte Laterne gesehen).“ Okay, der Protestwind wurde mir aus den Segeln genommen, als ich damit anfing Tonpapier zu zerschneiden – ohne Schablone und mit einem rosaglitzenden Dinosaurier Lineal mit nur 15cm – und Malaufträge an 15 quitschfidele georgisch sprechende Kinder zu verteilen.
Ich hängte noch die nächste 45min-Stunde dran und traf den Hausmeister in der Eingangshalle, um mit ihm mehrere dünne Stäbe zu Laternenstecken zu zersägen, die zufällig in irgendeiner Ecke des Lehrer*innenzimmers herumlagen. Wir mussten ein ziemlich komisches Bild abgegeben haben, denn in der großen Pause wurden wir sofort von meiner 9. und 11. Klasse umringt die sich köstlich amüsierten, von früheren Laternenumzügen erzählten, Laternenlieder anstimmten, fachkundige Ratschläge hatten und mir tatkräftig beim Sägen halfen oder dem Hausmeister auf georgisch erklären konnten, was genau die komische Deutsche jetzt haben will.

Die Sache mit den Adventskalendern gestaltete sich ähnlich professionell, da die einzige Kunstlehrerin mit Übersicht über die Materialschränke für zehn Tage in Belgien war und ich also erst mal durch die Flure rannte und jede Schranktür öffnete, auf der Suche nach buntem Papier, Glitzer, Kleber, Scheren, Stoffen, Bändern und Weihnachtszeug. Während mein Kopf und Handybrowser nach kreativen Adventskalenderideen, umsetzbar für die verschiedenen Altersstufen suchte. Ich möchte auch kurz anmerken, dass ich im Handarbeitsladen ein Stück Stoff 1,50m x 1,50m von 50lari auf 35lari runter gehandelt hab!

Am Donnerstag musste ich erst mal pausieren, es war nämlich „Sankt Georgstag“ und Arbeits- bzw. Schulfrei. Da dachte sich meine latente Herbsterkältung erst mal ’super! Heute halten wir sie im Bett!‘ .
Freitag war bei uns Brückentag und ich sollte nur mittags für ein paar Stunden in die Schule kommen, zur Preisverleihung des Märchenwettbewerbs. Das Buch war da übrigens schon gedruckt, ich war anscheinend nicht die Einzige mit einer verrückten Arbeitswoche. Es ging mir auch wieder gut genug das Haus zu verlassen und mich mit meiner lieblings- Frühstücksfreundin mal wieder in einem Entrée zu treffen. Diese französische Café kette sprenkelt die ganze Stadt mit gemütlichen kleinen Eckchen in denen man feine Walnuss-Schoko-Schnecken und echten Cappuccino kriegen kann. Ich hatte meinen Laptop, Notizbücher und mein Georgischheft eingepackt, plante die Zeit bis zur Preisverleihung in der Stadt zu bleiben. Ich lies mich also nach unserem gemeinsamen Frühstück vom ziemlich frostigen Novemberwind durch die Straßen treiben, dann mit der U-Bahn bis zum Ausstieg Marjanishvili bringen, ein Platz mit wunderschönen Gebäuden, von denen man* den persischen Einfluss ablesen kann und folgte der Agmashenebeli Avenue, einer Fußgängerzone mit vielen Cafés und kleinen Geschäften.

Es ist das Backpackerviertel, viele junge Leute, ein bisschen Hipster, ein bisschen trendig, für meinen Geschmack aber auch ein bisschen zu gut renoviert und touristisch.  Aber ein paar mal abgebogen, zum Flussufer und der harte, gealterte, ein bisschen schräge Chic war wieder da. Ich fand mir ein gemütliches Plätzchen, bestellte Chai, kam gut zum Arbeiten und fühlte mich ziemlich glücklich, wie ich da mit meinem coolen, neuen Herbstmantel durch meine coole, vorwinterliche Stadt flaniert bin. Als ich abends, auf dem Heimweg aus der Marschrutka gestiegen bin, habe ich die ersten Schneeflocken dieses Jahres gesehen.

 

In der Stadt blieb nichts liegen, aber der Ausflug nach Borjomi, ca 2h westlich von Tbilissi entpuppte sich als Reise mit dem Polarexpress ins Weihnachtsland:

 

Dann war da noch ein Geburtstag letzte Woche, für den ich ein Kunstwerk von Schokotorte während der Rushhour im Bus transportiert habe.

 

Eine weitere Woche Adventskalender basteln:

 

 

 

 

 

 

 

Der arme Hausmeister musste die Kiefer im Pausenhof hochsteigen um Zweige für einen Adventskranz zu beschaffen.

 

Und gespanntes Warten auf mein Adventspaket aus Deutschland!

Vorweihnachtliche Grüße von Eurem Weihnachtswichtel

Carla

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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